04. Januar 2012 / Richard Watzke

Brasiliens Steinschau

Vom 7. bis 10. Februar 2012 lädt die Steinhochburg Vitória zur 32. Internationalen Steinmesse. Nationale Produzenten, aber auch internationale Konzerne präsentieren ihre Kostbarkeiten. Wer neue Exoten sucht, kommt auf seine Kosten, doch auch die blauen Klassiker sind vertreten.

Bundesstaat der Steine

Espírito Santo ist einer der kleinsten Bundesstaaten Brasiliens, aber bei den Steinen ist er der größte. Immerhin flossen 90 Prozent der Investitionen der brasilianischen Natursteinindustrie hierher. 1,5 Millionen Tonnen Rohblöcke und Rohplatten werden exportiert. Die Steine sorgen für 130.000 Arbeitsplätze. Damit liegt Espírito Santo landesweit an der Spitze bei der Verarbeitungskapazität, die Region fasziniert aber auch durch ihre Materialvielfalt von überwiegend gelben, braunen und goldenen Steinen. Einmal im Jahr blickt die internationale Steinszene zur Messe nach Vitória, der Hauptstadt, aus deren Hafen ein Großteil der Blöcke und Rohplatten verschifft wird. Ursprünglich startete die Messe 1989 in Cachoeiro di Itapimirim, rund 150 km von Vitória entfernt. Das heiße Klima machte den Besuch der jährlich im August durchgeführten Messe jedoch so beschwerlich, dass Europäer seit 2003 lieber zum kühleren zweiten Standort in Vitória kommen. Cachoeiro steht für das Rohmaterial, die Blöcke, Vitória aber ist der Laufsteg, wo die neuen Exoten miteinander wetteifern. Verglichen mit Messen wie Verona ist Vitória relativ überschaubar, doch die zahlreichen Niederlassungen internationaler Konzerne sind mit kurzen Autofahrten erreichbar und bieten einen Überblick über die neuesten Trends bei Farben und Texturen. Ebenso sind zahlreiche Verarbeitungswerke rund um das Steinzentrum Cachoeiro in erreichbarer Entfernung.

Importmaterial aus Europa

Trotz all der steinernen Schönheiten im eigenen Land entscheiden sich Brasiliens Architekten und Bauherren gerne für renommierte Steine aus Europa. Die Nase vorn haben hingegen beige und weiße Klassiker aus Spanien und Italien. Crema Marfil und Carrara in allen Varianten sind hoch im Kurs, ebenso eher zurückhaltende Kalksteine wie Biancone und Botticino. Nach wie vor läuft die Wirtschaft auf hohen Touren, Geld für Immobilien ist verfügbar, auch wenn immer astronomischere Summen auf dem Preisschild stehen. Bis vor Kurzem hat das die Bauindus­trie nicht beeinträchtigt, doch allmählich nehmen die warnenden Stimmen zu, die vor einer Überhitzung und Blase sprechen. Damit wäre Brasilien trotz des vom ehemaligen Präsidenten Lula initiierten Wirtschaftswunders eines von vielen Ländern, das auch auf dem Heimmarkt in der Realität der globalen Krise angekommen ist. Dem Farbenreichtum der Steine jedoch tut das keinen Abbruch. Bom Dia, Vitória, herzlich willkommen im Steinparadies.

www.vitoriastonefair.com.br

 
 
 
 
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