Der bröckelnde Berliner



Der Berliner Dom hat massive Fassadenschäden. Denkmalpflegerin Damaris Gorrissen erklärt die mit rund 1,6 Millionen Euro angesetzten Sanierungsmaßnahmen.

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Nur aus der Ferne makellos: Der Dom braucht endlich eine Fassadensanierung. Der Palast der Republik im Hintergrund steht heute nicht mehr, die Großkirche soll aber noch lange erhalten bleiben und bald wieder ihre alte Pracht verströmen. Foto: Katharina Dorn/Berliner Dom

Berlin tut dem Berliner Dom nicht gut – fassadentechnisch gesehen. Saurer Regen, Feinstaub und Co schädigen die Substanz des preußisch-wilhelminischen Zeitzeugen. In welchem Ausmaß, hat die Gemeinde 2018 erkannt: Bei der Restaurierung des Glockenturms kamen Steinmetze und Restauratoren den oberen Etagen näher als sonst. Vom Gerüst aus sahen sie: Risse, undichte Fugen, abbröckelnde Gesteinsteile in Fassade, Schmuckelementen und Figuren. „Und das in ungeahntem Umfang“, so die Domgemeinde.

Die Gebäudehülle sei akut gefährdet, ein normaler Regenwasserablauf in weiten Teilen nicht mehr möglich. Hauptgrund für die Schäden sind Umwelteinflüsse: Ruß, Gummiabrieb und Staub sowie Bewuchs setzen dem Naturstein zu. Im Zweiten Weltkrieg wurde der 1905 fertiggestellte Dom schwer von einer Bombe getroffen. Die Kuppel stürzte ein und ins Innere. Der Wiederaufbau startete 1975.



Berliner Dom braucht neue Fugen

Im Denkmalpflegeplan des Büros Hübner und Oehmig ist genau aufgeschlüsselt, welche Sandsteinarten der evangelische Kirchenbau versammelt. Dort heißt es:
„Die Fassaden oberhalb des Sockels wurden aus massiven, reich profilierten Sandsteinquadern und 13 – 25 Zentimeter starken und teilweise noch stärkeren Verblendsteinen aus schlesischem Sandstein erbaut.

Flächige Fassadenbereiche, Fenstergewände, Kapitelle und Skulpturen bestehen aus gelblich-grauem Warthauer Sandstein mit geschliffener, scharrierter oder bildkünstlerisch bearbeiteter Oberfläche.

Die aus der Fassade hervortretende Architekturteile wie Säulen und Pilaster wurden aus hellgrauem Friedersdorfer Sandstein, meist geschliffen oder scharriert, hergestellt.

Einzelne ausgewählte Architekturgliederungen und das Mauerwerk am Tambour der Hauptkuppel bestehen aus rötlichem Wünschelburger Sandstein.“

Baudenkmalpflegerin Damaris Gorrissen beschreibt, wie Schäden vorgesorgt werden soll: „Äußere Einflüsse lassen sich nicht grundlegend verhindern. Schäden durch das Baumaterial allerdings schon. So soll eine Bleiverfugung an den Anschlussbereichen Naturstein zu Kupferblech für eine bessere Haltbarkeit der Fuge sorgen und das Eindringen von Feuchtigkeit und Wasser verhindern.“

Adieu, Hydrophobierung

Anstelle des damals verwendeten Zementmörtels kommt bei den Fugen ein mineralischer Mörtel zum Einsatz. Er verträgt sich besser mit dem Naturstein. Nicht zu vergessen die im Zuge des Wiederaufbaus aufgebrachte Hydrophobierung: „Sie wird nicht mehr angewendet. Die Fassade wird so diffusionsoffener. Dadurch kann sie eindringende Feuchtigkeit besser und gleichmäßiger abgeben“, sagt Gorrissen.

Die Sanierung beginnt dem Plan nach 2020. Die Kosten schätzen die Verantwortlichen auf 1,6 Millionen Euro, aufgeteilt auf eine Projektzeit von vier Jahren. Das dazugehörige Projekt wird öffentlich ausgeschrieben. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Domgemeinde bei der Finanzierung mit Fördergeldern und einer bundesweiten Spendenkampagne, die am 26. März startet.