Fliesen und Platten – Der Stein im September 2024

Stein Magazin
Die m+r Manufaktur GmbH aus Saarbrücken produziert Architekturkeramik für Innen und Außen in Steinzeug-Qualität sowie Kacheln aus Westerwälder Tonen. Die Rohstoffe für ihre verschiedenen Massen bezieht sie im Umkreis von 100 Kilometern, aus dem Kannenbäckerland – spezielle Glasuren und Edelmetalle von Experten auf der ganzen Welt. Wann immer es möglich ist, werden Zulieferer in der Region beauftragt. Zuletzt hat die Manufaktur rund 6.000 Fliesen für die Göttinger Stadthalle recycelt und 3.000 neue dreidimensionale geliefert. Credit: m+r Manufaktur GmbH

In Ausgabe 9/24 beschäftigen wir uns mit den neuesten Trends aus dem Bereich Fliesen und Platten. Dazu stellen wir auch eine End-of-Trip-Anlage in Melbourne vor, in der Radfahrer nicht nur ihre Drahtesel abstellen sondern auch duschen können. Ausgestattet ist die Anlage mit italienischen Keramikfliesen. Aber auch hierzulande gibt es tolle Projekte, wie die Stadthalle in Göttingen, bei deren Sanierung über 6.000 alte Fliesen recycelt und an der Fassade wieder eingebaut wurden. Wir stellen auch das Unternehmen vor, das sich auf die Herstellung und das Wiederaufarbeiten von Kacheln spezialisiert hat.

Können Fliesen und Platten eigenständige Steingeschichten erzählen? Mit dieser Frage hat sich unsere Autorin Anne Fischer in dieser Ausgabe intensiv beschäftigt. Dabei ist sie auch auf einen überraschenden Trend gestoßen: In den Metropolen dieser Welt entstehen immer öfter sogenannte End-of-Trip-Anlagen, in denen sich Radfahrer duschen und ihre Fahrräder abstellen können. So fällt dem einen oder anderen Verkehrsteilnehmer der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad künftig noch leichter. Die Duschen und Umkleideräume sind – na klar – meist gefliest. Wie eine derartige Anlage im australischen Melbourne aussieht, erfahren Sie ab Seite 22.

Anlage in Australien

Nachhaltigkeit hat viele Gesichter. Das zeigt auch die Geschichte der Sanierung der Stadthalle in Göttingen. Dabei kamen mehr als 6.000 Fliesen der alten Fassade wieder zum Einsatz. Sie wurden von Smogrückständen, Silikonen, Kleber und teilweise auch Graffiti gereinigt und für die erneute Anbringung am Gebäude vorbereitet. Das Unternehmen, das diese Arbeiten ausgeführt hat, sitzt im Westerwald und versteht sich als Experte für dreidimensionale Architekturkeramik. So wurden neben der Aufarbeitung der Bestandskacheln auch passende neue Keramikfliesen angefertigt. Mit dieser Kombination auch alt und neu lassen sich auch in Zukunft jede Menge Ressourcen schonen. Lesen Sie mehr dazu ab Seite 18.

3D Architekturkeramik

Mit welchen Maschinen spröde Keramik, harzhaltige Quarz-Komposit-Platten oder brüchiger Naturstein am besten bearbeitet werden, hat unser Maschinen-Experte Michael Spohr für Sie in Erfahrung gebracht. Wie immer, hat er sich dazu auf den Weg zu verschiedenen Steinmetzbetrieben gemacht. Wen genau er für diese Ausgabe besucht hat, lesen Sie ab Seite 30. Neben Nachhaltigkeit beherrscht derzeit ein weiteres Trendthema die aktuelle Diskussion: Künstliche Intelligenz (KI). Wo im Handwerk bereits mit KI gearbeitet wird und welchen Nutzen sie bringen kann, hat unsere Autorin Annette Mühlberger für Sie herausgefunden. Ab Seite 46 erfahren Sie mehr.

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Kurzfristig noch bewerben: 14. Internationale Bildhauerwerkstatt soll auch 2020 stattfinden

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Nach menschlichem Ermessen tun sie alles, so versichern die Veranstalter der Internationalen Bildhauerwerkstatt (BHW) im Steinbruch “Am Krabatstein”, damit die Veranstaltung auch im Coronajahr vom 24. August bis 06. September stattfinden kann. Zudem erinnert man ganz aktuell daran, dass Bewerbungen um eine Teilnahme schon bis kommenden Sonntag, den 31. Mai 2020 eingegangen sein müssen.

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Bei der Internationalen Bildhauerwerkstatt 2019 in Nebelschütz schuf Herrmann Geschaider aus Bulgarien diesen prächtigen Fächer aus „Miltitzer Granit“. Foto: steinleicht e. V.
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Rückblick auf die mythische Gestalt, die nicht zurückblicken durfte: Diese Orpheus-Büste schuf Volodomir Kochmar aus der Ukraine ebenfalls aus „Miltitzer Granit“ anno 2018. Foto: steinleicht e. V.
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Arbeit in Eiche: Die 2018er Skulptur „Wolfsfrau“ der Künstlerin Katharina Günther aus Halle/Saale. Foto: steinleicht e. V.
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Der „Ferro-Man“ und sein Vater: Petr Gerych aus Tschechien mit seinem metallenen Kunstwerk von der Internationalen Bildhauerwerkstatt zu Nebelschütz im Jahr 2019. Foto: steinleicht e. V.

Die Internationale Bildhauerwerkstatt im Steinbruch “Am Krabatstein” bei Miltitz ist seit 2006 fester Bestandteil des kulturellen Lebens in der Gemeinde Nebelschütz in der Oberlausitz und zieht regionale, nationale sowie internationale Künstlerinnen und Künstler an. In diesem Jahr soll das zweiwöchige Symposium am 24. August beginnen und am 6. September mit einer Finissage abgeschlossen werden.

Bei den vergangenen 13 Ausgaben entstanden Skulpturen aus Hartgestein, Sandstein, Holz aber auch Metall. Im Zentrum des zweiwöchigen Symposiums stehen zum einen der am Standort natürlich vorkommende “Miltitzer Granit” (petrografisch ein Granodiorit), aber auch Holz und Metall bzw. Kombinationen aus den drei Materialien sowie Licht und Klanginstallationen. Künstler und Künstlerinnen können sich noch bis zum 31. Mai 2020 mit einer aussagekräftigen Ideenskizze um die Teilnahme zu bewerben. Das zweiwöchige Symposium beginnt am 24. August 2020 und endet am 6. September 2020 mit einer Finissage. Die Werkstoffe “Miltitzer Granit” (max. H=1.200 mm x B=1.200mm x T=600 mm, Metall (keine Beschränkungen) und Holz max. H = 2.000 mm) werden zur Verfügung gestellt, die Werkzeuge sind selbst mitzubringen. Auf Anfrage – und falls vorhanden – können bestimmte Werkzeuge vom Veranstalter geliehen werden. Bildhauer, die mit dem örtlichen Hartgestein arbeiten, erhalten je eine hochwertige große und kleine Trennscheibe gestellt.

Die Künstler und Künstlerinnen erhalten 1.000 Euro Honorar, darin sind Reisekosten enthalten. Alle im Rahmen der Bildhauerwerkstatt entstandenen Skulpturen sind Eigentum des Veranstalters, bei Verkauf erhält der Künstler 40 Prozent des Verkaufserlöses, die übrigen 60 Prozent werden für die Vorbereitung und Durchführung der kommenden Bildhauersymposien verwendet. Das Symposium und die entstandenen Kunstobjekte werden dokumentiert. Details zu Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Gelände des Steinbruchs und den Anforderungen an die Bewerbungen entnehmen Sie diesem PDF der Veranstalter: http://www.stein-magazin.de/wp-content/uploads/sites/4/2020/05/Ausschreibung-BHW.dt_.pdf

Wichtig: Die vollständigen Bewerbungen müssen noch bis zum 31. Mai 2020 eintreffen, entweder via E-Mail an mail@steinleicht.de oder postalisch an
Veranstalter & Projektmanagement der 14. Bildhauerwerkstatt 2020
Steinleicht e.V., Hauptstraße 9, 01920 Nebelschütz

Zur Homepage des veranstaltenden Vereins: https://steinleicht.de

Steinschnuppern in München

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Das städtische Berufsschulzentrum Thomas Wimmer für das Bau- und Kunsthandwerk an der Luisenstraße in München öffnete am 20. Juli 2017 seine Steinmetz- und Holzbildhauerwerkstätten für die Öffentlichkeit, wobei explizit Klassen allgemeinbildender Schulen angesprochen wurden. Die Möglichkeit zum Blick hinter die Kulissen der präsentierten Berufe erfreute sich regen Interesses.

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Station Steinbearbeitung: Die Bildhauerin Dana Knop zeigt externen Schülerinnen und Schülern das Schrifthauen. (Foto: Michael Senn)
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Hartmut Hintner, Gestaltungslehrer für Steinmetze und Steinbildhauer, erläuterte einer Schulklasse Exponate der diesjährigen Sommerausstellung der Münchner Schulen an der Luisenstraße. (Foto: Michael Senn)
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Auf den Gängen des ersten Stockwerks durften sich Interessierte in Kalligraphie versuchen. (Foto: Michael Senn)

Hartmut Hintner, Gestaltungslehrer der Steinmetze und Steinbildhauer, stand inmitten seines Publikums und erläuterte die Beiträge der diesjährigen Sommerausstellung. Eine Führung, um etwaige künftige Schüler über das Ausbildungsangebot im Schulkomplex an der Luisenstraße für Holzbildhauer, Goldschmiede, Steinmetze und Steinbildhauer zu informieren. Nach dem allgemeinen Teil wurden die Klassen aufgeteilt und durften in kleineren Gruppen in insgesamt fünf Werkbereichen ihre Fähigkeiten ausprobieren. Neben den etablierten Stationen Steinbearbeitung und Holzschnitzen gab es diesmal auch Kalligraphie, das Schriftzeichnen, sowie eine Druckwerkstatt und die Möglichkeit, das Ziselieren von Bronze zu entdecken. Hartmut Hintner: “Unsere Schüler zeigen Interessierten, wie wir hier arbeiten. Außerdem können die Besucher selbst ausprobieren, wie man Stein bearbeitet oder Holz schnitzt. Uns geht es darum, Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen und unseren Bekanntheitsgrad zu erhöhen.” Deshalb hat Schulleiter Hans Seger Gymnasien, Real- und Mittelschulen in München und Umgebung angeschrieben und deren Abschlussklassen sowie Flüchtlingsklassen zum Tag der offenen Werkstatt eingeladen. Das Konzept gefiel, viele Zusagen trafen ein. Hintner freute sich: “Außerdem kamen viele Jugendliche der umliegenden Schulen vorbei und natürlich auch unsere Ehemaligen.”

In der erstmals eingerichteten Druckwerkstatt hatte sich Barbara Quintus mit ihren Kolleginnen und Kollegen ein Programm überlegt, das auch Ungeübte bewältigen konnten. “Hier sollen schöne Ergebnisse mit wenig Aufwand erzielt werden”, erklärte sie. Das gelang z. B., indem ein mit Farbe getränkter Faden zwischen zwei Blättern herausgezogen wurde, die mittels einer Druckplatte zusammengepresst waren. Der Zuspruch bestätigte den Ansatz von Quintus – die Druckwerkstatt kam super an.

An der Station Steinbearbeitung konnten Schriften gehauen und verschiedene Handwerkszeuge an einem Muschelkalkblock ausprobiert werden. Hier zeigten sich die Besucher der offenen Werkstatt jedoch etwas passiver: Die Ehrfurcht vor dem Material schien hoch. Viele sahen lieber Bildhauerin Dana Knop zu, wie sie Hieb für Hieb Buchstaben in die Jurakalksteinplatte gravierte, während die für Steinbearbeitung typischen Hammerschläge erschallten.