Im Gang der Geschichte – Der Stein im Februar 2025

Stein Magazin
Die Kolonnaden auf der Museumsinsel zu Berlin haben so einiges erlebt seit ihrer Errichtung um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre Säulen trugen zuletzt so viele Spuren und ihre Substanz war so angegriffen, dass es eines Masterplans bedurfte, um sie wieder zu dem einzigartigen Ensemble zusammenzufügen, als das Friedrich August Stüler sie entworfen hatte. Anstatt Teile auszuwechseln, wurden zuletzt stark geschädigte Bauteile demontiert, möglichst werkstoffgetreu erneuert und später wieder eingefügt – stets in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt. © SPK Florian Gärtner

STEIN präsentiert in der Restaurierungsausgabe die Kolonnaden in Berlin, wo der letzte Abschnitt zur Wiederherstellung des Originalzustandes abgeschlossen wurde. Quasi ums Eck in Postdam werfen wir einen Blick auf den Campanile, dessen Turm vollständig saniert wurde. Ein weiteres restauratorisches Projekt führt nach Halberstadt, wo die Nordfassade des Doms saniert werden muss. Eine Musterachse soll dabei wegweisend für die gesamten Arbeiten sein. Wegweisend ist auch eine digitale Innenraum-Rekonstruktion des Kölner Doms, die einen neuen Blick auf das gotische Meisterwerk in seiner Originalversion erlaubt.

Restauratorische Expertise ist wichtig, um unser Kulturgut auch in Zukunft für die Nachwelt zu bewahren. Das gilt nicht nur für Restauratoren und Restauratorinnen, sondern auch für das Gewerk des Steinmetzen. Wir haben uns für Sie umgesehen und für diese Schwerpunktausgabe Projekte ausgewählt, bei denen die Instandsetzung von Naturstein eine wichtige Rolle gespielt hat.

Naturstein im Fokus

Ab Seite 6 führt Sie unsere Autorin Dr. Inge Pett durch die Kolonnaden auf der Museumsinsel in Berlin. Hier wurde der letzte Bauabschnitt zur Wiederherstellung des originalen Zustandes abgeschlossen. Die Kolonnaden aus dem 19. Jahrhundert sind prägender Bestandteil der UNESCO-Welterbestätte Museumsinsel Berlin. Im Rahmen des Masterplans Museumsinsel werden sie, wie auch die anderen Freiflächen, wieder hergerichtet. Zuvor war der Großteil der Säulengänge entlang der Spree, der Bodestraße und des Neuen Museums sowie der Kolonnadenhof bereits bis 2010 aufbereitet worden.

In der weiteren Nachbarschaft, in Potsdam, zeigt sich der Campanile wieder in altem Glanz. Dank einer Spendenaktion konnte der Turm der Friedenskirche, die auf das Jahr 1850 zurückgeht, wieder vollständig saniert werden. Lesen Sie mehr über das ehrgeizige Bauvorhaben ab Seite 14.

Ehrgeizige Sanierung

Ein weiteres restauratorisches Projekt führt uns nach Halberstadt. Dort hat die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt die Sanierung der Nordfassade des Doms veranlasst und hierfür einen Strebepfeiler eingerüstet. Im ersten Bauabschnitt wurde dort eine Musterachse für die zukünftigen Arbeiten an der Fassade erstellt. Der Strebepfeiler wurde systematisch von unten nach oben bis auf Höhe der Dachtraufe des Seitenschiffs untersucht, dokumentiert und bearbeitet. Mehr dazu erfahren Sie ab Seite 46.

Sanierung in Sachsen-Anhalt

Wegweisend ist auch eine digitale Innenraum-Rekonstruktion des Kölner Doms, den die Bauhistorikerin Dr. Dorothea Hochkirchen und der Architekturstudenten Konstantin Kruse erstellt haben. Dabei kam heraus, dass das gotische Meisterwerk früher deutlich spektakulärer aussah, als bisher angenommen.

Viel Spaß bei der Lektüre von STEIN wünscht Ihnen

Ihre Steinredaktion Redaktion@stein-magazin.de

Das Heft ist hier erhältlich!

In unserer letzten Ausgabe 01/25 beschäftigen wir uns mit Kunst in Form. Lesen Sie hier mehr dazu.

Altes Gewand

Restauratorische Expertise ist wichtig, um unser Kulturgut auch in Zukunft für die Nachwelt zu bewahren. Das gilt nicht nur für Restauratoren und Restauratorinnen, sondern auch für das Gewerk des Steinmetzen. Wir haben uns für Sie umgesehen und für diese Schwerpunktausgabe Projekte ausgewählt, bei denen die Instandsetzung von Naturstein eine wichtige Rolle gespielt hat. […]

Könnte dich auch interessieren

Skulptur des Monats: Zylon

Stein Magazin

Die Scuola di Scultura

„Unerwartet rollte 1991 aus einem kleinen Inserat im Tagesanzeiger das große Wort STEIN auf mich zu. Das war der Beginn einer Freundschaft mit dem Tessin, mit den Menschen in Peccia, mit dem Cristallina-Marmor und dem Spitzeisen“, schildert die Bildhauerin Ursula Rutishauser ihre Anfänge mit der Bildhauerei. Das Werk „Zylon“ – unsere Skulptur des Monats Mai – ist Teil ihrer Ausstellung im Infocentro der Scuola di Scultura im Innenhof des Museo di Valmaggia, die noch bis 16. August 2017 besucht werden kann.

Die Bildhauerschule Scuola di Scultura von Peccia ist eine Bildhauerschule in der Schweiz, in der – egal ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Profis – die Kreativität und das künstlerische Schaffen entfaltet werden kann. Neben Bildhauerkursen mit Marmor, Holz und Metall werden auch Modellier- und Zeichenkurse sowie kunstgeschichtliche Seminare von verschiedenen Künstlern angeboten.
„Die Infrastruktur der Scuola di Scultura in Peccia bietet alles, was das Bildhauerherz begehrt. Alles passt wunderbar zusammen: der Steinbruch, das Marmorwerk und die Bildhauerschule. Eine richtige Symbiose, ein Ort der Energie, der Kraft und Besinnung“, stellt Rutishauser fest. 2014 feierte die Scuola bereits ihr 30-jähriges Jubiläum. Seit ihrer Gründung 1984 hat sie sich zum Treffpunkt und zum Mittelpunkt in Sachen Bildhauerei entwickelt.

Die Skulptur Zylon

Die gebürtige Schweizerin Ursula Rutishauser ist seit 1991 freischaffende Bildhauerin an der Scuola di Scultura di Peccia im Maggiatal.  Nach zahlreichen Gruppenausstellungen im Tessin, Weesen und Männedorf sowie Auftragsarbeiten und einer Einzelausstellung in Peccia zum 20. Jahresjubiläum der Bildhauerschule folgt nun eine weitere Ausstellung mit allen Werken aus Cristallina-Marmor, die die Künstlerin während ihrer 26 Jahre in der Scuola di Scultura geschaffen hat.

Für Rutishauser war die Scuola di Scultura der wichtigste Ferienort. „Fast ohne Ausnahme reiste ich jedes Jahr mindestens zweimal ins Maggiatal, um mich der Steinbearbeitung zu widmen“, erklärt sie. „Geprägt von meinem Beruf als Dekorationsgestalterin arbeitete ich anfänglich sehr ziel- und produktorientiert. Mit einem Konzept und einer fixen Vorstellung im Kopf entstanden meine Formen und Skulpturen.“
Aus dieser Zeit stammt auch ihre Skulptur „Zylon“. Abgeleitet von dem Wort Zyklon, das für Ursula Rutishauser jedoch zu hart klingt, sodass sie sich dazu entschieden hat, den Buchstaben K wegzulassen. „Es ging mir bei der Namensgebung vor allem um die kraftvolle Dynamik, das Abheben himmelwärts und den Ausdruck von Energie”, erklärt die Künstlerin. Der Zylon ist ein 170 Zentimeter hohes Werk aus Marmor mit Eisenkonstruktion, das auch Teil der Kunstausstellung ist. Die Arbeit erforderte viel Disziplin und Genauigkeit. „In Folge waren es drei Werke, bei denen ich die Standfläche des Steins auflöste und in Verbindung mit einem Träger aus Eisen Leichtigkeit, Beweglichkeit und Dynamik suchte. Mich faszinierte das Zusammenspiel der beiden schweren Materialien“, sagt Rutishauser.

Faszination Marmor und klare Formen

Die Künstlerin ist seit Langem von der Marmorwelt beeindruckt: Bei Sonnenlicht glitzern die Kristalle, bei Nässe kommen Farbe und Struktur des Materials besonders zur Geltung. Die Bildhauerin hat sich von Beginn an reduzierten Formen orientiert. „Ich liebe das Einfache, Schlichte, Klare und fühle mich mit Grundformen wie Rechteck, Quadrat und Kreis im Einklang“, erklärt sie. Ihre Arbeiten werden zudem von der Formenvielfalt der Natur beeinflusst. Im Laufe der Zeit hat sich jedoch ihr Umgang mit dem Stein verändert: In ihren Arbeiten legt Rutishauser zunehmend Wert darauf, dem schweren Material mehr Leichtigkeit zu geben.

Erfahren Sie mehr über die Bildhauerin Ursula Rutishauser und ihre Werke.

Hier sehen Sie die Skulpturen der letzten Monate:

Skulptur des Monats April - Tim Bennett
April 2017: Die Triologie von Tim Bennett „Rose“, „Bouquet“ und „Marble“(Foto: Constanza Meléndez, 2016 / Galerie Jo van de Loo, München)
Skulptur-des-monats-märz-Das-Haus-vom-Nikolaus-Schmidt
März 2017: Die Skulptur fertigte Robert Schmidt-Matt aus rotem Schweinstäler Sandstein. (Foto: Thomas Brenner)
Skulptur-des-monats-februar-dancing-column-tony-cragg
Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)
skulptur-des-monats-januar-oloid-sabine-rassow
Januar 2017: Das Oloid aus kretischem Marmor von Sabine Rassow. (Foto: Piet Freitag)
skulptur-des-monats-dezember-mops-steve-seguin
Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)
skulptur_des-monats-november-homme-alberto-giacometti
November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)
skulptur-des-monats-oktober_eisbaer_peter_hecht
Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)
skulptur-des-monats-September-traumsaat-emanuel-wagner
September 2016: Die Skulptur „Traumsaat“ aus grünlichem Diabas von Emanuel Wagner. (Foto: Steinmetz Hans Wagner KG)
Skulptur-des-Monats-August - in motion
August 2016: Die Schwingungen der Skulptur „Steinskúfa“ von Karin Reichmuth versetzen sie in Bewegung. (Foto: Þröstur Eggertsson)
skulptur-des-monats-juli
Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)
Skulptur_des_Monats_
Juni 2016: „Hände“ aus Carrara Marmor von Sabine Harborth . (Foto: Künstlerin)
skulptur_des_monats_frau_widmann
Mai 2016: „Die Träumende“ von Florian Widmann aus Untersberger. (Foto: Birgit Rilk)
Skulptur_des_Monats_Der-goldene-Schlüssel_3_web
April 2016: „Der goldene Schlüssel“ von Ralf Ehmann in Hanau. (Foto: Künstler)
skulptur_des_monats_kalkstein_stele
März 2016: Die Skulptur „Letzter Herzschlag“ aus Portokalk von Julia Dietrich auf dem Friedhof in Lauterhofen. (Foto: Künstlerin)
skulptur des monats_platonische_koerper
Februar 2016: „Wa(a)gnis Geometrie“, Figurenensemble aus Anröchter Grünkalkstein, von Ina Michalski. (Foto: Künstlerin)
skulptur_des_monats_sternenhimmel
Januar 2016: „Sternenhimmel“, eine hängende Skulptur aus Carrara Marmor und Blattgold, von Riccardo Atta. (Foto: Künstler)

Weiterbildung “Gesteine erkennen und verstehen” in Wunsiedel


Stein Magazin

Das Steinzentrum bietet im Dezember 2019 und Januar 2020 den Kurs an, bei dem die Teilnehmer Gesteine identifizieren, einordnen und für die Verwendung analysieren.

Über 6000 Musterplatten und 1500 Mineralstufen aus über 100 Ländern umfasst das Deutsche Natursteinarchiv des Europäischen Fortbildungszentrums für das Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk in Wunsiedel. Es ist damit die größte Sammlung dieser Art weltweit. Die Teilnehmer besichtigen und nutzen das Archiv beim zweitägigen Kurs Gesteine erkennen und verstehen.

Nach jedem Theorieblock geht es in die Sammlungen, um das Gehörte anhand visuell zu verdeutlichen. Die Teilnehmer lernen den Aufbau von Mineralen und Gesteinen, ihre Systematik und Eigenschaften und Eigenheiten. Sie mikroskopieren und unternehmen ein Abstecher in das hauseigene Prüflabor. Nach zwei Tagen können sie Gesteinsarten identifizieren, einordnen und für die Verwendung analysieren. Klaus Heinl, staatlich geprüfter Steintechniker, Meister und Restaurator im Steinmetzhandwerk, leitet die Weiterbildung.

Kurs “Gesteine erkennen und verstehen”
12. bis 13. Dezember 2019 // 30. Januar bis 31. Januar 2020
Europäisches Fortbildungszentrum Wunsiedel
180 Euro Kursgebühr
Anmeldeformuar Dezember // Anmeldeformuar Januar
www.efbz.de