Skulpturen des Monats: Sessel von Igor Mitoraj



In einem Wellnesshotel im Harz finden sich im Garten zwei außergewöhnliche Sitzmöbel des polnischen Bildhauers aus feinstem Carrara-Marmor.

Das Sessel-Paar, je 66 Zentimeter hoch mit stilisierten Gesichtern, schuf Igor Mitoraj um 1979. Ihren Weg in den Harz fanden sie, weil der Hotelbesitzer ein Faible für Kunst und damit auch für Kunstauktionen pflegt. Er ersteigerte sie für das Naturresort Schindelbruch.

Mitoraj wurde 1944 in Oederan geboren und besuchte in Krakau die Akademie der Bildenden Künste. Später setzte er sein Kunststudium in Paris fort. Zunächst arbeitete er als Maler und Grafiker. Erst bei einem Arbeitsaufenthalt in Südamerika entdeckte er die Bildhauerei für sich. In den 1970er Jahren reiste er nach Carrara und Pietrasanta in die Toskana. Seine Liebe zu weißem Marmor wuchs und gedieh dort, sein Gesamtwerk umfasst rund 120 Skulpturen. Die meisten von ihnen sind torsohafte und fragmentarisch gestaltete Skulpturen menschlicher Körper.



Das Haupt-Thema von Igor Mitoraj: der menschliche Körper und seine Schönheit

Dieses Motiv findet sich auch in den Sesseln, die ein gelungener Dialog aus dekorativem Objekt und praktischem Sitzmöbel sind. Ihre Rückenlehnen bestehen jeweils aus einem sauber heraus gearbeiteten fragmentarischen Gesicht. Allerdings zeigen sie ausschließlich die Mund- und Nasenpartie, Augen und Stirn fehlen. Umso präsenter hat der Bildhauer die sinnliche Nasen- und Mundpartie herausgearbeitet. Dabei verliert sich Mitoraj nicht in Details: Er nutzt die Dynamik der geschwungenen Kontur und das Spiel aus Licht und Schatten, um die glatte Marmor-Oberfläche lebendig wirken zu lassen.

Mitoraj war bestrebt, dem Betrachter die Schönheit und Zerbrechlichkeit des menschlichen Körpers aufzuzeigen. Während seines Studiums in Paris zeigte der Louvre eine umfangreiche Sammlung antiker Skulpturen – gut möglich, dass er dort große Inspiration gefunden hat. Seine Sessel, die heute auf einer Teichplattform des Hotelgartens ihren Platz gefunden haben, wirken beinahe wie zwei Throne. Ob sie eine Auftragsarbeit waren, lässt sich leider aus den Auktionsunterlagen nicht herausfinden. Sicher ist, dass Mitorajs restliche Skulpturen keine Nutzgegenstände sind. Sie finden sich heute in Paris, Rom, Mailand, London, Krakau, in den USA, in Japan – und eben im Harz.