„Steine Berns“ stellt Baugeschichte vor und führt durch die Stadt



Toni Labhart und Konrad Zehnder haben jahrzehntelang recherchiert und präsentieren ihr Wissen im Bildband und Exkursionsführer „Steine Berns“.

Wohl dem, der eine Passion hat, denn er hat immer etwas zu erzählen. Toni Labhart, früherer Dozent für Gesteinskunde, und Konrad Zehnder, Mitarbeiter an der Schweizerischen Geotechnischen Kommission, teilen die Leidenschaft für die Stein-Architektur Berns. Und sie erzählen gemeinsam davon, im kürzlich erschienenen Buch Steine Berns. Nicht zuletzt, um die steinerne Vielfalt der Stadt zu zeigen, die längst nicht nur aus Sandstein besteht.

„Eine geologische Entdeckungsreise durch die gebaute Stadt“ kündigt das Cover an, und dieser Reise kann sich der Leser von zwei Seiten aus nähern: Band 1 ist ein reich illustriertes Buch zur Baugeschichte und Gesteinskunde Berns. Er erläutert die Gesteinswahl von insgesamt 113 Bauten – Kirchen, Brunnen, Brücken und Co –, ihre Herkunft und Anwendung. Band 2 ist quasi die „Umsetzung“ in der Praxis: ein Exkursionsführer durch die Stadt, mit acht ausgearbeiteten Touren. Sie führen zum Beispiel durch Berns Südseite, betrachten die Hauptachse der Stadt und stellen besuchenswerte Bauten und Steinbrüche in der Umgebung vor. Wer will, kann sich mit dem Führer allerdings auch Themen-Touren selbst zusammenstellen, zum Beispiel nur die Brunnen besichtigen, oder alle Bauten aus Kalktuff.

Berns Architektur zwischen Sandstein, Kalktuff und Granit

Labhart und Zehnder zeigen, wie Naturstein die Entwicklung der Stadt spiegelt. Denn nach einem großen Stadtbrand 1405 wurde von den Stadtobersten angeordnet, Bern aus Stein wiederaufzubauen. Namentlich Sandstein, der in der Region in verschiedenen Variationen, etwa als Granitischer Sandstein, Plattensandstein und Freiburger Sandstein vorkommt. Zunächst wurde er in Stadtnähe abgebaut, später folgte die Erschließung von Steinbrüchen am Gurten, in Ostermundigen und östlich Berns. Außerdem Muschelkalkstein, Kalktuff und Granit. Sie kommen zum Beispiel als Gebäudesockel zum Einsatz, für die der Berner Sandstein zu feuchtigkeitsanfällig ist.

Ab dem Zeitalter der Eisenbahn prägt auch Material aus weiter entfernten Regionen das Stadtbild. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von poliertem, schwarzen Kalkstein an einem der drei Hauptportale der Heiliggeistkirche. Die „Sandsteinstadt“ Bern ist vielfältiger als oft angenommen, auch das wollen die Autoren zeigen. Nach ihren Angaben finden sich in Berns Architektur über 70 Gesteinsarten, was die Stadt zur „steinreichsten“ der Schweiz macht.

Labhart und Zehnder verknüpfen in ihrem Werk spannend und verständlich erklärt geologische Fakten sowie Kultur- und Baugeschichte mit geführten Stadtspaziergängen. Der Doppelband ist im Hauptverlag mit 200 und 180 Seiten erschienen und kostet 68 Euro.