Ralf Kilian/ Fraunhofer IBP

Wie lässt sich das Weltkulturerbe Pompeji dauerhaft vor dem Zerfall bewahren? Dieser Frage werden Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM), der Fraunhofer Gesellschaft und des ICCROM mit dem »Pompeii Sustainable Preservation Project« in den nächsten zehn Jahren nachgehen.

Der Ausbruch des Vulkans Vesuv im Jahr 79 nach Christus hat Pompeji unter Gestein- und Lavamassen begraben und für Jahrhunderte konserviert. Größere Ausgrabungen begannen erst im 18. Jahrhundert und legten die antike Stadt wieder Stück für Stück frei. Jede Ausgrabung bringt neue Erkenntnisse und wird von Forschung und Öffentlichkeit viel beachtet. Die Konservierung der Ausgrabung und die langfristige Erhaltung dieser einzigartigen Stätte für die Nachwelt werden im Gegensatz dazu stiefmütterlich behandelt. Viele Funde wurden in Museen gebracht, jedoch insbesondere die freigelegten Gemäuer und deren umfangreiche Verzierungen wurden nicht ausreichend konserviert und verfallen immer mehr. Die Wissenschaftler des »Pompeii Sustainable Preservation Project« wollen sich ab 2014 einem Häuserblock in Pompeji, einer so genannte Insula, als Forschungsobjekt widmen und komplett konservieren, vom aufwendigen Wandgemälde bis zur kleinsten erhaltenen Mauer. »Das fängt mit der Entwässerung an und hört bei neu gestalteten Schutzbauten noch lange nicht auf«, sagt Erwin Emmerling, Professor am Lehrstuhl für Restaurierung der TU München.

Ein neuer wichtiger Ansatz dabei ist die präventive Restaurierung. »Die gibt es bisher in angemessener Form noch nicht. Wir wollen herausfinden, wie das kontinuierliche Restaurieren eigentlich geht«, so Emmerling. Dabei werden einfache, klassische Materialien, wie z. B. Kalk zum Einsatz kommen. In den schmalen Gassen von Pompeji können große Hilfsmittel wie z. B. Kräne, nicht benutzt werden. Die Forscher planen, Nanotechnologien einsetzen, um die Fließfähigkeit des Kalks zu steigern und damit Fresken durch Hinterfüllung zu stabilisieren. Die oberste Farbhaut der Bilder wollen die Wissenschaftler mit Kalk- und Siliziumverbindungen konservieren. Neben Restauratoren und Archäologen werden auch zahlreiche Forscher anderer Fachrichtungen am »Pompeii Sustainable Preservation Project« mitarbeiten. Denn die antike Stadt soll genau vermessen und ihr Zustand auch mit Luftbildern festgehalten werden. Seismische Messungen sollen Aufschluss über künftige Belastungen des Monuments geben, damit die konservierten Bauteile diese Erschütterungen später aushalten. Dafür werden auch Bauingenieure und Statiker gebraucht. Außerdem ist es geplant, geeignete Flächen von Pompeji wieder zu begrünen, und das Projekt soll insgesamt als Ausbildungsstätte für Konservatoren aus aller Welt dienen.

Die zentralen Projektpartner des »Pompeii Sustainable Preservation Project« sind die Technische Universität München mit dem Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft mit dem Fraunhofer IBP und das an die UNESCO angeschlossene International Center for the Study of the Preservation and Restoration of Cultural Property (ICCROM). Diese Institutionen arbeiten in dem Projekt federführend mit der Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Napoli e Pompei und dem zum italienischen Kulturministerium gehörigen Istituto Superiore per la Conservazione ed il Restauro zusammen. Die School of Geography and the Environment der Universität Oxford, die Abteilung für Alte Geschichte des Historicums der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU München) sowie das Deutsche Archäologische Institut (DAI) in Rom, die Universität Pisa und das Istituto per i Beni Archeologici e Monumentali des Consiglio Nazionale delle Ricerche (CNR) unterstützen das Vorhaben als Forschungspartner.

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