Schlingrippengewölbe Dresden

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Handwerkliche Fähigkeiten zur Fertigung von Schlingrippenkörpern spätgotischer Gewölbe sind mittlerweile nahezu in Vergessenheit geraten. Im Rahmen der Rekonstruktion des Schlingrippengewölbes von 1556 im Residenzschloss Dresden (2009 – 2013) bekamen sie einen neuen Stellenwert. Als die Renaissance vor über 400 Jahren aufkam, verdrängte sie die spätgotische Wölbetechnik zugunsten von Holzbalkendecken. Diese Technik ist – bis auf wenige bekannte Sanierungsbeispiele nach meist kriegerischen Zerstörungen – kaum mehr überliefert.
Einzige Quellen zu der Wölbetechnik sind – neben Werkmeisterbüchern des 16. Jahrhunderts mit wenigen textlichen Beschreibungen und Werkrissen mit Grund- und Bogenaustragungen – vor allem in Mitteleuropa noch bestehende Rippenwerke mit Befunden an Risslinien der damaligen Fertigung und ihren geometrischen Bezügen. Die Bemühungen der neueren Kunstwissenschaft, durch den Steinschnitt und die Bezüge die zweifach gekrümmten Rippenkörper erklären zu können, schlugen fehl.
Insbesondere die wissenschaftlichen Theorien, dass das Rippenprofil an jeder Stelle des Rippenverlaufs senkrecht stehen soll, die Körper mit außen in Rippenlängsachse aufzulegenden, gebogenen Schablonen gerissen werden würden und die Rippenwerkstücke untereinander austauschbar seien (da sie identischen Radien in Grund- und Aufriss folgen), führte in praktischen Versuchen des Handwerks zu widersprüchlichen Erkenntnissen. Auch Befunde an historischen Rippenkörpern mit ihren Profilverwindungen, der sich fortlaufend ändernden Krümmung, und ausgewertete Befunde an Risslinien widersprachen den Theorien.

 

Grundlagenforschung 
im Handwerk

Deshalb führte das Handwerk zunächst eine eigene Grundlagenforschung an über 25 spätgotischen Gewölben – unter anderem in Wien, Prag, Banska Bystrica, Kutna Hora – durch, um an noch vorhandenen Rippenkörpern und Risslinienbefunden die Handwerkstechnik verstehen zu können. Den Durchbruch brachte eine ausgeführte Werkplanung mit traditioneller Fertigung von zwei Modellen für Schlingrippen der Berliner Erasmuskapelle. Die Modelle orientierten sich an Aufmaßplänen, umfangreichen Fotos aus der Zeit um 1930 sowie Ruinenfotos mit Konstruktionsdetails von 1951. So konnte das Geheimnis der Schlingrippenkörper entschlüsselt werden. Die Schlingrippenkörper sahen zunächst mit heutiger dreidimensionaler Körperdefinition so aus, als ob ein immer gleiches Querschnittsprofil entlang einer Spirallinie senkrecht stehend verlaufen würde – gleich einem profilierten Handlauf im Wendelstein. Die Werkmeister der Spätgotik dachten aber nur in zwei Dimensionen und leiteten die Rippenkörper aus der Grundrissebene mit ihrer Figuration aus Kreisen und im Aufriss mit der Bogenaustragung her. Diese Bezüge aus nur zwei Ebenen wurden einzig über die Fugen hergeleitet und gerissen, was auch alle überlieferten Werkmeisterbücher mit ihren Werkrissen zeigen. Mit unserem heutigen dreidimensionalen Denken, einen Körper zu definieren, ist die Schlingrippe daher kaum erklärbar, weil wir für das mittelalterliche Konstruieren zu kompliziert denken. So wurde bis dato auch nicht wahrgenommen, dass sich die Rippen fortlaufend ändernd krümmen und das Profil an jeder Stelle im Querschnitt leicht verändert ist, was sich aus dem Konstruieren aus zwei Dimensionen heraus geometrisch bedingt ergibt.
Auf der Basis dieser Studien des Handwerks wurde für die Dresdener Gewölberekonstruktion eine steintechnische Werkplanung des Rippenwerks vorgenommen.

 

Wie die Rekonstruktion verlief und welche Hilfsmittel dafür verwendet wurden, lesen Sie im neuen STEIN!

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Naturstein in München zum Anfassen

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Aus einem gedruckten Natursteinführer wird Praxis zum Anfassen. Noch bis 13. Juli 2018 ist im Servicezentrum der Lokalbaukommission eine Ausstellung zu sehen, die zeigt, wo und wie Naturstein an Gebäuden in München verarbeitet wurde.

Naturstein-Ausstellung-Muenchen
Blick auf die Foto-Wall der zusammengetragenen Münchner Gebäude. Foto: Johann Weber
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Die gezeigten Fotografien sind auch im „Natursteinführer München“ abgedruckt, der 2015 publiziert wurde. Foto: Johann Weber
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Materialproben der Steine zum Anfassen ergänzen die Ausstellung. Foto: Johann Weber
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Beethovenstraße 6, München. Foto: Johann Weber
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Der Justizpalast in München. Foto: Johann Weber
Marienplatz-Rathaus
Ein Teil der Fassade des Rathauses am Marienplatz in München. Foto: Johann Weber
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Polizeipräsidium in der Ettstraße 2, München. Foto: Johann Weber

Die Ausstellung basiert auf dem im Jahr 2015 von Prof. Florian Musso herausgegebenen „Natursteinführer München“. Johann Weber, Leiter der Baustoffsammlung der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität (TU) München, erfasste hierfür etwa 4.000 Gebäude des Stadtinneren und die darin verbauten Natursteine. Gebäude wie der Justizpalast, das Polizeipräsidium, das Rathaus am Marienplatz oder der Monopteros im Englischen Garten zählen zu den imposanten Beispielen, die mit Natursteinen gebaut wurden. Detailliert werden die einzelnen Gebäudeteile aufgeschlüsselt und die Art der Natursteine aufgelistet. So besteht der Sockel des Justizpalastes in der Elisenstraße aus Waldstein Granit, das Verblendemauerwerk aus Kelheimer Auerkalk und Donau Kalkstein, die Säulen, Basen und Kapitelle aus Carrara Marmor.

Aus rund 400 im Buch abgebildeten Fotos wurden für die Ausstellung 120 gewählt. „Nicht jedes Gebäude, Bauteil, Kunstobjekt kann gleich gut abgelichtet werden, sodass die Auswahl der Bilder ein wenig nach der ‚Schönheit des Fotos‘ und Verschiedenartigkeit der Verwendung geschehen ist“, erklärt Johann Weber.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 9–17 Uhr
Referat für Stadtbauplanung und Bauordnung
Servicezentrum
Blumenstraße 19
80331 München

Online bestellen – digitale Revolution und Handwerk

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aber verändert hat sich doch einiges. Gegenwärtig verändert die digitale Revolution unterschiedlichste Arbeitsbereiche. Werden auch Natursteine online bestellt oder welche Auswirkungen zeigen sich in den Steinmetzbetrieben? Ein Gespräch über modernes Einkaufsverhalten. Foto: Steinmetzbetrieb Halbich

 

Der Computer oder das Smartphone ist heute aus unserem Lebensalltag nicht mehr wegzudenken. Der digitale Fortschritt durchzieht den privaten und geschäftlichen Bereich. Moderne Unternehmen sind auf das Internet als Informations-, Kommunikations- und Einkaufsplattform angewiesen. Wie äußert sich das im Steinmetzhandwerk? Ingrid Halbich, Geschäftsführerin von Natursteine Halbich, erklärt, wie sich die Arbeitsprozesse und das Einkaufsverhalten in ihrem Betrieb verändert haben.

Kaufen Sie Naturstein oder Natursteinprodukte im Internet?

Im Onlinebereich hat sich viel getan. Die Kunstgießerei Strassacker beispielsweise hat in ihrem Onlineshop ein breites Angebot an Inschriften. Diese bestelle ich online. Das ist sehr hilfreich, weil man Bilder der Inschriften zum Vorzeigen ausdrucken kann. So wird die Kundenberatung enorm erleichtert. Werkzeuge kaufe ich meistens im Geschäft oder greife auf die Außendienstmitarbeiter der Unternehmen zurück. Auch bei der Natursteinauswahl bin ich oft vor Ort bei meinen Großhändlern. Neue Materialien muss man sich sowieso ansehen. Außerdem gibt es beim Material Naturstein viele Maserungs- und Farbabweichungen. Deshalb ist es so wichtig, die Steine zu begutachten. Aber mir bekannte Natursteine, mit denen ich viel arbeite, bestelle ich schon im Internet.

Hat sich der Einkauf von Natursteinen über die Jahre verändert?

Die Vielfalt der Steine ist heute sehr viel größer. Vor 20 Jahren gab es bei weitem nicht so viele Materialien zur Auswahl. Über das World Wide Web können wir global auf verschiedenste Produkte zugreifen. Wir sind aber kein Steinmetzbetrieb, der nur fertige Steine einkauft. Wir ordern auch Tranchen. Mein Mann schneidet sie in der Werkstatt zu und gestaltet sie individuell nach Kundenwunsch. Deshalb sind wir vielleicht auch ein „schlechtes“ Beispiel für den Onlinekauf. Wir suchen unsere Tranchen zwar teilweise nach einem Telefongespräch oder nach Ansicht von Fotos auf den Websites unserer Lieferanten aus. In der Steinmetzbranche bleibt es aber grundsätzlich wichtig, das Material direkt ansehen zu können.

Können Sie sich vorstellen, in Zukunft mehr Arbeitsprozesse oder Käufe online zu erledigen?

Natürlich bestellen wir Produkte wie Mörtel oder Kleber im Internet. Und obwohl meine Kunden eher einer älteren Zielgruppe angehören, kommen oft auch E-Mail-Anfragen. Ein großer Bestandteil der täglichen Arbeit ist das Checken und Beantworten der E-Mails.

Wie kann man sich der Qualität der Produkte, die man online bestellt, sicher sein?

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass nicht zu viele Zwischenhändler beim Kauf vertreten sind. Außerdem sollte man den Bruch, wo der Stein abgebaut wird, kennen. Wir kaufen sehr viele Natursteine in einem Bruch in der Nähe von Lissabon. Dort kennen wir alle Ansprechpartner persönlich. Wenn ich meine Steine aus Portugal online bestelle, weiß ich, dass ich etwas Vernünftiges bekomme. Wir kaufen direkt – ohne Zwischenhändler. So kann man auch den Preis für die Kunden halten. Ein weiterer Vorteil.

Wie ist Ihr Einkaufsverhalten im Onlinebereich?

Das Internet nutze ich auch am Wochenende. Es ist toll, dass man beim Einkauf so flexibel ist und nicht abhängig von irgendwelchen Geschäftszeiten

 

Erfahren Sie hier mehr zum Steinmetzbetrieb Halbich in München. In STEIN im September 2015 können Sie mehr zum Einkauf und Handel im Internet lesen.