Barock am Berliner Schloss

Stein Magazin

Am 12. Juni 2013 wurde der Grundstein für den Bau des neuen Berliner Schlosses als Humboldt Forum gelegt. Gut zwei Jahre später begann die Firma F. X. Rauch mit der Fassadenverkleidung im Schlüterhof. Zum Bergfest ziehen wir eine Zwischenbilanz.

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Der Schlüterhof des Berliner Schlosses im August 2016: Die Fassadenarbeiten laufen auf Hochtouren. (Foto: Julia Wolpert)
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Das historische Kapitell des Berliner Schlosses dient als Vorlage für die Bearbeitung. (Foto: F. X. Rauch GmbH & Co. KG, München)
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Von Hand bearbeitet: Ein Steinmetz braucht für ein Werkstück etwa vier Monate. (Foto: F. X. Rauch GmbH & Co. KG, München)
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In Berlin angekommen, wird das fertige Kapitell an den für ihn vorgesehenen Platz versetzt. (Foto: Julia Wolpert)
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Nach dem Versetzen wird es durch eine Gewindestange mit der Säule verankert. (Foto: Julia Wolpert)
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Im August 2016 ist die Fassade im Schlüterhof schon bis zur Unterkante des zweiten Obergeschosses hochgezogen. (Foto: Julia Wolpert)
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In einem Jahr soll der Schlüterhof wie auf dieser Computersimulation aussehen. (Foto: Förderverein Berliner Schloss, eldaco Berlin)

Etwa vier Tonnen wiegt das Kapitell aus Warthauer Sandstein. Die Fassadenarbeiten am Berliner Schloss sind in vollem Gange und barockisierendes Dekor hält Einzug in die größte Kulturbaustelle Europas. Der Neubau wird sich gut in das weitestgehend erhaltene Gebäudeensemble von Berlins Mitte einfügen. Zudem schafft das Großprojekt Arbeitsplätze – auch für Naturstein verarbeitende Unternehmen. Bis zu 700 Menschen arbeiten gleichzeitig auf der Baustelle.

F. X. Rauch konnte sich insgesamt sechs Aufträge im Rahmen des Wiederaufbaus des Berliner Schlosses sichern: die Außenfassade zur Schlossfreiheit (Westfassade), die Rücklagenfassaden und die Hofportale I, V und VI im Schlüterhof sowie die Fassadenarbeiten am Hofportal IV. Parallel zum Auftrag erhielt F. X. Rauch eine Architektenplanung des Bauherrn, die die groben Züge der Fassade durch Ansichten, Schnitte und Detailpläne darstellte. „Daraus haben wir eine Werk- und Montageplanung erstellt, die der Bauherr freigeben musste“, so Rauch.

Warthauer Sandstein

Für die Natursteinarbeiten verwendet das Münchner Unternehmen fast ausschließlich Warthauer Sandstein. Der Stein wird in einem eigens für das Großprojekt gepachteten Steinbruch im polnischen Wartowice (Warthau), etwa 300 Kilometer von Berlin entfernt, abgebaut. Da in Berlin kein richtiges Lager vorhanden ist, muss das gelieferte Material schnell verbaut werden. Eine enge Taktung der Lieferungen und eine entsprechend reibungslose Logistik sind unverzichtbar. Die Natursteinarbeiten umfassen unter anderem Fensterumrahmungen, Gesimsbänder, Säulen, Kapitelle und Balustraden. Auch Steinbildhauerarbeiten wie Wappenkartuschen, Reliefs und Königsporträts werden in mühevoller Handarbeit von Steinmetzen und Steinbildhauern erstellt.

Als die Fassadenarbeiten im Februar 2015 begonnen wurden, war es nur schwer vorstellbar, dass aus dem Beton- Rohbau eine Rekonstruktion des Berliner Schlosses werden soll. Nun ist die barockisierende Fassade schon bis zur Unterkante des zweiten Obergeschosses hochgezogen. Am 14. September 2019 – zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt – soll die Einweihungsfeier stattfinden. Das Schloss wird neben Kunstsammlungen, Museen und einer Bibliothek auch ein großes Veranstaltungszentrum für Konferenzen, Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen beherbergen.

Erfahren Sie mehr über den Bau des Berliner Schlosses in STEIN im Oktober 2016.

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„Verde Guatemala” veredelt Münchner Hotel

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Gold- und Sandtöne. Foto: concrete and steve herud

Für Designliebhaber

Der Straßenverkehr scheint kaum Notiz davon zu nehmen. Kein Wunder, äußerlich hat sich auch nur marginal etwas verändert. Wie eh und je steht das ehemalige Schulungsgebäude an der befahrenen Landsberger Straße, unweit der Münchner Oktoberfestwiese. Maximal wundert sich der ein oder andere Passant beim Vorbeilaufen über diesen geheimnisvollen Eingang, der von seinem Inneren so wenig preis gibt: Hauchdünne Vorhänge verschleiern die bodenlangen Fenster, als wollen sie verführen. Nur der Schriftzug „Roomers“ leuchtet hindurch und macht neugierig auf den „Untermieter“.

Passiert man den Türsteher und tritt ein, wird einem schnell klar: Mit Schulungsgebäude hat das hier nichts mehr zu tun. Vielmehr mit Luxus, der nicht aufgeladen wirkt, sondern eher wie ein Zuhause eines hippen Designliebhabers.

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In der Lobby vom Roomers in München mischen sich Grün-, Gold- und Sandtöne. Foto: concrete and steve herud
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Die Bar im Eingangsbereich ist aus dünnem Verde Guatemala gefertigt. Foto: concrete and steve herud
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Am Ende der Lobby lädt eine Sitzecke zum Verweilen ein. Foto: concrete and steve herud
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Neben Naturstein wurde im Roomers München auch Holz verarbeitet. Foto: concrete and steve herud
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Die Zimmer wirken weniger wie Hotel … Foto: concrete and steve herud
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… vielmehr wie ein Wohnzimmer. Foto: concrete and steve herud
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In den Bädern wurde Nero Marquina verarbeitet. Foto: concrete and steve herud
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Den sogenannten Hidden Room in rotem Satin kennen nur vertraute Gäste. Er verbirgt sich hinter der Bar des Restaurants Izakaya. Foto: concrete and steve herud

Naturstein veredelt Räume

Seit September 2017 ist das neue Roomers offen für Leute, die sich ein Zimmer ab 220 Euro leisten wollen bzw. können. Damit ist das Hotel eines von drei Roomers-Häusern in Deutschland, neben Frankfurt am Main und Baden-Baden. Die Inhaber sind zwei Männer. Das merkt der aufmerksame Gast bereits am Duft der Seife im Bad – alles andere als Rosen und Liebelei.

Die Farbpalette des Hotels bedient Grün-, Gold- und Sandtöne mit schwarzen Akzenten. Sie werden getragen von Materialien wie Stein, Samt, Metall, Leder oder Holz. Auffällig ist der Empfangstresen mit dünnen Platten in edlem „Vert de Rajasthan“ aus Indien, besser bekannt als „Verde Guatemala“. Das Amsterdamer Designbüro Concrete bediente sich auch bei der Ausstattung der Bäder (Nero Marquina), den Böden (Belgisch Granit) und einiger Tische (Bianco Carrara) bei Naturstein.

Das Herzstück vom Hotel ist das Restaurant in den versteckten Hinterräumen. Es trägt den japanischen Namen „Izakaya“, was so viel wie „Sake-Laden zum Sitzen“ bedeutet und eher eine Kneipe meint. Mit letzterem hat das edle Izakaya im Münchner Roomers recht wenig am Hut, dafür aber umso mehr mit dem Sake-Schnaps. Denn dieser schmückt in großen Einweggläsern die Regale gegenüber der Bar. Auf der anderen Seite schwebt ein überdimensioniertes Fisch-Mobile aus natürlichem Buchenholz. Zwischen Sake und Fisch wird diniert: kunstvoll angerichtete japanische Küche mit südamerikanischer Gewürznote.

Ein Geheimnis hinter der Tür

Hinter den Sake-Gläsern geht es noch weiter: Nur Insider wissen, was sich hier versteckt. Es ist der Hidden Room, ein Raum-im-Raum in scharlachrotem Satin. Ohne den Ausblick nach draußen vergisst man schnell Ort und Zeit. Spätestens hier bei einem Bloody Mary in der Hand wird klar, dass sich hinter der fast bedeutungslosen Fassade an der Landsberger Straße weit mehr versteckt als ein leuchtender Schriftzug hinter hauchdünnen Vorhängen.

Adresse

Roomers Hotel, Landsberger Straße 68, München

www.roomers-munich.com

Handy-Prothese

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Die Substitute Phones gibt es in verschiedenen Ausführungen. Foto: Leonhard Hilzensauer
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Das Gehäuse besteht aus Kunststoff. Foto: Leonhard Hilzensauer
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Für die typischen Handybewegungen sind Marmorperlen integriert. Foto: Leonhard Hilzensauer
Smartphone-Schillinger
Einen klassischen Bildschirm gibt es nicht. Stattdessen steht hier #Offline. Foto: Leonhard Hilzensauer

Kunststoff und Howlith-Perlen

Das „Substitute Phone“ soll Handysüchtigen bei der Entwöhnung von ihrem Gerät helfen. Der Wiener Designer Klemens Schillinger hatte die Idee, mit dem nachgeahmten Smartphone physische Reize zu simulieren – und dabei auf die digitalen Funktionen zu verzichten.

Das Konzept basiert auf der Theorie, dass zur Handysucht zwei Dinge gehören: das Erhalten von Informationen – aber auch die Berührungen auf dem Display. Wischen, Scrollen und Tippen sind laut Klemens Schillinger in unserer Smartphone-Nutzung so verankert, dass allein schon die Bewegungen fehlen würden. Insofern ahmt das Substitute Phone diese physische Erfahrung nach, ohne jedoch die kognitive Stimulation auf dem Bildschirm.

Daher bezeichnet Schillinger sein Design auch als „Prothese“. Er erklärt: „Das Objekt ist auf nichts als Bewegungen reduziert. Diese Einschränkung bietet Smartphone-Süchtigen Hilfe bei Entzugssymptomen.“

Das Gehäuse besteht aus schwerem Kunststoff. In der Mitte ist eine Reihe von Howlith-Steinperlen eingelassen, an denen man mit den Fingern entlangfahren kann. Die Perlen simulieren die Display-typischen Gesten: Sie lassen sich rollen und geben so ein ähnliches Gefühl wie ein Handybildschirm.