Die Ladenbau-Branche setzt auf Naturstein und Holz

Stein Magazin
Callwey Verlag
ist die Fassade des luxuriösen Edel-Stores

Das STORE BOOK 2020 zeigt internationale, neu eröffnete oder umgebaute Läden. Darunter sind Ideen, bei denen Naturstein historische Bezüge sichtbar macht, Marken-Details symbolisiert oder ganz klassisch beim Präsentieren der Produkte hilft. Eine Rezension

Das STORE BOOK, eine Art Branchen-Bibel der Ladenbauer, stellt mit großformatigen Fotos ausgewählte Ladenbau- Projekte vor, die 2019 eröffnet oder wiedereröffnet wurden. Der Leser erfährt, was an dem jeweiligen Laden innovativ ist oder einen Trend aufgreift, und sieht besondere Details, mitunter auch Grundrisse.

In der Einleitung beleuchten Experten der Branche Hintergründe und übergeordnete Zusammenhänge in Handel und Ladenbau. Denn beide sind dem schnellen Wandel unterworfen, den die Digitalisierung mit sich bringt. Der häufig totgesagte stationäre Handel schlägt sich dabei aber nach Sicht des Deutschen Ladenbau Verbands erstaunlich gut, zumindest in den Städten.

„Wer als Kunde heute in die Stadt geht, will nicht nur irgendwas besorgen, sondern etwas erleben und Dinge entdecken, von denen er gar nicht wusste, dass er sie sucht“, schreibt Matthias Kreft, Vorstandsmitglied des DLV, im Buch. Um Kunden in stationäre Läden zu locken, setzen deshalb inzwischen auch Kaufhäuser mit Hunderten Filialen auf individuelle Ladenbaukonzepte für ihre verschiedenen Standorte. Kreft beobachtet im Ladenbau die allmähliche Abkehr von Sichtbeton und Industrialoptik, hin zu „hochwertigen Holz- und Natursteinoberflächen“.

Dafür liefert das STORE BOOK teilweise den Beweis (zementiger Industrie- Look scheint dennoch nicht ganz out). Unter den 44 vorgestellten Projekten, die unter anderem aus Brasilien, China, Deutschland, England, Italien, Spanien und den USA stammen, sind echte Hingucker, bei denen die Verantwortlichen für eine eindrucksvolle Raumwirkung auf Naturstein und Keramik setzen. Wem genau die Lorbeeren zustehen, können die Leser in den Fact-Boxen nachlesen, die alle Planungsverantwortlichen und Laden-Details mit Kontaktdaten auflisten.

Das ist zum Beispiel der Flagshipstore der Schweizer Brillenmanufaktur Viu in London, mit 60 Quadratmetern nicht gerade riesig. Die Gestalter bedienen sich deshalb eines Kniffs, um die Raumwirkung optisch zu vergrößern: großflächige Spiegelflächen an den Seitenwänden und unter der Decke. Die skulpturenartigen Präsentationswände mit Vorsprüngen und Einlassungen sind das raumprägende Element, sie wirken wertig, ohne sich aufzudrängen, und sind komplett mit einem dunkel melierten Graphit verkleidet.

Ausgesprochen originell und prägnant ist die Fassade des luxuriösen Edel-Stores des italienischen Sportlabels Moncler in Singapur: Die Planer formten für die drei Stockwerke hohe Ladenfront aus 132 dunklen, gebänderten Marmor-Elementen die Textur einer Daunenjacke. Drinnen erinnert weiß-gebänderter Marmor als Treppe, gletscherartig gesägter Verkaufstresen, Bodenbelag und Wandverkleidung in Kombination mit reflektierenden Spiegeldecken die zahlkräftige Kundschaft an Schnee, Eis und frostige Temperaturen – im asiatischen Inselstaat nicht auf natürliche Weise zu erleben.

Auf den historischen Bestand konzentrieren sich die Planer einer 180 Quadratmeter großen Apotheke im Norden der spanischen Stadt Valencia: Der Laden befindet sich in einem Gebäude aus den 1940er-Jahren, die regionale Bautradition dient dort als prägendes Gestaltungselement. An den vom Putz befreiten Pfeilern und Wandflächen kommen heller Ziegel und Naturstein sowie Deckenbalken zum Vorschein und versprühen rustikalen Charme.

Ganz der Historie verpflichtet ist auch der kleine, wunderschöne Laden The Pink Closet an der italienischen Amalfiküste: Er befindet sich unter den mittelalterlichen Gewölbekappen eines Palazzos aus dem 12. Jahrhundert. Die Besitzerin des Concept Stores zeigt mit pastelligen Keramik-Muscheln an der Wand die Verbindung zum Meer in der Nachbarschaft. Als historisch passender Bodenbelag dient italienischer Marmor in Hellgrau und Meergrün.

Der Leser findet bei den überwiegend opulenten Projekten des Buchs Inspiration für eigene Showroom- Pläne, auch wenn das eigene Budget für einen Verkaufsraum geringer ausfallen mag: Ein Trend, der im Buch an mehreren Projekten ersichtlich wird, ist die Inszenierung eines Wohnumfelds. Denn Kunden können sich so die Produkte und Angebote besser vorstellen. Dafür bietet es sich zum Beispiel an, Bodenmusterflächen nicht für sich stehen zu lassen, sondern als komplettes Bad oder Terrasse samt Möblierung und, wenn nötig, Licht zu inszenieren.

Kooperationen mit thematisch passenden, anderen Marken sind eine Überlegung wert, nicht nur, um die Kosten für einen Showroom auf mehrere Schultern zu verteilen, sondern weil so auch leicht eine komplette „Wohnwelt“ gestaltet werden kann. Außerdem ist Kreativität bei der Ladengestaltung Trumpf: Die einen greifen das Farbkonzept ihrer Marke auf oder setzen, wenn sie ein figürliches Logo haben, auf ein Key Visual im Laden. Weitere Möglichkeiten sind, das Aussehen der Umgebung oder den historischen Kontext eines Raumes aufzugreifen, oder auch, den kompletten Showroom unter ein zentrales Thema zu stellen.

Tipp zum Weiterlesen:

Store Book 2020
Cornelia Dörries
Herausgegeben vom dlv –Netzwerk Ladenbau e.V. –Deutscher Ladenbau Verband 2020.
240 Seiten, mit über 250 Farbfotos und Illustrationen 25 x 28cm, gebunden
89,00 Euro
ISBN: 978-3-7667-2462-5
www.callwey.de/buecher/storebook- 2020/

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