Wenn nicht jetzt, wann dann?

Vor dem Hintergrund von Klimawandel und Energiewende, Dieselfahrverboten, aber auch im Zusammenhang mit neuen Förderungsmöglichkeiten lohnt es sich für Handwerker, sich mit der Elektromobilität zu beschäftigen. STEIN bietet sowohl aktuelle Informationen zu Förderungen, zur aktuellen Entwicklung der E-Mobilität als auch Erfahrungsberichte eines Steinmetzes, der mit einem E-Lastenrad unterwegs ist.

Täglich erledigt Steinmetz Heinz Blaschke Kundenbesuche mit seinem E-Lastenrad. Dabei genießt er die frische Luft und hält sich fit. Foto: Hellwig Fotostudio/Stuttgart
Täglich erledigt Steinmetz Heinz Blaschke Kundenbesuche mit seinem E-Lastenrad. Dabei genießt er die frische Luft und hält sich fit. Foto: Hellwig Fotostudio/Stuttgart

Ein Steinmetz, der sich bereits seit 2015 intensiv mit der Elektromobilität beschäftigt, ist Heinz Blaschke aus Stuttgart. „Ich wollte etwas gegen die Luftverschmutzung tun, außerdem war es mir wichtig, mit der Zeit zu gehen und bei der Arbeit den Lärm zu reduzieren. Dies ist insbesondere auf dem Friedhof von Vorteil. Dort arbeite ich mit einem Hybridkran“, erklärt Blaschke.

Bereits seit Juli 2017 zählt dieser Kran zu seiner Fahrzeugflotte und seit März 2018 fährt der Steinmetz ein E-Lastenfahrrad. „Insgesamt bin ich mit dem Fahrrad schon 16.000 Kilometer gefahren“, erklärt er stolz. „Kleine Touren im Umkreis von 15 Kilometern sind gut machbar. Ich bin mit dem Fahrrad täglich rund 24 Kilometer unterwegs.“

Schon früher transportierten Handwerker mit dem Long John, einem Transportrad mit einer tiefer gelegten Ladefläche zwischen Lenker und Vorderrad, Werkzeug und Material. Der Bäckerjunge fuhr beispielsweise auf einem Fahrrad, über dessen Vorderrad ein Kasten montiert war, die Brötchen aus. Doch in den 1960er Jahren verdrängten Autos die Lastenräder.

Dank eines Elektromotors erlebt das Lastenfahrrad seit einigen Jahren eine Renaissance. Mit Unterstützung lassen sich 100 Kilo Zuglast komfortabel durch die Stadt kutschieren. Und stellten vor fünf Jahren noch rund zwei Dutzend Firmen in Europa Lastenräder her, sind es laut zeit online heute etwa doppelt so viele.

Es gibt verschiedene Arten von E-Lastenrädern, auf zwei, drei, gar auf vier Rädern, als Heck- oder Frontlader oder auch als Mischform. Auch das Zukunftsinstitut, das sich mit Trends und Zukunftsforschung beschäftigt, bestätigt: „In den kommenden Jahren wird sich eine Vielzahl paralleler Mobilitätskonzepte für die kurzen Strecken etablieren. Die neue Liebe zum Fahrrad ist hier treibende und bestimmende Kraft.“

Auch Heinz Blaschkes E-Lastenrad ist ein Long John: „Es fährt sich fast wie ein normales Fahrrad, allerdings mit einem niederen Schwerpunkt für die Beladung. Das Fahren ist eine Sache der Übung, ich bin mit wenig Gewicht gestartet und habe mir die Routine erradelt“, erinnert sich Blaschke und fährt fort: „Ich habe das Fahrrad einen Tag Probe gefahren und dann festgestellt, dass dieser Typus sich für meine Bedürfnisse am besten eignet, weil er am stabilsten ist. Bei den Lastenrädern gibt es große Unterschiede, auch in Bezug auf die Qualität. Hier ist es wichtig, zum Fachhändler zu gehen und sich beraten zu lassen. Das Rad sollte individuell auf den Bedarf abgestimmt sein.“

Der Steinmetz transportiert mit dem Fahrrad Werkzeuge, Platten, Liegesteine, Laternen, Hilfsstoffe, Holz oder Sand. Insgesamt kann er 120 Kilogramm zuladen, und die Akkuladung hält etwa 75 Kilometer, je nach Beladung und Temperatur, im Frühjahr und Sommer kommt er weiter als im Winter.

Lesen Sie weiter in der STEIN 12/20.