Finalit lässt Imprägnierungen auf Wasserdurchlässigkeit prüfen

Stein Magazin

Der Bauchemie-Hersteller hat die Wasserdampfdurchlässigkeit von behandelten und unbehandelten Natursteinen extern von der LGA prüfen lassen.

Imprägnierte Natursteine müssen bekanntlich atmungsaktiv bleiben, die Wasserdampfdurchlässigkeit darf nicht behindert und der Farbton nicht verändert werden. „Unsere Finalit-Imprägnierungen enthalten kein Wachs, Silikon oder Acrylat. So bleibt der Naturstein atmungsaktiv und diffusionsoffen nach dem Goretex-Effekt. Feuchtigkeit aus dem Stein kann entweichen, aber nicht eindringen. Die Kapillaren und Poren werden nicht verschlossen“, sagt Finalit-Gründerin und Geschäftsführerin Margit Leidinger.

Gutachten belegt Atmungsaktivität der Imprägnierung

Sie beauftragte die LGA GmbH, ein Unternehmen der LGA Landesgewerbeanstalt Bayern, die Wasserdampfdurchlässigkeit an behandeltem und unbehandeltem Naturstein (Kalkstein Kanfanar Giallo d`Istria) zu prüfen. Dafür kamen drei Zylinder des unbehandelten Kalksteins zum Einsatz. Drei Kalkstein-Zylinder wurden mit Finalit Nr. 21S Porenfüller behandelt. Drei weitere mit Finalit Nr. 21S Porenfüller und mit Finalit Nr. 22 Schutz-Imprägnierung.

Bessere Wasserdampfdurchlässigkeit, geringere Luftschichtendicke

Grundlage für die Prüfung war die DIN EN ISO 15572: 2001-09 (Bestimmung der Wasserdampfdurchlässigkeit). Dabei wurden die Wasserdampfdiffussions-Widerstandszahl und die äquivalente Luftschichtdicke gemessen. Das Prüfungsergebnis: Die Wasserdampfdurchlässigkeit wird durch die Imprägnierungen erhöht. Die behandelten Natursteinproben hatten deutlich bessere Ergebnisse und die äquivalente Luftschichtendicke war geringer.

Könnte dich auch interessieren

Dringender Ruf nach politischen Vorgaben

Stein Magazin

Die Natursteinbranche braucht für Abbau und Verarbeitung ihrer Steine verbindliche Regeln, fordern Zertifizierer und Händler. Nachhaltig ist nur, was akzeptiert wird.

Spätestens mit dieser Aussage beeindruckte der Leipziger Architekt und Architekturprofessor der TU Dortmund Benedikt Schulz die Teilnehmer des diesjährigen Pressegesprächs über „Nachhaltiges Bauen mit Naturwerksteinen“, zu dem der Deutsche Naturwerkstein-Verband e.V. und Fair Stone e.V. nach Berlin eingeladen hatten. Und er gab die Leitthemen des Gesprächs vor: Akzeptanz und Nachhaltigkeit.

Zuvor hatte der Architekt bereits erzählt, wie er für die neue Kirche St. Trinitatis in der Leipziger Innenstadt eine 5.000 Quadratmeter große Fassade mit Rochlitzer Porphyr entworfen hatte, den mehrstufigen Architekturwettbewerb gewann und die Fassade mit diesem heimischen Naturstein in freien Längen mauern ließ. Rochlitzer Porphyer kommt aus dem Leipzig-nahen Rochlitz und wurde traditionell für Gebäude in der Stadt verwendet – die Arkadenbögen des Alten Rathauses sind beispielsweise aus diesem Stein gemauert.

Primärenergiebedarf Natursteinfassade und Glasfassade
Natursteinfassaden benötigen sowohl in der Herstellung als auch in der
Nutzungsphase wesentlich weniger Primärenergie als Glaselemente. (Grafik: DNV)
Umweltbelastungen Natursteinfassade und Glasfassade
Auch die betrachteten Umwelteinwirkungen der Glasfassade sind wesentlich
höher als die der Natursteinfassade. (Grafik: DNV)
Primärenergieverbrauch Teil 2 - Natursteinfassaden vs. Glasfassade
Der Primärenergieverbrauch
einer Glasfassade ist mehr als das zweifache höher als
vergleichbarer Natursteinfassaden. (Grafik: DNV)
Umweltbelastungen Teil 2 - Natursteinfassade vs. Glasfassade
Über den gesamten Lebenszyklus
betrachtet sind alle Umweltbelastungen der Glasfassade gegenüber der
Natursteinfassade wesentlich höher. (Grafik: DNV)
Kostenstudie Prozentual Natursteinfassade
Prozentuale Aufteilung der Lebenszykluskosten bezogen auf 14,7 m² über 50 Jahre. (Grafik: DNV)
Kostenvergleich Natursteinfassade und Glasfassade
Lebenszykluskosten bezogen auf 14,7 m² Fassadenfläche mit außen liegenden Sonnenschutz (Energiepreissteigerung 4 %). (Grafik: DNV)

Forderung nach einer „generellen Akkreditierung“

Auch Schulz profitierte von der Nähe des Steinbruchs. „Die Steine wurden nach und nach von einem einzigen LKW geliefert“, sagte er. Die Entscheidung für den heimischen, roten Stein sei bereits ganz am Anfang seiner Wettbewerbsbeteiligung gefallen. Alternative Überlegungen zur Fassadengestaltung habe es für sein Büro nie gegeben, sagte Schulz und bekannte sich damit klar zur Verwendung von Naturstein für nachhaltiges Bauen.

Das wurde von den Vertretern der Natursteinbranche natürlich äußerst positiv aufgenommen, schließlich hatten sie gerade wieder sehen müssen, dass der Import von Natursteinen sehr kritisch gesehen wird. Die Fernsehsendung „frontal 21“ berichtete am 14. März 2017 von unhaltbaren Zuständen in asiatischen Steinbrüchen und prangerte an, dass Baumärkte nur selten Zertifikate von ihren Zulieferern verlangen.

Für die Natursteinzertifizierer von Fair Stone e.V. ist das eine wenig differenzierte Sichtweise, die sie heftig kritisieren. Fair Stone vergibt Zertifikate nach strengen Regeln und wirbt dafür, dass eine übergeordnete Stelle, die die Anforderungen an die Zertifikate festlegt, in Deutschland eingerichtet wird. James Herrmann,  Geschäftsführer von Fair Stone e.V.,  ist dankbar, dass die Bundesregierung die „Siegelklarheitplattform“ Ende 2016 um die Kategorie Naturstein erweitert hat. „Als glaubwürdig wurden Fair Stone und die beiden Xertifix-Label eingestuft“, sagte Herrmann. Der nächste Schritt müsse eine „generelle Akkreditierung“ für Naturstein sein, die politisch gewollt und von der Politik festgelegt werde. „Ohne staatlich festgelegte Kriterien ist ein Siegel nicht glaubwürdig“, ergänzte Reiner Krug, Geschäftsführer des Deutschen Naturwerkstein-Verbandes. Krug weiter: „Man braucht einen Kriterienkatalog, was die Mindestanforderungen für ein Siegel sind.“

Walter Riester, ehemaliger Bundesarbeitsminister, gelernter Fliesenleger und seit langem Mitglied bei Fair Stone, fand den Ruf nach Politikern, die etwas regeln, naturgemäß richtig. Er definierte die Aufgabe der Politik: Sie solle „Normen, Regeln und Gesetze für Nachhaltigkeit“ schaffen. Deshalb erscheine ihm Akzeptanz sehr wichtig. Doch man müsse beachten, dass Akzeptanz ein Prozess sei und sich wandeln könne.

Primärenergiebedarf Natursteinfassade und Glasfassade
Natursteinfassaden benötigen sowohl in der Herstellung als auch in der
Nutzungsphase wesentlich weniger Primärenergie als Glaselemente. (Grafik: DNV)
Umweltbelastungen Natursteinfassade und Glasfassade
Auch die betrachteten Umwelteinwirkungen der Glasfassade sind wesentlich
höher als die der Natursteinfassade. (Grafik: DNV)
Primärenergieverbrauch Teil 2 - Natursteinfassaden vs. Glasfassade
Der Primärenergieverbrauch
einer Glasfassade ist mehr als das zweifache höher als
vergleichbarer Natursteinfassaden. (Grafik: DNV)
Umweltbelastungen Teil 2 - Natursteinfassade vs. Glasfassade
Über den gesamten Lebenszyklus
betrachtet sind alle Umweltbelastungen der Glasfassade gegenüber der
Natursteinfassade wesentlich höher. (Grafik: DNV)
Kostenstudie Prozentual Natursteinfassade
Prozentuale Aufteilung der Lebenszykluskosten bezogen auf 14,7 m² über 50 Jahre. (Grafik: DNV)
Kostenvergleich Natursteinfassade und Glasfassade
Lebenszykluskosten bezogen auf 14,7 m² Fassadenfläche mit außen liegenden Sonnenschutz (Energiepreissteigerung 4 %). (Grafik: DNV)

Keine Mehrkosten durch Zertifizierte Steine

Dem widersprach Architekt Benedikt Schulz – zumindest für die Architektur. Für ihn stehe die Qualität von Architektur in einem direkten Zusammenhang zu ihrer Akzeptanz. „Denn was nicht akzeptiert wird, weil es keine Qualität hat, wird wieder abgerissen“, sagte Schulz. Und Reiner Krug vom Naturwerkstein-Verband ergänzte: „Wir bauen Häuser, deren Lebensdauer auf 20, 30 Jahre angelegt ist. Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit.“ Krugs Verband hat eine beeindruckende Nachhaltigkeitsstudie zu „Ökobilanzen von Fassadenkonstruktionen mit Naturstein und Glas“ vorgestellt. Fazit der umfangreichen Messungen und Bewertungen der Baustoffe Naturstein und Glas als Haupt-Fassadenelemente: Stein ist der umweltfreundlichere Baustoff, weil er nicht nur wiederverwertbar und äußerst langlebig, sondern auch gefahrlos in den natürlichen Stoffkreislauf zurückführbar ist. Außerdem ist seine Herstellung durch die Natur kostenlos, seine Bearbeitung und sein Transport sind energiesparend und sehr kostengünstig. Kritischen Verbrauchern empfiehlt der Verband, „Naturwerksteine aus europäischer Produktion zu verwenden, da diese mit Sicherheit ohne Kinderarbeit hergestellt werden. Sie sind auch aufgrund der kurzen Transportwege aus Umweltschutzgründen zu bevorzugen“.

Partner von Fair Stone, die das Siegel des Vereins tragen dürfen, weil sie sich einer Prüfung ihrer Produkte und deren Herstellung unterziehen, sehen das naturgemäß anders, handeln sie häufig doch mit Steinen aus Asien.

Auch Walter Riester beschwor den positiven Effekt der Globalisierung für die deutsche Wirtschaft, forderte letztendlich aber wie alle, eine staatliche Stelle, die die Bedingungen für Zertifizierungen verbindlich festlegt. Dann hätten sich auch Fernsehbeiträge über unzumutbare Bedingungen in Steinbrüchen und Verarbeitungsbetrieben erledigt. Immerhin konnte die Sendung eine Befürchtung der Natursteinbranche entkräften: Für Privatkunden sind die Einhaltung von Arbeitsschutz und ökologischen Kriterien wichtig. Für die Sicherheit, dass sie eingehalten werden, würden sie für ihre Natursteine auch mehr bezahlen. Frank Dickmann, Geschäftsführer der Firma BESCO, die deutschlandweit Natursteine für öffentliche Projekte liefert, kann ihnen aus seiner Erfahrung versichern: Zertifizierte Steine sind nicht teurer.

Die Nachhaltigkeitsstudie des DNV ist  download- und nachlesbar unter:
https://www.natursteinverband.de/fileadmin/user_upload/pdfflash/Nachhaltigkeitsstudie/pdflash.html

Deutsche Friedhofskultur ist immaterielles Kulturerbe

Stein Magazin
die Zukunftsfähigkeit der deutschen Friedhöfe zu erhalten. Foto: Anne Fischer

Nicht die Friedhöfe bilden das Erbe, sondern die Trauerkultur

Die Unesco-Kommission würdigt damit deutsche Friedhöfe als “historisches Archiv” für das Trauern und Gedenken im Wandel der Zeit.

Die Kultusministerkonferenz hat auf Empfehlung der Deutschen Unesco-Kommission die Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe ernannt. Hinter dem Antrag steht die Initiative Kulturerbe Friedhof, bestehend aus den großen Verbänden des Friedhofswesens. Sie hat sich fünf Jahre lang für den Unesco-Titel eingesetzt. Der Antrag ist dabei mehrmals überarbeitet worden: Anfangs stand die identitätsstiftende Kraft der Friedhofskultur im Fokus, nun liegt der Schwerpunkt auf lebendigen Ausdrucksformen. Zudem wurden alle Trägergemeinschaften eingebunden.

Die Initiative schreibt zur Aufnahme: “Damit würdigt die Bundesrepublik den identitätsstiftenden, lebendigen und vielschichtigen Wert der Friedhofskultur für unsere Gesellschaft. Und das nicht nur in kultureller Hinsicht, sondern auch unter sozialen und historischen Aspekten oder in Bezug auf Klimaschutz, Integration und Völkerverständigung.”

Denn ausgezeichnet wurden nicht die Friedhöfe an sich. Sondern vor allem das dortige Geschehen: Trauern, Erinnern und Gedenken, Gestalten, Pflegen und Bewahren. Die Friedhofskultur in Deutschland sei einzigartig, sagt Kulturwissenschaftler Norbert Fischer: “Die Art und Weise, wie wir unsere Gräber als kleine Gärten der Erinnerung individuell und oft auch selbst gestalten, ist genauso besonders wie das Einbetten der Gräber in Parklandschaften.”

Der Friedhof als “historisches Archiv”

Nirgendwo sonst verbinde man gärtnerische und steinerne Elemente zu so individuellen Grabanlagen. Die Friedhöfe bildeten außerdem Bestattungs- und Trauertraditionen in verschiedenen Epochen ab: “Friedhöfe und ihre Grabmäler sind eine Schatzkammer von Kultur und Gesellschaft. Sie bilden ein historisches Archiv der besonderen Art, das schützenswert ist.”

Und nun?

Der Titel soll helfen, die Lebendigkeit und Zukunftsfähigkeit der deutschen Friedhöfe zu erhalten und weiterzuentwickeln. Dazu will die Initiative zunächst die Bekanntheit des Unesco-Erbes mit bundesweiten Aktivitäten steigern. Insgesamt soll der Titel dazu beitragen, die Bedeutung der Friedhofskultur “in der Breite der Bevölkerung zu verankern”. Denn dort fehlt sie: In nahezu allen deutschen Kommunen trifft der demografische Wandel auf verändertes Traditionsbewusstsein. Neue Bestattungsformen und private Anbieter, etwa von Friedwäldern, drängen in den Markt. Viele Friedhöfe haben immer mehr unbelegte Flächen.

Engagierte stemmen sich gegen den Bedeutungsverlust – STEIN berichtete beispielsweise über das 2019 großangelegte Projekt “Kulturraum Kölner Friedhöfe 2025”. Die Bürger bestimmten in einem öffentlichen Beteiligungsprozess selbst mit, wie ihre Friedhöfe aussehen sollen und was sie sich dort wünschen. Diese Engagierten dürften den Unesco-Titel als Motivation verstehen.