Fuldas neue Mitte – Platzensemble aus Muschelkalk

Mit der Erneuerung des Ensembles Universitätsplatz und Borgiasplatz wurde in Fulda ein Kernstück des großen Stadterneuerungsprogramms abgeschlossen. Rund drei Jahre hat es gedauert, bis die Fuldaer Bürger wieder auf ihren beiden zusammenhängenden öffentlichen Plätzen flanieren und feiern konnten. Und sie tun es gerne, denn das neue Innenstadtensemble gilt in der Barockstadt als großer städtebaulicher und architektonischer Wurf.

„Der Platz im Zentrum Fuldas vermittelt zwischen dem kleinräumigen mittelalterlichen Grundriss der Altstadt und dem klaren Raster der gründerzeitlichen Stadterweiterung Richtung Bahnhof“ beschreibt Thomas Dietrich, beteiligter Landschaftsarchitekt der Planergruppe Oberhausen, die städtebauliche Situation. Der inzwischen verstorbene renommierte Münchner Architekt Sepp Ruf hatte den Universitätsplatz und das den Platz dominierende Karstadtgebäude Anfang der 1960er Jahre geplant. Seinen Entwurf galt es, unter den Aspekten der seinerzeit außergewöhnlichen architektonischen Leistung in die Neugestaltung miteinzubeziehen.

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Großzügig und offen: Fulda hat eine neue Mitte erhalten – mit viel Raum für Begegnung. Foto: Claudia Dreyße-Fas / Traco

Die komplizierte Überlagerung von Anlieferungszone des Kaufhauses und Zufahrt zur Tiefgarage, so Dietrich, hätten dazu geführt, dass der Platz fast zur Hälfte durch Abpflanzungen und Zufahrten belegt war. Da die marode Tiefgarage des denkmalgeschützten Baus 2009 saniert werden musste, entschied sich die Fuldaer Stadtverwaltung, das gesamte Areal aufzuwerten. Mit der Aufgabe, die Funktion der Plätze als ruhigen Aufenthaltsort inmitten der City zu verstärken und denkmalpflegerische Aspekte dabei zu berücksichtigen, wurden die Planergruppe Oberhausen sowie Reith+Wehner Architekten aus Fulda betraut.

„Für das Raster des Platzes als wesentliches Gestaltungselement waren ausführliche Abstimmungen mit dem Denkmalschutz notwendig“, erklärt Landschaftsplaner Dietrich. „Die ursprüngliche Gestaltung, weiße Füllung, schwarze Rasterlinien sollte erkennbar bleiben, jedoch im zeitgemäßen Kontext weniger kontrastreich wirken.“ Die Wahl des Bodenbelags fiel nach zahlreichen Musterterminen schließlich auf die Muschelkalkplatten edelgrau C 60 und antik C 120. Insgesamt lieferte das thüringische Unternehmen Traco 6.300 Quadratmeter Bodenplatten in einer Stärke von zehn Zentimetern.

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Die klare Gliederung des aus Muschelkalkplatten neu interpretierten Ruf ́schen Rasters verleiht dem Platz eine neue Großzügigkeit. Auch die Kombination von Naturstein mit Holzelementen schafft in Fuldas Mitte ein harmonisches Ambiente. Foto: Claudia Dreyße-Fas / Traco

„Die Platten passten optimal in das auf die Einbauten und Platzabmessungen idealisierte Rastermaß“, sagt Dietrich. Hinzu kamen beleuchtete Sitzelemente und Fontänen. Auch die Fontänenfelder und Sitzbänke bestehen aus dem hellen Naturstein. Diese orientieren sich an einer von dem Hamburger Projektentwickler Max Wehberg entworfenen Serie klassisch-moderner Garten- und Landschaftsmöbel, die zahlreiche Elemente wie Tische, Abfall- und Pflanzenbehälter, Poller und Designobjekte umfasst. Beim Platz bestimmenden Stein, dem sogenannten Kohlplatter Muschelkalk, handelt es sich um einen besonders ausdrucksstarken Stein mit ausgeprägter Bankung, die auf den lagenweisen Eintrag feiner Kalkschlämme und der Vermischung mit Schalentrümmern aus Flora und Fauna vor etwa 230 Millionen Jahren zurückzuführen ist.

Lesen Sie mehr zur mit Muschelkalk gestalteten Mitte Fuldas in STEIN im Juni 2015.