Golfen auf der größten Kalksteinplatte der Welt

Stein Magazin

XXL-Formate sind im Natursteinbereich hierzulande in Mode (STEIN berichtete in Ausgabe 10/2017). Die größte einzelne Kalksteinplatte der Welt findet man seit geraumer Zeit jedoch in Australien – und sie hat sich quasi selbst verlegt: Die australische Nullarbor-Wüste ist ein flaches Stück Stein von 200.000 Quadratkilometern Oberfläche.

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Entspannt abschlagen auf der größten Kalksteinplatte des Globus: Der weltlängste Golfparcours „Nullarbor Links“ in Australien macht’s möglich. Foto: Nullarbor Links
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1.100 Kilometer Kalkstein entlang der Küste: Die Nullarbor-Ebene zwischen Süd- und Westaustralien. Foto: Jacques Descloitres, MODIS Rapid Response Team, NASA/GSFC/Wikipedia
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Natursteinplatte im Supra-XXL-Format: Die Nullarbor-Ebene besteht aus einem zusammenhängenden Stück Kalkstein (rot). Foto: Hesperian/Wikipedia
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Der Golfparcours „Nullarbor Links“ erstreckt sich über 1.365 Kilometer entlang des Eyre Highway. Maximale Distanz zwischen zwei Löchern: 200 Kilometer. Foto: Nullarbor Links
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Känguru im Kalksteinland: An Loch sechs leistet eine Plastik dem Wegweiser Gesellschaft. Foto: Bahnfrend/Wikipedia
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Verlegt im Schichtbetrieb: An der Steilküste zeigt sich der Aufbau der Nullarbor-Ebene. Foto: Nachoman-au/Wikipedia
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Fast kein Baum auf Nullarbor: Ein wenig Vegetation gibt es dann doch am „Green at 90 miles“. Foto: Nullarbor Links

Viele Höhlen und 18 Löcher

Der Name Nullarbor ist aus dem Lateinischen verschliffen und bedeutet soviel wie „kein Baum“. Die Bezeichnung ist nur minimal übertrieben. Vereinzelt existiert unerschrockenes Gehölz auf der Bumerang-förmigen Trockenebene, die sich über 1.100 Kilometer die australische Südwestküste entlangzieht.

Von zahlreichen Karsthöhlen durchbohrt, handelt es sich bei Nullarbor tatsächlich um eine einzelne gigantische Natursteinplatte. Das unwirtliche Land zwischen den Bundesstaaten Süd- und Westaustralien galt den weißen Siedlern lange als unbewohnbar, während 22.000 Jahre alte Höhlenzeichnungen in der Koonalda-Höhle belegen, dass Aborigines hier bereits seit der letzten Kaltzeit leben.

Heute lässt sich auf der größten Kalksteinplatte des Planeten sogar Golf spielen – selbstverständlich auf dem weitläufigsten, nunja, Grün der Welt: Seit 2009 erstreckt sich der 18-Loch-Par-72 Golfparcours „Nullarbor Links“ über 1.365 Kilometer am Eyre Highway. Die einzelnen Löcher befinden sich in verschiedenen, für europäische Verhältnisse relativ weit entfernten Gemeinden an der Landstraße. Die mittlere Distanz zwischen ihnen beträgt 66 Kilometer, die maximale 200.

So lässt sich ein Roadtrip für Natur- und Natursteinfreunde entlang der Großen Australischen Bucht neben Höhlentouren, Walbeobachtung und Wüstenerfahrung seit 2009 auch mit dem Erwerb eines Zertifikats kombinieren, den längsten Golfplatz des Globus bespielt zu haben. Die Idee für dieses erstaunliche Projekt kam Alf Caputo und Bob Bongiorno von der Eyre Highway Operators Association übrigens bei einer Flasche Rotwein in einem Motel an ihrer Fernstraße.

Abgelagert wurde die riesenhafte Steinplatte in drei Hauptphasen, in welchen das Gelände vom Meer überspült war: Im mittleren bis späten Eozän (vor ca. 43 bis 36 Mio. Jahren) entstand zunächst die bis zu 300 Metern dicke Wilson-Bluff-Kalksteinschicht, die 100 Meter messende Abrakurrie-Kalksteinschicht im Zentrum der Platte im späten Oligozän und frühen Miozän (vor ca. 25 bis 23 Mio. Jahren) und schließlich im mittleren Miozän (vor ca. 15 Mio. Jahren) die oberste Nullarbor-Kalksteinschicht, die mit bis zu 20 Metern Dicke das ganze Gebiet bedeckt. Zudem gibt es örtlich zwei kleinere Zwischenschichten namens Toolinna Limestone (interferiert im Südwesten mit Wilson-Bluff) und Mullamullang Member (zwischen Abrakurrie und Nullarbor eingelagert). Vor ungefähr 14 Millionen Jahren zog sich das Meer wohl endgültig zurück und die immense Platte wurde leicht angehoben.

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ERFA-Treffen in Niedersachsen

Stein Magazin

Thema Digitalisierung im März

Zwei Mal im Jahr trifft sich eine Gruppe von deutschen Steinmetzen zum Austausch – während es beim letzten Termin im niedersächsischen Hohenhameln um Kundenpflege ging, wird sich das nächste Treffen am kommenden Wochenende am 24. März 2018 um Digitalisierung im Handwerk drehen.

„Wir haben ein schwer zu vermarktendes Produkt. Wir müssen den Naturstein offensiver bewerben“, war die Erkenntnis aus dem vergangenen ERFA-Treffen der Steinmetze. Referent Marcello Camerin gab den Steinmetzen deswegen ein paar Ratschläge an die Hand, um besser beim Kunden anzukommen. „Tage der offenen Tür sind immer ein gutes Mittel, um mit den Kunden in Kontakt zu kommen“, so Marion Övermöhle-Mühlbach von Mühlbach Naturstein aus dem niedersächsischen Hohenhameln, wo das Treffen stattfand.

Neben der Fortbildung in Themen wie Corporate Identity und Customer Journey gab es auch einen Ausflug in eine unter Denkmalschutz stehende Schmiede. „Bis vor 15 Jahren wurden hier noch Pferde beschlagen. Es war der soziale Dreh- und Angelpunkt im Ort“, weiß Övermöhle-Mühlbach. Heute findet das Netzwerken eher im Web statt – kein Wunder, dass in der Schmiede die Idee für das Thema des nächsten ERFA-Treffens kam: Digitalisierung.

Es findet am kommenden Samstag, den 24. März 2018, im Protohaus statt – eine offene High-Tech-Werkstatt in Braunschweig. Hier können Teilnehmer alles rund um das Thema 3-D-Druck oder Virtual Reality erfahren.

Fokus Zeitmanagement im November

Auch das übernächste Treffen steht schon fest. Am 17. und 18. November 2018 treffen sich die Steinmetze in Paderborn zum Thema Zeitmanagement.

Weitere Informationen sowie zur Organisation der ERFA-Gruppe bekommen Sie bei Marion Övermöhle-Mühlbach unter M.Muehlbach@muehlbach-naturstein.de.

STEIN-Filmtipp: Bildhauerinnen – Schöpferinnen von Kunst und Stein

Stein Magazin

Pandemiebedingt ist es die Zeit der Homeoffices, sozialen Distanzierung und wirtschaftlicher Zukunftssorgen. Weil es aber auch – vielleicht sogar besonders in diesen Tagen – geistiger Erbauung Bedarf, bietet Ihnen die STEIN-Redaktion nun in loser Folge einige interessante Filmtipps, die einen Bezug zu unseren Themen aus der Welt der Gesteine und mineralischen Werkstoffe haben. Den Anfang macht unsere Autorin Carolin Werthmann mit einer Rezension zur Dokumentation „Bildhauerinnen – Schöpferinnen von Kunst und Stein“, welche der Kultursender Arte vor Kurzem ausstrahlte. In der Mediathek dort zwar nicht mehr vorhanden, finden Sie den Film aber weiterhin auf Youtube unter: https://youtu.be/VI86Er53Jhc

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Bildhauerin Properzia de’ Rossi gestaltete 1525 für die Fassade der Basilika San Petronio in Bologna das marmorne Basrelief „Josef und die Frau des Potiphar“. Credit: Wikipedia Commons
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Camille Claudel, geboren 1864, war Schülerin, Muse und Geliebte des Bildhauers Auguste Rodin – und blieb für die Öffentlichkeit obgleich ihres Genies immer in dessen Schatten. Credit: Wikipedia Commons

Entgegen der historischen Ignoranz

Schwere Steine müssen von starken Händen geformt werden. Glaubte man(n) lange. Bildhauerei, die bis ins 15. Jahrhundert vor allem als Handwerk denn als Kunst galt, konnte doch keine Arbeit für fragile Frauenhände sein. So die damalige gesellschaftliche Konvention, die erst nach Jahrhunderten ganz langsam begann, sich aufzulockern.

Dass Frauen genau wie Männer einen Beruf wie den des Bildhauers und der Bildhauerinnen ergreifen können, ist heute eine Selbstverständlichkeit, doch war es das lange Zeit nicht. Bis 1919 durften Frauen nicht an Kunstakademien studieren. Das Problem war nicht, dass es keine Künstlerinnen gab, sondern dass ihnen die Möglichkeiten, Werke zu verkaufen oder Teil von Ausstellungen zu sein, verwehrt blieben und Wissenschaft und Museen sie weitgehend ignorierten. Sie blieben im Verborgenen, wurden vergessen, nicht entsprechend gewürdigt wie ihre männlichen Kollegen, obwohl sie ebenbürtiges, in vielen Fällen größeres Talent besaßen.

Museen wie das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen entgegneten 2019 mit Ausstellungen wie „Bildhauerinnen in Deutschland – Klischees und Hürden“ der Ignoranz der Geschichtsschreibung und arbeiteten Namen und Werke weiblicher Künstlerinnen auf, die jahrelang unbekannt waren. Auch der Kultursender Arte holt die Bildhauerinnen der Vergangenheit in die Gegenwart. In ihrer Dokumentation „Bildhauerinnen – Schöpferinnen von Kunst und Stein“ widmet sich die französische Regisseurin Emilie Valentin einer Zeitreise von der Renaissance bis ins 21. Jahrhundert und kreiert ein kurzweiliges 50-Minuten-Katapult durch die großen Epochen der Kunstgeschichte. Zwar gleicht ihr Film eher einem Referat denn Bewegtbild, so reich ist er an statischem Fotomaterial und Talking Heads, also Interviewpartnern, die vor allem reden statt zu zeigen. Doch die handwerkliche Fleißarbeit und filmische Schlichtheit ist wirkungsvoll genug und wird zur Hommage derjenigen, die ungesehen blieben. Wie eine Collage drapiert Valentin ihren Film, lässt Kunsthistoriker und -historikerinnen und Kuratorinnen zu Wort kommen, schneidet Archivfotos von ihren Protagonistinnen und Aufnahmen ausgestellter Skulpturen gegen und rückt so beeindruckende Bildhauerinnen ins Zentrum des kollektiven Bewusstseins.

Da ist zum Beispiel Properzia de‘ Rossi, die während der italienischen Renaissance die Fassade der Basilika San Petronio in Bologna gestaltete. Ihr marmornes Basrelief „Josef und die Frau des Potiphar“ (1525–26) zeigt eine Szene weiblicher Begierde, die Frau schmachtet nach dem Sklaven ihres Ehemanns – ein Beispiel dafür, wie wichtig und wie bereichernd doch dieser „weibliche Blick“ ist, der gegenwärtig so häufig gefordert wird. Nicht der Mann ist es, der sich eine andere Frau erträumt, sondern die Frau liebäugelt mit der Versuchung.

Die Vergessenen, die Kämpferinnen und die Freien

Properzia de‘ Rossi zählt Valentin in ihrer Dokumentation zum Kapitel der „Vergessenen“. Den „Vergessenen“ folgen die „Kämpferinnen“ und die „Freien“, darunter Künstlerinnen wie Marcello, die sich ein männliches Pseudonym anlegte, um wahrgenommen zu werden, Hélène Bertaux, die wagte, das erste männliche Akt in Stein zu meißeln, und Camille Claudel. Claudel mag die bekannteste aller Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts sein, und das doch wiederum nur, weil sie Muse, Schülerin und Geliebte des großen Auguste Rodins war. Ihr Genie stand immer im Verhältnis zum männlichen Meister und ließ sie nie vollkommen in der Unabhängigkeit aufgehen.

Und so geht es immer weiter, Porträt folgt Porträt, Schicksal reiht sich an Schicksal, bis Valentin schließlich bei Jane Poupelet, Käthe Kollwitz, Germaine Richier und Niki de Saint Phalle ankommt, die alle vorwiegend mit Bronzeskulpturen, weniger mit Stein arbeiteten. Ihre Werke sind nunmehr Stellungnahmen zum Verhältnis von Körperlichkeiten, sei es das Körperverhältnis zwischen Frau und Mann oder das Verhältnis zum eigenen Körper. Ob spindeldürre Gestalten, die an Alberto Giacomettis Oeuvre erinnern, oder überdimensionale „Nana“-Figuren mit großem Hintern und breiten Hüften und üppigem Bauch – die Kunst dieser Frauen ist ein Manifest ihres weiten Weges der Emanzipation. Und Emilie Valentin zieht die Zuneigung des Zuschauers mit ihrer Aufarbeitung auf ihre Seite. Es ist ein Genuss, zu sehen, was lange ungesehen blieb. Hier nochmals der Link zum Film: https://youtu.be/VI86Er53Jhc