Kanten schleifen

Stein Magazin
um störenden Abrieb auf empfindlichen Materialien zu vermeiden.

 

Die Produktion aufrüsten

Steinmetzmeister Stefan Vetter aus Rheinmünster investierte für den gehobenen Innenausbau in eine Bandkantenschleifmaschine. E
s sind oft die kleinen Details, über die sich Kunden freuen oder ärgern. Bei der geraden und gefas-ten Kante gilt das besonders. Weil der Profilklassiker gemeinhin als Standard gilt, wird die Kantenbearbeitung längst nicht mehr separat verkauft, sondern 
-ist in den Endpreis der Küche oder -Treppenbeläge bereits einkalkuliert. Entsprechend wirtschaftlich und problemlos muss die Produktion für den Steinmetz sein, denn Werkzeugspuren oder schiefe Fasen sind potenzielle -Reklamationsgründe. Die erforderliche Nacharbeit stört den Produktionsfluss und mindert den Erlös, weiß Stefan -Vetter. Um der abnehmenden Nachfrage nach Grabmalen vorzubeugen, engagiert sich der Steinmetzmeister stark im gehobenen Innenausbau. Akzeptiert wird dort nur Topqualität, das gilt auch für den Glanz. Dünne Keramik- oder Kunststeinplatten sind vergleichsweise genügsam in der Kantenbearbeitung, aber bei dunklen Natursteinplatten mit drei Zentimetern Stärke sieht jeder Laie, ob die Kantenpolitur satt glänzt oder nur matt schimmert. Für den geforderten Tiefenglanz stärkerer Platten rät der König-Techniker Pietro Bazzan daher zu Maschinen mit mindestens sieben, besser noch acht Schleifstufen, damit sich die Körnungen nahtlos aufeinander abstimmen lassen. Entscheidend für ein homogenes Schliffbild ist auch der jeweilige Anpressdruck; hier sollte jeder Bediener der Maschine sorgfältig eingeschult werden und einheitliche Richtwerte beachten.

 

Gehrungskanten schleifen

Die D. Lechner GmbH in Rothenburg ob der Tauber bearbeitet Fasen auf Massivoptiken mit einer Tischkantenschleifmaschine.
Experimente kann sich Europas 
führender Küchenplattenhersteller nicht leisten. Neben Produktlinien aus Laminat und Glas fertigt Lechner jeden Tag 200 Küchenaufträge aus Engineered Stone. Rund 80 Prozent davon sind in Massivoptik ausgeführt. Während der Plattenzuschnitt und das Herstellen der Gehrungsteile automatisiert sind, war das Abfasen der Gehrungskanten bislang aufwendige Handarbeit. Versuche mit herkömmlichen Kantenmaschinen, bei denen die verklebten Platten beim Fixieren unterfüttert werden mussten, brachten keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Um die individuellen Formate und unterschiedlichen Höhen der verklebten Schürzen zu bewältigen, beauftragte der für die Produktionstechnik verantwortliche Betriebsingenieur Thomas Kusnierz den Maschinenhersteller Burkhardt mit dem Bau einer Anlage, bei der sich die zu bearbeitende Kante unabhängig von der Plattenstärke stets an derselben Position befindet. Die Lösung ist eine Abwandlung der Tisch-Kantenmaschine KSA, allerdings nur mit Fasenköpfen. Die durch eine Folie geschützte Sichtfläche liegt darauf nach unten und die Fase kann präzise abgetastet und bearbeitet werden.


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Kunststoffgebundene Schleifringe und abfärbungsfreie Diamantpads erlauben eine individuelle Anpassung an die Materialarten.

Hohen Durchsatz halten

In der Natursteinabteilung von Bachl in Röhrnbach arbeitet eine Bandkantenschleifmaschine im Anschluss an die CNC-Sägeanlage. S
eit der Inbetriebnahme einer CNC-Sägeanlage geht es rund in der Werkhalle bei Bachl. Vor allem die von Weha gelieferte Edilux von Commandulli muss sich sputen, um den hohen Durchsatz zu bewältigen. Im Minutentakt heben die Mitarbeiter fertig gesägte Platten auf das Transportband – wie die vier Zentimeter starken Teile einer mehrteiligen Thekenanlage. Die Oberflächen sind gebürstet, die Kanten sollen es bald sein. Dazu werden vier der acht Stirnschleifer mit Bürsten bestückt. Bei der jeweils -ersten Position der drei Ober- und Unterfasen sorgen fein justierbare Abtastungen dafür, dass die Fasenbreite auf -ganzer Länge gleichmäßig bleibt und die Plattenanschlüsse bei der Montage exakt zusammenpassen. Während die Männer schwitzen, nimmt die Kantenschleifmaschine den Stress gelassen. Dank Lackierung im Kataphoreseverfahren können ihr Wasser und aggressive Schleifmittelrückstände wenig anhaben.

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Öffentlichkeit und Nachwuchsförderung durch die Titel Miss und Mister Handwerk

Die 26-jährige Dana Bernert ist Steinmetzin im Saarland und nimmt als einzige Kandidatin für das Steinmetz-Handwerk am Wettbewerb “Germany’s Power People” teil. Eine Jury kürt im März 2020 Miss und Mister Handwerk.

Der Wettbewerb, der Miss und Miss Handwerk kürt, läuft so ab: Handwerkerinnen und Handwerker bewerben sich im ersten Schritt für ein Fotocasting. Auf der Wettbewerbs-Plattform können Nutzer alle Bewerber sehen, nach Kategorien filtern und selbst mitvoten. Die Stimmen aus dem Voting und eine Jury entscheiden, wer an dem Shooting teilnimmt.

Hier kann für Dana Bernert gevotet werden: www.germanyspowerpeople.de/kandidaten

In den Kalender, der aus den Fotos entsteht, schaffen es zwölf Handwerkerinnen und Handwerker. Aus diesen “Kalenderstars” nominiert die Jury sechs weibliche und sechs männliche Kandidaten, die sich schließlich auf der Internationalen Handwerksmesse um den Titel Miss und Mister Handwerk bewerben.

Der Wettbewerb flankiert die Imagekampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Er soll die Handwerksberufe einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und dient der Nachwuchsförderung. Miss und Mister Handwerk vertreten ihre Zunft und die gesamte Branche anschließend ein Jahr lang in der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf Messen und Veranstaltungen.

Kandidatin Dana Bernert sagt der “Saarbrücker Zeitung”, sie nehme teil, um andere zu inspirieren – vor allem Frauen. Sie sollen “das machen, woran sie glauben”. Die Steinmetzin selbst hat nach Abi und Bundesfreiwilligendienst in der Steinmetzwerkstatt Blug gelernt und arbeitet dort inzwischen als Gesellin. Sie will ihren Meister anhängen und später vielleicht selbst eine Firma aufbauen. Wer will, kann bis 30. August auf der Wettbewerbsseite für Bernert voten.

Aktuelle Branchennews und Fach-Know-how für steinverarbeitende Betriebe gibt es auch in der aktuellen Ausgabe des STEIN-Magazins: www.stein-magazin.de/zeitschriften

Kreativ und am Puls der Zeit: Lebenssteine

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Ulrike Horn ist Dozentin für Deutsch und Gestalten an einer Berufsfachschule, PR-Beraterin und Kommunikationstrainerin mit verschiedenen Lehraufträgen für Verhandlungsführung sowie Rhetorik, gleichzeitig ist sie gelernte Steinmetzin. Sprache und Handwerk charakterisieren ihre berufliche Laufbahn. Sie kennt die Problematik des sich wandelnden Marktes im Grabmalbereich und die mangelnde Nachfrage nach kreativen Natursteinobjekten. Für sie kein Grund, den Kopf  in den Sand zu stecken. Sie entwickelte eine innovative Produktidee für das Steinmetzhandwerk: Mit dem Begriff „Mein Lebensstein“ bezeichnet sie Natursteinarbeiten, die als individuelle Wohlfühlobjekte mit Selbstdarstellungswert die Kreativität des Handwerks in den Vordergrund rücken.

Wie kamen Sie zum Steinmetzhandwerk?

Den Wunsch Bildhauerin zu werden, hatte ich schon als Jugendliche, doch auf Anraten meiner Eltern studierte ich erst Germanistik. Ich hatte ein Faible für Sprache und genoss die Studienjahre. Den Traum von der Bildhauerei gab ich jedoch nicht auf. Noch während der Abschlussprüfungen begann ich mit der Lehre an der Dombauhütte in Bamberg. Nach mehrjährigen Erfahrungen in der PR-Branche und im Journalismusbereich konnte ich die Ausbildung beenden. An eine weiterführende Arbeit als Bildhauerin war in unserer Werkstatt jedoch nicht zu denken, weil aufwendige und kreative Objekte kaum nachgefragt waren. So orientierte ich mich neu, besann mich auf mein Studium und wurde Kommunikationstrainerin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Hier ergab sich bald eine Verbindung zum Steinmetzhandwerk. Ich biete in Ingolstadt und Wunsiedel immer wieder Kommunikationsseminare für Steinmetze/-innen an, halte Vorträge (z.B. zu den Lebenssteinen) und berate Steinmetze/-innen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Textgestaltung.

Wie entstand die Produktidee der Lebenssteine?

Ich habe selbst erlebt, dass keine große Nachfrage nach kreativen Steinmetzen besteht. Obwohl ich überzeugt bin, dass die Faszination für das Handwerk eigentlich ungebrochen ist. Das Handwerk ist attraktiv, nur das Produkt „Grabstein“ im herkömmlichen Sinn wollen immer weniger Menschen haben. Natürlich werden die wenigen wunderschönen deutschen Friedhöfe als weitläufige Parks ihre Attraktivität behalten. Doch die unzähligen kleinen Friedhöfe in Stadt und Land werden mittelfristig keinen Grabsteinmetzen mehr ernähren. Für mich folgt daraus, dass der Steinmetz sich auf seine Wurzeln besinnen muss. Es gab ein Leben vor dem Grabstein. Eine Zeit in der Steinmetze Burgen, Schlösser, Kirchen und Kathedralen bauten und mit wunderbaren Kunstobjekten ausstatteten. Dazu brauchen wir ein neues Produkt! Frühere Generationen ließen stolz und selbstbewusst Bildnisse und Portraits aus Stein anfertigen. Ich sehe im „Lebensstein“ die ideale Ausdrucksform für unsere Zeit.

Was ist ein Lebensstein nun genau?

Man könnte sagen, „Mein Lebensstein“ ist Lebensgefühl zum Anfassen. Er ist ein Stück Natur von Hand gemacht. Dabei bringt „Mein Lebensstein“ eine optimistische Grundhaltung zum Ausdruck: Er steht für Vitalität und Lebensfreude. „Mein Lebensstein“ spricht Menschen an, die ihr Leben selbstbewusst gestalten und bereit sind, für ein schönes und individuell gestaltetes Objekt etwas auszugeben. Sicher kennen Sie auch den Seufzer: „Ach, das ist aber ein schöner Stein. Der ist eigentlich viel zu schön für den Friedhof!“ – da sage ich: “Richtig!” Viele Objekte sind tatsächlich zu schade für den Friedhof, weil sie dort keiner sieht! Warum machen wir so etwas Schönes nicht einfach für Menschen, die sich daran freuen können? Warum stellen wir schöne Objekte nicht in unseren Garten, in die Firma, ins Haus oder in die Wohnung? Warum genießen wir nicht im täglichen Leben die positive Kraft, die von einem solchen Objekt mit bleibendem Wert ausgeht? So ein Objekt eröffnet auch dem kreativen Steinmetz neue Chancen. „Mein Lebensstein“ bietet ihm neuen Gestaltungsfreiraum und erweitert sein bisher bestehendes Angebot. Als positives, kraftvolles Natursteinobjekt verjüngt er darüber hinaus das Image des Steinmetzhandwerks.

Wie sollte ein Steinmetz vorgehen, wenn er ein solches Produkt vermarkten will?

Das Tagesgeschäft in einem normalen Steinmetzbetrieb ist unglaublich hektisch. Zwischen Kundenberatung, Telefon, Friedhof und Werkstatt bleibt definitiv keine Zeit, ein Produkt zu vermarkten, für das es noch keine Nachfrage gibt. Ich denke, wir müssen zunächst eine Nachfrage schaffen. Kunden müssen auf das Produkt aufmerksam werden. Dabei muss man ganz klar sehen, dass nicht jeder Steinmetz handwerklich in der Lage wäre, einen Lebensstein anzufertigen. Wer nur mit Importsteinen handelt, ist sicher nicht der richtige Ansprechpartner für einen Kunden, der einen Lebensstein möchte. Umgedreht kann der Kunde von außen nicht beurteilen, wie kreativ ein Steinmetz tatsächlich ist. Der Laie kann ja die fertig gekauften Import-Gartenobjekte kaum von den handgearbeiteten Stücken unterscheiden. Hier sehe ich meine Aufgabe. Ich stelle die Verbindung her zwischen dem Kunden und einem Steinmetz. Dreh- und Angelpunkt ist hierbei das Internetportal www.mein-lebensstein.de.

Was bietet diese Plattform?

Das Portal bietet eine Galerie, in der Steinbildhauer/-innen ihre Lebenssteine vorstellen. Während der Landesgartenschau Bayreuth sind in dieser Galerie die sieben Objekte der Sieger des ersten bundesdeutschen Lebenssteine-Wettbewerbs für Meisterschüler/-innen und Steinmetzmeister/-innen in Bayern ausgestellt. Für den Wettbewerb im Rahmen der Landesgartenschau waren Steine gesucht, die Lebendigkeit ausstrahlen und zum Dialog einladen. In Zukunft steht das Portal allen Steinbildhauer/-innen offen. Sie können jederzeit ihre Lebensstein-Vorschläge einreichen.
Die Kunden hingegen können sich informieren und die präsentierten Steine natürlich auch erwerben. Arbeiten, die ihnen gefallen, können sie direkt über die Seite auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken teilen. Für Kunden, die einen individuellen, eigenen Stein anfertigen lassen möchten, eröffnet das Portal die Möglichkeit, die eigenen Vorstellungen sozusagen „begleitet zu entwickeln“. Der Kunde konkretisiert im ersten Schritt mit einem kleinen Fragebogen seine Wünsche. Im zweiten Schritt kann er sich Skizzen und Modelle anfertigen lassen, um eine genaue Vorstellung von seinen Lebensstein zu gewinnen, bevor er schließlich im dritten Schritt einen Steinmetzen mit der Umsetzung beauftragt.

Erfahren Sie hier mehr zu unserer Interviewpartnerin Ulrike Horn. STEIN informiert Sie über die weiteren Entwicklungen im Zusammenhang mit der Produktidee „Mein Lebensstein“. In STEIN im März 2016 können Sie ein Interview mit einem Sieger des Lebenssteine-Wettbewerbs, Günter Schinn, nachlesen.