Alter Friedhof in neuem Gewand

Stein Magazin

Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde der mittelfränkischen Marktstadt Altdorf sah sich, wie andernorts auch, mit der Zunahme von Urnenbestattungen konfrontiert. Gemeinsam mit den Landschaftsarchitekten Martin Völker und Lars Möller sowie dem Eichstätter Bildhauer Günter Lang setzte sie daher innerhalb der historischen Anlage drei Urneninseln um, die eine gemeinsame Formensprache verbindet.
Wer den Friedhof durch den Haupteingang betritt, dem fallen diese Orte nicht auf den ersten Blick auf. Der Besucher findet einen gepflegten Friedhof mit viel Grün und zahlreichen schönen, historischen Steinen vor. Die Stahlstelen, die die neuen Urneninseln begrenzen, fügen sich so harmonisch in dieses Grün ein, dass sie erst bei näherem Hinsehen ins Auge fallen.

 

Das umlaufende Stahlband mit 75 Zentimeter hohen Rechteckrohrstelen in rhythmischen Abständen ist in Grau- und unterschiedlichen Grüntönen beschichtet. Der Eingang in den jeweiligen Bereich ist mit einem Stahlband gekennzeichnet, in das ein Psalm eingraviert ist. Dafür wurde eigens eine Schrift digitalisiert, die Bildhauer Günter Lang entworfen hat. Lang ist künstlerischer Leiter für die Gestaltung der Urnenstelen innerhalb der Inseln. Jeder Entwurf geht über seinen Tisch, bevor er von der Friedhofsverwaltung genehmigt wird. Alle Stelen haben eine einheitliche Grundfläche und Höhe. Was Lang aber besonders am Herzen liegt, ist die Verwendung von heimischen Steinen. Einige Musterstelen, gefertigt von ortsansässigen Steinmetzen, stehen bereits. Den weitesten Weg hat ein Granit aus dem Bayerischen Wald zurückgelegt, die anderen Grabzeichen sind aus fränkischen Sandsteinen oder Jurakalkstein aus dem Altmühltal gefertigt. Günter Lang wünscht sich außerdem Steine, die etwas zu sagen haben. Psalmen, Sprüche, Zitate dürfen rund um die Stele eingraviert werden, Lang berät dazu. Er will sich nicht als Zensor verstanden wissen, sondern als Mentor, der hilft, bestehende Entwürfe zu verbessern. Rund 40 Urnenplätze sind derzeit insgesamt verfügbar, weitere 20 sind in Planung.

Jede der Inseln hat eine zentrale Sitzgelegenheit 
innerhalb der Rasenfläche. Felsenbirnen spenden Schatten und bestechen vor allem im Frühjahr durch ihre weißen Blüten. Die Inseln sind nicht statisch, bei Bedarf lassen sich die Stahlbandelemente auseinandernehmen und versetzen oder werden durch neue ergänzt. So können die Bereiche wachsen, wenn zunehmend Fläche frei wird. Die moderne Gestaltung ist nicht jedermanns Sache, aber, so Martin Völker, sie habe auch von vielen Seiten Zuspruch erhalten – aus allen Altersklassen. Zwei der Urnenplätze sind schon vergeben, an einem steht bereits eine Stele, auf der Name und Geburtsdatum der Besitzerin eingraviert sind. Direkt neben einer Bank befindet sich eine große Stele von Günter Lang, auffällig und doch stimmig bringt sie die Elemente Stahl und Stein erneut zusammen und dient als bleibendes Gedenkzeichen.

 

Das Interview mit Herrn Thust zum Thema Friedhofsentwicklung und weitere spannende Bilder finden sie in STEIN 12/2014!

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Im Dezember 2020 verstarb Helga Elisabeth Trassl, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturwerkstein, kurz nach ihrem 80. Geburtstag.

Im Dezember 2020 verstarb Helga Elisabeth Trassl, öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturwerkstein, kurz nach ihrem 80. Geburtstag. Foto: Unsplash

Im Dezember 2020 verstarb Helga Elisabeth Trassl. Die 1940 in Wien geborene und zeitlebens überzeugte Österreicherin fühlte sich dennoch in Würzburg heimisch. Frau Trassl war öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Naturwerkstein im Innenausbau. Ihre Vereidigung erfolgte 1996 von der Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt. Sie war die erste weibliche Sachverständige bei der Kammer auf dem Natursteinsektor.

Die bei ihren ersten Gutachten noch vorhandene Skepsis in der von Männern dominierten Fachwelt war bald verflogen. Frau Trassl überzeugte durch ihre Fachkenntnis und durch ihr Verhandlungsgeschick auch in schwierig gelagerten Fällen. Im ehelichen Steinmetz- und Steinbildhauerbetrieb in Ardagger / Österreich sammelte sie Erfahrung im Versetzen von Naturwerkstein, gewann Überblick über viele Natursteinsorten mit ihren jeweiligen Eigenheiten und Besonderheiten. Als gelernte Drogisten hatte sie überdies auch fundierte Kenntnisse in Chemie – was damals für Sachverständige in der Natursteinbranche eher selten der Fall war. Nachdem mit der Weiterentwicklung der Verlegematerialien und –Methoden Chemie eine immer größere Rolle spielte, kamen ihr diese Kenntnisse bei ihren Gutachten zugute. Ab 1985 war sie  bis zu dessen Tod mit ihrem zweiten Ehemann Heinz Trassl in dessen Gutachterbüro tätig.

Frau Trassl starb kurz nach ihrem 80. Geburtstag in Würzburg nach langem und mit viel Energie und großer Geduld ausgetragenem Kampf gegen ihre Krankheit.

Fuldas neue Mitte – Platzensemble aus Muschelkalk

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Mit der Erneuerung des Ensembles Universitätsplatz und Borgiasplatz wurde in Fulda ein Kernstück des großen Stadterneuerungsprogramms abgeschlossen. Rund drei Jahre hat es gedauert, bis die Fuldaer Bürger wieder auf ihren beiden zusammenhängenden öffentlichen Plätzen flanieren und feiern konnten. Und sie tun es gerne, denn das neue Innenstadtensemble gilt in der Barockstadt als großer städtebaulicher und architektonischer Wurf.

„Der Platz im Zentrum Fuldas vermittelt zwischen dem kleinräumigen mittelalterlichen Grundriss der Altstadt und dem klaren Raster der gründerzeitlichen Stadterweiterung Richtung Bahnhof“ beschreibt Thomas Dietrich, beteiligter Landschaftsarchitekt der Planergruppe Oberhausen, die städtebauliche Situation. Der inzwischen verstorbene renommierte Münchner Architekt Sepp Ruf hatte den Universitätsplatz und das den Platz dominierende Karstadtgebäude Anfang der 1960er Jahre geplant. Seinen Entwurf galt es, unter den Aspekten der seinerzeit außergewöhnlichen architektonischen Leistung in die Neugestaltung miteinzubeziehen.

Die komplizierte Überlagerung von Anlieferungszone des Kaufhauses und Zufahrt zur Tiefgarage, so Dietrich, hätten dazu geführt, dass der Platz fast zur Hälfte durch Abpflanzungen und Zufahrten belegt war. Da die marode Tiefgarage des denkmalgeschützten Baus 2009 saniert werden musste, entschied sich die Fuldaer Stadtverwaltung, das gesamte Areal aufzuwerten. Mit der Aufgabe, die Funktion der Plätze als ruhigen Aufenthaltsort inmitten der City zu verstärken und denkmalpflegerische Aspekte dabei zu berücksichtigen, wurden die Planergruppe Oberhausen sowie Reith+Wehner Architekten aus Fulda betraut.

„Für das Raster des Platzes als wesentliches Gestaltungselement waren ausführliche Abstimmungen mit dem Denkmalschutz notwendig“, erklärt Landschaftsplaner Dietrich. „Die ursprüngliche Gestaltung, weiße Füllung, schwarze Rasterlinien sollte erkennbar bleiben, jedoch im zeitgemäßen Kontext weniger kontrastreich wirken.“ Die Wahl des Bodenbelags fiel nach zahlreichen Musterterminen schließlich auf die Muschelkalkplatten edelgrau C 60 und antik C 120. Insgesamt lieferte das thüringische Unternehmen Traco 6.300 Quadratmeter Bodenplatten in einer Stärke von zehn Zentimetern.

„Die Platten passten optimal in das auf die Einbauten und Platzabmessungen idealisierte Rastermaß“, sagt Dietrich. Hinzu kamen beleuchtete Sitzelemente und Fontänen. Auch die Fontänenfelder und Sitzbänke bestehen aus dem hellen Naturstein. Diese orientieren sich an einer von dem Hamburger Projektentwickler Max Wehberg entworfenen Serie klassisch-moderner Garten- und Landschaftsmöbel, die zahlreiche Elemente wie Tische, Abfall- und Pflanzenbehälter, Poller und Designobjekte umfasst. Beim Platz bestimmenden Stein, dem sogenannten Kohlplatter Muschelkalk, handelt es sich um einen besonders ausdrucksstarken Stein mit ausgeprägter Bankung, die auf den lagenweisen Eintrag feiner Kalkschlämme und der Vermischung mit Schalentrümmern aus Flora und Fauna vor etwa 230 Millionen Jahren zurückzuführen ist.

Lesen Sie mehr zur mit Muschelkalk gestalteten Mitte Fuldas in STEIN im Juni 2015.