Kompresse für die Dresdner Frauenkirche

Stein Magazin

Das Gesims am Chor der Dresdner Frauenkirche besteht zum Großteil aus 290 Jahre alten Gestein, das während der Zeit des Wiederaufbaus der Kirche in den Neubau integriert wurde. Mit der Zeit hat der Naturstein durch Bewitterung Salze aufgenommen, die das Material beschädigten. Nun muss der historische Sandstein entsalzt und gefestigt werden.

Die im 18. Jahrhundert errichtete Kirche ist im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt und zusammengestürzt. Für den Wiederaufbau von 1994 bis 2005 wurde das historische Material aus dem 22.000 m³ großen Trümmerberg verwendet. Die Frauenkirche besteht zu 45 % aus historischem Gestein. Beim Wiederaufbau wurden insgesamt 8.425 alte Werksteine, eingesetzt – wie auch an der Außenwand des Chores, die aus dem größten zusammenhängenden Ruinenteil besteht.

Restaurierung an der Frauenkirchen - Fassade
Der über 290 Jahre alte Stein muss besonders an den dunklen Stellen gepflegt werden. (Foto: Oliver Killig)
Reinigung Sandstein
Bevor die Kompresse auf den Sandstein gelegt werden kann, wird er gereinigt. (Foto: Oliver Killig)
KompressEntsalzung
Anschließend wird die Masse aus Zellstoff, Tonmineralien und destilliertem Wasser aufgetragen. (Foto: Grit Jandura)
Kompresse-Entsalzung
Die Kompresse bleibt eine gute Woche auf dem Stein und entzieht ihm das Salz. (Foto: Grit Jandura)

Reinigung und Entsalzung des historischen Gesteins

Bevor der Naturstein auf Höhe des Chorgesimses entsalzen werden kann, muss er zunächst vorsichtig trocken und danach feucht gereinigt werden. Anschließend wird eine Kompresse – bestehend aus Zellstoff und Tonmineralien – die mit destilliertem Wasser zu einer Masse vermischt wird – auf den Sandstein gelegt. Eine gute Woche verbleibt sie auf dem Naturstein, bis sie ausgehärtet ist. „Wie lange die Entsalzungsmaßnahmen dauern, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Sicherlich werden wir bis in den Juli hinein brauchen – je nachdem, wie viele Entsalzungszyklen notwendig sind“, erklärt Thomas Gottschlich, Architekt und Leiter der Kirchbauverwaltung. Schließlich werden die Arbeiten im Freien durch die Witterung stark beeinflusst. Es darf weder zu kalt noch zu heiß sein, damit die Kompresse kontrolliert aushärten kann“, klärt Gottschlich auf.

Neben der Entsalzung werden die Oberflächen des Sandsteins überprüft und zum Teil mit einem Festiger geschützt. Darüber hinaus können auch weitere Arbeiten, wie Steinergänzungen oder Verfugungsmaßnahmen bevorstehen, die jedoch zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch nicht vorhergesagt werden können.

Die Kompressentsalzung

Das Prinzip der Kompressenentsalzung ist so einfach wie wirkungsvoll. „Aus Zellstoff und Tonmineralien wird mit destilliertem Wasser eine Masse hergestellt. Sie bewirkt, dass die durch die vorherige Befeuchtung des Steines angelösten Salzionen aus dem Stein in die Kompresse befördert werden“, erläutert Gottschlich. Abschließend wird die Kompresse mit Holzspachteln und Bürsten abgenommen. Dieser Ablauf wird, je nach Art und Belastungsgrad, bis zu zwei Male wiederholt.

Gottschlich betont, dass dieser Prozess für den Naturstein und zugleich für die Umwelt besonders schonend ist: „Die altsteingefährdenden und unansehnlichen Ausblühungen werden entfernt, ohne die sandsteintypische dunkle Patina anzugreifen.“ Nach dem Prozess werden die Salzproben im Labor analysiert und mit denen der Bauzeit verglichen, sodass Schlussfolgerungen auf die Veränderungen der Werksteine, die mit der Zeit entstanden sind, gezogen werden.

Spendenmittel für die Dresdner Frauenkirche

Die Stiftung Frauenkirche Dresden führt regelmäßig Wartungsarbeiten durch, um Schäden zu verhindern oder rechtzeitig zu beseitigen. Durch die Entsalzung der historischen Sandsteine werden voraussichtlich Kosten in Höhe von circa 85.000 EUR entstehen. Diese müssen jedoch durch Spenden gedeckt werden. Die Stiftung Frauenkirche Dresden freut sich daher über jede Unterstützung von Menschen, die die Frauenkirche ebenfalls so lange wie möglich in einem guten Zustand erhalten möchten.

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Scuola di Scultura öffnet wieder

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etwa Bildhauen für Fortgeschrittene und Gipsmodelle. Foto: Scuola di Scultura

Am Fuße des Marmorbergs im Tessiner Peccia geht’s wieder los. In Sommer-Kursen wie figürliches Modellieren und Bildhauen für Fortgeschrittene sind Plätze frei.

Im Mai startete die Scuola di Scultura ein Crowdfunding. Denn wegen Corona konnte sie monatelang lang weder Kurse anbieten noch Gäste empfangen. Das angestrebte Fundingziel von 50.000 CHF wurde weit übertroffen. Insgesamt kamen 93.724 CHF zusammen. Seit Anfang Juni gibt die Schule nun wieder Kurse.

In verschiedenen Kursen sind Plätze frei:

Figürliches Modellieren und Gipsabguss

vom 28. Juni bis 3. Juni 2020
Unter der Leitung von  Thomas Hunziker modellieren die Teilnehmenden einen weiblichen Akt in Ton. Sie arbeiten an drei Tagen an dem Modell gearbeitet. Die Figur wird dann mit Gips abgeformt und kann in Gips oder Zement gegossen werden.



Steinbildhauen für Fortgeschrittene – Resculpting
vom 19. bis 31. Juli
Alle Teilnehmenden bringen eine Fotografie, Zeichnung oder ein Video eines plastischen Werks mit. Unter Anleitung von Kursleiter Roland Hotz meißeln sie die persönliche, soweit wie möglich von Hand, als „Taille-Direct“ in ein Stück Peccia-Marmor.

Gips direkt
vom 2. bis 7. August 2020
In dieser Kurswoche leitet Hansulrich Beer  die Teilnehmenden an, direkt mit Gips Modelle zu gestalten, die später in Stein oder Holz umgesetzt werden können.

Steinbildhauen für Fortgeschrittene – Drehung

vom 16. bis 28. August 2020
In diesen beiden Kurswochen steht das Thema “Drehung” im Fokus. Kursleiter Hans-Peter Profunser leitet die Teilnehmenden an, ihre individuelle Formensprache zu entwickeln und herauszuarbeiten.



Alle Kurse sowie die Anmeldungsformulare finden sich auf der Seite der Schule.

Holz und Stein Hand in Hand

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Jury hat gewählt

Wer im Münchner Großstadttrubel derzeit Entspannung sucht, ist im ruhigen Innenhof des Künstlerhauses am Lenbachplatz genau richtig: Dort sind unter dem Motto „Holz und Stein im Einklang“ noch bis zum 24. November 2017 zehn Stelenskulpturen und elf Steinobjekte ausgestellt.

Entstanden sind sie im Rahmen der Ausbildung an der Münchner Fachschule für Steintechnik und Meisterschule für Holzbildhauerwerk, die jedes Jahr einen Wettbewerb unter den Schülern ausruft. Neu in diesem Jahr: Holzbildhauer und Steinmetze sollten Hand in Hand arbeiten, und das im wörtlichen Sinne. Ein dreidimensionales Objekt als 230 Zentimeter hohe Stelenskulptur war das Ziel, welches aus mindestens zwei zusammengesetzten Teilen aus den Materialien Holz und Stein bestehen sollte. Beide Materialien sollen sich dabei gegenseitig sowohl formal als auch inhaltlich bedingen, was die Materialwahl, die Oberflächenbearbeitung und das Gesamtbild als schlüssige Einheit angeht.

Die Jury, die aus Mitgliedern der Schule, der Danner-Stiftung, des Diözesanmuseums Freising, der Glyptothek, des Künstlerhauses am Lenbachplatz, Bayerische Nationalmuseums und der Galerie Handwerk HWK für München und Oberbayern bestand, hat insgesamt drei Werke prämiert. Die Wettbewerbe des Kooperationsprojekts der Meisterschule des Holzbildhauerhandwerks und des zweiten Jahrgangs der Fachschule für Steintechnik gewannen zwei Gruppen: Quirin A. Herzinger und Florian Ludwig mit ihrem Werk „Metamorphose Kastanienblatt“ sowie Carolin Hinterseer und Clemens Glaß mit der Skulptur „Lebensfluss“.

„Die Symbiose aus Stein und Holz sieht man hier besonders gut. Der Stein ohne das Holz wäre zu wenig, genauso wie andersrum. Im Gegenteil: Die Weiche des Holzes ergänzt sich wunderbar mit der Härte des Steins“, meint der Gestaltungslehrer an der Fachschule Hartmut Hintner zum Werk „Lebensfluss“.

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Der Innenhof des Münchner Künstlerhauses zeigt derzeit Arbeiten von Schülern der Fachschule für Steintechnik und Meisterschule für das Holzbildhauerwerk. Foto: Friederike Voigt
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Die Arbeiten entstanden im Rahmen eines von der Danner-Stiftung geförderten Wettbewerbs. Foto: Friederike Voigt
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Einer der Gewinner: „G‘ Foitat“ von Maximilian Taube. Foto: Friederike Voigt
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Detail: Die horizontalen Linien wurden mit Hand angefertigt. Vorlage für das Objekt war eine Papiertüte. Foto: Friederike Voigt
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„Lebensfluss“ von Carolin Hinterseer und Clemens Glaß ist ebenfalls prämiert worden. Foto: Friederike Voigt
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Detail: Tulpenbauholz und Stein San Sebastian sollen die Natur und das Leben darstellen. Foto: Friederike Voigt

Aus Papier werde Stein

An der Fachschule für Steintechnik ging der Preis im ersten Jahrgangs an Maximilian Taube für seine Arbeit „G ‘ Foitat“. „Vorbild für diese Arbeit war eine gefaltete Papiertüte, die Maximilian dann in Naturstein übertragen hat. So wurde aus etwas Vergänglichem etwas Massives“, so Hintner.

Ein Ausstellungswerk ist bereits verkauft. Die Erlöse gehen zu einem kleinen Teil an die Schule, den Rest bekommt der Schüler. Dieser muss das Werk bei Verkauf allerdings noch einmal für die Schule anfertigen. „Schließlich wollen wir die Ausstellungswerke als Ensemble behalten“, begründet Hintner.

Der kommende Wettbewerb läuft bereits. Die Steinmetzen sowie Holzbildhauer der Schule sind angehalten, eine Krippe aus Naturstein zu gestalten. Auftraggeber ist diesmal das Diözesanmuseum Freising, das ein paar Krippen aufkaufen will. Ab 18. Dezember 2017 werden die Werke in der Karmeliterkirche in München für vier Wochen zu sehen sein.

Über den von der Danner-Stiftung geförderten Wettbewerb lesen Sie einen ausführlichen Bericht in STEIN 3/2017.