Im Jahr 2014 feiert Deutschlands stärkster Jahrgang seinen 50. Geburtstag. Die 1964 geborenen Babyboomer waren in Schule, Ausbildung und Studium viele und sie sind es heute noch. 41 Prozent der Deutschen sind über 50 Jahre alt (20 Prozent sind über 65) und gehören damit zur wachsenden Kundengruppe der sogenannten Best-Ager. In sechs Jahren, gehört dazu bereits jeder zweite Deutsche. Beinahe jeder Dritte ist dann älter als 65 Jahre.
Die Älteren werden nicht nur mehr, sie werden auch immer älter. Noch vor hundert Jahren galt man mit 50 als Greis, die Menschen starben mit durchschnittlich 55. Heute hat sich das Durchschnittsalter um 20 bis 27 Jahre nach oben verschoben. Das gefühlte Alter liegt zudem etwa 14 Jahre unter dem biologischen und das gefühlte Aussehen vieler Menschen bei »minus 8 Jahren«. Marketingfachmann Hans-Georg Pompe beschreibt das Gefühl älterer Kunden: »Das heißt nichts anderes, als 50 sein, wie 42 aussehen und sich wie 36 fühlen.« Dennoch: Ab 60 gibt es für ältere Kunden schon mal einen »Seniorenteller«, der dann auch so heißt. Und das für Menschen, die sich selbst wie Ende 40 empfinden und wie Anfang 50 aussehen.
Tatsächlich fühlen sich viele ältere Kunden nicht genügend wertgeschätzt. 55 Prozent der in einer GfK-Studie befragten Best-Ager sind der Meinung, auf die Bedürfnisse und Wünsche der reiferen Generation würde immer noch zu wenig eingegangen. Auch erwarten Ältere, dass Nutzen und Funktion der Produkte sehr viel genauer erklärt werden, als viele Unternehmen es derzeit tun.
Menschen über 50 sind für Natursteinunternehmen ein wichtiges Segment, zumal die Altersgruppe für den Steinmetz von jeher zur Kernzielgruppe gehört. Wer mit dem 50plus-Markt wachsen will, muss ihn jedoch zeitgemäß ansprechen. Nicht jeder, der eine barrierefreie Dusche im Programm hat, wird seine Kunden damit auch begeistern. Und einfach »Grabstein wie bisher« heißt immer weniger, dass ältere, trauernde Angehörige sich davon angesprochen fühlen.
Wie also tickt der heutige Kunde jenseits der Lebensmitte? Kunden über 50 geben verglichen mit jüngeren Kunden wesentlich mehr Geld für Lifestyle-Produkte und Dienstleistungen rund um die Themen Luxus, Gesundheit, Genuss, Fitness, Wohnen, Einrichten und Geschenke aus. Best-Ager sind gesünder und leistungsfähiger denn je, häufig vermögend und zahlungskräftig, stehen mitten im Leben und legen großen Wert auf attraktive Produkte zum Wohlfühlen. Sie haben andere Bedürfnisse und Lebensinteressen als jüngere Konsumenten und wissen zunehmend ihre Marktmacht einzusetzen. Sie wählen Produkte, Betriebe oder Dienstleistungen ab oder empfehlen sie gezielt und mit Überzeugung weiter.
Mit einer Kaufkraft von über 720 Milliarden Euro pro Jahr verfügt die deutsche Generation 50plus über eine enorme Marktmacht. Dennoch sind Menschen über 50 keine homogene Zielgruppe. Das Alter allein ist nicht unbedingt ausschlaggebend für ihre Lebensgewohnheiten, Einstellungen und Konsumbedürfnisse. Die Konsumbedürfnisse älterer Menschen werden vor allem durch die jeweilige Lebensphase (Auszug der Kinder, Geburt von Enkeln, Ausscheiden aus dem Erwerbsleben) sowie von der persönlichen Lebenslage (Vermögen, Wohneigentum, Partnerschaft) beeinflusst.
Mehr über die Kundengruppe der Best Ager, wie man diese betreut und welche verschiedenen Typen es gibt, finden Sie im Steinheft 08/2014.
Auf der Vernissage des Weiterbildungskurses „Steinbildhauen und dreidimensionales Gestalten“ der Scuola di Scultura präsentierten die Schweizer Bildhauer Peter Bachmann und Stefan Kistler ihre Abschlussprojekte „Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ und „Durchblick“ in Cevio im Tessin. STEIN sprach mit den beiden über ihre Skulpturen, ihre Ambitionen und ihre Gedanken über das künstlerisch-kreative Arbeiten mit Stein. In diesem Gespräch: Peter Bachmann. Der Lebenslauf des 58-Jährigen lässt Staunen, vereint er doch zwei Berufszweige, die vermeintlich wenig miteinander zu tun haben. Als Osteopath arbeitet Bachmann einerseits in seiner eigenen Praxis. Zum anderen ist da noch die Leidenschaft des Steinbildhauens.
Die Absolventen Peter Bachmann (li.) und Stefan Kistler (Mitte) mit Schulleiterin Almute Großmann-Naef während der Vernissage. Foto: Scuola di Scultura„Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ von Peter Bachmann. Foto: Peter BachmannMit der Skulpturengruppe verweist Bachmann auf die Flüchtlingsthematik. Foto: Peter BachmannDetail der Betongruppe. Foto: Peter BachmannVernissage in Cevio im Tessin. Foto: Peter BachmannBachmann stellt Familien- und Einzelschicksale ins Zentrum seiner Arbeit und formt aus einem Kollektiv Individuen. Foto: Peter Bachmann„Empathie ist der Kern der Menschlichkeit. Diesen Kern möchte ich durch meine Installation spürbar machen“, erklärt Bachmann. Foto: Peter Bachmann
STEIN: Sie haben sich zunächst als Physiotherapeut und schließlich zum Osteopath ausbilden lassen, seit 2003 besitzen sie eine eigene Praxis. Nun haben Sie an einer Weiterbildung zum Steinbildhauen teilgenommen. Wie lassen sich diese beiden Leidenschaften vereinen?
Peter Bachmann: Mir ist bewusst geworden, dass ich in der künstlerischen Umsetzung von den Therapien am Patienten und der räumlichen anatomischen Vorstellung viel profitieren kann. Lehrer an der Scuola di Scultura haben mir bestätigt, dass Körpertherapeuten oft plastischer und lebendiger modellieren und zeichnen. Des Weiteren liefern mir die Empfindungen meiner Patienten viele kreative Impulse.
Die Bildhauerei zum Hauptberuf zu machen konnten Sie sich aber nicht vorstellen? Meine Leidenschaft als Osteopath hält sich etwa die Balance mit der Bildhauerei. In den letzten Jahren habe ich meine kreative Seite immer mehr in meinen Alltag integriert und ausgeweitet. Ich bin als Osteopath inzwischen etabliert und habe ein gut funktionierendes Netzwerk. Als Kunstschaffender muss ich mir das zuerst erarbeiten, was mit 58 Jahren nicht leicht ist. Finde ich einen Nischenmarkt, werde ich die Bildhauerei weiter ausbauen.
Warum hatten Sie sich zu einer Teilnahme an der Weiterbildung entschlossen?
Im Holz- und Steinbildhauen hatte ich vor allem autodidaktische Erfahrung. Dadurch bleiben immer Lücken gegenüber vollberuflichen Kunstschaffenden, die eine breitere Erfahrung haben. Ich wollte mich unbedingt bei professionellen Lehrern weiterbilden und ein breit abgestütztes Angebot nutzen, um meine Sensitivität für die Materialien zu entwickeln und die technischen Fertigkeiten zu verbessern.
Viele Ihrer Arbeiten zeigen Menschen. Ihre Gesichtszüge sind sehr detailliert und filigran ausgearbeitet. Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass sie „so lange an einer Skulptur arbeiten, bis sich ein Teil dieser Kraft in der Skulptur angesammelt hat.” Würden Sie sich als Perfektionisten bezeichnen?
Ja, in dieser Hinsicht schon. Ich ringe zum Teil sehr lange, bis für mich die Deckung mit meinen Gefühlen und inneren Bildern erreicht ist.
Ihr Abschlussprojekt ist ein Betonguss, der Gruppen von Menschen zeigt. Manche von ihnen tragen Kinder in den Armen oder auf dem Rücken, andere sehen sich suchend um, stehen eng zusammengepfercht da. Einzelne Schicksals- und Familiengemeinschaften sind reliefartig zusammengefasst. Eine Prozessanalyse der Flüchtlingsthematik mit dem Titel „Betroffenheit Gefühlt Geformt.“ Warum wurde es Beton und keine Steinskulptur?
Beton enthält vor allem Sand. Im Buch „Masse und Macht“ schreibt Elias Canetti über die Massensymbole. Dazu gehören zum Beispiel Sand, Korn oder der Regen. In meiner Arbeit geht es um die Gegensätze von Masse und Individuum. Der Sand im Beton trägt die Symbolik der Masse in sich. Alle 28 Gruppen wiegen etwa 1,3 Tonnen. Die vielen Asylsuchenden wiegen in ihrer Bedeutung ebenfalls schwer. Auch hier unterstützt das hohe Gewicht des Materials die Symbolik. Niemand ist nicht betroffen von den Flüchtlingsströmen. Wir sollten bemüht sein, nicht nur „die Asylsuchenden“ wahrzunehmen, sondern sie auch als einzelne Individuen kennenzulernen. Durch die figürliche Darstellung treten sie aus der Masse.
Machen wir nun eine kleine theoretische Prozessanalyse Ihres Schaffens: Wie entstand das Abschlussprojekt des Kurses?
Am Beginn meiner Arbeit steht eine innere Unruhe, Betroffenheit und Empörung. Die Betroffenheit wird immer stärker und zum kreativen Impuls. Sie ist der Ursprung einer Kraft, die mich zur Umsetzung drängt. Sie steigt auf aus den Zellen meines Körpers und produziert Bilder in meinem Kopf. Ich verspürte den Wunsch, die vielen Bilder von geflüchteten Menschen, die man immer nur zwei bis fünf Sekunden im Fernsehen sah, anzuhalten und sie dreidimensional zu gestalten, damit Raum und Zeit entsteht zu reflektieren, das Irrationale „begreifbar“ zu machen. Einerseits während des Entstehens und andererseits als Skulpturenraum.
Sie arbeiten aber nicht nur mit Beton, sondern auch mit Stein. Wie empfinden Sie das Material?
Ich arbeite vor allem mit weicheren Steinen wie Marmor, Travertin oder Alabaster. Im Stein kommt es zu einer Verlangsamung des Arbeitsprozesses. Durch den größeren Widerstand beim Bearbeiten löst er in mir andere Prozesse aus. Die Urkräfte der Hitze und des Drucks im Erdinneren haben zum Beispiel beim Marmor zu einer Metamorphose geführt. Diese inhärenten Urkräfte, das große Gewicht und die Beständigkeit von Stein führen mich oft zu Urformen.
Mit der Vernissage Ende September haben Sie den Weiterbildungskurs nun beendet. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?
Die Vernissage hat mir gezeigt, dass das Thema immer noch sehr aktuell ist und dass viele durch die Begegnung mit der Installation emotional tief berührt waren.
Und was nehmen Sie aus dem Kurs für sich mit?
Der Kurs war etwas vom Besten, was mir passiert ist. Jedes Modul, sei es Zeichnen, Modellieren, Bildhauen oder Theorieseminare haben sich auf mein Sehen, Spüren und Fühlen des zu bearbeitenden Materials ausgewirkt. Der direkte Unterricht von hervorragenden Lehrern der Scuola di Scultura hat mich sicherer in meiner technischen Ausführung gemacht und meine künstlerischen Möglichkeiten deutlich erweitert.
Planen Sie noch weitere Weiterbildungskurse?
Da bei mir oft der Mensch im Mittelpunkt meiner Arbeit steht, sind für mich alle Kurse, in denen Modelle gezeichnet oder modelliert werden können, interessant und basal. Ich gehe gerne zurück zu den Wurzeln, um Energie zu tanken. Deshalb wird man mich noch oft im schönen Maggiatal und der Scuola di Scultura arbeiten sehen.
Die Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Heilbronn-Franken präsentiert sich auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn mit einer handgefertigten Kugelbahn aus Sandstein. Außerdem wurde bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung Roland Vorherr im Amt des Obermeisters bestätigt. (mehr …)
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