Oberflächen nach Maß

Neben dem Sägen und Fräsen ist die Oberflächen-Bearbeitung mit Schleifwerkzeugen eine wichtige Aufgabe in der Steinverarbeitung. Die Anwendungen reichen vom Aufrauen bis zur Hochglanzpolitur. Die polierte Fläche ist nach wie vor die überwiegende Oberflächenart. Sie bringt die Textur des Natursteins eindrucksvoll zur Geltung und lässt sich leicht reinigen. Im gehobenen Innenausbau ist der Trend zu matt geschliffenen oder strukturierten Steinen ungebrochen, aber auch bei Grabmalen experimentieren Gestalter mit der individuellen Oberfläche.

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Test von Weha-Satinierbürsten auf einem Kalkstein und einem Diorit

 

Die Vielfalt der Schliffbilder ist groß, eine Norm dafür gibt es nicht. Wie sich eine Oberfläche in »Lederoptik« von einer satinierten oder »antikisierten« Fläche unterscheidet, bleibt jedem Steinmetz selbst überlassen. Entsprechend vielfältig entwickelt sich das Angebot an Werkzeugen für matt strukturierte Flächen. Jeder Hersteller entwickelt eigene Formen und Rezepturen für seine Werkzeuge. Die optische Wirkung hängt ab von der Art der Bürsten – mit Diamanten besetzte Borsten oder Lamellen –, der Anzahl der jeweiligen Überschliffe und der Kornabstufung. Ziel dabei ist eine bewegte Oberfläche, die zugleich auch das Farbspiel des Steins zeigt. Auch bei der jüngsten Entwicklung der Scharrierwalzen und Bürsten zum Einsatz auf Brückensägen gilt dieses Prinzip: Zuerst wird der Stein grob strukturiert und dann wieder geglättet. Die linearen Werkzeugspuren dienen bewusst als Gestaltungsmittel. Die Flächen sind zwar rein maschinell hergestellt, wirken für den Kunden aber handwerklich individuell und sind dadurch besonders attraktiv.

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Mit möglichst wenigen Schritten soll ein interessantes Schriftbild entstehen. Die Oberfläche wird nach jeder Körnung begutachtet.

 

Bei allen Bearbeitungen sind die Härte des Steins sowie die Ausgangs- und Zieloberfläche zu berücksichtigen. Vor allem die Vorbehandlung des Steins beeinflusst die spätere Haptik. Die Ausgangsfläche kann beflammt, gestockt, tellergestrahlt, sandgestrahlt oder geriffelt sein. Bei Weichgesteinen genügt meist die sägeraue oder grob geschliffene Fläche für das Einwirken der Diamantkörner. Kunden, die sich für Naturstein entscheiden, wollen diese Natürlichkeit sehen und spüren. Mit der Vielfalt an Bürsten, Walzen und anderen rotierenden Werkzeugen inszeniert der kreative Steinmetz bekannte und auch neu auf den Markt kommende Materialien auf reizvolle Weise.

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Ziel erreicht: Die fossilen Bestandteile des Kalksteins Rustic Green heben sich nach vier Arbeitsgängen vom weicheren Bindemittel ab.

 

Stein hat diese Firmen besucht: Naturstein Meißner und Jogerst – ihre Erfahrungen mit verschiedenen Schleifgeräten und Oberflächenbearbeitung und viele weitere Bilder werden im Steinheft 08/2014 gezeigt.

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