Ein Platz aus Travertin

Stein Magazin

Mit dem Sanieren oder dem Neubau von Wohnungen ist es allein nicht getan, damit die Menschen sich in der Stadt wohlfühlen. Auch die Umgebung muss stimmen. Schöne Wohnungen und ein passendes Umfeld sind also eng miteinander verbunden.

Unter diesem Motto stand auch der Umbau der Hauptgeschäftsstelle der jenawohnen GmbH in Jena. Nicht nur das denkmalgeschützte Gebäude am Löbdergraben selbst sollte in den Jahren 2010 und 2011 saniert werden, auch die Gebäuderückseite hatte eine Wiederbelebung nötig. Aus dem Hinterhof mit Garagen und Stellplätzen sollte ein moderner Aufenthaltsbereich werden. Das stellte den Planer Wolfram Stock vom beauftragten Büro Stock Landschaftsarchitekten vor einige Herausforderungen. Denn der Platz ist nicht sonderlich groß und liegt zwischen mehreren Gebäudeteilen.

 

Die Planer entschieden, den Platz mit Thüringer Travertin zu gestalten. Dieser Stein besitzt eine lange Tradition, nicht nur in seinem Abbaugebiet zwischen Weimar und Erfurt. In Bad Langensalza, der Stadt nahe einem der beiden noch offenen Steinbrüche für Thüringer Travertin, bestehen so gut wie alle öffentlichen Gebäude aus diesem Stein, und das schon seit dem 12. Jahrhundert. Denn Thüringer Travertin war leicht zu gewinnen und gut zu bearbeiten. Eine weitere Blüte erlebte der Stein im frühen 20. Jahrhundert: Hier sind das Rathaus in Berlin-Charlottenburg, erbaut 1899–1905, das Nordsternhaus in Berlin-Schöneberg von 1912 und das Verwaltungsgebäude der Sektkellerei Henkell & Söhnlein (1907–1909) in Wiesbaden nur einige prominente Beispiele. Fassaden, Innenräume oder auch Bodenbeläge aus Travertin sind mit ihrer schlichten und doch lebendig strukturierten Oberfläche bis heute ein beliebtes Gestaltungsmittel.

Charakteristisch für Travertin sind seine zahlreichen Hohlräume. Diese entstehen zum Beispiel dann, wenn bei der Steinbildung Pflanzenteile eingeschlossen werden. Der Name »Travertin« leitet sich von der italienischen Stadt Tivoli ab und bezeichnet ursprünglich einen »Stein aus Tivoli«, doch natürlich finden sich Travertine auf der ganzen Welt. Aufgrund ihrer Struktur lassen sich Travertine recht gut brechen oder sägen und sind relativ leicht. Sie waren deshalb in früheren Zeiten bei öffentlichen Gebäuden und im Kirchenbau beliebt. Travertine sind frostfest und eignen sich für Dekor und Einbauten an Gebäuden, reagieren allerdings empfindlich auf sauren Regen. Grundsätzlich lassen sich Travertine, die besonders dicht sind, polieren. Sofern man sie mit dem Lager aufsägt, lassen sich alle Travertine polieren. An der Witterung weicht die Politur schnell einer matten Patina, die durchaus ihren Reiz hat.

Wie die Umgestaltung des Platzes in Jena voranging, erfahren Sie in STEIN im August 2014.

Fotos © Traco

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