Kylltaler Sandstein am Rhein

Am Düsseldorfer Rheinufer steht ein eindrucksvoller Altbau aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Fassade aus Putz und Naturstein des denkmalgeschützten Gebäudes wies, vor allem an dem Kylltaler Sandstein, erhebliche Schäden auf und musste aufwendig restauriert werden.

In prominenter Lage, nur wenige Gehminuten von der Düsseldorfer Königsallee entfernt, liegt das mehrgeschossige Wohn- und Geschäftshaus im bekannten Stadtteil Carlstadt. Der historische Altbau stammt aus dem Jahr 1910/11, seine denkmalgeschützte Fassade besteht aus weißen Putzflächen und massiven rotbraunen Kylltaler Sandsteinen. Das straßenseitige Tiefparterre setzt sich farblich durch einen dunklen Sockel aus Basaltlava ab.

Problematik

Durch Umwelteinflüsse und die unmittelbare Nähe zum Rhein traten im Laufe der Jahrzehnte vermehrt Schäden an der straßenseitigen Außenhülle auf. Vor allem stellte man eine großflächige Schalenbildung an der Oberfläche der Sandsteine fest. Diese Problematik erklärt der für die Restaurierungsmaßnahmen beauftragte Düsseldorfer Architekt Philipp van Noppen: „In Teilbereichen hatte eine zu Beginn der 1990er Jahre aufgetragene, nicht fachgerecht ausgeführte Hydrophobierung zu den Schäden geführt.“ Dabei hatte Wasser die hydroprobierte Schicht über Risse im Fugenmaterial hinterwandert und zum Absanden und Abschalen der Steinoberfläche geführt.

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Durch das sich lösende und herabfallende Steinmaterial bestand zudem Gefahr für vorbeilaufende Passanten. Trotzdem konnte man im Sommer 2018 nicht sofort mit den notwendigen Restaurierungsmanahmen beginnen. „An der Häuserzeile hier am Rheinufer brütet die größte Mehlschwalbenkolonie Nordrhein-Westfalens, und deren Schonzeit dauert bis Ende September“, erklärt van Noppen den ungewöhnlichen Umstand. Daher musste er die Maßnahmen in die bautechnisch ungünstige Phase von Oktober bis März verlegen. „Nach der Bestandsaufnahme im Juli haben wir den langen Vorlauf im Sommer aber gut genutzt, um die Natursteine vorfertigen zu lassen und sämtliche Gewerke terminlich zu koordinieren“, so van Noppen.

Bestandsaufnahme

Die zweitägige detaillierte Bestandsaufnahme erfolgte mittels Hubsteiger. Zusammen mit dem Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister Johannes van Noppen und dem Steinmetz- und Steinbildhauermeister Peter Rüb untersuchte der Architekt die schadhafte Fassade. „Bei der Natursteinfassade handelt es sich um 35 bis 40 Zentimeter massives Mauerwerk. An etlichen Stellen mussten wir bis zu sechs Zentimeter schadhaftes Steinmaterial entfernen, bis wir gesundes Kernmaterial vorgefunden haben“, berichtet Johannes van Noppen und erklärt weiter: „Die Außenecken waren noch stärker von der Witterung betroffen. Hier mussten wir teilweise bis zu acht Zentimeter ausstemmen.“

Neben dem Hauptproblem der Schalenbildung und zahlreicher Risse im Putz fanden die Bauspezialisten vor allem im oberen Drittel der Fassade stark verwitterte und absandende Konsolsteine, die komplett ausgetauscht werden mussten. Zudem war durch die schadhafte Steinoberfläche Feuchtigkeit in etliche Natursteine eingedrungen. Dies hatte zur Folge, dass die alten Eisenanker stark korrodierten und somit weitere Schäden an den Steinen verursachten. „Denn aus einem Kubikmeter Eisen werden drei Kubikmeter Rost“, erklärt Johannes van Noppen die enorme Sprengkraft, die sich durch den Korrosionsvorgang entwickelt.

Auch an drei der insgesamt fünf vorhandenen Balustraden mussten Restaurierungsmaßnahmen vorgenommen werden. So fand man an einigen Stellen alten, sich lösenden Restauriermörtel, der von einer „nicht fachmännisch durchgeführten Instandsetzung“ stammte, so der Architekt. Ansonsten waren die oberen Profile der historischen Natursteingeländer aufgrund der Blechabdeckungen relativ gut erhalten.

Doch an den Fußpunkten zeigten sich erhebliche Schäden. Hier hatte Wasser in Form von Schlagregen zu hohem Materialverlust geführt. „Teilweise war hier der Substanzverlust so weit fortgeschritten, dass es uns nicht mehr möglich war, den Querschnitt abzugreifen“, berichtet Johannes van Noppen. Um die historischen Elemente detailgetreu rekonstruieren zu können, fertigte der Architekt Schablonen sowie Plan- und Werkzeichnungen an.

Kylltaler Sandstein

Bei dem historischen Fassadenstein handelt es sich um Kylltaler Sandstein aus der Nähe von Bitburg in der Eifel. „Eine der wichtigsten Aufgaben für die Restaurierung war den farblich und gefügemäßig passenden Sandstein zu finden“, betont Philipp van Noppen. Fündig wurde er bei der Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH.

Das familiengeführte Unternehmen besitzt 21 Steinbrüche in Deutschland, in denen Granit und Sandstein abgebaut und im eigenen Werk weiter verarbeitet werden. Aber der mittelständische Betrieb arbeitet auch mit „Fremdmaterial“, wie zum Beispiel den großen Rohblöcken aus Kylltaler Sandstein. „In Bamberg haben wir gemeinsam viel Zeit aufgewendet, den passenden Farbton herauszufinden. So fällt es selbst einem Fachmann schwer, die ausgewechselten Steine an der restaurierten Fassade wahrzunehmen“, verrät Johannes van Noppen nicht ohne Stolz.

Nachdem die Beteiligten zusammen das passende Steinmaterial ausgesucht hatten, stellten die Steinmetze des Bamberger Natursteinwerkes sämtliche erforderlichen Werksteine wie Gesimse, Fensterlaibungen und Konsolsteine inklusive der gewünschten geschliffenen oder scharrierten Oberfläche her. Mithilfe der vom Architekten angefertigten Schablonen konnte man im Werk auch die von der Witterung stark angegriffenen Balustradenelemente rekonstruieren. Im ersten Arbeitsgang fräste ein Industrieroboter die gewünschten Werkstücke samt Profilierung. Im zweiten Schritt, um ein optimales Ergebnis zu erzielen, bearbeiteten die Steinmetze händisch die einzelnen Steinelemente nach.

Montage der Werksteine

Nachdem Ende Oktober die Schwalben ihre Nester verlassen hatten, konnten Johannes van Noppen und Peter Rüb endlich mit der Montage der Werksteine beginnen. Insgesamt haben die beiden Fachleute 3,6 Tonnen Kylltaler Sandstein an der Fassade ausgetauscht. Besonders an den Eck- und Profilbereichen baute das Zweierteam neue Vierungen ein. Die vom Bamberger Natursteinwerk vorgefertigten, scharrierten Sägestücke mussten sie vor Ort nur noch auf das entsprechende Größenmaß zuschneiden, bevor sie die Vierungen mittels Trasszementmörtel (Weber mix 614) passgenau einsetzten.

Die alten, korrodierten Eisenanker und -klammern ersetzten sie durch entsprechend sechs, acht oder zehn Millimeter dicke Edelstahlbewehrungen. Da alle Maßnahmen mit der Denkmalbehörde im Vorfeld abgestimmt werden mussten und der Austausch der alten Sandsteine, sofern möglich, weitestgehend reduziert werden sollte, reparierten die Steinmetze weniger schadhafte Sandsteine mittels Restauriermörtel (Firma Remmers). Hierbei verwendeten sie eine Mischung aus den beiden Farbtönen Rotbraun und Buntsandstein.

„Damit haben wir handwerklich das Farbenspiel der ,neuen‘ Fassade beeinflussen können, um es optimal der vorhandenen Steinfassade anzupassen“, erklärt Johannes van Noppen. Kleinere Risse verharzten die Steinmetze kraftschlüssig mit Epoxidharzkleber (Akemi Akepox), während sie größere Risse mit Dübelankern aus Edelstahl (VA 3 x 250 mm) und Injektionsmörtel (Hilti Injektionsmörtel, HIT-MM Plus 330/2) vernadelten und die verbliebenen Löcher an der Oberfläche anschließend mit angepasstem Restauriermörtel schlossen. Eine weitere Maßnahme war es, schadhaftes Fugenmaterial herauszutrennen und die freigelegten Zwischenräume mit Trass-Kalkmörtel für historisches Mauerwerk (Firma Weber) neu zu verfugen.