Lange Nacht der Architektur 2017

Stein Magazin

Nach einer Woche Messe ist die größte Fachmesse für Architekten in München nun zu Ende: die BAU 2017. Von über 250.000 Besuchern kamen 80.000 aus dem Ausland. Das merkte man auch in der Langen Nacht der Architektur, die im Rahmen der BAU am Freitag in München stattfand. Die Guides der geführten Touren wechselten schnell von Deutsch zu Englisch, als sie merkten, dass die meisten Besucher aus Asien kamen. STEIN war bei einer Tour dabei. Natürlich ging es um das Material Naturstein. Insbesondere um das Bürogebäude am Schwabinger Tor von Max Dudler mit Trosselfels neben dem Stadtquartier Leopoldstraße mit Betonfassade. Ein Vergleich. 

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Das Stadtquartier Leopoldstraße (rechts) mit Betonfassade und das Bürogebäude am Schwabinger Tor von Max Dudler mit einer Natursteinfassade (links) im Vergleich (Foto: STEIN)
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Beton und … (Foto: STEIN)
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… Naturstein, hier Trosselfels (Foto: STEIN)
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Material Beton: Das Stadtquartier Leopoldstraße von 03 Architekten erinnert von oben an Solitär-Geometrie (Foto: STEIN)
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Material Beton: Unten befinden sich Läden, darüber Büros und in den obersten Etagen Mietwohnungen (Foto: STEIN)
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Material Naturstein: Die Natursteinfassade am Schwabinger Tor wurde bewusst in hellem Ton gewählt, um den Gebäuden der nahe gelegenen Leopoldstraße nicht zu widersprechen (Foto: STEIN, Rendering-Zeichnung)
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Durch die verdeckte Anordnung der glashaltenden Fensterrahmen sind ausschließlich die Materialien Glas und Stein sichtbar, welche sich in großformatigen Elementen zur Fläche fügen (Foto: STEIN)
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Die tief eingeschnittenen Fensterleibungen verlaufen angeschrägt jeweils zur rechten oder linken Seite und erzeugen dadurch ein rhythmisiertes Fassadenrelief, dessen plastische Wirkung man mit der Bossierung einer Renaissance- Fassaden vergleichen könnte (Foto: STEIN)
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Zweierlei Bearbeitung: links ein C30-Schliff, rechts Aqua-Power (Foto: STEIN)
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Großer Andrang in der Langen Nacht der Architektur – um den Blick vom Osram-Gebäude zu genießen, warteten die Besucher zum Teil eine Stunde (Foto: STEIN)
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Wie wird der Preis von Zusatzleistungen, Vertragsänderungen und Mengenmehrungen berechnet?

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Lehrbeauftragter a.D. für Baurecht in München. Foto: privat
Lehrbeauftragter a.D. für Baurecht in München. Foto: privat

Neue Rechtssprechung: Kommt es bei der Vertragsabwicklung zu Leistungsänderungen oder Mengenmehrungen, und haben die Vertragspartner einen VOB-Vertrag geschlossen, so galt bisher der Grundsatz: „Guter Preis bleibt guter Preis, schlechter Preis bleibt schlechter Preis“. Im Klartext: Auch für eine angeordnete Vertragsänderung oder für Mengenmehrungen in einzelnen Positionen ist bei der Berechnung des Preises für diese Leistungen von den Preisermittlungsgrundlagen des Hauptangebots auszugehen. Sind diese gut, bleibt auch der Nachtragspreis gut. Bei schlechten Ausgangspreisen muss der Auftragnehmer unter Umständen draufzahlen. Dieses Prinzip wurde nun von der Rechtsprechung „gekippt“.

Rechtsanwalt Dr. Olaf Hofmann, Lehrbeauftragter a.D. für Baurecht in München. Foto: privat

Der BGH hatte folgenden Fall zu entscheiden:

Bei einem VOB-Einheitspreisvertrag über die Herstellung von Fassadenarbeiten kam es bei der Position „Fassadendämmung“ zu Mehrmengen von deutlich über zehn Prozent. Der Auftragnehmer berechnet in seiner Schlussrechnung auch für die Mehrmengen den für ihn „sehr guten“ vertraglich vereinbarten Einheitspreis und beruft sich hierbei auf § 2 Abs. 3 Nr. 2 VOB/B, wonach auch für die Mehrmenge der vertragliche Einheitspreis maßgeblich ist. Lediglich dann, wenn etwaige Ersparnisse festzustellen sind oder wenn der Auftragnehmer Mehrkosten (zum Beispiel höhere Einkaufspreise für das Material, höhere Lohnkosten) nachweisen kann, ändert sich dieser vertragliche Ausgangspreis. Weil weder Ersparnisse noch Mehrkosten angefallen seien, gelte somit der Vertragspreis.

Hat der Auftragnehmer recht?

Die Entscheidung Der BGH hat hierzu mit Urteil vom 21. November 2019, Baurechts- Report 2020, Seite 1 Folgendes ausgeführt:
1. Der Anspruch auf Bildung eines neuen Preises setzt nur voraus, dass die ausgeführte Menge den im Vertrag angegebenen Mengenansatz um mehr als 10 % überschreitet und eine Partei die Vereinbarung eines neuen Preises verlangt.

2. Können sich die Vertragspartner auf den neuen Preis nicht einigen, erfolgt die Bildung des neuen Preises für die Mehrmenge „nach tatsächlich erforderlichen Kosten zuzüglich angemessener Zuschläge“.

Hinweise für die Praxis

1. Das VOB- Prinzip „Guter Preis bleibt guter Preis, schlechter Preis bleibt schlechter Preis“ ist somit nicht mehr gültig.
2. Dieses Prinzip gilt natürlich nicht nur dann, wenn der Auftragnehmer einen „guten“ Einheitspreis hat, sondern sich beispielsweise beim Vertragspreis zu seinen Ungunsten verkalkuliert hat. Nun kann er für die Mehrmenge einen angemessenen Preis fordern, diesen also nach „tatsächlich erforderlichen Kosten“ berechnen.
3. Inzwischen gibt es weitere Urteile, wonach auch für die Berechnung des Preises von Zusatzleistungen und Vertragsänderungen die Preisermittlungsgrundlagen des bisherigen Vertragspreises nicht mehr maßgeblich sind. Vielmehr richtet sich auch hier der neue Preis nach den „tatsächlich erforderlichen Kosten“ (siehe OLG Brandenburg vom 22.04.2020, Baurechts-Report 2020, Seite 22).

Grabmal + Sakralbau – Der Stein im November 2023

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Grabmal + Sakralbau, Coverbild: Ana Barros
Coverbild: Ana Barros

In der Grabmal- & Sakralbau-Ausgabe stellen wir eine Kapelle in archaisch minimalistischer Turmform aus recyceltem Gneis vor und beschäftigen uns mit der zeitgemäßen Formensprache von sakralen Räumen. Spannend sind auch neue Wege in der Friedhofsgestaltung: wir sprechen mit Experten und zeigen am Beispiel des Campus Vivorum wie der Friedhof der Zukunft aussehen kann.

Weil die Gestaltung einer Grabkapelle heutzutage ein nicht gerade alltägliches Geschäft ist, haben sich die Architekten Berger + Parkkinen mit großer Neugierde und kreativem Interesse auf den Auftrag einer Familie in der Steiermark gestürzt. „Entstanden ist eine im Schlosspark frei stehende Kapelle in archaisch minimalistischer Turm-form, die die tradierte Grabkultur der Menschheitsgeschichte ebenso als Bezugspunkt heranzog, wie auch den besonderen Ort inmitten alter Bäume“, schwärmen die Architekten. „Wir schufen eine Verbindung zum in Sichtweite gelegenen Schloss und erzeugten mittels Licht und einer vertikalen Ausrichtung die für ein Grabmal passende Mystik und spirituelle Atmosphäre.“ Ob und wie ihnen das gelungen ist? Überzeugen Sie sich selbst in unserem Heft.

Grabkapelle inmitten von Bäumen

Spirituelle Atmosphäre mit gewandelter Friedhofskultur zu verbinden, haben sich die Macher des Campus Vivorum zur Aufgabe gemacht. Entstanden ist ein Experimentierfeld mit unterschiedlichen Handlungsfeldern, auf denen jeweils der Mensch im Mittelpunkt steht. Unsere Autorin hat sich mit Dirk Pöschmann, Geschäftsführer der Initiative „Raum für Trauer“, über verbindende Elemente zwischen Trauernden und Toten unterhalten.

Der Mensch im Mittelpunkt

Individuelle, handgefertigte Grabmale haben nach wie vor Konjunktur. Und sie überzeugen die Fachwelt. Die prämierten Arbeiten aus dem Jahr 2022 sehen Sie ebenfalls im neuen Heft.

Mit sakralen Räumen beschäftigt sich Bernd Dirks, Steinbildhauermeister aus dem nordrhein-westfälischen Billerbeck, seit über 35 Jahren. Zuletzt hat er an der Umgestaltung der St. Lamberti Kirche in Coesfeld mitgewirkt. Wir zeigen die neue Formensprache der Prinzipalien in fünf ausgewählten Gotteshäusern.

Handgefertigte Grabmale und neue Formensprache in Gotteshäusern

Friedhöfe sind nicht nur Gedenkstätten, sie übernehmen auch als „grüne Lungen“ eine wichtige Funktion in der Stadt. Mit ihrer Bedeutung für Biodiversität und Klimaschutz beschäftigt sich unsere Autorin Annette Mühlberger. Sogar Krautgärten sind dort inzwischen denkbar. Lassen Sie sich überraschen.

Das Heft ist hier im Shop erhältlich.

In der Oktoberausgabe von STEIN haben wir einen Blick auf die Marmomac in Verona geworfen, das neue Wien-Museum vorgestellt und uns auf eine Reise nach Berlin begeben – alles zur Ausgabe marmo+mac hier.

Viel Spaß bei der Lektüre von STEIN wünscht Ihnen

Ihre Steinredaktion

Friedhöfe als grüne Lungen

In der Grabmal- & Sakralbau-Ausgabe stellen wir eine Kapelle in archaisch minimalistischer Turmform aus recyceltem Gneis vor und beschäftigen uns mit der zeitgemäßen Formensprache von sakralen Räumen. Spannend sind auch neue Wege in der Friedhofsgestaltung: wir sprechen mit Experten und zeigen am Beispiel des Campus Vivorum wie der Friedhof der Zukunft aussehen kann.