Schwergewicht mit Botschaft

Stein Magazin

STEIN: Herr Reist, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit der Thematik Mikro- und Makrokosmos. Wie sind Sie auf das Thema gekommen und was reizt Sie daran?

Die Skulptur Globo Uovo ist eine eindrucksvolle Arbeit des Steinbildhauers Marc Reist und steht zur Zeit im Centre Dürrenmatt im schweizerischen Neuchâtel. Das 6,5 Tonnen schwere „globale Ei“ hat der Künstler aus weißem Marmor gefertigt. Im Gespräch mit STEIN erklärt der Schweizer, welche Botschaft er mit seiner Skulptur vermitteln möchte, warum er nur mit weißem Gestein arbeitet und weshalb er vor der Vernissage einen Aufruf zum Sammeln von Eischalen startete.

Marc Reist: Es ist eine logische Folge meiner künstlerischen Arbeit und wie ich meine Umgebung beobachtend reflektiere. Mir fällt auf, wie gewisse Regeln und Mechanismen im Kleinen wie auch im Großen sich ähneln. Ich bin nie bewusst auf das Thema gekommen, sondern das hat sich entwickelt. Ich glaube, 2005 hat es angefangen.

Das Globo Uovo symbolisiert die Welt und den Ursprung des Lebens. Gab es einen bestimmten Anlass für diese Idee?

Ja, das war im Jahr 2011. Ich war von einer Zeitung in der Schweiz eingeladen, einige Kolumnen zu schreiben. Ich begann in diesen Texten über Ressourcen und Nahrung zu schreiben und über das, was mich stört: der Umgang mit Nahrung, der Umgang mit unserer Umwelt. Und in dieser Phase entwarf ich das Globo und dann das Ei dazu. Die Eier schwingen eigentlich immer mit. Regelmäßig für meine Frau – das nur nebenbei erwähnt – zum Geburtstag, zum Muttertag, gibt es immer Zeichnungen von Huhn und Ei. Ich beginne entweder mit dem Huhn oder mit dem Ei, aber das Ei schwingt immer mit.

Die vielen Öffnungen in der Skulptur, haben die auch eine Bedeutung? 

Die Öffnungen sind durch die Längen- und Breitengrade entstanden. Und ich empfand sie, sobald ich in dem Ei arbeiteten konnte, als sehr besonders. Da gibt es das Gefühl von Schutz, wenn man in seinem Menschenei ist und man die Außenwelt durch diese Öffnungen hindurch sieht. Gleichzeitig könnte das aber auch ein Gefängnis sein. Diese Gefühle sind in mir entstanden, wenn ich im Ei arbeitete.

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Rund 55 Tonnen wog der 2,5 mal 2,5 mal 3 Meter große Rohblock. Foto: Emanuel Stotzer
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Aufgrund des enormen Gewichts erfolgten die ersten Arbeitsschritte noch in der Nähe des Steinbruchs. Foto: Emanuel Stotzer
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Im Frühjahr 2017 konnte Marc Reist die halbfertige, 15 Tonnen schwere Skulptur im schweizerischen Schnottwil in Empfang nehmen. Foto: Emanuel Stotzer
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Zu Beginn musste der Künstler für die Arbeiten im Inneren durch die oberen Öffnungen hindurch – und nahm dafür zuvor 13 Kilogramm ab. Foto: Emanuel Stotzer
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Etwa 8,5 Tonnen des weißen Marmor hat der Steinbildhauer aus dem Riesenei herausgearbeitet. Foto: Emanuel Stotze
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Schön zu sehen sind die groben Bearbeitungsspuren an der inneren Oberfläche. Foto: Emanuel Stotzer
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Nach Abschluss der Arbeiten ist von den Spuren nichts mehr zu erkennen, denn der Künstler hat das Ei innen wie außen mit einer glatten Oberfläche versehen. Foto: Emanuel Stotzer
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Das vollendete Globo Uovo: Zu sehen auf seiner ersten Station im Centre Dürrenmatt in der Schweiz. Foto: Emanuel Stotzer

Wovon hängt es ab, welchen Naturstein Sie für Ihre Kunstobjekte verwenden?

Von Berufswegen – ich habe Steinbildhauer gelernt und auch die Meisterprüfung gemacht – kenne ich fast alle Materialien. Aber trotzdem habe ich für meine Formen früher nur mit schwarzem Gestein gearbeitet. Und jetzt, seit Jahren, arbeite ich nur noch in Weiß. Für die kleinen Skulpturen, die ich mache, verwende ich einen hochweißen Marmor. Es gibt gar keine andere Lösung für mich und für meine Formen. Ich habe nie irgendwelche Materialien mit Texturen verwendet. Wunderschön zwar, aber nicht für meine Formen.

Der Marmor für das Ei besitzt aber eine gewisse Textur. War ein Block von 55 Tonnen in Reinweiß nicht zu bekommen?

Für das Globo Uovo ist der Stein etwas mehr marmoriert. Denn diese Dimension in Reinweiß – das wäre fast unmöglich gewesen und hätte eine so lange Wartezeit gegeben. Und das Ei in dieser Größe in Reinweiß wäre fast vielleicht ein wenig zu schön (lacht), fast barock. Das ist unmöglich. Auch optisch, das ist fast kein Gestein mehr.

So wirkt das Ei auch wesentlich „lebendiger“.

Genau, das meine ich. Diese Methamorphose vom Gestein, dieser Berg, das muss mitschwingen.

Wie kam es zu dem Wechsel von schwarzem zu weißem Gestein?

Das ist eine interessante Frage. Da muss ich zurückgreifen. Ich wollte in den 1990er-Jahren eine wirklich große Skulptur machen. Ich habe in Carrara einen großen Block ausgewählt, ohne zu wissen, was ich daraus mache. Ich wollte mich durch das Material, durch den Block inspirieren lassen. Normalerweise gehe ich anders vor. Ich habe eine Zeichnung oder ein Modell, um danach am Gestein zu arbeiten. Aber jetzt wollte ich mich vom Block beeinflussen lassen. Das war damals eine Größe von 20 Tonnen. Und das belastete mich enorm (lacht). Ich merkte plötzlich, je nördlicher der Block transportiert wurde von Italien, umso größer wurde die Belastung in meinem Kopf. Ich war sehr blockiert! Und plötzlich fand ich die Lösung. Ich erarbeitete dann ein leichtes Tuch aus diesem Block. Das war wahrscheinlich meine Lösung, diese Schwere in mir in Bezug zum Block zu lösen. Und seit diesem Zeitpunkt arbeite ich nur noch mit weißem Gestein.

Sind es rein optische Gründe, warum Sie viel und gerne mit Marmor arbeiten oder auch wegen seiner Eigenschaften?

Beides eigentlich. Meine Skulpturen sind auch eine Sache des Lichts. Nicht nur bei dem großen Ei, sondern auch bei den anderen Skulpturen. Der Lichttransport durch die Öffnung und die Kanten, das macht es so gut. Und die Eigenschaften zum Arbeiten sind eine angenehme Nebenerscheinung. Er lässt sich gut verarbeiten, da er so gleichmäßig, so homogen ist. Aber ich verwende Marmor vor allem, weil Licht und Schatten wichtig sind für meine Skulpturen.

Sie möchten mit ihren Kunstobjekten auch eine Botschaft aussenden.

Ja, unbedingt. Das ist die größte Aufgabe eines Künstlers, wie ich finde. Das seine Arbeit gesehen und gehört wird, je nachdem. Die Kommunikation ist wichtig. Es hat überhaupt keinen Sinn, wenn ich solch ein Ei mache, nur damit eine weitere schöne Skulptur irgendwo in einem Park steht. Das wäre zu wenig. Es braucht eine Botschaft.

Welche Botschaft ist das?

Wir haben sehr große Schwierigkeiten im Allgemeinen mit Ressourcen. Am empfindlichsten wirkt sich das bei der Nahrung aus. Und ich möchte wirklich die Aufmerksamkeit erwirken, dass die Menschen sich mit dem Thema Nahrung und Ressourcen auseinandersetzen. Dass sich ein kleiner Gedankengang ändert.

Ihre Skulptur steht momentan im Centre Dürrenmatt in Neuchâtel in der Schweiz. Vor Beginn der Ausstellung hatten Sie einen Aufruf zum Sammeln von Eierschalen gestartet. Was war der Grund?

Wir hatten für die Vernissage eine Performance mit einer Tänzerin geplant. Dafür brauchte ich sehr viele Eierschalen. Über ein Jahr haben Menschen zusammen ungefähr 35.000 Eierschalen gesammelt, gewaschen und mir überbracht. Etwas, was man normalerweise wegwirft. Zur Ausstellungseröffnung haben wir diese auf dem Boden des Museums ausgelegt und Wege frei gemacht, wie bei einem Labyrinth. Die Tänzerin suchte sich tanzend ihren Weg. Doch zwischendurch machte sie Fehltritte auf die Eierschalen, sodass es krachte. Und gleichzeitig, bei jedem Fehltritt, starb auch ein Teil ihres Körpers. Denn die Schalen stehen für unsere Ressourcen und wenn diese zerstört werden, stirbt auch der Mensch. Und so tanzte sie durch das Labyrinth und starb sukzessiv nach drei, vier Fehltritten einen dramatischen Tod.

Erfahren Sie mehr über das Projekt und über die Natursteinarbeiten in der Februarausgabe der STEIN. Weitere Informationen finden Sie auch unter www.stein-magazin.de/skulptur-des-monats-globo-uovo.

 

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7 Branchenmeinungen: Mensch und Maschine

Stein Magazin

3D-Stück

Auf der Stone+tec 2018 widmete sich die Podiumsdiskussion “CNC-Technik für Ein- und Aufsteiger” der Frage, wie CNC-Technik im Betrieb etabliert werden kann.

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CNC-Technik wie diese Fünfachssäge ist die Zukunft der Natursteinbranche, war man sich auf dem Podium einig. Foto: Anne Fischer
CNC-Technik
3D-Stück, das Schüler aus Königslutter gezeichnet, auf der Maschine vorgefräst und anschließend handwerklich nachbearbeitet haben. Foto: Anne Fischer
NuernbergMesse : Frank Boxler
Die Podiums-Teilnehmer: Richard Watzke, Oliver Braun, Kai Görder, Ingo Homeyer, Rene Houdelet, Dieter Löffler, Andreas Scholz, Sven Wappler Foto: NuernbergMesse / Frank Boxler



Fazit und Tipps vom Podium

Oliver Braun von Weha betonte, dass die Vorgespräche essentiell seien. Natursteinverarbeiter sollten sich fragen: Welche Aufträge bearbeite ich aktuell? Welche möchte ich bearbeiten? Welche Aufträge könnten in fünf Jahren kommen? Der Schritt der Technologisierung solle bestenfalls nicht zu groß ausfallen, Input und Output der Maschine müssten stimmen. Entgegen des allgemeinen Trends zu Fünfachs-Maschinen könne je nach Auftragslage zum Beispiel auch eine Vierachs-Maschine ausreichen.



Kai Görder von der Steinmetzschule Königslutter berichtete von seinen Erfahrungen mit den Schülern. Das Zeichnen im CAD-Programm falle ihnen teilweise leichter als per Hand. Die Schule lehrt seit etwa sieben Jahren CNC-Einheiten. Sie verfügt über einen 3D-Drucker und eine Fünfachs-Maschine. Das Hauptaugenmerk liege auf Grundlagenvermittlung, etwa Zeichnen mit CAD-Programmen und ersten Plattenschnitten. Techniker-Schüler arbeiten auch in 3D. Sie fräsen zum Beispiel Figuren auf der Maschine vor und bearbeiten sie handwerklich nach.

Ingo Homeyer von DDX Deutschland ist der Meinung, der Einstieg in die CNC-Technik sei nie so leicht gewesen wie aktuell: Sowohl Maschinen- als auch Software-Hersteller hätten viel für intuitive Bedienbarkeit getan. Firmen rät er, “ein verrücktes Teil” zu produzieren und auszustellen. Architekten und andere B2B-Kunden könnten sie die Möglichkeiten der CNC-Technik so besser vorstellen.



Rene Houdelet von König Schmieder erklärte, er wolle stets die Maschine verkaufen, die im jeweiligen Betrieb am einfachsten zu integrieren sei. Dafür gelte es, in Vorgesprächen den Kenntnisstand der späteren Bediener herauszufinden. Auch nach Kauf und Aufbau der Maschine sollten Betriebe regelmäßig Schulungen in Anspruch nehmen.

Dieter Löffler von Burkhardt-Löffler erzählte von der Hilfshotline der Firma: Sie helfe besonders frischen Einsteigern oft, wenn sie bei einem Sägeprojekt “hängenbleiben”. Schon bei der Montage und dem Aufbau einer neuen Maschine sei es für die Firmen wichtig, dabei zu sein, um sich mit der Thematik zu identifizieren.



Andreas Scholz, Geschäftsführer von Scholz Naturstein aus Frasdorf, hat 2009 angefangen, in CNC-Technik zu investieren. Er habe neue Aufträge generiert, sein Team wachse mit der Maschine mit und habe sie schnell voll auslasten können. Auch im Betriebsalltag sollte stets Zeit fürs Ausprobieren freigeräumt werde. Dass der Nachwuchs grundlegende CNC-Kenntnisse an den Schulen vermittelt bekommt, begrüßt er. Besonders, weil viele Bewerber aktuell noch keine derartigen Fähigkeiten mitbrächten. Deshalb bilde er seine CNC-Bediener bislang selbst aus und schicke sie zu CNC-Schulungen.

Sven Wappler von CMS Steintechnik wies auf die Schere zwischen tatsächlichen Aufträgen und dem “Fünfachs-Trend” hin: Die meisten Aufträge seien aktuell noch im 2D-Bereich, dennoch wollen fast alle Betriebe sofort in eine Fünfachs-Maschine investieren. Er rät deshalb zur genauen Bestandsaufnahme vor dem Kauf.

– Einsteiger sollten am besten in eine Maschine investieren, deren Software später aufrüstbar ist, etwa mit 3D-Modulen.

– Aufgrund des Fachkräftemangels ist Wachstum teilweise nur durch Technologisierung möglich, weil sie fehlende Handwerker ausgleicht.

– Interessierte sollten nicht nur auf die reine Bearbeitungszeit achten, die durch eine Maschine sinkt. Viel wichtiger ist die automatische Fertigung, durch die Betriebe sich parallel anderen Projekten widmen können.

Skulptur des Monats: Die Träumende

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Mai 2016: “Die Träumende” von Florian Widmann aus Untersberger. (Foto: Birgit Rilk)

Auf einem 32 Meter langen und zehn Meter breiten Floß aus Baumstämmen gleitet eine überdimensionale, starr liegende Figur auf dem Rhein von Ludwigshafen über Rotterdam in die Nordsee. Die 20 Meter lange Mumie ist mit Stricken in Leintücher eingehüllt und trägt eine Bleimaske. Zehn Tage dauert ihre Reise ins Meer. Der Projektkünstler Hannsjörg Voth initiiert diese Reise im Mai und Juni 1978, sie endet schließlich im Verbrennen des Kolosses, bei dem nur seine Maske übrig bleibt. Unsere Skulptur des Monats Mai 2016 gestaltete der Steinmetz- und Bildhauermeister Florian Widmann aus München in Anlehnung an dieses künstlerische Statement.

Seine träumende Frau aus Untersberger Forellenkalk befindet sich ebenfalls in liegender Position und ist in Tücher gehüllt. Anders als bei Voths Figur wirkt die Skulptur aber nicht leblos – wie aufgebahrt auf dem Weg zu ihrer Seebestattung. Ihre Körpersprache deutet auf Gelassenheit und Entspannung hin. Der Künstler hatte keine Reise ins Meer und den symbolischen Tod im Sinn, sondern eine Reise zu „seinem kleinen Bruder“, dem Schlaf. Vor den inneren Augen der Frau eröffnet sich das Land der Träume. Zwar sollte die Skulptur ursprünglich in oder an einem See liegen, sodass sich der leichte Faltenwurf an das Wasser anpasst. Diese Reise vom festen Boden ins durchlässige Nass steht bis jetzt noch bevor.

Die Skulptur ist 1,83 Meter lang sowie jeweils 0,53 Meter breit und hoch. Die schlummernde Frau würde in ausgestreckter Haltung in etwa 2,00 Meter groß sein. „Der Kontrast zwischen dem Material Stein (schwer, hart) und dem gespannten Tuch (leicht, weich) wurde bewusst evoziert. Der Naturstein selbst stellt symbolisch das oftmals harte und schwere Leben dar“, erläutert Widmann. Das Tuch hingegen lege einen Schleier über diese harte Realität. Die Konturen verblassen und werden unscharf. Damit stehe das Tuch symbolisch für das Einschlafen und Versinken in eine Traumwelt, in der alles möglich scheint.

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In Anlehnung an die Aktionskunst „Reise ins Meer“ von Hannsjörg Voth im Jahr 1978 gestaltete Florian Widmann sein Meisterstück. (Foto: Birgit Rilk)

Für den nicht mehr nur schlafenden Riesen Voths ist jede Möglichkeit und Entwicklung passé. Die Reise des „toten Flussgottes“ kann man im Hinblick auf seinen Weg entlang einer Industrielandschaft, die den Fluss und das Leben darin langsam verseucht, interpretieren. Menschliche Zerstörungswut, aber auch Vergänglichkeit im Allgemeinen sind die zentralen Themen. „Am Ende blieb nichts als die Bleimaske. Das “Kunstwerk”, das da den Rhein hinuntertrieb (…) hatte nur zeitlich begrenzten Bestand. Nicht anders als das menschliche Leben auch, das sich in der Dialektik von Materie und Geist, Geburt und Tod bewegt“, beschreibt Amelie Pohlen das Kunst-Spektakel im Katalog zu den Ausstellungen „Reise ins Meer“ (“Werk aus Erinnerung gebaut”). Kunst, die vergeht.

Florian Widmanns Kunst besteht. Seine Wahl fiel bewusst auf den Untersberger Kalkstein (Limestone). Durch die Frostsicherheit und die geringe Wasseraufnahme ist er optimal geeignet für einen Standpunkt im Freien. Widmann arbeitet oft mit Kalksteinen. Seine Erfahrungen mit dem Material ermöglichten ihm eine vielseitige Oberflächenbearbeitung. Dazu nutzte er eine Pressluftpistole – den Naturstein bearbeitete er traditionell mit dem Beil. „Ich finde, dass keine Maschine an einen manuellen “Beilhieb” herankommt“, sagt er. Und diese unmittelbare Arbeit am Stein zeigt ihre Wirkung. Die Farbnuancen des Steines harmonieren perfekt mit der präzise durchgeführten Formgestaltung und Oberflächenbearbeitung.

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2013 gründete der Steinmetz- und Bildhauermeister Florian Widmann sein Unternehmen Pure Stone in München. Seine Schwerpunkte liegen im exklusiven Innenausbau, Außen- und Gartenbereich sowie in der Gestaltung von Grabmälern und Skulpturen. (Foto: Birgit Rilk)

Sieht man die Frau so liegen, dämmern in einer Zwischenwelt, ist man beruhigt und beunruhigt zugleich. Die sanften, geschwungenen Formen lassen Stille einkehren, wie wenn man die gedämpfte Welt einer Schneelandschaft durchquert. Man fühlt eine gewisse Leichtigkeit. Gleichzeitig fragt man sich, was darunter liegt. Die verschwommenen Konturen erlauben keinen sicheren Blick. Wohin führt der Schlaf die Träumende und wird sie den Schleier wieder abwerfen? Im Gegensatz zur kantigen und unerbittlichen Demonstration Voths, die in einem Flammenmeer auf Wasser mündete, beleuchtet Widmanns „Träumende“ unser Leben aus einer anderen Perspektive. Im Schnittpunkt von Realität und Traumwelt, von Wirklichkeit und Möglichkeit, von Bewusstsein und Unterbewusstsein. Die harte Realität zu verschleiern, bedeutet hier nicht unbedingt, sie zu verdrängen, sondern sie aus einem anderen Blickwinkel für neue Entwicklungschancen fruchtbar zu machen. Das Zitat der Vohlschen Kunstdemonstration bietet dabei viel Interpretationsspielraum.

Erfahren Sie hier mehr zum Künstler. Fotos zur “Reise ins Meer” finden Sie hier.