Mit Apps mehr Zeit für das Wesentliche

Durchgängige digitale Lösungen werden im Handwerk immer wichtiger. Doch auch einzelne Apps können das Leben auf der Baustelle erleichtern. Die Devise: Neues ausprobieren und mit Teilprozessen starten. Das Ziel: mehr Zeit für Kunden und Projekte.

Stunden schreiben, Mängel und Änderungen dokumentieren, Termine koordinieren, Aufträge und Rechnungen schreiben: Das alles erfolgt in vielen Betrieben noch weitgehend manuell (indem Daten von einem Programm ins andere oder vom Zettel ins Programm übertragen werden) und kostet Inhaber*innen und Fachkräfte viel Zeit. Ein Zeitfresser ist auch die Materialbeschaffung. Abhilfe versprechen Apps. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe digitaler Tools und Services, die die betrieblichen Prozesse vereinfachen, Randprozesse helfen auszulagern und so Zeit für das Kerngeschäft freischaufeln.

Wie besorgen Sie Ihr Material? Rufen Sie beim Händler an? Bestellen Sie online? Holen Sie alles selbst ab? Ist alles immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort? Oft kostet es einiges an Fahrt- und Wartezeit, wenn Kleber, Grundierung, Silikon, Ersatzteile, Werkzeuge fehlen, kaputt sind oder ausgehen. Würth liefert deshalb schon seit Jahren seine C-Teile auf Baustellen und übernimmt die Kommissionierung der Vor-Ort-Lagerflächen.

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Diesem Vorbild folgend, liefert seit 2019 das Start-up Bex per App jegliches Material innerhalb von zwei Stunden auf die Baustellen. Selbst Kleinstmengen werden geliefert. Gekauft wird beim Wunschlieferanten, bezahlt wird nach Gewicht und Dringlichkeit. Gründer und Geschäftsführer Lennart Paul beschreibt Bex als Fullfilment-Dienstleister, der die Lücke „von der Bestellung bis zur Wand“ schließt. Systemlogistik für jedermann.

Smarte Dienste für die Baustelle

Seit Sommer 2020 arbeitet Fliesenleger Peter Hegenberger aus Leonberg mit diesem Lieferando für das Handwerk. Zunächst gedacht als Back-up für Vergessenes, nutzt der Spezialist für keramische Großformate die Lieferplattform mittlerweile strategisch und hat seinen Arbeitsablauf umgekrempelt. „Ich spare mir bei der Übernahme von Badbaustellen heute den Vorabbesuch“, berichtet er.

Statt wie früher am Tag zuvor die Baustelle in Augenschein zu nehmen, das Material beim Händler abzuholen und einen Tag später mitzubringen, erledigt Peter Hegenberger das jetzt am Verlegetag, bestellt sein Material bis 8.30 Uhr und lässt es liefern. „In der Zwischenzeit erledige ich die Vorarbeiten, das Standardequipment bringe ich selbst mit.“

Auch Material für Nachträge bestellt er über die App und kann die Zusatzarbeiten am gleichen Tag ausführen. So kommt er mittlerweile auf 20 bis 30 Lieferungen pro Monat. Selbst den Baustellenmüll lässt er über die Bexfahrer abholen und fachgerecht entsorgen. „Das spart unglaublich viel Zeit und Aufwand“, freut er sich.

Was können Sie auslagern?

Für kleine Betriebe ist der Service ideal. Statt Fachkräfte für Hol- und Bringdienste einzusetzen, sourct Peter Hegenberger Einkauf und Transport der Materialien aus. Auch wenn er für eine (einzeln bestellte) Tube Silikon auf diese Art schon mal 19 Euro Transportgebühr bezahlt. „Das hört sich viel an“, sagt der Schwabe Hegenberger, der das natürlich durchkalkuliert hat. Sein Fazit: Das Geschäft rechnet sich.

Hegenberger, der mit Warenwirtschaftssystem, CAD, digitalem Aufmaß und mobiler Zeiterfassung insgesamt digitalisiert arbeitet, verfolgt auch für die digitale Materialbeschaffung eine Vision: „Ich würde am liebsten ganz auf eigene Fahrzeuge verzichten und mein Material komplett auf die Baustellen liefern und abholen lassen.“ Er selbst könnte dann mit dem E-Auto statt mit dem Transporter anreisen.

Diese Vision hat Bex-CEO Lennart Paul schon länger. „Wir können uns für die Zukunft die komplette Bestückung von Baustellen vorstellen“, erklärt der Gründer gegenüber STEIN. Zumal eine solche Arbeitsaufteilung in anderen Branchen und Tätigkeitsfeldern schon lange selbstverständlich ist. „Auch Ärzte kommen schließlich nur zum Operieren in den OP, und das Material wird für sie im Vorfeld komplett hergerichtet“, sagt Paul. Konzentration auf das Kerngeschäft nennt man diesen Effekt, der Berufe aufwertet, die Arbeit effektiver macht und für kleinere Betriebe durch die Digitalisierung möglich wird.

Lesen Sie weiter in der STEIN 2/2021.