Mit dem Diamantseil sägen

Stein Magazin

Tempo rauf, Schnittkosten runter. Das Diamantseil hat sich im Handwerk und der Steinindustrie als zuverlässiges und wirtschaftliches Produktionsmittel etabliert. Die Einsatzformen sind vielseitig und reichen vom Rohmaterialabbau im Steinbruch über den Block- und Konturenschnitt mit einem einzelnen Seil bis zur Rohplattenproduktion auf Multi-Seilsägen. Besonders eindrucksvoll ist die Entwicklung bei der Produktion von Plattenware aus Hartgesteinen.

Das auf rillenfreie Schnitte ausgelegte Blockseil von Diabü besitzt eine sich ab der Perlenmitte konisch verbreiternde Form, die den Anschnitt erleichtert.

 

Der Siegeszug der Seilsägen wäre dort ohne die Fortschritte in der Seilproduktion undenkbar. Niedrige Querschnitte, schnittfreudige Perlen, robuste Trägerseile: Aus diesen Zutaten bauen die Hersteller Werkzeuge, die der Markt verlangt. Die Vorgaben der Anwender sind klar. Wer im international hart umkämpften Steinmarkt bestehen will, muss seine Kosten minimieren und auf Trends kurzfristig reagieren. Dünne Seile bedeuten weniger Materialabtrag, weniger Sägeschlamm, mehr Ausbeute pro Block. Vor allem aber auch mehr Flexibilität bei den Schnittlängen und Blockhöhen. Mit Diamantseilsägen lassen sich Rohtranchen in beliebiger Stärke passend zum jeweiligen Auftrag schneiden. Dadurch erhöht der Steinmetz die Materialausbeute und gewinnt neben dem Kern für das Grabmal auch noch die Einfassung und zusätzliche Sockel aus einer Tranche. Die Küchenproduktion hingegen benötigt großformatige Rohplatten für einteilige Küchenplatten und großformatige Kochinseln. Schnitte bis zwei Meter Tiefe sind keine Seltenheit.

 Bei Magna in Loitsche steigert eine Multiwire mit bis zu 70 Seilen die Sägekapazität.
Im Bild: André Koch prüft den Sitz auf den Führungsrollen.

 

Aufbau der Sägeseile
Der Anspruch an die Schnittqualität hängt von der Art des Schnittes ab. Beim Tranchenschnitt soll die Schnittfläche ohne Nacharbeit direkt auf der Schleifstraße weiterverarbeitet werden. Beim sogenannten Kopfschnitt wird lediglich eine Lagerfläche am Block für das Aufbänken erzeugt.
Perlen, Trägerseil sowie die Befestigung der Perlen auf dem Träger unterscheiden sich je nach Anwendungsart. Blockseile haben einen wesentlich längeren Schnittspalt, in dem mehr Perlen zur gleichen Zeit am Zerspanungsprozess beteiligt sind. Für Multiwire-Seilsägen wird wegen der hohen Anzahl an Seilen im Schnitt ein geringerer Durchmesser je Seil angestrebt. Zugleich muss jedes Seil für einen wirtschaftliches Sägen reißfest und verschleißarm sein, um nicht zu oft gewechselt zu werden. Jeder Seilriss oder -wechsel kostet Zeit. Die Seildurchmesser sind derzeit bei 6,3 Millimetern im Neuzustand angelangt. Das lässt wenig Spielraum für Experimente oder unachtsame Bediener. Die Seile sind der einfacheren Handhabung halber meistens geschlossen. Die Perlenzahl beträgt je nach Anwendung 35, 36 oder 40 Stück je Laufmeter.

Just in Hartha verfügt über zwei Blockseilsägen und eine Multiwire zur Plattenproduktion.
Im Bild: Uwe Schultz bänkt die frisch gesägten Paradisotranchen ab.

 

Schwingungen vermeiden
Der wichtigste Faktor bei Seilsägen ist die Schwingung des Seils. Ob ein Seil vibriert oder ruhig im Schnitt läuft, hängt vor allem vom Zustand der Seilräder und Führungsrollen ab. Entscheidend sind aber auch die Geschwindigkeit des Seils und die Wassermenge. Ziel ist, das Seil gleichmäßig abzunutzen; im Idealzustand läuft das Seil in einer ruhigen Position, dreht sich dabei in seiner Längsachse und reibt die Diamantperlen gleichmäßig rund ab.

 Die Natursteinwerke Poschacher verringern mit auf ihr Rohmaterial abgestimmten Seilen die Nacharbeit beim Polieren. Das Diamantseil erlaubt die Verarbeitung von unterschiedlichen Blockgrößen und -höhen in einer gemeinsamen Aufspannung.

 

Die Laufgeschwindigkeit des Seils variiert je nach Seilhersteller, Einsatzart und Steinhärte zwischen 20 – 40 m/sec. Eine langsame Geschwindigkeit hält das Seil scharf, nutzt es aber auch stärker ab. Nicht jedes Material lässt sich mit dem Diamantseil wirtschaftlich sägen. Bei problematischen Materialien mit Stichen oder bei inhomogenen, beim Schneiden zusammenstürzenden Rohplatten wird nach wie vor das Gattern mit Stahlsand oder Diamantblatt bevorzugt. Generell werden bei Weichgestein im Blockschnitt Sägeseile mit Federn zwischen den Sägeperlen eingesetzt. Rohblöcke aus Hartgestein werden mit Seilen mit Ummantelung aus Gummi oder Kunststoff gesägt.

Wie die verschiedenen Natursteinverarbeiter die Vorteile des Diamantseils nutzen, erfahren Sie in STEIN im Juli 2014.

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Versunkene Steingeheimnisse

Stein Magazin

Noch bis 16. Juli 2017 kann im Museum Rietberg Zürich die Ausstellung „Osiris – das versunkene Geheimnis Ägyptens“ besucht werden. Zu sehen sind faszinierende jahrhundertealte Steinobjekte, die im 8. Jahrhundert im Meer versanken.

Auf rund 1.300 Quadratmetern werden 250 Werke – Statuen, Kultgegenstände, Sarkophage und Götterbilder aus sechzehn Jahrhunderten – ausgestellt. Sie wurden bei Unterwassergrabungen des Europäischen Instituts für Unterwasser-Archäologie (Institut Européen d’Archéologie Sous-Marine, IEASM) in der Bucht von Abukir, Ägypten, entdeckt. Die Forschungsarbeiten wurden – unter der Leitung von Franck Goddio und in Kooperation mit dem Ägyptischen Ministerium für Altertümer an Ägyptens Mittelmeerküste und der Hilti Foundation – in den beiden Städten Thonis-Herakleion und Kanopus vor der Küste Ägyptens durchgeführt. Die Sammlung wird um 40 Stücke ergänzt, die aus Museen in Kairo und Alexandria stammen. Der Großteil wird zum ersten Mal außerhalb Ägyptens präsentiert.

Kolossalstatue-Gott-Hapi-Granit
Die Ausgrabung der Kolossalstatue Hapi aus rosa Granit.(Foto: Christoph Gerigk, Franck Goddio / Hilti Foundation)
Osiris-Stele von Thonis-Herakleion-Granodiorit
Auch die knapp zwei Meter hohe Stele aus schwarzem Granodiorit… (Foto: Christoph Gerigk, Franck Goddio / Hilti Foundation)
Osiris-Statuettenkopf-Kalkstein
… und der Kopf einer zypriotischen Statuette aus Kalkstein wurden in der versunkenen Stadt Thonis-Herakleion entdeckt. (Foto: Christoph Gerigk, Franck Goddio / Hilti Foundation)
AUFBAU STATUEN AEGYPTEN AUSSTELLUNG
Aufbau der Kolossalstatuen auf dem Museumsvorplatz. (Manuel Lopez / PPR)
Osiris-Apis-Stier-Basalt
Der Apis-Stier aus Basalt wurde am Eingang der unterirdischen Galerien des Serapeums in Alexandria entdeckt. (Foto: Christoph Gerigk, Franck Goddio / Hilti Foundation)
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Aus schwarzem Granit wurde die Statue der Arsinoë aus dem 3. Jahrhunder v. Chr. gemeißelt. (Foto: Christoph Gerigk, Franck Goddio / Hilti Foundation)

Steinexponate im Museum Rietberg Zürich

In der Osiris-Ausstellung sind auch zahlreiche Steinobjekte zu finden. Viele wurden in der Stadt Thonis-Herakleion entdeckt, wie die Statue der Arsinoë aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. Sie wurde aus schwarzem Granit gemeißelt und stellt die ptolemäische Königin Arsinoë II. in der Gestalt der Göttin Isis dar. Die Stele von Thonis-Herakleion, ein weiterer Fund aus der versunkenen Stadt, besteht aus schwarzem Granodiorit und trägt die Maße 199 Zentimeter x 88 Zentimeter.
Besonders beeindruckend ist eine der drei Kolossalstatuen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Die Statue aus rosa Granit präsentiert den ägyptischen Gott Hapi – Gott der Nilflut und Fruchtbarkeit. Die 5,40 Meter hohe Figur wurde in der Nähe eines Tempels in Thonis-Herakleion gefunden und ist die größte Statue einer Gottheit, die bisher in Ägypten ausgegraben wurde.
Auch der Apis-Stier – eine Leihgabe aus dem Griechisch-Römischen Museum in Alexandria – kann im Museum Rietberg besichtigt werden. Die Lebensgroße 1,90 Meter hohe Basaltstatue wurde am Eingang der unterirdischen Galerien des Serapeums in Alexandria entdeckt.

Die Restaurierungsarbeiten

Die Funde aus dem Meeresgrund mussten zunächst vorsichtig von Sedimenten und Salzen befreit werden. Aufgrund des Salzes im Meerwasser bekommen besonders Steinobjekte, nach der Reinigung und der Berührung mit Sauerstoff, Risse. Um diese Reaktion zu verhindern, werden die Figuren, nach einer ersten Reinigung mit Skalpell und Mikro-Meißel auf dem Forschungsschiff, in ein Entsalzungsbad gelegt. Vor allem bei Stein kann die Entsalzung manchmal Jahre dauern. In Alexandria werden die Stücke in eigenen Kunststoffbehältern aufbewahrt und weiter behandelt. Zum Schutz vor Verwitterung werden bestimmte Steine mit einem Acrylharz infiltriert. Viele der Objekte sind aufgrund der verschiedenen Schichten von Sediment, Seepocken, Korallen und anderen Meeresorganismen gut erhalten.

Erfahren Sie mehr über die Ausstellung der jahrhundertealten Steinobjekte. 

Zur Lage der Handwerksnation

Stein Magazin
Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und selbst Malermeister

Nächstes Wochenende, am 24. September 2017, steht die 19. Bundestagswahl an. Ein guter Anlass für STEIN-Autorin Bärbel Daiber, bei Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer einmal nachzufragen, wie es um das Verhältnis zwischen Handwerk und Bundespolitik steht und welche Forderungen und Erwartungen der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) an die künftige Regierung hat.

STEIN: Herr Wollseifer, Handwerk und Mittelstand erfahren von der Politik endlich mehr Wertschätzung. Wie wirkt sich das aus, und wo hapert es noch?

Hans Peter Wollseifer: Der deutsche Mittelstand und als dessen wichtiger Bestandteil die mehr als eine Million Handwerksbetriebe haben sich in Krisenzeiten als sehr robust erwiesen. Sie haben sich zugleich als der Wirtschaftsbereich hervorgetan, auf den die Politik gerade auch mit Blick auf herausragende gesellschaftspolitische Herausforderungen wie etwa die Flüchtlingsintegration zählen kann. Das Handwerk wirkt gesellschaftspolitisch wie wirtschaftlich stabilisierend. Das hat entscheidend auch mit dem dualen Ausbildungssystem zu tun, das für Ausbildungsqualität und für den Nachschub an qualifizierten Fachkräften sorgt. Auch wenn das inzwischen in der Politik überwiegend so gesehen wird, ist bei der finanziellen Unterstützung der beruflichen Bildung und der Ausbildungsförderung, etwa bei der Höheren Berufsbildung, noch viel Luft nach oben. Damit unsere Betriebe weiter erfolgreich sein können, braucht es zudem entsprechende Rahmenbedingungen. Überflüssige Bürokratie muss weiter abgebaut werden. Und was die Belastungen durch Steuern und Sozialabgaben angeht, sind unsere Betriebe an der Schmerzgrenze. Damit sie wettbewerbsfähig bleiben, dürfen auch künftig die Sozialabgaben 40 Prozent keinesfalls überschreiten.

STEIN: Was wurde in der vergangenen Legislaturperiode an dringenden Maßnahmen für das Handwerk versäumt, was jetzt dringend angegangen werden müsste?

Hans Peter Wollseifer: Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es dringlich, die berufliche Bildung wieder attraktiver für junge Menschen zu machen. Dazu braucht es eine bessere Ausstattung unserer Berufsbildungsstätten, ein Update für die Berufsschulen und eine insgesamt stärkere Förderung der beruflichen Bildung. Nach dem erfolgreichen Hochschulpakt muss es nun einen Berufsbildungspakt geben, auch als Ausdruck der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass viel mehr energetische Sanierungen von Gebäuden nötig sind, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen – steuerliche Anreize können entscheidend dazu beitragen, dass investiert wird. Hier könnte man bereits viel weiter sein. Es ist in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Strompreise für mittelständische Betriebe und Privathaushalte im Griff zu behalten, die EEG-Umlage steigt und steigt. Aus Sicht des Handwerks kann nicht hingenommen werden, dass kleinere und mittlere Betriebe für die Privilegierung der Großunternehmen, die von der Umlage befreit sind, zur Kasse gebeten werden.

STEIN: Welches sind die drei wichtigsten Themen des Handwerks, um die sich die Politik jetzt dringend kümmern muss? Und welche zentralen Forderungen des Handwerks an die künftige Bundesregierung leiten Sie daraus ab?

Hans Peter Wollseifer: Dass dringend etwas bei der Finanzierung der Energiewende geschehen muss, habe ich schon angesprochen. Die Kosten müssen fair verteilt und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden, und es muss eine sichere und bezahlbare Energie- und Stromversorgung gewährleistet sein. Gerade für die Handwerksbetriebe in ländlichen Regionen ist es sehr wichtig, dass sie Zugang zu schnellem Internet haben. Hier müssen wir bei der Anbindung deutlich schneller werden. Notwendig ist für die Betriebe außerdem ein zeitgemäßes Datenrecht. Bei Steuern und Sozialabgaben darf es keine weiteren Belastungen für unsere Betriebe geben. Beispielhaft verweise ich auf den Bereich der Rente: Hier rächen sich Fehler der Vergangenheit wie die Mütterrente oder die Rente mit 63. Dadurch wird die Rentenkasse jedes Jahr mit mehreren Milliarden Euro belastet. Wir müssen dringend die Kosten bei der Rente im Griff behalten. Es sollte daher auf keinen Fall weitere Leistungsausweitungen geben, die dann aus Beitragsmitteln zu finanzieren sind. Vielmehr muss es darum gehen, die Rente demografiefest zu gestalten, indem beispielsweise das Renteneintrittsalter – wie künftig in Dänemark – an die Lebenserwartung geknüpft wird.

STEIN: Vielen Dank für das Gespräch.