Moritzkirche in Augsburg: Raum der Sehnsucht

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Der Londoner Architekt John Pawson gestaltete den Innenraum der Augsburger Moritzkirche neu. Klar, schlicht und reduziert ist sein Konzept: Naturstein, Holz und viel Licht.

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Foto: Gilbert McCarragher

»Jeder Architekt träumt davon, im Laufe seines Lebens einmal eine Kirche bauen zu können« soll Architekt John Pawson gesagt haben, als ihm die Kirchengemeinde St. Moritz in Augsburg die Neugestaltung ihres Gotteshauses antrug. Ein Neubau ist es nicht geworden, aber Pawsons radikaler Umbau des Kirchenraumes ist eine Zäsur in der fast tausendjährigen Geschichte der Moritzkirche. Denn 2007 stand fest: die Kirche soll saniert und umfassend neu gestaltet werden. Für ihren neuen Kirchenraum wünschte sich die Gemeinde eine moderne Anmutung, die offen und gleichzeitig spirituell wirken sollte.

Die Moritzkirche besticht heute vor allem durch ein Lichtkonzept, dass den klaren schnörkellosen Raum gezielt betont. Der Chorraum ist lichtdurchflutet und wirkt heller als das Hauptschiff. Die großen Fenster im Osten bestehen aus weißem, transparentem Onyxmarmor, durch den helles, diffuses Licht in den Ostchor fällt.

Foto: Benjamin Kramer

Der neue Altar der Moritzkirche ist sogar massiv aus einem Block portugiesischen Kalksteins gearbeitet. Den Rohblock hatte eine Delegation der Kirchengemeinde zusammen mit dem verantwortlichen Steinmetz Benjamin Kramer und den Architekten aus dem Büro von John Pawson vor Ort selbst ausgewählt. Kramer übernahm die logistische Planung, erstellte Muster und 3-D-Detailrender, mit denen der Austausch mit dem Architekturbüro in London wesentlich einfacher vonstatten ging. In Kooperation mit den Architekten frästen die Verarbeiter auf einem fünfachsigen Bearbeitungszentrum verschiedene Altäre sowie Wappen und Stelen nach den überarbeiteten Vorlagen. Aus demselben Steinbruch in der Nähe von Lissabon stammt auch das Material für alle anderen Steinobjekte und den neuen Fußboden.


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Fotos: Lothar Schiffler

Insgesamt 1.200 Quadratmeter Bodenplatten Mocca Creme aus Portugal mit dem Schliff C 120 im Format 120 x 60 x 4 Zentimeter bilden den neuen Boden der Moritzkirche. 50 Tonnen Massivmaterial wurden in Form des Altars, des Taufbeckens, der Podeste und Postamente der Heiligen sowie des Ambos und Weihwasserbeckens verbaut.

Kramer fertigte insgesamt 250 De­tail- sowie 3-D-Pläne an. Beim gesamten Projekt legte er besonderen Wert auf die Genauigkeit der Fugen­ver­läufe sowie der Achsen der Kirche. Die Mühe hat sich gelohnt: Nach dem abschließenden Aufmaß stellte man eine Abweichung von nur rund 1,5 Zentimetern vom Plan fest. Eine besondere Herausforderung war der Boden, denn die Moritzkirche verfügt über Fußbodenheizungen, sogar auf den Treppen. Damit dies möglich war, wurden alle Stufen auf 45 Grad Gehrung geschnitten und im Werk verklebt. Zum Schluss wurde der gesamte Belag einer Grundreinigung sowie Imprägnierung unterzogen.

Erfahren Sie mehr über die Neugestaltung der Moritzkirche in Augsburg in STEIN im März 2014.

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Das fliegende Auge

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Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

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Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.