Wer als Steinmetz auf einer Messe ausstellt, muss überlegen, wie und wo er das tut. Je nach Zielgruppe lohnen Gewerbeschauen und Verbrauchermessen. Auch die eigene Hausmesse bietet Umsatz-Chancen.
Christoph Dichtl von der Dichtl Naturstein GmbH stellt regelmäßig auf einer großen Bau- und Handwerkmesse in München aus. Die Präsenz lohnt. Selbst Jahre später kommen immer wieder profitable Aufträge von Messebesuchern. Foto: Dichtl Naturstein
Sind Sie 2014 auf einer Messe vertreten? Planen Sie eine Hausmesse oder sind Sie bei der örtlichen Gewerbeschau dabei? Präsenz zeigen – außerhalb der eigenen Räume und der üblichen Geschäftszeiten – ist für Natursteinunternehmen wichtig. Wer neue Kunden ansprechen, mit seiner Zielgruppe persönlich in Kontakt treten und die Bekanntheit seines Betriebes erhöhen will, kann dies sehr gut mit einem Stand auf einer regionalen Ausstellung oder einer der zahlreichen überregionalen Heim- und Handwerkmessen.
Verbrauchermessen gibt es viele. Aber sie stehen in Konkurrenz zu den vielen Shopping- und Freizeitmöglichkeiten, die Kunden haben.
Dennoch: Die Kernzielgruppe vieler Natursteinbetriebe, das Kundensegment 50plus, schätzt nach wie vor die persönliche Begegnung und Beratung, die auf einer Messe geboten wird. Zudem ist die Nachfrage nach hochwertigen Konsum- und Investitionsgütern gestiegen, jene nach günstigen Gebrauchsartikeln auf den Messen hingegen gesunken. Das spricht dafür, dass die Vermarktung von Natursteinprodukten auf einer Messe durchaus sinnvoll ist.
Luxuswanne als Messe-Exponat: Die Standbesucher vergessen Dichtls Premiumangebot so schnell nicht. Foto: Dichtl Naturstein
Der Informationsbedarf vor der Kaufentscheidung ist heute extrem hoch. Oft dauert es Jahre, bis Kunden, die sich über Natursteinangebote informieren, zur Tat schreiten und die geplante Renovierung von Bad, Treppe, Boden oder Terrasse in Angriff nehmen. Bauherren vergleichen heute intensiv eine Vielzahl von Angeboten und Möglichkeiten. Gerade deshalb ist eine ausführliche Beratung und immer wiederkehrende Präsenz auf Ausstellungen oder durch die eigene, jährliche Hausmesse – möglicherweise gemeinsam mit Partnern – so wichtig. Oft kommen die gleichen Kunden mehrere Jahre hintereinander an den Stand, bevor sie sich entscheiden.
Messestände sind heute mehr Kommunikationsräume denn Schaufenster. Sie zeigen nicht nur, wofür ein Betrieb steht, sie helfen Kunden vor allem bei der Vorauswahl und Entscheidungsfindung. Deshalb sollte ein Messestand vor allem eines: Besucher animieren Kontakt aufzunehmen und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.
Wie Sie die richtige Messe für sich finden und wie Sie Ihre Besucher dort begeistern erfahren Sie in STEIN im April 2014.
Auf der Vernissage des Weiterbildungskurses „Steinbildhauen und dreidimensionales Gestalten“ der Scuola di Scultura präsentierten die Schweizer Bildhauer Peter Bachmann und Stefan Kistler ihre Abschlussprojekte „Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ und „Durchblick“ in Cevio im Tessin. STEIN sprach mit den beiden über ihre Skulpturen, ihre Ambitionen und ihre Gedanken über das künstlerisch-kreative Arbeiten mit Stein. In diesem Gespräch: Peter Bachmann. Der Lebenslauf des 58-Jährigen lässt Staunen, vereint er doch zwei Berufszweige, die vermeintlich wenig miteinander zu tun haben. Als Osteopath arbeitet Bachmann einerseits in seiner eigenen Praxis. Zum anderen ist da noch die Leidenschaft des Steinbildhauens.
Die Absolventen Peter Bachmann (li.) und Stefan Kistler (Mitte) mit Schulleiterin Almute Großmann-Naef während der Vernissage. Foto: Scuola di Scultura„Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ von Peter Bachmann. Foto: Peter BachmannMit der Skulpturengruppe verweist Bachmann auf die Flüchtlingsthematik. Foto: Peter BachmannDetail der Betongruppe. Foto: Peter BachmannVernissage in Cevio im Tessin. Foto: Peter BachmannBachmann stellt Familien- und Einzelschicksale ins Zentrum seiner Arbeit und formt aus einem Kollektiv Individuen. Foto: Peter Bachmann„Empathie ist der Kern der Menschlichkeit. Diesen Kern möchte ich durch meine Installation spürbar machen“, erklärt Bachmann. Foto: Peter Bachmann
STEIN: Sie haben sich zunächst als Physiotherapeut und schließlich zum Osteopath ausbilden lassen, seit 2003 besitzen sie eine eigene Praxis. Nun haben Sie an einer Weiterbildung zum Steinbildhauen teilgenommen. Wie lassen sich diese beiden Leidenschaften vereinen?
Peter Bachmann: Mir ist bewusst geworden, dass ich in der künstlerischen Umsetzung von den Therapien am Patienten und der räumlichen anatomischen Vorstellung viel profitieren kann. Lehrer an der Scuola di Scultura haben mir bestätigt, dass Körpertherapeuten oft plastischer und lebendiger modellieren und zeichnen. Des Weiteren liefern mir die Empfindungen meiner Patienten viele kreative Impulse.
Die Bildhauerei zum Hauptberuf zu machen konnten Sie sich aber nicht vorstellen? Meine Leidenschaft als Osteopath hält sich etwa die Balance mit der Bildhauerei. In den letzten Jahren habe ich meine kreative Seite immer mehr in meinen Alltag integriert und ausgeweitet. Ich bin als Osteopath inzwischen etabliert und habe ein gut funktionierendes Netzwerk. Als Kunstschaffender muss ich mir das zuerst erarbeiten, was mit 58 Jahren nicht leicht ist. Finde ich einen Nischenmarkt, werde ich die Bildhauerei weiter ausbauen.
Warum hatten Sie sich zu einer Teilnahme an der Weiterbildung entschlossen?
Im Holz- und Steinbildhauen hatte ich vor allem autodidaktische Erfahrung. Dadurch bleiben immer Lücken gegenüber vollberuflichen Kunstschaffenden, die eine breitere Erfahrung haben. Ich wollte mich unbedingt bei professionellen Lehrern weiterbilden und ein breit abgestütztes Angebot nutzen, um meine Sensitivität für die Materialien zu entwickeln und die technischen Fertigkeiten zu verbessern.
Viele Ihrer Arbeiten zeigen Menschen. Ihre Gesichtszüge sind sehr detailliert und filigran ausgearbeitet. Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass sie „so lange an einer Skulptur arbeiten, bis sich ein Teil dieser Kraft in der Skulptur angesammelt hat.” Würden Sie sich als Perfektionisten bezeichnen?
Ja, in dieser Hinsicht schon. Ich ringe zum Teil sehr lange, bis für mich die Deckung mit meinen Gefühlen und inneren Bildern erreicht ist.
Ihr Abschlussprojekt ist ein Betonguss, der Gruppen von Menschen zeigt. Manche von ihnen tragen Kinder in den Armen oder auf dem Rücken, andere sehen sich suchend um, stehen eng zusammengepfercht da. Einzelne Schicksals- und Familiengemeinschaften sind reliefartig zusammengefasst. Eine Prozessanalyse der Flüchtlingsthematik mit dem Titel „Betroffenheit Gefühlt Geformt.“ Warum wurde es Beton und keine Steinskulptur?
Beton enthält vor allem Sand. Im Buch „Masse und Macht“ schreibt Elias Canetti über die Massensymbole. Dazu gehören zum Beispiel Sand, Korn oder der Regen. In meiner Arbeit geht es um die Gegensätze von Masse und Individuum. Der Sand im Beton trägt die Symbolik der Masse in sich. Alle 28 Gruppen wiegen etwa 1,3 Tonnen. Die vielen Asylsuchenden wiegen in ihrer Bedeutung ebenfalls schwer. Auch hier unterstützt das hohe Gewicht des Materials die Symbolik. Niemand ist nicht betroffen von den Flüchtlingsströmen. Wir sollten bemüht sein, nicht nur „die Asylsuchenden“ wahrzunehmen, sondern sie auch als einzelne Individuen kennenzulernen. Durch die figürliche Darstellung treten sie aus der Masse.
Machen wir nun eine kleine theoretische Prozessanalyse Ihres Schaffens: Wie entstand das Abschlussprojekt des Kurses?
Am Beginn meiner Arbeit steht eine innere Unruhe, Betroffenheit und Empörung. Die Betroffenheit wird immer stärker und zum kreativen Impuls. Sie ist der Ursprung einer Kraft, die mich zur Umsetzung drängt. Sie steigt auf aus den Zellen meines Körpers und produziert Bilder in meinem Kopf. Ich verspürte den Wunsch, die vielen Bilder von geflüchteten Menschen, die man immer nur zwei bis fünf Sekunden im Fernsehen sah, anzuhalten und sie dreidimensional zu gestalten, damit Raum und Zeit entsteht zu reflektieren, das Irrationale „begreifbar“ zu machen. Einerseits während des Entstehens und andererseits als Skulpturenraum.
Sie arbeiten aber nicht nur mit Beton, sondern auch mit Stein. Wie empfinden Sie das Material?
Ich arbeite vor allem mit weicheren Steinen wie Marmor, Travertin oder Alabaster. Im Stein kommt es zu einer Verlangsamung des Arbeitsprozesses. Durch den größeren Widerstand beim Bearbeiten löst er in mir andere Prozesse aus. Die Urkräfte der Hitze und des Drucks im Erdinneren haben zum Beispiel beim Marmor zu einer Metamorphose geführt. Diese inhärenten Urkräfte, das große Gewicht und die Beständigkeit von Stein führen mich oft zu Urformen.
Mit der Vernissage Ende September haben Sie den Weiterbildungskurs nun beendet. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?
Die Vernissage hat mir gezeigt, dass das Thema immer noch sehr aktuell ist und dass viele durch die Begegnung mit der Installation emotional tief berührt waren.
Und was nehmen Sie aus dem Kurs für sich mit?
Der Kurs war etwas vom Besten, was mir passiert ist. Jedes Modul, sei es Zeichnen, Modellieren, Bildhauen oder Theorieseminare haben sich auf mein Sehen, Spüren und Fühlen des zu bearbeitenden Materials ausgewirkt. Der direkte Unterricht von hervorragenden Lehrern der Scuola di Scultura hat mich sicherer in meiner technischen Ausführung gemacht und meine künstlerischen Möglichkeiten deutlich erweitert.
Planen Sie noch weitere Weiterbildungskurse?
Da bei mir oft der Mensch im Mittelpunkt meiner Arbeit steht, sind für mich alle Kurse, in denen Modelle gezeichnet oder modelliert werden können, interessant und basal. Ich gehe gerne zurück zu den Wurzeln, um Energie zu tanken. Deshalb wird man mich noch oft im schönen Maggiatal und der Scuola di Scultura arbeiten sehen.
Die Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Heilbronn-Franken präsentiert sich auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn mit einer handgefertigten Kugelbahn aus Sandstein. Außerdem wurde bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung Roland Vorherr im Amt des Obermeisters bestätigt. (mehr …)
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