Mitteldeutsche Natursteintag in Leipzig

Stein Magazin

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Leipzig ist nicht nur die Stadt des bürgerlichen Barock. Auch zahlreiche moderne Gebäude prägen heute den Charakter der Stadt, in der noch immer rege gebaut wird. Insofern fand der Mitteldeutsche Natursteintag, zu dem das Geokompetenzzentrum Freiberg am 9. und 10. Mai 2014 lud, genau am richtigen Ort statt. Zu den Stichworten »Recht«, »Denkmal« und »Technologien« versammelten sich rund 80 Steinmetzen, Denkmalpfleger, Architekten und Ingenieure in den historischen Hallen der Musikschule Leipzig.

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Foto: SteffenG/wikimedia.org

Am Freitag standen Vorträge im Mittelpunkt. Leipzig lieferte auch hier passendes Anschauungsmaterial: Thomas Plietzsch vom Architekturbüro Förster & Plietzsch und Stefan Haunstein, Bennert Restaurierungen, berichteten über die Rekonstruktion des Glockenturmes an der Leipziger Peterskirche, während Christian Wischalla, Schulz & Schulz Architekten, den Neubau der Propsteikirche St. Trinitatis beleuchtete. Bewusst hat man sich hier für eine Fassadenverkleidung aus dem regionalen Rochlitzer Porphyr entschieden, der die Kirche mit seiner lebendigen Aderung prägen wird.


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Aus anderer Perspektive näherte sich Dr. Helmut Bock dem Thema Naturstein an. Er berichtete über die Wiedererschließung historisch genutzter Naturwerksteinlagerstätten. Solche Steinbrüche sind durch ihre kurzen Transportwege und ihre Vielfältigkeit besonders für die Denkmalpflege interessant. Hier müssten aber die Verantwortlichen bei den Ausschreibungen klarere Vorgaben machen, um die Nutzung solcher Werksteine zu fördern. Das Vergaberecht lässt dies nämlich durchaus zu. Im Anschluss wagte sich Peter Gerlach von der Auftragsberatungsstelle Sachsen e.V. an ein besonders heikles Thema. Er beleuchtete die Frage, ob Gemeinden in ihrer Friedhofsverordnung »Grabsteine aus Kinderarbeit« verbieten können, aus der rechtlichen Perspektive der Auftragsvergabeordnung. Diese Verordnungen nehmen die Steinmetzen in die Pflicht, den Nachweis »ohne Kinderarbeit« zu erbringen – was in der Praxis meist unmöglich ist. Aktuell laufen mehrere Gerichtsverfahren zu dieser Frage.

Am zweiten Tag begaben sich die Teilnehmer auf Exkursion zum Thema »Naturstein und Restaurierung am nördlichen Harzrand«. Unter Leitung von Dr. Angela Ehling machten sie unter anderem in Halberstadt, Wernigerode und in Gernrode Halt. Insgesamt zeigte sich das Thema Naturstein also aus vielen verschiedenen Blickwinkeln und regte den Austausch unter den Gewerken an.

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7 Branchenmeinungen: Mensch und Maschine

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3D-Stück

Auf der Stone+tec 2018 widmete sich die Podiumsdiskussion “CNC-Technik für Ein- und Aufsteiger” der Frage, wie CNC-Technik im Betrieb etabliert werden kann.

Brio
CNC-Technik wie diese Fünfachssäge ist die Zukunft der Natursteinbranche, war man sich auf dem Podium einig. Foto: Anne Fischer
CNC-Technik
3D-Stück, das Schüler aus Königslutter gezeichnet, auf der Maschine vorgefräst und anschließend handwerklich nachbearbeitet haben. Foto: Anne Fischer
NuernbergMesse : Frank Boxler
Die Podiums-Teilnehmer: Richard Watzke, Oliver Braun, Kai Görder, Ingo Homeyer, Rene Houdelet, Dieter Löffler, Andreas Scholz, Sven Wappler Foto: NuernbergMesse / Frank Boxler



Fazit und Tipps vom Podium

Oliver Braun von Weha betonte, dass die Vorgespräche essentiell seien. Natursteinverarbeiter sollten sich fragen: Welche Aufträge bearbeite ich aktuell? Welche möchte ich bearbeiten? Welche Aufträge könnten in fünf Jahren kommen? Der Schritt der Technologisierung solle bestenfalls nicht zu groß ausfallen, Input und Output der Maschine müssten stimmen. Entgegen des allgemeinen Trends zu Fünfachs-Maschinen könne je nach Auftragslage zum Beispiel auch eine Vierachs-Maschine ausreichen.



Kai Görder von der Steinmetzschule Königslutter berichtete von seinen Erfahrungen mit den Schülern. Das Zeichnen im CAD-Programm falle ihnen teilweise leichter als per Hand. Die Schule lehrt seit etwa sieben Jahren CNC-Einheiten. Sie verfügt über einen 3D-Drucker und eine Fünfachs-Maschine. Das Hauptaugenmerk liege auf Grundlagenvermittlung, etwa Zeichnen mit CAD-Programmen und ersten Plattenschnitten. Techniker-Schüler arbeiten auch in 3D. Sie fräsen zum Beispiel Figuren auf der Maschine vor und bearbeiten sie handwerklich nach.

Ingo Homeyer von DDX Deutschland ist der Meinung, der Einstieg in die CNC-Technik sei nie so leicht gewesen wie aktuell: Sowohl Maschinen- als auch Software-Hersteller hätten viel für intuitive Bedienbarkeit getan. Firmen rät er, “ein verrücktes Teil” zu produzieren und auszustellen. Architekten und andere B2B-Kunden könnten sie die Möglichkeiten der CNC-Technik so besser vorstellen.



Rene Houdelet von König Schmieder erklärte, er wolle stets die Maschine verkaufen, die im jeweiligen Betrieb am einfachsten zu integrieren sei. Dafür gelte es, in Vorgesprächen den Kenntnisstand der späteren Bediener herauszufinden. Auch nach Kauf und Aufbau der Maschine sollten Betriebe regelmäßig Schulungen in Anspruch nehmen.

Dieter Löffler von Burkhardt-Löffler erzählte von der Hilfshotline der Firma: Sie helfe besonders frischen Einsteigern oft, wenn sie bei einem Sägeprojekt “hängenbleiben”. Schon bei der Montage und dem Aufbau einer neuen Maschine sei es für die Firmen wichtig, dabei zu sein, um sich mit der Thematik zu identifizieren.



Andreas Scholz, Geschäftsführer von Scholz Naturstein aus Frasdorf, hat 2009 angefangen, in CNC-Technik zu investieren. Er habe neue Aufträge generiert, sein Team wachse mit der Maschine mit und habe sie schnell voll auslasten können. Auch im Betriebsalltag sollte stets Zeit fürs Ausprobieren freigeräumt werde. Dass der Nachwuchs grundlegende CNC-Kenntnisse an den Schulen vermittelt bekommt, begrüßt er. Besonders, weil viele Bewerber aktuell noch keine derartigen Fähigkeiten mitbrächten. Deshalb bilde er seine CNC-Bediener bislang selbst aus und schicke sie zu CNC-Schulungen.

Sven Wappler von CMS Steintechnik wies auf die Schere zwischen tatsächlichen Aufträgen und dem “Fünfachs-Trend” hin: Die meisten Aufträge seien aktuell noch im 2D-Bereich, dennoch wollen fast alle Betriebe sofort in eine Fünfachs-Maschine investieren. Er rät deshalb zur genauen Bestandsaufnahme vor dem Kauf.

– Einsteiger sollten am besten in eine Maschine investieren, deren Software später aufrüstbar ist, etwa mit 3D-Modulen.

– Aufgrund des Fachkräftemangels ist Wachstum teilweise nur durch Technologisierung möglich, weil sie fehlende Handwerker ausgleicht.

– Interessierte sollten nicht nur auf die reine Bearbeitungszeit achten, die durch eine Maschine sinkt. Viel wichtiger ist die automatische Fertigung, durch die Betriebe sich parallel anderen Projekten widmen können.

Ein neuer Stadtkern für Warburg

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Kontrastreich gestaltet

Im Jahr 2011 feierte das malerische Warburg sein 975-jähriges Jubiläum. Die etwa 26.000 Einwohner starke Stadt liegt im Kreis Höxter, im östlichen Nordrhein-Westfalen. Ursprünglich bestand Warburg aus zwei Städten. Die sogenannte Altstadt aus dem 12. Jahrhundert liegt am Flusstal der Diemel. Rund 100 Jahre später entstand oberhalb der Altstadt die Neustadt. Erst in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden beide Städte zusammengeschlossen. Es dauerte noch einmal mehr als 130 Jahre bis das gemeinsame Rathaus zwischen den Städten 1568 auf der Grenze von Alt- und Neustadt erbaut wurde. Bis dahin hatten beide Stadtteile jeweils ihren eigenen Verwaltungssitz.

Vor einigen Jahren wurde in der Stadt über eine neue Straßengestaltung im Zentrum der Neustadt nachgedacht. Im Hinblick auf den demographischen Wandel und dem hohen Anteil an bewegungseingeschränkten Menschen kam der Aspekt „barrierefrei“ hinzu. Drei Ingenieurbüros präsentierten ihre Entwürfe, wobei die Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Lohaus + Carl aus Hannover mit ihrem Vorschlag die Verantwortlichen überzeugten. Helle, sogenannte Laufbänder durchziehen den historischen Kern der Neustadt. Der verwendete Bodenbelag der Laufbänder besteht aus Dietfurter Dolomit, der später aber von Betonsteinen abgelöst wird. Die quadratischen, diagonal verlegten Natursteine haben eine gesägte und geflammte Oberfläche. Umgeben werden diese „Leitlinien“ von dunklerer Grauwacke, die einen deutlichen Kontrast zu den hellen Dolomitsteinen darstellt. Die Grauwacke stammt aus Lindlar im Bergischen Land, etwa 35 Kilometer nordöstlich von Köln gelegen. Hier hat die Firma Quirrenbach ihren Steinbruch.

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Der historische Stadtkern von Warburg im Osten Nordrhein-Westfalens wird seit 2011 neu gestaltet. (Foto: Lohaus + Carl GmbH Landschaftsarchitekten + Stadtplaner)
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Die Grauwacke kommt aus Lindlar im Bergischen Land. Hier hat die Firma Quirrenbach ihren Steinbruch. (Foto: Tanja Slasten)
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Für das Projekt in Warburg wird die Quirrenbach-Grauwacke in einer Tiefe von zirka 35 bis 60 Metern abgebaut. Im Anschluss kommen die Rohblöcke zur weiteren Verarbeitung in das nahegelegene Werk. (Foto: Tanja Slasten)
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Mit Hilfe der Diamantseilsäge wird beim Rohblock eine Schwarte abgesägt, um eine ebene Standfläche zu erhalten. (Foto: Tanja Slasten)
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Die Blockkreissäge schneidet die Rohblöcke bis auf eine Reststärke von zirka drei Zentimeter in die gewünschte Plattenstärke. (Foto: Tanja Slasten)
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Somit fallen die einzelnen Platten nicht auseinander und es ist möglich, den Rohblock mit einem Gabelstapler zum nächsten Arbeitsplatz zu transportieren. (Foto: Tanja Slasten)
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Die Rohstreifen durchlaufen das patentierte Rillierungsverfahren. (Foto: Andrea Dingeldein)
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Die Unterseiten und die Seitenflächen werden in einem Arbeitsgang
rilliert. (Foto: Andrea Dingeldein)
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Nach dem Zuschnitt auf die erforderliche Länge werden die Stirnseiten
rilliert. (Foto: Andrea Dingeldein)

Barrierefreie Pflastersteine aus Grauwacke

Den fußläufigen Bereich bestimmt ein barrierefreies Pflaster mit einer gesägten und geflammten Oberfläche. Das Material für diese Steine wird in einer Tiefe von circa 35 bis 60 Metern abgebaut, denn in diesen Lagen beträgt die Druckfestigkeit der Quirrenbach Grauwacke etwa um die 150 Newton pro Quadratmillimeter. Doch bevor die Steine an ihren Bestimmungsort Warburg gelangen, durchlaufen sie zahlreiche Prozesse. Zuerst werden die Rohblöcke zum naheliegenden Werk transportiert und, falls erforderlich, mittels der Diamantseilsäge bearbeitet, um eine ebene Standfläche zu erhalten. Anschließend werden die Rohblöcke mit Hilfe von Blockkreissägen in acht Zentimeter dicke Tranchen gesägt. Um die Farbgebung zu intensivieren und die erforderliche Rutschfestigkeit zu erzielen, wird jeweils eine Oberfläche der Platte geflammt. Dies geschieht bei etwa 1400/1600°C. Mit der Mehrblattsäge schneidet man im nächsten Arbeitsschritt die Steinplatten in Rohstreifen zu. Abschließend kommt die Pflasterspaltmaschine zum Einsatz und spaltet die Pflastersteine auf ihre endgültige Größe. Der fertige barrierefreie Stein weist somit zwei gesägte Seitenflächen, zwei gespaltene kurze, sogenannte Kopfseiten und eine gesägte und geflammte Oberfläche auf.

Patentierte Innovation

Bis auf einen kleinen Abschnitt der Hauptstraße sind die Straßen im idyllischen Stadtkern asphaltiert. Der verwendete Asphalt ist mit einer aus Grauwacke besplitterten Decke versehen. Auf diese Weise passt sich der normalerweise schwarze Asphalt optisch an die umgebenen Pflastersteine aus Grauwacke an. Der einspurige Teil der Hauptstraße ist dagegen mit Natursteinen bepflastert. Hier wurde wieder die Lindlarer Grauwacke verwendet. Die 14 Zentimeter dicken Steine haben eine gesägte und geflammte Oberfläche. Alle vier Seitenflächen und die Unterseite weisen eine Rillierung auf. Dadurch erhöht sich die Haftung zwischen dem Stein mit dem Fugen- und dem Mörtelmaterial. Dieses mittlerweile patentierte Verfahren hat die Firma Quirrenbach entwickelt.

Erfahren Sie mehr zur Neugestaltung des historischen Kerns von Warburg in STEIN im Juni 2016.