Branchentalk Naturstein und Keramik

Stein Magazin

Handwerk hat Zukunft! Das war die übereinstimmende Meinung bei einem Branchentalk anlässlich eines vom Fachverband Fliesen und Naturstein initiierten »Gipfeltreffen« der Keramik- und Natursteinbranche. »Wir haben unterschiedliche Probleme, die wir nur gemeinsam lösen können«, fasste der Vorsitzende des Fachverbandes Fliesen und Naturstein Karl-Hans Körner die derzeitige Situation der mit Naturstein und Keramik befassten Handwerksbetriebe zusammen.

Foto/© Rainer Sturm/pixelio.de

 

Eine, »trotz der Politik«, positive Baukonjunktur und die hohe Nachfrage nach Keramik und Naturstein im Bau- Ausbau- und Renovierungsbereich sei die eine Seite der Medaille, die Sorge um einen anhaltenden Preisverfall für handwerkliche Leistungen, die Konkurrenz von immer mehr wenig oder unqualifizierten Wettbewerbern und der Mangel an Nachwuchskräfte die andere, weniger erfreuliche Seite der gleichen Medaille. 68.000 Fliesenleger in Deutschland und jährlich nur knapp 100 neue Meister sind für Körner Zahlen, die kaum für eine kundengerechte Qualität sprechen können. Natürlich, so Körner, gebe es regionale Unterschiede, wenn es um die Kaufkraft der möglichen Kunde oder die fachliche Qualität der Betriebe gehe, doch jeder müsse genau die Chancen nutzen, die sein Markt biete. Körner stellte auch klar, dass es wenig nütze, immer nur die verlorene Meisterpflicht im Fliesenleger Handwerk zu beklagen. Das Fliesenlegerhandwerk müsse sich diesen Tatsachen stellen. Jede, auch eine negative Entwicklung, biete auf der anderen Seite eine Chance. Die Chance für Fliesenleger könne nur in einer ausreichenden und marktspezifischen Qualifizierung liegen. Die Einführung des Qualifizierungsprogramms »Zert-Fliese« sei hier ein erster, wichtiger Schritt. Für Körner ihn ist jeder Unternehmer der Schmied seines eigenen Erfolgs geworden.

Die Zukunft des Handwerks im Blick: Thomas Schäfer (Sopro), Uwe Gruber (Mapei), ZDF-Moderator Norbert Lehmann, Karl-Hans Körner (Fachverband Fliesen und Naturstein) und Gustav Treulieb (Bundesverband Deutscher Steinmetze, v. l. n. r.). Foto/© Mapei

 

Erfolg funktioniere allerdings nur, wenn die Qualität und der Service der handwerklichen Arbeit stimme, so Gustav Treulieb, Bundesinnungsmeister des Bundes Deutscher Steinmetze. Meister heißen, das reicht für ihn heute nicht mehr aus, um einen Betrieb erfolgreich zu führen. Meisterliche Leistungen seien gefragt; der Titel alleine sei kein Garant für Qualität. Treulieb sieht zukünftig in erster Linie die gestalterischen, und technischen und Qualitäten des Angebots von Handwerksmeistern im Mittepunkt. Das Handwerk müsse seine Aus- und Fortbildungsangeboten intensivieren. Eine Aufgabe die von beiden Verbänden gemeinsam bewältigt werden könne. »Wir brauchen gute Mitarbeiter, die müssen wir gut ausbilden und ständig weiter qualifizieren«, so seine Forderung. Handwerk habe gerade heute, dank der hier erforderlichen Kreativität, bei vielen jungen Leuten ein gutes Image. Dieses Ansehen sollte die Branche nutzen. Allerdings läge es an jedem einzelnen Betrieb, diesem Image gerecht zu werden. Qualitätsvolles Bauen sei ein komplexer Prozess, der nur mit entsprechendem Know-how und Qualität ein einwandfreies Endprodukt ermögliche. Schlussendlich müsse das Handwerk selbst einfach mehr »Lust auf Handwerk« machen.

Könnte dich auch interessieren

Naturstein in München zum Anfassen

Stein Magazin

Aus einem gedruckten Natursteinführer wird Praxis zum Anfassen. Noch bis 13. Juli 2018 ist im Servicezentrum der Lokalbaukommission eine Ausstellung zu sehen, die zeigt, wo und wie Naturstein an Gebäuden in München verarbeitet wurde.

Naturstein-Ausstellung-Muenchen
Blick auf die Foto-Wall der zusammengetragenen Münchner Gebäude. Foto: Johann Weber
IMG_5610
Die gezeigten Fotografien sind auch im „Natursteinführer München“ abgedruckt, der 2015 publiziert wurde. Foto: Johann Weber
IMG_5604
Materialproben der Steine zum Anfassen ergänzen die Ausstellung. Foto: Johann Weber
Beethoven-Str-Dantis
Beethovenstraße 6, München. Foto: Johann Weber
Justizpalast-Muenchen
Der Justizpalast in München. Foto: Johann Weber
Marienplatz-Rathaus
Ein Teil der Fassade des Rathauses am Marienplatz in München. Foto: Johann Weber
Ettstrasse2
Polizeipräsidium in der Ettstraße 2, München. Foto: Johann Weber

Die Ausstellung basiert auf dem im Jahr 2015 von Prof. Florian Musso herausgegebenen „Natursteinführer München“. Johann Weber, Leiter der Baustoffsammlung der Fakultät für Architektur an der Technischen Universität (TU) München, erfasste hierfür etwa 4.000 Gebäude des Stadtinneren und die darin verbauten Natursteine. Gebäude wie der Justizpalast, das Polizeipräsidium, das Rathaus am Marienplatz oder der Monopteros im Englischen Garten zählen zu den imposanten Beispielen, die mit Natursteinen gebaut wurden. Detailliert werden die einzelnen Gebäudeteile aufgeschlüsselt und die Art der Natursteine aufgelistet. So besteht der Sockel des Justizpalastes in der Elisenstraße aus Waldstein Granit, das Verblendemauerwerk aus Kelheimer Auerkalk und Donau Kalkstein, die Säulen, Basen und Kapitelle aus Carrara Marmor.

Aus rund 400 im Buch abgebildeten Fotos wurden für die Ausstellung 120 gewählt. „Nicht jedes Gebäude, Bauteil, Kunstobjekt kann gleich gut abgelichtet werden, sodass die Auswahl der Bilder ein wenig nach der ‚Schönheit des Fotos‘ und Verschiedenartigkeit der Verwendung geschehen ist“, erklärt Johann Weber.

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag, 9–17 Uhr
Referat für Stadtbauplanung und Bauordnung
Servicezentrum
Blumenstraße 19
80331 München

Online bestellen – digitale Revolution und Handwerk

Stein Magazin
aber verändert hat sich doch einiges. Gegenwärtig verändert die digitale Revolution unterschiedlichste Arbeitsbereiche. Werden auch Natursteine online bestellt oder welche Auswirkungen zeigen sich in den Steinmetzbetrieben? Ein Gespräch über modernes Einkaufsverhalten. Foto: Steinmetzbetrieb Halbich

 

Der Computer oder das Smartphone ist heute aus unserem Lebensalltag nicht mehr wegzudenken. Der digitale Fortschritt durchzieht den privaten und geschäftlichen Bereich. Moderne Unternehmen sind auf das Internet als Informations-, Kommunikations- und Einkaufsplattform angewiesen. Wie äußert sich das im Steinmetzhandwerk? Ingrid Halbich, Geschäftsführerin von Natursteine Halbich, erklärt, wie sich die Arbeitsprozesse und das Einkaufsverhalten in ihrem Betrieb verändert haben.

Kaufen Sie Naturstein oder Natursteinprodukte im Internet?

Im Onlinebereich hat sich viel getan. Die Kunstgießerei Strassacker beispielsweise hat in ihrem Onlineshop ein breites Angebot an Inschriften. Diese bestelle ich online. Das ist sehr hilfreich, weil man Bilder der Inschriften zum Vorzeigen ausdrucken kann. So wird die Kundenberatung enorm erleichtert. Werkzeuge kaufe ich meistens im Geschäft oder greife auf die Außendienstmitarbeiter der Unternehmen zurück. Auch bei der Natursteinauswahl bin ich oft vor Ort bei meinen Großhändlern. Neue Materialien muss man sich sowieso ansehen. Außerdem gibt es beim Material Naturstein viele Maserungs- und Farbabweichungen. Deshalb ist es so wichtig, die Steine zu begutachten. Aber mir bekannte Natursteine, mit denen ich viel arbeite, bestelle ich schon im Internet.

Hat sich der Einkauf von Natursteinen über die Jahre verändert?

Die Vielfalt der Steine ist heute sehr viel größer. Vor 20 Jahren gab es bei weitem nicht so viele Materialien zur Auswahl. Über das World Wide Web können wir global auf verschiedenste Produkte zugreifen. Wir sind aber kein Steinmetzbetrieb, der nur fertige Steine einkauft. Wir ordern auch Tranchen. Mein Mann schneidet sie in der Werkstatt zu und gestaltet sie individuell nach Kundenwunsch. Deshalb sind wir vielleicht auch ein „schlechtes“ Beispiel für den Onlinekauf. Wir suchen unsere Tranchen zwar teilweise nach einem Telefongespräch oder nach Ansicht von Fotos auf den Websites unserer Lieferanten aus. In der Steinmetzbranche bleibt es aber grundsätzlich wichtig, das Material direkt ansehen zu können.

Können Sie sich vorstellen, in Zukunft mehr Arbeitsprozesse oder Käufe online zu erledigen?

Natürlich bestellen wir Produkte wie Mörtel oder Kleber im Internet. Und obwohl meine Kunden eher einer älteren Zielgruppe angehören, kommen oft auch E-Mail-Anfragen. Ein großer Bestandteil der täglichen Arbeit ist das Checken und Beantworten der E-Mails.

Wie kann man sich der Qualität der Produkte, die man online bestellt, sicher sein?

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass nicht zu viele Zwischenhändler beim Kauf vertreten sind. Außerdem sollte man den Bruch, wo der Stein abgebaut wird, kennen. Wir kaufen sehr viele Natursteine in einem Bruch in der Nähe von Lissabon. Dort kennen wir alle Ansprechpartner persönlich. Wenn ich meine Steine aus Portugal online bestelle, weiß ich, dass ich etwas Vernünftiges bekomme. Wir kaufen direkt – ohne Zwischenhändler. So kann man auch den Preis für die Kunden halten. Ein weiterer Vorteil.

Wie ist Ihr Einkaufsverhalten im Onlinebereich?

Das Internet nutze ich auch am Wochenende. Es ist toll, dass man beim Einkauf so flexibel ist und nicht abhängig von irgendwelchen Geschäftszeiten

 

Erfahren Sie hier mehr zum Steinmetzbetrieb Halbich in München. In STEIN im September 2015 können Sie mehr zum Einkauf und Handel im Internet lesen.