Museum der 1000 Orte

Die Bundesrepublik Deutschland beauftragt seit 1950 für ihre Bauten im In- und Ausland Kunst am Bau. Über die Jahrzehnte sind an die 10.000 Werke entstanden. Auch Natursteinarbeiten sind dabei. Nun macht das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) die Kunstwerke digital zugänglich – über die Online-Plattform „Museum der 1000 Orte“. Im Gespräch mit Dr. Ute Chibidziura, Referentin für Kunst am Bau beim Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, über das ambitionierte Projekt.

STEIN: Was ist das „Museum der 1000 Orte“?

Ute Chibidziura: Es handelt sich um eine Onlinepräsentation für die Kunst am Bau des Bundes. Also für jene Kunst, die im Zusammenhang mit Baumaßnahmen geschaffen wird. Seit 1950 wird bei Bundesbauten Kunst am Bau realisiert, sodass über die Jahre ein international einzigartiger Bestand an Nachkriegskunst entstanden ist, der die Arbeiten vieler bekannter Künstlerinnen und Künstler in sämtlichen Gattungen und Techniken umfasst. Diesen Kunstbestand, der auf hunderte Liegenschaften in Deutschland und im Ausland verteilt ist, wollten wir in gebündelter Form vorstellen.

Viele Kunstwerke sind nicht öffentlich zugänglich …

Eine Eigenheit der Kunst am Bau ist, dass sie an den Bau gebunden ist und an Orten realisiert wird, die aus Sicherheitsgründen nur wenigen Personen zugänglich sind oder wie Botschaften an geografisch abgelegenen Orten liegen. Daher gibt es zahlreiche Kunstwerke, die nur wenig bekannt sind oder über die Jahre aus dem Blick geraten sind. Mit dem „Museum der 1000 Orte“ können wir diese wieder ins Bewusstsein bringen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Wieso gerade in Form einer virtuellen Sammlung?

Insgesamt umfasst der Bestand etwa 10.000 Kunstwerke. Die könnten wir weder in einem Bildband noch in einer Ausstellung präsentieren – das würde jeden organisatorischen und personellen Rahmen sprengen. Das „Museum der 1000 Orte“ hingegen ist so aufgebaut, dass Kunstwerke peu à peu eingestellt werden können und das Museum kontinuierlich wächst. Zudem können jederzeit inhaltliche Änderungen vorgenommen werden. Kunst am Bau ließe sich ohnedies nur schwer in einer klassischen Ausstellung zeigen, denn um seine Verortung im räumlichen Kontext zu veranschaulichen, müsste man von jedem Raum oder Gebäude ein Modell bauen und dazu Bildstrecken und Texte aufbereiten, was schon für einige wenige Beispiele einen enormen Aufwand bedeutete. Ein weiterer Vorteil einer virtuellen Ausstellung ist, dass sie nicht örtlich gebunden ist, sondern via Internet von zuhause aus besichtigt werden kann.

Wie bewegt sich der digitale Museumsbesucher durch die Seite?

Es gibt mehrere Zugänge zur Kunst: einen intuitiven über die Abbildungen der Kunstwerke auf der Startseite, einen systematischen über die Reiter Kunstwerke, Künstler oder Orte und einen über die Freitextsuche. Innerhalb der Kunstwerke kann man wiederum nach Techniken oder Nutzungszusammenhängen sortieren.

Welche Informationen findet man, wenn man ein Kunstwerk aufruft?

Man findet ausführliche Informationen über das Kunstwerk in seinem baulichen Kontext, über das Gebäude und die Liegenschaft, und natürlich über die Künstlerin oder den Künstler. Hier wird erläutert, welchen Werdegang die Künstler haben, wo ihre Arbeitsschwerpunkte liegen und wo sie noch Kunst am Bau realisiert haben. Sämtliche Informationen und Fotos zu einem Kunstwerk sind in Form einer PDF hinterlegt, die heruntergeladen werden kann.

Wie schlägt das virtuelle Museum eine Brücke zur physischen Welt?

Im Museum wird angegeben, ob ein Kunstwerk frei zugänglich oder zumindest öffentlich einsehbar ist, sodass man im Rahmen eines Sonntagsspaziergangs auch Kunst am Bau anschauen kann. Außerdem werden nach und nach alle Kunstwerke mit einem QR-Code ausgestattet, über den man sich mit dem „Museum der 1000 Orte“ verlinken kann, um ausführliche Informationen zum Kunstwerk zu erhalten.

Welche Kunstwerke gibt es aus Naturstein?

Ein bedeutendes Beispiel ist der „Aufsteigende Phönix“ von Hannes Schulz-Tattenpach am Alten Abgeordnetenhaus von Bonn. Dieses Kunstwerk aus Kalkstein war das erste Werk, das nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen eines offenen Kunst-am-Bau-Wettbewerbs ausgewählt und in Auftrag gegeben wurde. Der Phönix, der aus der Asche aufsteigt, sollte auf die damalige Situation der Bundesrepublik Deutschland verweisen, welche sich nach dem Krieg als demokratischer Staat neu ordnen musste. Das Motiv wurde noch 1974 als so treffend angesehen, dass es als Briefmarke eine Sonderpostkarte zierte, die die Deutsche Post anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Bundesrepublik herausgegeben hat.

 

Hier können Sie einen Blick in die Datenbank werfen: www.museum-der-1000-orte.de.