Naturstein und Klinker in Kombi für die Promenade am Kölpinsee

Stein Magazin

Die Promenade hat eine Fläche von rund 20.000 Quadratmetern. Foto: Thomas Wolff/Gotha

Musterprojekt in Meck-Pomm: Die Promenade auf Usedom verbindet in Hochwasser-geeigneter Bauweise nachhaltige Architektur mit den Anforderungen an seenahe Gebiete.

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Der Bodenbelag der Promenade besteht aus Pflasterklinkern und Naturstein. Foto: Thomas Wolff/Gotha
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Direkt an der Düne „schwebt“ die Promenade auf Pfählen. Foto: Thomas Wolff/Gotha
Die Promenade hat eine Fläche von rund 20.000 Quadratmetern. Foto: Thomas Wolff/Gotha

Pflasterklinker und Quarzmonzonit

Optisch überzeugend, nachhaltig, witterungsresistent soll sie sein, die neue Promenade am Kölpinsee auf Usedom. Sie verbindet die Gemeinde Loddin und den Ortsteil Stubbenfelde und schützt die Dünen durch ihre Pfahlbauweise. Zu der 750 Meter langen Promenade mit Strandzugang gehören auch ein Strandvorplatz mit Liegewiese und Boccia-Bahn, ein Parkplatz und ein Mehrgenerationen-Spielplatz. Das beauftragte Landschaftsarchitekturbüro Niessen aus Rügen wählt 2015 eine Kombi-Lösung für den Bodenbelga: Die eine Hälfte der rund 20.000 Quadratmeter großen Fläche besteht aus großformatigen Natursteinplatten, die andere aus Pflasterklinkern.

Beim Naturstein entscheidet sich der Architekt Thomas Niessen für den Quarzmonzonit
Belgrano A226, den BESCO – Berliner Steincontor lieferte. Die Klinker stammen von Vandersanden aus Belgien, mit neun Fertigungsstandorten das größte europäische Familienunternehmen im Bereich Ziegelherstellung. „Pflasterklinker haben sich in Sachen Form, Farbintensität, Farbmuster und Oberflächenstruktur, aber auch beim Thema Nachhaltigkeit bestens bewährt“, so Niessen. Er lässt bei diesem Projekt graue und gelbe Klinker im Format 200x100x52 verlegen. Sie nehmen einerseits die warmen, sandigen Töne der Umgebung auf und bilden andererseits in der grauen Variante einen interessanten Kontrast.

Schwebender Naturstein als Hochwasserschutz

Weil sowohl die Natursteinplatten als auch die Klinker jeden Tag der salzhaltigen Luft ausgesetzt sind, setzt der Architekt bei der Auswahl des Materials auf ein Prüfverfahren, das weit über den Anforderungen der technischen Norm steht. Und legt Priorität auf das Erfüllen des Hochwasserschutzes. Dafür sorgt im Naturstein-Bereich eine Besonderheit: Der beplankte Weg ist auf Bauwerkspfählen befestigt, „schwebt“ also gewissermaßen über der Düne. „Für den Fall, dass die als Hochwasserschutzanlage zerstört wird, ist die gesamte Natursteinplatten-Promenade demontierbar. Bei Dünenverlust würde die Fläche also nicht abgetragen, sondern bleibt stehen“, so der Architekt.

Die Promenade am Kölpinsee wurde nach ihrer Eröffnung als Musterprojekt für das Land Mecklenburg-Vorpommern reserviert. Ihre Bauweise wurde unter anderem in Boltenhagen und Karlshagen adaptiert.

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Spurensuche auf Slate Islands

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Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein – eine sinnliche Suche nach Leblosem.

Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp

Der Gedichtband „Schiefern“

Auf der Karte sind es kleine Flecken vor der Westküste Schottlands, so klein, dass es leicht ist, sie zu übersehen. Man muss sie gezielt aufsuchen, um sie zu finden. Man stößt nicht einfach auf sie. Die Inneren Hebriden Schottlands, eine Inselgruppe am oberen Zipfel des Britischen Königreichs, sind eine beliebte Reiseregion. Wer hierherkommt, sehnt sich nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem Zerklüfteten. Nach salzigem Wind, der sich in Haaren und Kleidung verfängt und sie starr werden lässt. Nach dem Atlantik, dessen Wogen an das schwarze Gestein prallen. Gneise. Granit. Basalt. Schiefer.

Esther Kinsky, Übersetzerin und Lyrikerin und 2018 für „Hain. Geländeroman“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet, hat dem Schiefer und der Region, in dem das Sedimentgestein jahrhundertelang abgebaut wurde, einen Gedichtband mit dem so einfachen wie bezeichnenden Titel „Schiefern“ gewidmet.

Die Steinbrüche auf Slate Islands sind noch da, die Überbleibsel einer inzwischen stillgelegten Industrie auch. Kinsky begibt sich auf Entdeckungsreise und verpackt ihre Naturbeobachtung in Worte, die rätselhaft zu entziffern sind und hinfortreißen in die Entlegenheit der Inneren Hebriden, zum schwarzen tosenden Meer, über dem der Leser wie ein unsichtbar Schwebender im Gedankenraum treibt, den Kinsky mit ihren Worten spinnt.

Genau dort, in diesem Gedankenraum, sind auch die Analogien zwischen etwas durch und durch Leblosem und Menschlichem zu finden. Nur wenige Menschen stecken in diesem dreiteiligen Band, das Menschliche jedoch fehlt ihm nicht. Es ist sogar ganz erstaunlich, wie sinnlich über Gischt tragende Wellen und „platten mit einer / oberfläche wie versteinerter leiser wellengang“ geschrieben werden kann, ohne in kitschige Romantik abzurutschen.

„Nature Writing“

Natur verleitet bereits seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller dazu, über sie als Hauptprotagonistin zu schreiben. „Nature Writing“ nennen sich im Angelsächsischen die ausschweifenden literarischen Beschreibungen von Bäumen, Wiesen, Blumen, Wolkenbrüchen. Auf Deutsch hat sich der Begriff der „Naturpoesie“ oder auch „Naturlyrik“ eingebürgert. Esther Kinsky sticht seit Jahren mit solcher Naturpoesie in der Literatur hervor.

2013 flicht sie in „Naturschutzgebiet“ ausgehend von einem verwahrlosten Stadtpark vier Gedichtzyklen über Verfall und Wachstum. Ordnet man Kinskys Werk nun der Gattung des „Nature Writing“ zu, widerspricht sie gern. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie einmal, sie sähe sich nicht in der Tradition des Nature Writing. Zu diffus sei dieser Begriff, zu ausufernd darin, was er umschließt und was nicht. „Nature Writing“ kann alles sein, sagt sie. Warum dann nicht auch ihre neueste Arbeit „Schiefern“, möchte man entgegenhalten?

Die Schichten der Zeit

Früh fällt in „Schiefern“ das Wort der Erinnerung „als raum der abwesenheiten, bewegt von der durchsichtigen hand unberechenbarer synapsen und unwägbarer verschiebungen von ablagerungen in den langsam entstandenen und vertieften furchen und falten des hirns“. Kinsky geht es um die Schichten der Zeit, die sich über Erinnerungen lagern. Erst ganz sacht, dann deutlicher zieht sie sprachliche Parallelen zwischen menschlichem Gedächtnis und der konservierten Geschichte auf der Oberfläche der Gesteinsbrocken, an der die Gezeiten und Zeiten vorübergingen, über Millionen von Jahren hinweg.

Im Stein liegt das Vergangene konserviert, sie müsse nur anhand seiner Falten abgelesen werden, als wäre der Stein ein alter, lieb gewonnener Greis, dessen verwittertes Gesicht die Spuren des Lebens tragen. Kinsky schreibt von „zeichen ohne hand und fuß / im stein auf die sich keiner / einen reim zu machen weiß / als den größtmöglicher vergangenheit“.

„Schiefern“ könnte die moderne Fortsetzung von Adalbert Stifters 1853 erschienenen Erzählungen „Bunte Steine“ sein und sich einreihen in die Titel „Granit“, „Kalkstein“ und „Turmalin“. Doch so tückisch idyllisch die detaillierten, biedermeierlichen Naturdarstellungen Stifters sind, so wenig lieblichheimelig sind auch Kinskys beschriebene Slate Islands. Die Kühle der Umgebung schneit in ihren Worten hindurch. Da liegt eine Härte in ihnen, die man sich nicht wegdenken möchte.

Information zum Buch

Esther Kinsky: Schiefern.
D: 24,00 Euro
A: 24,70 Euro
CH: 34,50 Schweizer Franken
Erschienen: 23.03.2020
Gebunden, 103 Seiten
ISBN: 978-3-518-42921-1

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