Restaurierung im Franziskanerkloster zu Zittau

Stein Magazin

Im Mittelalter diente der Hof des Franziskanerklosters zu Zittau den Ordensmitgliedern als Kreuzgang. Nach dem Abbruch des klösterlichen Nordflügels entstand im 17. und 18. Jahrhundert ein Begräbnisplatz, der heute mit seinen Grufthausreihen die architektonisch bedeutendste Friedhofsanlage des Barock in Sachsen darstellt. In den 1990er Jahren begann eine langwierige Sanierungsphase, die sich bis heute hinzieht. Seither werden schrittweise alle Bereiche des ehemaligen Klosters museal erschlossen, wobei die Vollendung der Restaurierung von Klosterkirche und Klosterhof noch aussteht. STEIN hat mit Dr. Peter Knüvener, Direktor der Städtischen Museen Zittau, über die Restaurierungsmaßnahmen gesprochen, die bis 2017 erfolgen sollen.

Dr-Peter-Knüvener
Dr. Peter Knüvener, Direktor der Städtischen Museen Zittau (Foto: privat)
Franziskanerkloster-Zittau-Klosterhof
Grufthäuser im ehemaligen Klosterhof des Franziskanerklosters zu Zittau (Foto: Boris Frohberg)
Franziskanerkloster-Zittau-Grufthaus
Ansicht des im klassischen Barockstil gehaltenen Grufthauses Kühn aus dem Jahr 1723 (Foto: Boris Frohberg)
Franziskanerkloster-Zittau-Grufthäuser
Grufthäuser auf dem bedeutenden evangelischen Stadtgottesacker an der Gnadenkirche in Hirschberg aus dem 18. und 19. Jahrhundert (Foto: Boris Frohberg)
Franziskanerkloster-Zittau-Maskenreliefs
Spätbarocke, elegante Maskenreliefs an einem Pilaster des Gruftbaus Stöcker (Foto: Boris Frohberg)

STEIN: Welche Restaurierungsmaßnahmen sind bis 2017 geplant?

Dr. Peter Knüvener: Der Schwerpunkt 2016/2017 wird die Vorbereitung der Ausstellung „Vielfalt, Freiheit, Toleranz – Gedächtnis und Erinnerung. Ein Schatzhaus der Oberlausitzer Reformation“ sein. Dazu wird die Zittauer Franziskanerklosterkirche saniert und in das Museum – dessen Standort bisher die Klausur ist – integriert.

Was erwartet die Besucher in der Ausstellung?

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht eine große Zahl – über 40 – Epitaphien aus verschiedenen Zittauer Kirchen, die in den letzten Jahren aufwändig restauriert wurden. Sie wurden von Bürgern der Stadt Zittau in Auftrag gegeben und spiegeln die Lebenswelt im Jahrhundert der Reformation wider.

Inwieweit stehen die Sanierungsarbeiten in der Klosterkirche im Zusammenhang mit den Maßnahmen am Klosterhof?

Die geplanten Sanierungen des Klosterhofs mit seinen herausragenden Grufhäusern sind die konsequente Weiterführung dieses Konzepts, in dem das Zittauer Museum zum Zentrum frühneuzeitlicher Sepulkralkultur avancieren wird.

Wie lässt sich all dies realisieren?

Dafür wurde mit tschechischen und deutschen Partnern innerhalb der Region ein Projekt erarbeitet und Mittel im Europäischen Kooperationsprogramm SN-CZ beantragt. Dieses Restaurierungsprojekt steht im Zusammenhang mit Projekten im nahen Oybin und mit Orten auf der tschechischen Seite (besonders Hrádek nad Nisou/Grottau), bei denen die Erfassung von zahlreichen historischen Landschaftselementen beziehungsweise Kleindenkmalen wie Wegkreuze, Dorfkirche oder herausragende Gräber eine wichtige Rolle spielt. Das Projekt trägt daher den passenden Namen „Gedächtnislandschaft“.

Einen umfassenden Artikel zu den bereits vorgenommenen Restaurierungsarbeiten im Franziskanerkloster zu Zittau lesen Sie in der STEIN im April 2016.

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Das fliegende Auge

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Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

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Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.