Naturstein hat eine besonders lange Tradition und ist ein fester und massiver Werkstoff, aus welchem einzigartige Objekte geschaffen werden können. Zugleich ist es ein Material das Schutz bietet. Auch Häuser werden mit Schutz und Geborgenheit assoziiert. Der Berliner Künstler Robert Schmidt-Matt kombinierte beide Elemente in seiner Arbeit „Das war das Haus vom Nikolaus“ – unsere Skulptur des Monats März.
Der Stein und das Haus – beides steht für Schutz und Verlässlichkeit und weist auf Reichtum und Ewigkeit hin. Die Stabilität beider Phänomene kann aber schnell ins Wanken geraten. „Ich versuche mich spielerisch auf diesem Feld zu bewegen. Die Dekonstruktion der gegebenen Hausform führt jedoch nicht zu ihrer Zerstörung, sondern zu einer Wandlung. Die Auflösung der starren Form ermöglicht etwas Unerwartetes: Bewegung“, erklärt Robert Schmidt-Matt. Der Künstler weist hierbei auf die Feinheit des Materials hin, denn die Bewegungen setzen Sorgfalt und Vorsicht voraus. Die räumlichen Zusammenhänge, die aus dem Steinblock gestaltet wurden, heben sich durch ihren organischen Charakter ab. Sie erinnern vor allem an Knochen und Gelenke.
Die Arbeit „Das war das Haus vom Nikolaus“ wurde aus rotem Schweinstäler Sandstein gestaltet und hat die Maße 2,05 x 2,75 x 2,20 Meter. Mittels zwei rechtwinkligen zueinanderstehenden Sägeschnitten formte Schmidt-Matt die Grundform des Hauses. Anschließend wurde der Block handwerklich weiterverarbeitet und in zwei Teile geteilt, die miteinander verschränkt sind. Die beiden Teile wirken wie zwei Kettenglieder: Sie sind gegeneinander beweglich, aber miteinander untrennbar verbunden. Mit Hilfe von Hebewerkzeugen, wie Kran und Gabelstapler wurden sie auseinandergezogen und 2015 beim Bildhauersymposium in Otterbach aufgestellt.
Februar 2017: Die „Dancing Column“ aus Seeberger Sandstein von Tony Cragg. (Foto: Charles Duprat)Januar 2017: Das Oloid aus kretischem Marmor von Sabine Rassow. (Foto: Piet Freitag)Dezember 2016: „Der Mops“ von Steve Seguin aus Udelfanger Sandstein. (Foto: Bernd Decker)November 2016: „Homme“ aus weißem Marmor von Alberto Giacometti. (Foto: Foto: Kunstmuseum Basel / Martin P. Bühler)Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)September 2016: Die Skulptur „Traumsaat“ aus grünlichem Diabas von Emanuel Wagner. (Foto: Steinmetz Hans Wagner KG)August 2016: Die Schwingungen der Skulptur „Steinskúfa“ von Karin Reichmuth versetzen sie in Bewegung. (Foto: Þröstur Eggertsson)Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)Juni 2016: „Hände“ aus Carrara Marmor von Sabine Harborth . (Foto: Künstlerin)Mai 2016: „Die Träumende“ von Florian Widmann aus Untersberger. (Foto: Birgit Rilk)April 2016: „Der goldene Schlüssel“ von Ralf Ehmann in Hanau. (Foto: Künstler)März 2016: Die Skulptur „Letzter Herzschlag“ aus Portokalk von Julia Dietrich auf dem Friedhof in Lauterhofen. (Foto: Künstlerin)Februar 2016: „Wa(a)gnis Geometrie“, Figurenensemble aus Anröchter Grünkalkstein, von Ina Michalski. (Foto: Künstlerin)Januar 2016: „Sternenhimmel“, eine hängende Skulptur aus Carrara Marmor und Blattgold, von Riccardo Atta. (Foto: Künstler)Dezember 2015: Der „Zeitstein“ von Steinmetzmeister Sebastian Langner auf dem Ottensteinplatz in Wittlich, Skulptur des Monats 2015. Jan MußweilerNovember 2015: „Sun Up“ von Günter Schinn. (Foto: Franziska Schinn)Oktober 2015: Eine Familienstele als Gartenskulptur von Kathrin Post-Isenberg. (Foto: Künstlerin)September 2015: Hexendenkmal in Eichstätt von Rupert Fieger. (Foto: Heinrich Stürzl)August 2015: Boot-Skulptur aus anröchter Sandstein von Christine Prinze. (Foto: Stahl + Stein)Juli 2015: Schale aus Auerkalk von Katja Stelljes. (Foto: Stefan Schmiedbauer)Juni 2015: Handgefertigter Spiegel mit Diabas-Rahmen von Christof Göppner. (Foto: Künstler)Mai 2015: Die Skulptur „Rigoletto“ von Mario P. Valdini. (Foto: Münster)April 2015: Die 70 cm hohe Skulptur aus Mainsandstein von Steff Bauer. (Foto: Natursteinwerk Graser Bamberg)
Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein – eine sinnliche Suche nach Leblosem.
Der Gedichtband „Schiefern“ von Esther Kinsky erkundet die Analogie von menschlicher Erinnerung und metamorphem Gestein. Foto: Suhrkamp
Der Gedichtband „Schiefern“
Auf der Karte sind es kleine Flecken vor der Westküste Schottlands, so klein, dass es leicht ist, sie zu übersehen. Man muss sie gezielt aufsuchen, um sie zu finden. Man stößt nicht einfach auf sie. Die Inneren Hebriden Schottlands, eine Inselgruppe am oberen Zipfel des Britischen Königreichs, sind eine beliebte Reiseregion. Wer hierherkommt, sehnt sich nach dem Ursprünglichen, dem Wilden, dem Zerklüfteten. Nach salzigem Wind, der sich in Haaren und Kleidung verfängt und sie starr werden lässt. Nach dem Atlantik, dessen Wogen an das schwarze Gestein prallen. Gneise. Granit. Basalt. Schiefer.
Esther Kinsky, Übersetzerin und Lyrikerin und 2018 für „Hain. Geländeroman“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet, hat dem Schiefer und der Region, in dem das Sedimentgestein jahrhundertelang abgebaut wurde, einen Gedichtband mit dem so einfachen wie bezeichnenden Titel „Schiefern“ gewidmet.
Die Steinbrüche auf Slate Islands sind noch da, die Überbleibsel einer inzwischen stillgelegten Industrie auch. Kinsky begibt sich auf Entdeckungsreise und verpackt ihre Naturbeobachtung in Worte, die rätselhaft zu entziffern sind und hinfortreißen in die Entlegenheit der Inneren Hebriden, zum schwarzen tosenden Meer, über dem der Leser wie ein unsichtbar Schwebender im Gedankenraum treibt, den Kinsky mit ihren Worten spinnt.
Genau dort, in diesem Gedankenraum, sind auch die Analogien zwischen etwas durch und durch Leblosem und Menschlichem zu finden. Nur wenige Menschen stecken in diesem dreiteiligen Band, das Menschliche jedoch fehlt ihm nicht. Es ist sogar ganz erstaunlich, wie sinnlich über Gischt tragende Wellen und „platten mit einer / oberfläche wie versteinerter leiser wellengang“ geschrieben werden kann, ohne in kitschige Romantik abzurutschen.
„Nature Writing“
Natur verleitet bereits seit dem 18. Jahrhundert Schriftsteller dazu, über sie als Hauptprotagonistin zu schreiben. „Nature Writing“ nennen sich im Angelsächsischen die ausschweifenden literarischen Beschreibungen von Bäumen, Wiesen, Blumen, Wolkenbrüchen. Auf Deutsch hat sich der Begriff der „Naturpoesie“ oder auch „Naturlyrik“ eingebürgert. Esther Kinsky sticht seit Jahren mit solcher Naturpoesie in der Literatur hervor.
2013 flicht sie in „Naturschutzgebiet“ ausgehend von einem verwahrlosten Stadtpark vier Gedichtzyklen über Verfall und Wachstum. Ordnet man Kinskys Werk nun der Gattung des „Nature Writing“ zu, widerspricht sie gern. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagte sie einmal, sie sähe sich nicht in der Tradition des Nature Writing. Zu diffus sei dieser Begriff, zu ausufernd darin, was er umschließt und was nicht. „Nature Writing“ kann alles sein, sagt sie. Warum dann nicht auch ihre neueste Arbeit „Schiefern“, möchte man entgegenhalten?
Die Schichten der Zeit
Früh fällt in „Schiefern“ das Wort der Erinnerung „als raum der abwesenheiten, bewegt von der durchsichtigen hand unberechenbarer synapsen und unwägbarer verschiebungen von ablagerungen in den langsam entstandenen und vertieften furchen und falten des hirns“. Kinsky geht es um die Schichten der Zeit, die sich über Erinnerungen lagern. Erst ganz sacht, dann deutlicher zieht sie sprachliche Parallelen zwischen menschlichem Gedächtnis und der konservierten Geschichte auf der Oberfläche der Gesteinsbrocken, an der die Gezeiten und Zeiten vorübergingen, über Millionen von Jahren hinweg.
Im Stein liegt das Vergangene konserviert, sie müsse nur anhand seiner Falten abgelesen werden, als wäre der Stein ein alter, lieb gewonnener Greis, dessen verwittertes Gesicht die Spuren des Lebens tragen. Kinsky schreibt von „zeichen ohne hand und fuß / im stein auf die sich keiner / einen reim zu machen weiß / als den größtmöglicher vergangenheit“.
„Schiefern“ könnte die moderne Fortsetzung von Adalbert Stifters 1853 erschienenen Erzählungen „Bunte Steine“ sein und sich einreihen in die Titel „Granit“, „Kalkstein“ und „Turmalin“. Doch so tückisch idyllisch die detaillierten, biedermeierlichen Naturdarstellungen Stifters sind, so wenig lieblichheimelig sind auch Kinskys beschriebene Slate Islands. Die Kühle der Umgebung schneit in ihren Worten hindurch. Da liegt eine Härte in ihnen, die man sich nicht wegdenken möchte.
Information zum Buch
Esther Kinsky: Schiefern.
D: 24,00 Euro
A: 24,70 Euro
CH: 34,50 Schweizer Franken
Erschienen: 23.03.2020
Gebunden, 103 Seiten
ISBN: 978-3-518-42921-1
Burgbrohl / Bernd Lichter tritt in die Geschäftsführung der RHODIUS Schleifwerkzeuge GmbH & Co KG ein. RHODIUS ist der größte Schleifscheibenhersteller Deutschlands und vertreibt seine Werkzeuge weltweit sowohl an Fachhändler als auch an weiterverarbeitende Firmen. Im Zuge einer Umstrukturierung und eines Generationenwechsels hat der Werkzeughersteller gemeinsam mit den Mitarbeitern eine neue Strategie zur Neuausrichtung des Unternehmens entwickelt. Demnach wird sich die Geschäftsleitung der familiengeführten Firma künftig aus zwei Geschäftsführern und zwei Bereichsleitern zusammensetzen. Der bisherige Geschäftsführer Martin E. Davies verlässt die RHODIUS Ende des Jahres in bestem gegenseitigem Einvernehmen, betont Bernd Lichter. Er verantwortet seit 1. Oktober den Bereich Vertrieb und Marketing. In Kürze wird ihm ein kaufmännischer Geschäftsführer zur Seite stehen. Die Bereichsleitungen übernehmen der Gesamtvertriebsleiter Ernst-Henning Sager und ab April 2019 Dr. Thomas Kamps als Bereichsleiter Technik und Produktion. Mit der Neuausrichtung will der Werkzeughersteller die Position und Durchsetzungskraft auf den nationalen und internationalen Märkten weiter stärken.
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