STORE BOOK 2017 – Visuelle Delikatessen in Naturstein

Stein Magazin

Das neue STORE BOOK vom Callwey Verlag präsentiert 47 ausgewählte Ladenbauprojekte fernab des üblichen Einheitslooks von Ladenketten. Auch Naturstein spielt bei der Ausgestaltung eine tragende Rolle.

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Der Rewe Premium Markt in den Fünf Höfen in München wurde als eines der 47 internationalen Projekte für das STORE BOOK 2017 ausgewählt. (Foto: Boris Golz)
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Die Theken und Arbeitsflächen aus Naturstein bestechen durch ein edles und modernes Erscheinungsbild. (Foto: Boris Golz)
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Bei den rund 200 Einreichungen legte die Jury nicht nur besonderen Wert auf kreatives Design, … (Foto: Boris Golz)
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…, sondern auch auf eine gelungene Wareninszenierung und eine einzigartige Atmosphäre. (Foto: Boris Golz)
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Im neuen STORE BOOK 2017 finden sich kreative Shop-Konzepte aus unterschiedlichsten Branchen – von Food bis Fashion ist alles dabei. (Foto: Callwey)

Nero Impala aus Südafrika

Dieses Jahr präsentiert der dlv (Deutscher Ladenbau Verband) die vierte Ausgabe des STORE BOOK. Enthalten sind herausragende internationale Ladenbauprojekte, die zum Beispiel durch ihr Konzept, ihr Ambiente und auch durch die Auswahl ihrer Materialien überzeugen konnten. Eben durch sein Material konnte der Rewe Premium Markt in den Fünf Höfen in München bestechen. Joachim Herrscher vom Natursteinbetrieb Herrscher aus Rotheburg ob der Tauber war zuständig für die Arbeiten in Naturstein:

Für die Theken und Arbeitsflächen wurde polierter Nero Impala aus Südafrika verwendet. Der dunkle Naturstein hat ein edles Erscheinungsbild, ist pflegeleicht und schafft eine gute Präsentation der Ware. An anderen Stellen im Laden wurde der Stein bruchrau und gespalten belassen. Dieser Kontrast wurde beispielsweise an den Frontverkleidungen der Theken und an Wandflächen gesetzt.

Die bauliche Situation beim Einbau des Natursteins in den Laden im Untergeschoss der Fünf Höfe war schwierig. Um den Eröffnungstermin einzuhalten, wurden während des Setzens der Arbeitsplatten viele weitere Restarbeiten anderer Fachbetriebe ausgeführt. Die Theken wurden daher im Voraus ausgemessen und die Steinplatten vorgeschnitten. Vor Ort wurden sie dann eingepasst und um die Säulen im Laden eingebaut.

Natursteinbetrieb Herrscher als Ladenbauspezialist

Der Natursteinbetrieb Herrscher ist ein Familienunternehmen in der fünften Generation. Auf Grund der großen Nachfrage hat sich der Betrieb mit seinen 14 Mitarbeitern vor circa 30 Jahren auf Ladenbau spezialisiert. Diese Fachkompetenz und die Zusammenarbeit mit großen Ladenbauern verschaffen dem Natursteinbetrieb nicht nur Aufträge in Bayern und Deutschland, sondern auch weltweit.

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ist die Fassade des luxuriösen Edel-Stores

Das STORE BOOK 2020 zeigt internationale, neu eröffnete oder umgebaute Läden. Darunter sind Ideen, bei denen Naturstein historische Bezüge sichtbar macht, Marken-Details symbolisiert oder ganz klassisch beim Präsentieren der Produkte hilft. Eine Rezension

Das STORE BOOK, eine Art Branchen-Bibel der Ladenbauer, stellt mit großformatigen Fotos ausgewählte Ladenbau- Projekte vor, die 2019 eröffnet oder wiedereröffnet wurden. Der Leser erfährt, was an dem jeweiligen Laden innovativ ist oder einen Trend aufgreift, und sieht besondere Details, mitunter auch Grundrisse.

In der Einleitung beleuchten Experten der Branche Hintergründe und übergeordnete Zusammenhänge in Handel und Ladenbau. Denn beide sind dem schnellen Wandel unterworfen, den die Digitalisierung mit sich bringt. Der häufig totgesagte stationäre Handel schlägt sich dabei aber nach Sicht des Deutschen Ladenbau Verbands erstaunlich gut, zumindest in den Städten.

„Wer als Kunde heute in die Stadt geht, will nicht nur irgendwas besorgen, sondern etwas erleben und Dinge entdecken, von denen er gar nicht wusste, dass er sie sucht“, schreibt Matthias Kreft, Vorstandsmitglied des DLV, im Buch. Um Kunden in stationäre Läden zu locken, setzen deshalb inzwischen auch Kaufhäuser mit Hunderten Filialen auf individuelle Ladenbaukonzepte für ihre verschiedenen Standorte. Kreft beobachtet im Ladenbau die allmähliche Abkehr von Sichtbeton und Industrialoptik, hin zu „hochwertigen Holz- und Natursteinoberflächen“.

Dafür liefert das STORE BOOK teilweise den Beweis (zementiger Industrie- Look scheint dennoch nicht ganz out). Unter den 44 vorgestellten Projekten, die unter anderem aus Brasilien, China, Deutschland, England, Italien, Spanien und den USA stammen, sind echte Hingucker, bei denen die Verantwortlichen für eine eindrucksvolle Raumwirkung auf Naturstein und Keramik setzen. Wem genau die Lorbeeren zustehen, können die Leser in den Fact-Boxen nachlesen, die alle Planungsverantwortlichen und Laden-Details mit Kontaktdaten auflisten.

Das ist zum Beispiel der Flagshipstore der Schweizer Brillenmanufaktur Viu in London, mit 60 Quadratmetern nicht gerade riesig. Die Gestalter bedienen sich deshalb eines Kniffs, um die Raumwirkung optisch zu vergrößern: großflächige Spiegelflächen an den Seitenwänden und unter der Decke. Die skulpturenartigen Präsentationswände mit Vorsprüngen und Einlassungen sind das raumprägende Element, sie wirken wertig, ohne sich aufzudrängen, und sind komplett mit einem dunkel melierten Graphit verkleidet.

Ausgesprochen originell und prägnant ist die Fassade des luxuriösen Edel-Stores des italienischen Sportlabels Moncler in Singapur: Die Planer formten für die drei Stockwerke hohe Ladenfront aus 132 dunklen, gebänderten Marmor-Elementen die Textur einer Daunenjacke. Drinnen erinnert weiß-gebänderter Marmor als Treppe, gletscherartig gesägter Verkaufstresen, Bodenbelag und Wandverkleidung in Kombination mit reflektierenden Spiegeldecken die zahlkräftige Kundschaft an Schnee, Eis und frostige Temperaturen – im asiatischen Inselstaat nicht auf natürliche Weise zu erleben.

Auf den historischen Bestand konzentrieren sich die Planer einer 180 Quadratmeter großen Apotheke im Norden der spanischen Stadt Valencia: Der Laden befindet sich in einem Gebäude aus den 1940er-Jahren, die regionale Bautradition dient dort als prägendes Gestaltungselement. An den vom Putz befreiten Pfeilern und Wandflächen kommen heller Ziegel und Naturstein sowie Deckenbalken zum Vorschein und versprühen rustikalen Charme.

Ganz der Historie verpflichtet ist auch der kleine, wunderschöne Laden The Pink Closet an der italienischen Amalfiküste: Er befindet sich unter den mittelalterlichen Gewölbekappen eines Palazzos aus dem 12. Jahrhundert. Die Besitzerin des Concept Stores zeigt mit pastelligen Keramik-Muscheln an der Wand die Verbindung zum Meer in der Nachbarschaft. Als historisch passender Bodenbelag dient italienischer Marmor in Hellgrau und Meergrün.

Der Leser findet bei den überwiegend opulenten Projekten des Buchs Inspiration für eigene Showroom- Pläne, auch wenn das eigene Budget für einen Verkaufsraum geringer ausfallen mag: Ein Trend, der im Buch an mehreren Projekten ersichtlich wird, ist die Inszenierung eines Wohnumfelds. Denn Kunden können sich so die Produkte und Angebote besser vorstellen. Dafür bietet es sich zum Beispiel an, Bodenmusterflächen nicht für sich stehen zu lassen, sondern als komplettes Bad oder Terrasse samt Möblierung und, wenn nötig, Licht zu inszenieren.

Kooperationen mit thematisch passenden, anderen Marken sind eine Überlegung wert, nicht nur, um die Kosten für einen Showroom auf mehrere Schultern zu verteilen, sondern weil so auch leicht eine komplette „Wohnwelt“ gestaltet werden kann. Außerdem ist Kreativität bei der Ladengestaltung Trumpf: Die einen greifen das Farbkonzept ihrer Marke auf oder setzen, wenn sie ein figürliches Logo haben, auf ein Key Visual im Laden. Weitere Möglichkeiten sind, das Aussehen der Umgebung oder den historischen Kontext eines Raumes aufzugreifen, oder auch, den kompletten Showroom unter ein zentrales Thema zu stellen.

Tipp zum Weiterlesen:

Store Book 2020
Cornelia Dörries
Herausgegeben vom dlv –Netzwerk Ladenbau e.V. –Deutscher Ladenbau Verband 2020.
240 Seiten, mit über 250 Farbfotos und Illustrationen 25 x 28cm, gebunden
89,00 Euro
ISBN: 978-3-7667-2462-5
www.callwey.de/buecher/storebook- 2020/

Versteinerter Ausdruck

Stein Magazin
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Einer der bekanntesten Steine der Chinsekikan: Elvis Presley © Phlizz
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The Hall of Curious stones © Phlizz
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Eine Auswahl der kuriosen Steine © Phlizz
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Die Gesicht-Pareidolie mit der alles begann © Phlizz

Damals bekam er einen etwa tellergroßen Stein mit drei weißen Muscheleinschließungen geschenkt, die ein maskenhaftes Gesicht zu formen schienen. Er behielt die Skurrilität, begann, aktiv nach weiteren Steinen mit Gesicht zu suchen und wurde am nahegelegenen Arakawa Fluss fündig. 1990 hatte er so viele davon gesammelt, dass er ein eigenes Museum in seiner Heimatstadt Chichibu, etwa zwei Stunden nordwestlich von Tokyo, eröffnete: das „Chinsekikan“, was so viel wie „Saal der kuriosen Steine“ bedeutet.

Alle Exponate müssen zwei Kriterien erfüllen. Die Steine müssen ein Gesicht haben und dürfen nicht bearbeitet sein, müssen also von der Natur so geformt worden sein. Mittlerweile fasst das Museum über 1.700 Exponate und beherbergt einen ganzen Chor aus fromm geformten Sängergesichtern, grimmig dreinblickende Grummelvisagen und Steine mit erstaunten oder erschrockenen Mienen. Ganz und gar nicht versteinert scheinen diese Gesichter, in Zeiten von Emojis ist es ein Leichtes, alle Emotionen direkt zu entschlüsseln. Selbst ein mit Ablagerung versehener Stein, der zu weinen scheint, ist dabei. Ebenso blicken Seeräuber mit Augenklappen aus eingeschlossenen Muscheln aus den Vitrinen, Totenköpfe und ein Kugelfisch. Aber auch Figuren aus der Popkultur sind versammelt, etwa Elvis mit Schmalzlocke und ET der Außerirdische mit großen Glupschaugen.

Hayama ist mittlerweile verstorben, doch das Museum hat sich als solcher Touristenmagnet erwiesen, dass seine Tochter Yoshiko es weiterführt. Neue Steine werden teilweise ohne Beschriftung ausgestellt und die Besucher aufgefordert, passende Namen zu finden. Denn die Sammlung nimmt kein Ende – Yoshiko Hayama erzählt in Interviews immer wieder, dass sie mittlerweile auch Steine zugeschickt bekommt und gar nicht alle gleichzeitig ausstellen kann.