Die Operation Titelverteidigung wird akribisch vorbereitet: Die deutsche Nationalmannschaft der Fliesenleger arbeitet hart dafür, die Goldmedaille aus dem Jahr 2016 bei den diesjährigen EuroSkills Ende September in Budapest zu verteidigen. STEIN besuchte Team und Betreuerstab im Augsburger Trainingslager.

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Mannschaft in goldener Mission: der aktuelle Deutsche Meister und Ersatzmann Janis Gentner, Fliesen-Nationaltrainer Roland Filkorn, Bundes-Flieser Cedrik Knöpfle, Co-Trainer Erik Brie-Knöpfle (v. l. n. r.) Foto: Philipp Neuman
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Übungsmotiv 1 in Augsburg: Das Westwerk einer Basilika. Foto: Philipp Neuman
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Alles im Fluss: Übungsmotiv 2 ist eine Auenlandschaft. Foto: Philipp Neuman
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Das Team zu Gast bei Freunden (v. l. n. r.): Nationaltrainer Roland Filkorn, Co-Trainer Erik Brie-Knöpfle, Markus Balleisen (Leiter Zentrale Anwendungstechnik bei der PCI), Horst Barisch (Vorstandsmitglied des Fachverbands Fliesen und Naturstein), Bundes-Flieser Janis Gentner und Cedrik Knöpfle, Marc C. Köppe (Vorstand der Geschäftsführung der PCI) Foto: Philipp Neuman

Wie wird man eigentlich Nationaltrainer?

Ein wenig erinnert es an eine Formel-1-Box, nur statt Boliden stehen da jeweils zwei Übungswände für den A-Fahrer, Pardon, -Fliesenleger Cedrik Knöpfle und seinen Ersatzmann Janis Gentner, davor Werkbänke und Material. Auf dem Gelände der PCI in Augsburg hält das deutsche Fliesen-Nationalteam ein Trainigslager ab. „Ganz klar, ich will den deutschen EM-Titel von 2016 verteidigen“, sagt der 21-jährige Knöpfle aus Löffingen in Baden-Württemberg, der im selben Jahr Deutscher Meister in seinem Handwerk wurde. „Es ist eine große Herausforderung mit den komplizierten Aufgaben und dem hohen Wettbewerbsdruck, dem ich mich einfach stellen will.“

Ob er nervös sei? Bundes-Flieser Knöpfle lacht: „Sagen wir, die Anspannung ist schon enorm, seit ich nominiert wurde. Das glaubt man ja bis zur letzten Sekunde nicht, bis es real wird. Die Leistungsdichte ist sehr eng, ohne hartes Training wäre man chancenlos. Alle Abläufe und das Timing der Hände müssen genau stimmen.“ Doch der derzeitige Meisterschüler ist guter Dinge, wird er doch von zwei Koryphäen trainiert: Nationalcoach Roland Filkorn, Ausbildungsmeister Fliesen vom Ausbildungszentrum Geislingen der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, und seinem Co-Trainer Erik Brie-Knöpfle, Ausbildungsmeister der Fachschule in Donaueschingen und zufälligerweise Bruder von Cedrik. Ins Team schafft man es völlig unabhängig von jedweden Verwandschaftsverhältnissen allerdings nur über harte Ausscheidungswettbewerbe. Als Innungssieger, Kammersieger und schließlich Landessieger kommt man zur Deutschen Meisterschaft (Bundesleistungswettbewerb), dort müssen sich dann Platz 1 bis 3 nochmals qualifizieren.

Und wie wird man eigentlich Fliesen-Nationaltrainer? „Indem man von 2014 bis 2017 Co-Trainer ist“, schmunzelt Roland Filkorn. Logisch. Logik sowie Können und Kraft erfordern auch die Trainingsaufgaben, die der Betreuerstab dem Team stellt. Diese sind dem Ernstfall im Wettkampf ähnlich. Dort müssen innerhalb von drei Tagen anspruchsvolle Motive gefliest werden, meist Wahrzeichen der Gastgeberstadt. In Augsburg übt die Mannschaft mit der Westansicht einer Basilika und einer Flusslandschaft. 13 Vorschläge reichen die ebenso vielen Teilnehmerländer ein, welche Motive drankommen, ist bis Wettkampfstart unbekannt. „Nach 18 Stunden Bearbeitungszeit wird die Präzision der Schnitte und Klebung bewertet, maximal kann man 700 Punkte erreichen“, erklärt Übungsleiter Filkorn. Wer seiner Meinung nach die meisten Punkte holen wird? „Klar wollen wir gewinnen, aber realistisch kann man sehr zufrieden sein, wenn man auf dem Treppchen landet auf diesem Top-Niveau. Gut möglich, dass es ein enges Rennen zwischen Österreich, der Schweiz und uns wird, auch Südtirol ist meist ganz stark“, orakelt Filkorn.

Stellvertreter will zur WM 2019

Teilnehmen bei den EuroSkills darf jeder Kandidat übrigens nur einmal. Der Wettbewerb in Budapest vom 26. bis 30. September ist also Knöpfles große Chance, sich zum besten Fliesenleger Europas zu kacheln. Sollte er sich vor Beginn der Veranstaltung verletzen, steht sein erstklassiger Ersatzmann zur Verfügung: Janis Gentner aus Aalen, 20 Jahre alt und ebenfalls Deutscher Meister, er holte sich die nationale Krone seines Handwerks 2017. „Ich habe bei der Deutschen Meisterschaft und beim EM-Ausscheidungswettbewerb viel dazu gelernt und es hat auch noch viel Spaß gemacht, sich mit den Kollegen zu messen.“

Enttäuscht ist er nicht, in diesem Jahr die Nummer 2 sein. Die Stimmung im Team ist spürbar gut und selbstverständlich drückt Gentner seinem Kollegen die Daumen und möchte keinesfalls nachrücken müssen. Er hat einen eigenen Traum in Hinblick auf 2019: „Ich werde jetzt kräftig mittrainieren und mich nächstes Jahr dann um das WM-Ticket bewerben!“ Die Weltmeisterschaft findet im Rahmen der WorldSkills 2019 im russischen Kasan statt.

Wer Fliesenlegen als Spitzensport betreibt, wird dem nicht im Berufsalltag mal langweilig? Cedrik Knöpfle lacht: „Nein, auf keinen Fall. Die 15-Zentimeter-Fliesen aus dem Wettbewerb sind ja im Alltag als Kleinformat fast ausgestorben. Aber bei all den spannenden Herausforderungen auf Großbaustellen, im Schwimmbadbau oder generell im Bereich moderner 3D-Planung wird einem ganz sicher nicht fad.“

Hier arbeitet die Fliesen-Nationalmannschaft normalerweise:


– Cedrik Knöpfle besucht derzeit die Meisterschule Stuttgart, war bis Anfang 2018 als Geselle bei der Adrion-Knöpfle GmbH in Löffingen tätig
– Janis Gentner arbeitet als Geselle bei seinem Ausbildungsbetrieb Fliesen Abele GmbH & Co. KG in Aalen

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Zur Lage der Handwerksnation

Stein Magazin
Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und selbst Malermeister

Nächstes Wochenende, am 24. September 2017, steht die 19. Bundestagswahl an. Ein guter Anlass für STEIN-Autorin Bärbel Daiber, bei Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer einmal nachzufragen, wie es um das Verhältnis zwischen Handwerk und Bundespolitik steht und welche Forderungen und Erwartungen der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) an die künftige Regierung hat.

STEIN: Herr Wollseifer, Handwerk und Mittelstand erfahren von der Politik endlich mehr Wertschätzung. Wie wirkt sich das aus, und wo hapert es noch?

Hans Peter Wollseifer: Der deutsche Mittelstand und als dessen wichtiger Bestandteil die mehr als eine Million Handwerksbetriebe haben sich in Krisenzeiten als sehr robust erwiesen. Sie haben sich zugleich als der Wirtschaftsbereich hervorgetan, auf den die Politik gerade auch mit Blick auf herausragende gesellschaftspolitische Herausforderungen wie etwa die Flüchtlingsintegration zählen kann. Das Handwerk wirkt gesellschaftspolitisch wie wirtschaftlich stabilisierend. Das hat entscheidend auch mit dem dualen Ausbildungssystem zu tun, das für Ausbildungsqualität und für den Nachschub an qualifizierten Fachkräften sorgt. Auch wenn das inzwischen in der Politik überwiegend so gesehen wird, ist bei der finanziellen Unterstützung der beruflichen Bildung und der Ausbildungsförderung, etwa bei der Höheren Berufsbildung, noch viel Luft nach oben. Damit unsere Betriebe weiter erfolgreich sein können, braucht es zudem entsprechende Rahmenbedingungen. Überflüssige Bürokratie muss weiter abgebaut werden. Und was die Belastungen durch Steuern und Sozialabgaben angeht, sind unsere Betriebe an der Schmerzgrenze. Damit sie wettbewerbsfähig bleiben, dürfen auch künftig die Sozialabgaben 40 Prozent keinesfalls überschreiten.

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Hans Peter Wollseifer: Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es dringlich, die berufliche Bildung wieder attraktiver für junge Menschen zu machen. Dazu braucht es eine bessere Ausstattung unserer Berufsbildungsstätten, ein Update für die Berufsschulen und eine insgesamt stärkere Förderung der beruflichen Bildung. Nach dem erfolgreichen Hochschulpakt muss es nun einen Berufsbildungspakt geben, auch als Ausdruck der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass viel mehr energetische Sanierungen von Gebäuden nötig sind, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen – steuerliche Anreize können entscheidend dazu beitragen, dass investiert wird. Hier könnte man bereits viel weiter sein. Es ist in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Strompreise für mittelständische Betriebe und Privathaushalte im Griff zu behalten, die EEG-Umlage steigt und steigt. Aus Sicht des Handwerks kann nicht hingenommen werden, dass kleinere und mittlere Betriebe für die Privilegierung der Großunternehmen, die von der Umlage befreit sind, zur Kasse gebeten werden.

STEIN: Welches sind die drei wichtigsten Themen des Handwerks, um die sich die Politik jetzt dringend kümmern muss? Und welche zentralen Forderungen des Handwerks an die künftige Bundesregierung leiten Sie daraus ab?

Hans Peter Wollseifer: Dass dringend etwas bei der Finanzierung der Energiewende geschehen muss, habe ich schon angesprochen. Die Kosten müssen fair verteilt und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden, und es muss eine sichere und bezahlbare Energie- und Stromversorgung gewährleistet sein. Gerade für die Handwerksbetriebe in ländlichen Regionen ist es sehr wichtig, dass sie Zugang zu schnellem Internet haben. Hier müssen wir bei der Anbindung deutlich schneller werden. Notwendig ist für die Betriebe außerdem ein zeitgemäßes Datenrecht. Bei Steuern und Sozialabgaben darf es keine weiteren Belastungen für unsere Betriebe geben. Beispielhaft verweise ich auf den Bereich der Rente: Hier rächen sich Fehler der Vergangenheit wie die Mütterrente oder die Rente mit 63. Dadurch wird die Rentenkasse jedes Jahr mit mehreren Milliarden Euro belastet. Wir müssen dringend die Kosten bei der Rente im Griff behalten. Es sollte daher auf keinen Fall weitere Leistungsausweitungen geben, die dann aus Beitragsmitteln zu finanzieren sind. Vielmehr muss es darum gehen, die Rente demografiefest zu gestalten, indem beispielsweise das Renteneintrittsalter – wie künftig in Dänemark – an die Lebenserwartung geknüpft wird.

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In der Dezemberausgabe berichtet die STEIN über das Historische Museum in Frankfurt am Main. Das 1878 gegründete Museum besteht aus einem Konglomerat von Gebäuden verschiedener Epochen. Seit diesem Jahr ergänzen zwei weitere Gebäuderiegel mit dazwischen aufgespanntem Platz das „Museumsviertel“ in der Nähe des Römers. Der städtebaulich gelungene Entwurf stammt aus der Feder der Stuttgarter Architekten LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei. Die außergewöhnlichen Außenhüllen der beiden Neubauten bestehen aus rotem Neckartäler Hartsandstein mit geschliffener Oberfläche, deren Arbeiten das Bamberger Natursteinwerk Herman Graser GmbH ausgeführt hat. Mit dem Ziel, ein „lebendiges“ Fassadenbild zu erhalten, haben die Architekten die roten Außenhüllen aus einzelnen kleinformatigen Steinen entworfen. Auf diese Weise kommt die unverwechselbare Farbintensität des Natursteines mit seiner weißlich bis gelblichen Bändern besonders zur Geltung.

Für die Hauptfassade des Eingangsgebäudes haben sich die Planer etwas ganz Besonderes einfallen lassen: ein großes Rautenmuster mit gespitzter Oberfläche. Aber eine Raute besteht nicht ausschließlich aus einzelnen Steinen, sondern auch aus insgesamt sechs größeren Formteilen. Betrachtet man das Detailfoto, erkennt man oberhalb des Kreises eine schmale vertikale Fuge in Steinfarbe. Der gespitzte Stein rechts von der roten Fuge und der darunterliegende gespitzte Stein, mit der abgerundeten schmal zulaufenden Seitenkante, sind ein großes Steinelement. Der Steinmetz hat die horizontale Fuge nachträglich bis auf etwa zwei Zentimeter in den Stein eingefräst.

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