Präzises Wasserstrahlschneiden

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Erzeugt mit fünfachsigem Gelenkkopf selbst gemischte Winkel mit engen Toleranzen in hoher Schneidgeschwindigkeit: Flow Dynamic Waterjet XD. Foto: Flow Europe GmbH

Insbesondere eine Neuerung des Wasserabrasivstrahlschneidens hat dazu geführt, dass immer mehr Wasserstrahlschneideanlagen Einzug in Steinmetzwerkstätten halten: die Entwicklung von 5-Achs-3D-Köpfen, also Köpfen mit gegenüber der 3-Achs-Anlage zusätzlicher Rotations- und Schwenkachse. Mit diesen Maschinen lassen sich nicht nur Plattenausschnitte, enge Radien, Innenwinkel und Intarsien mit knappsten Fugen schneiden – die geltenden Hauptanwendungsfelder des 2D-Wasserstrahlschneidens –, sondern auch 45-Grad-Gehrungen.

Die Winkelverklebung der Werkstücke gewinnt in Steinmetzbetrieben an Bedeutung, da beide Schnittflächen genau aufeinander passend geklebt werden können, was einen stufenlosen Übergang zwischen den Stücken ergibt. Außerdem fällt die Stoßfuge beider Werkteile auf eine Kante und tritt dadurch weniger in Erscheinung. Dies verbessert den optischen Eindruck und ist bei Küchenarbeitsplatten, Waschtischplatten oder Fensterbänken gleichermaßen gewünscht. Ein weiterer Vorteil dieser Verbindungstechnik liegt darin, dass die Kontakt- bzw. Verbindungsfläche vergrößert wird, was die Stabilität des Werkstücks erhöht.

Wasserabrasivstrahlschneiden eignet sich zudem perfekt für spröde, harte sowie temperaturempfindliche Materialien, da es sich um einen abriebarmen, kalten Prozess ohne thermische Beeinflussung der Schneidmaterialien handelt. Werkstoff und Schneidkopf kommen bei dem Verfahren nicht miteinander in Kontakt.

Mit dreifacher Schallgeschwindigkeit

Im Wasserstrahlschneidezentrum wird enthärtetes Wasser heute bis zu einem Druck von durchschnittlich 4.000 bis 6.000 bar komprimiert und je nach Anforderung durch eine Düse von 0,08 bis 0,4 Millimeter Durchmesser gedrückt. Dabei wandelt sich die Druckenergie in kinetische Energie um. Der Schneidstrahl erreicht eine Beschleunigung von bis zu 1.000 Metern pro Sekunde, was – bezogen auf Luft – etwa der dreifachen Schallgeschwindigkeit entspricht. Für den Materialabtrag harter und kompakter Werkstoffe wie Stein wird dem Strahl ein Abrasiv beigemischt, welches eine Mikrozerspanung hervorruft.

Die Schnittdaten werden am Computer berechnet und danach in einer CAD/CAM-Software, die bedienerfreundlich auf Windows-Basis läuft, an das Steuerwerk der Maschine übertragen – meist im dxf- oder dwg-Format. Der Bildschirm zeigt Arbeitsfläche und Bauteilkonturen in der Reihenfolge ihrer Bearbeitung. Die Konturen können auf dieser Arbeitsfläche beliebig verschoben, dupliziert, gedreht oder gespiegelt werden. Die platzierten Schneidteile sind sofort mit den jeweils ausgewählten Materialparametern schneidbar. Der Pumpendruck wie auch die Abrasivdosierung werden direkt in der Materialliste eingestellt und automatisch gesteuert.

Nach dem Start übernimmt eine CNC-Steuerung die Arbeit. Hochwertige Steuerungen können sowohl alle Achsen interpolieren, als auch eine adaptive Vorschubgeschwindigkeitsreduktion abhängig vom Schneidprozess durchführen. Moderne Anlagen führen zudem eine Flächenoptimierung durch, die den höchstmöglichen Nutzungsgrad ermittelt und ausschusssparend arbeitet.

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Perfekt auf Gehrung gearbeitete Kantenausbildungen, wie hier in Naturstein Star Galaxy, lassen sich mit der 5-Achs-Wasserstrahl-Schneidanlage von Flow realisieren. Foto: Michael Spohr

So wenig wie nötig

Da die Anschaffung einer Wasserstrahlschneideanlage einen sechsstelligen Invest darstellt und die Arbeit damit auch nicht unerhebliche Betriebskosten verursacht, überlegen Firmeninhaber sehr genau, ab wann sich eine eigene Maschine lohnt. Diese Zeit kann sich jeder Entscheider nehmen, da Handwerksbetriebe, die sich (noch) keine eigene Wasserstrahlschneideanlage kaufen möchten, deshalb nicht auf die Technik zu verzichten brauchen. Technische Dienstleister, die entsprechende Bearbeitungsaufträge in Lohnfertigung entgegennehmen, sind bundesweit in immer größerer Anzahl vertreten. Viele Betriebe, die sich für die Anlagenanschaffung entscheiden, bieten zur schnelleren Amortisation Lohnschnitte an. Steinmetze, die eine solche Dienstleitung in Anspruch nehmen wollen, sind gut beraten, sich ein CAD-Programm anzuschaffen. Wer sich mit dem Thema „Konstruieren mit CAD“ auskennt, muss nicht den gesamten Auftrag an den Spezialanbieter delegieren.

Idealerweise sollte vor dem Kauf sichergestellt sein, dass die Anlage ausgelastet werden kann und auch regelmäßig spezifische Arbeiten anfallen. Wie Steffen Langhans, Geschäftsführer von Burkhardt-Hensel betont, sollte mit Wasserstrahl „nicht so viel wie möglich, sondern so wenig wie nötig geschnitten werden“. Alles andere könne die Säge respektive das CNC-Bearbeitungszentrum erledigen – weil Wasserstrahlschneiden die präziseste, aber auch die teuerste Steinbearbeitungsform darstelle.

In STEIN im August 2015 zeigen folgende Firmen, wie man mit Wasserstrahlschneideanlagen umgeht:

1. Steinwerk Fehr GmbH & Co.
2. awc Kunststofftechnik & Wasserstrahlschneiden
3. HybriCut GmbH

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Öffentlichkeit und Nachwuchsförderung durch die Titel Miss und Mister Handwerk

Die 26-jährige Dana Bernert ist Steinmetzin im Saarland und nimmt als einzige Kandidatin für das Steinmetz-Handwerk am Wettbewerb “Germany’s Power People” teil. Eine Jury kürt im März 2020 Miss und Mister Handwerk.

Der Wettbewerb, der Miss und Miss Handwerk kürt, läuft so ab: Handwerkerinnen und Handwerker bewerben sich im ersten Schritt für ein Fotocasting. Auf der Wettbewerbs-Plattform können Nutzer alle Bewerber sehen, nach Kategorien filtern und selbst mitvoten. Die Stimmen aus dem Voting und eine Jury entscheiden, wer an dem Shooting teilnimmt.

Hier kann für Dana Bernert gevotet werden: www.germanyspowerpeople.de/kandidaten

In den Kalender, der aus den Fotos entsteht, schaffen es zwölf Handwerkerinnen und Handwerker. Aus diesen “Kalenderstars” nominiert die Jury sechs weibliche und sechs männliche Kandidaten, die sich schließlich auf der Internationalen Handwerksmesse um den Titel Miss und Mister Handwerk bewerben.

Der Wettbewerb flankiert die Imagekampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Er soll die Handwerksberufe einer breiten Öffentlichkeit vorstellen und dient der Nachwuchsförderung. Miss und Mister Handwerk vertreten ihre Zunft und die gesamte Branche anschließend ein Jahr lang in der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf Messen und Veranstaltungen.

Kandidatin Dana Bernert sagt der “Saarbrücker Zeitung”, sie nehme teil, um andere zu inspirieren – vor allem Frauen. Sie sollen “das machen, woran sie glauben”. Die Steinmetzin selbst hat nach Abi und Bundesfreiwilligendienst in der Steinmetzwerkstatt Blug gelernt und arbeitet dort inzwischen als Gesellin. Sie will ihren Meister anhängen und später vielleicht selbst eine Firma aufbauen. Wer will, kann bis 30. August auf der Wettbewerbsseite für Bernert voten.

Aktuelle Branchennews und Fach-Know-how für steinverarbeitende Betriebe gibt es auch in der aktuellen Ausgabe des STEIN-Magazins: www.stein-magazin.de/zeitschriften

Kreativ und am Puls der Zeit: Lebenssteine

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Ulrike Horn ist Dozentin für Deutsch und Gestalten an einer Berufsfachschule, PR-Beraterin und Kommunikationstrainerin mit verschiedenen Lehraufträgen für Verhandlungsführung sowie Rhetorik, gleichzeitig ist sie gelernte Steinmetzin. Sprache und Handwerk charakterisieren ihre berufliche Laufbahn. Sie kennt die Problematik des sich wandelnden Marktes im Grabmalbereich und die mangelnde Nachfrage nach kreativen Natursteinobjekten. Für sie kein Grund, den Kopf  in den Sand zu stecken. Sie entwickelte eine innovative Produktidee für das Steinmetzhandwerk: Mit dem Begriff „Mein Lebensstein“ bezeichnet sie Natursteinarbeiten, die als individuelle Wohlfühlobjekte mit Selbstdarstellungswert die Kreativität des Handwerks in den Vordergrund rücken.

Wie kamen Sie zum Steinmetzhandwerk?

Den Wunsch Bildhauerin zu werden, hatte ich schon als Jugendliche, doch auf Anraten meiner Eltern studierte ich erst Germanistik. Ich hatte ein Faible für Sprache und genoss die Studienjahre. Den Traum von der Bildhauerei gab ich jedoch nicht auf. Noch während der Abschlussprüfungen begann ich mit der Lehre an der Dombauhütte in Bamberg. Nach mehrjährigen Erfahrungen in der PR-Branche und im Journalismusbereich konnte ich die Ausbildung beenden. An eine weiterführende Arbeit als Bildhauerin war in unserer Werkstatt jedoch nicht zu denken, weil aufwendige und kreative Objekte kaum nachgefragt waren. So orientierte ich mich neu, besann mich auf mein Studium und wurde Kommunikationstrainerin und Dozentin in der Erwachsenenbildung. Hier ergab sich bald eine Verbindung zum Steinmetzhandwerk. Ich biete in Ingolstadt und Wunsiedel immer wieder Kommunikationsseminare für Steinmetze/-innen an, halte Vorträge (z.B. zu den Lebenssteinen) und berate Steinmetze/-innen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit und Textgestaltung.

Wie entstand die Produktidee der Lebenssteine?

Ich habe selbst erlebt, dass keine große Nachfrage nach kreativen Steinmetzen besteht. Obwohl ich überzeugt bin, dass die Faszination für das Handwerk eigentlich ungebrochen ist. Das Handwerk ist attraktiv, nur das Produkt „Grabstein“ im herkömmlichen Sinn wollen immer weniger Menschen haben. Natürlich werden die wenigen wunderschönen deutschen Friedhöfe als weitläufige Parks ihre Attraktivität behalten. Doch die unzähligen kleinen Friedhöfe in Stadt und Land werden mittelfristig keinen Grabsteinmetzen mehr ernähren. Für mich folgt daraus, dass der Steinmetz sich auf seine Wurzeln besinnen muss. Es gab ein Leben vor dem Grabstein. Eine Zeit in der Steinmetze Burgen, Schlösser, Kirchen und Kathedralen bauten und mit wunderbaren Kunstobjekten ausstatteten. Dazu brauchen wir ein neues Produkt! Frühere Generationen ließen stolz und selbstbewusst Bildnisse und Portraits aus Stein anfertigen. Ich sehe im „Lebensstein“ die ideale Ausdrucksform für unsere Zeit.

Was ist ein Lebensstein nun genau?

Man könnte sagen, „Mein Lebensstein“ ist Lebensgefühl zum Anfassen. Er ist ein Stück Natur von Hand gemacht. Dabei bringt „Mein Lebensstein“ eine optimistische Grundhaltung zum Ausdruck: Er steht für Vitalität und Lebensfreude. „Mein Lebensstein“ spricht Menschen an, die ihr Leben selbstbewusst gestalten und bereit sind, für ein schönes und individuell gestaltetes Objekt etwas auszugeben. Sicher kennen Sie auch den Seufzer: „Ach, das ist aber ein schöner Stein. Der ist eigentlich viel zu schön für den Friedhof!“ – da sage ich: “Richtig!” Viele Objekte sind tatsächlich zu schade für den Friedhof, weil sie dort keiner sieht! Warum machen wir so etwas Schönes nicht einfach für Menschen, die sich daran freuen können? Warum stellen wir schöne Objekte nicht in unseren Garten, in die Firma, ins Haus oder in die Wohnung? Warum genießen wir nicht im täglichen Leben die positive Kraft, die von einem solchen Objekt mit bleibendem Wert ausgeht? So ein Objekt eröffnet auch dem kreativen Steinmetz neue Chancen. „Mein Lebensstein“ bietet ihm neuen Gestaltungsfreiraum und erweitert sein bisher bestehendes Angebot. Als positives, kraftvolles Natursteinobjekt verjüngt er darüber hinaus das Image des Steinmetzhandwerks.

Wie sollte ein Steinmetz vorgehen, wenn er ein solches Produkt vermarkten will?

Das Tagesgeschäft in einem normalen Steinmetzbetrieb ist unglaublich hektisch. Zwischen Kundenberatung, Telefon, Friedhof und Werkstatt bleibt definitiv keine Zeit, ein Produkt zu vermarkten, für das es noch keine Nachfrage gibt. Ich denke, wir müssen zunächst eine Nachfrage schaffen. Kunden müssen auf das Produkt aufmerksam werden. Dabei muss man ganz klar sehen, dass nicht jeder Steinmetz handwerklich in der Lage wäre, einen Lebensstein anzufertigen. Wer nur mit Importsteinen handelt, ist sicher nicht der richtige Ansprechpartner für einen Kunden, der einen Lebensstein möchte. Umgedreht kann der Kunde von außen nicht beurteilen, wie kreativ ein Steinmetz tatsächlich ist. Der Laie kann ja die fertig gekauften Import-Gartenobjekte kaum von den handgearbeiteten Stücken unterscheiden. Hier sehe ich meine Aufgabe. Ich stelle die Verbindung her zwischen dem Kunden und einem Steinmetz. Dreh- und Angelpunkt ist hierbei das Internetportal www.mein-lebensstein.de.

Was bietet diese Plattform?

Das Portal bietet eine Galerie, in der Steinbildhauer/-innen ihre Lebenssteine vorstellen. Während der Landesgartenschau Bayreuth sind in dieser Galerie die sieben Objekte der Sieger des ersten bundesdeutschen Lebenssteine-Wettbewerbs für Meisterschüler/-innen und Steinmetzmeister/-innen in Bayern ausgestellt. Für den Wettbewerb im Rahmen der Landesgartenschau waren Steine gesucht, die Lebendigkeit ausstrahlen und zum Dialog einladen. In Zukunft steht das Portal allen Steinbildhauer/-innen offen. Sie können jederzeit ihre Lebensstein-Vorschläge einreichen.
Die Kunden hingegen können sich informieren und die präsentierten Steine natürlich auch erwerben. Arbeiten, die ihnen gefallen, können sie direkt über die Seite auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken teilen. Für Kunden, die einen individuellen, eigenen Stein anfertigen lassen möchten, eröffnet das Portal die Möglichkeit, die eigenen Vorstellungen sozusagen „begleitet zu entwickeln“. Der Kunde konkretisiert im ersten Schritt mit einem kleinen Fragebogen seine Wünsche. Im zweiten Schritt kann er sich Skizzen und Modelle anfertigen lassen, um eine genaue Vorstellung von seinen Lebensstein zu gewinnen, bevor er schließlich im dritten Schritt einen Steinmetzen mit der Umsetzung beauftragt.

Erfahren Sie hier mehr zu unserer Interviewpartnerin Ulrike Horn. STEIN informiert Sie über die weiteren Entwicklungen im Zusammenhang mit der Produktidee „Mein Lebensstein“. In STEIN im März 2016 können Sie ein Interview mit einem Sieger des Lebenssteine-Wettbewerbs, Günter Schinn, nachlesen.