Unsichtbare Schicht: Witterungsschutz für Marmor

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Von Bologna nach Princeton: Entwicklung des Forschungsprojekts

Marmor hat eine lange Lebensdauer – aber keine unendliche. Daher entwickelt der Professor Enrico Sassoni einen Witterungsschutz an der Universität Princeton und Bologna.

Der Cimitero Monumentale della Certosa di Bologna wurde 1801 als Gemeindefriedhof angelegt. Die architektonisch anspruchsvollen Gruften entwickelten sich zu einem Freilichtmuseum; Jahrzehnte lang galt der Friedhof als Symbol für Frieden und Unsterblichkeit.

Aber auch am Stein nagt der Zahn der Zeit. „Obwohl Marmor sehr langlebig ist, durchläuft er Alterungsprozesse. Durch schwankende Temperaturen entstehen Risse, Regen zersetzt die brüchige Oberfläche,“ erklärt der italienische Professor Enrico Sassoni, der derzeit an einem Witterungsschutz für Marmor forscht.

Momentan arbeitet der Italiener als Gastprofessor an der Universität Princeton, wo er ein internationales Team um sich hat. Erste Tests zur Erhaltung der Kunstwerke und Grabmähler des Certosa di Bologna testete der Professor mit seinem Team der Universität Bologna. Insgesamt soll das Forschungsprojekt drei Jahre dauern.

Führung Sightseeing-Tour Friedhof Certosa di Bologna
Sightseeing auf dem bekannten Friedhof Certosa di Bologna
Behandlung Marmor Schutz vor Witterung
Behandlungs-Test: Marmor vor Witterung schützen
Detail behandelte Stütze Witterungsschutz
Detail einer behandelten Stütze
Marmor-Verfall Friedhof Certosa di Bologna
Marmor-Verfall auf dem Friedhof Certosa di Bologna

Lösung mit Calcium-Verbindung

„Im Gegensatz zu anderen Ansätzen hat unsere Methode die Vorteile, dass sie auf dem nicht-toxischen Lösungsmittel Wasser basiert, tief in die Risse im Stein eindringt und innerhalb von 24 Stunden reagiert“, erklärt Sassoni.

Die Substanz ist eine Calcium-Verbindung, wie sie in menschlichen Knochen und Zähnen vorkommt. Darin enthalten ist Hydroxylapatit, das aus der Reaktion einer Wasser-basierten Phosphat-Salz-Lösung und Kalzit entsteht – aus letzterem Mineral besteht Marmor.

Die Lösung sickert in Hohlräume des Steins und schafft eine Verbindung zwischen den Rissen. Somit entsteht eine beständigere Oberfläche gegenüber Umweltverschmutzung oder Regen.

Im Prinzip wirkt die Lösung wie ein Klebstoff, der die Lücken im Stein füllt. Aufgetragen wird lediglich ein feiner Film, „etwa so stark wie ein Zehntel eines menschlichen Haares“, erklärt George Scherer, der das Materialforscher-Team des Lehrstuhls in Princeton führt. „Es geht darum, dass die Schicht nicht sichtbar ist. Sobald sie dicker aufgetragen wird, ändern sich Reflexion und Oberflächenfarbe.“

Zukunft der Marmor-Beschichtung

Noch handelt es sich um erste Tests – Hoffnungen der Teams in Bologna und Princetons liegen in einem Schutzfilm, der Marmorstrukturen Jahrzehnte lang schützen kann. Im nächsten Schritt geht es darum, die Lösung dichter und rissfester zu machen. Enrico Sassoni: „Folgend unserer vorläufigen Auswertungen könnte das Ergebnis erreicht werden, indem der Lösung Alkohol hinzugefügt wird.“

Als Pilotprojekt der Princeton-Forscher soll außerdem eine Hydroxylapatit-Behandlung an einigen Skulpturen im Park des Versailler Schloss vorgenommen werden, in Kooperation mit Restauratoren und Forschern vor Ort.

Im September kehrt Sassoni an die Universität Bologna zurück. Dort möchte er außerdem Möglichkeiten der Galvanotechnik testen, um mittels Strom eine vielleicht noch dünnere Schicht bilden zu können.

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Scuola di Scultura öffnet wieder

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etwa Bildhauen für Fortgeschrittene und Gipsmodelle. Foto: Scuola di Scultura

Am Fuße des Marmorbergs im Tessiner Peccia geht’s wieder los. In Sommer-Kursen wie figürliches Modellieren und Bildhauen für Fortgeschrittene sind Plätze frei.

Im Mai startete die Scuola di Scultura ein Crowdfunding. Denn wegen Corona konnte sie monatelang lang weder Kurse anbieten noch Gäste empfangen. Das angestrebte Fundingziel von 50.000 CHF wurde weit übertroffen. Insgesamt kamen 93.724 CHF zusammen. Seit Anfang Juni gibt die Schule nun wieder Kurse.

In verschiedenen Kursen sind Plätze frei:

Figürliches Modellieren und Gipsabguss

vom 28. Juni bis 3. Juni 2020
Unter der Leitung von  Thomas Hunziker modellieren die Teilnehmenden einen weiblichen Akt in Ton. Sie arbeiten an drei Tagen an dem Modell gearbeitet. Die Figur wird dann mit Gips abgeformt und kann in Gips oder Zement gegossen werden.



Steinbildhauen für Fortgeschrittene – Resculpting
vom 19. bis 31. Juli
Alle Teilnehmenden bringen eine Fotografie, Zeichnung oder ein Video eines plastischen Werks mit. Unter Anleitung von Kursleiter Roland Hotz meißeln sie die persönliche, soweit wie möglich von Hand, als „Taille-Direct“ in ein Stück Peccia-Marmor.

Gips direkt
vom 2. bis 7. August 2020
In dieser Kurswoche leitet Hansulrich Beer  die Teilnehmenden an, direkt mit Gips Modelle zu gestalten, die später in Stein oder Holz umgesetzt werden können.

Steinbildhauen für Fortgeschrittene – Drehung

vom 16. bis 28. August 2020
In diesen beiden Kurswochen steht das Thema “Drehung” im Fokus. Kursleiter Hans-Peter Profunser leitet die Teilnehmenden an, ihre individuelle Formensprache zu entwickeln und herauszuarbeiten.



Alle Kurse sowie die Anmeldungsformulare finden sich auf der Seite der Schule.

Holz und Stein Hand in Hand

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Jury hat gewählt

Wer im Münchner Großstadttrubel derzeit Entspannung sucht, ist im ruhigen Innenhof des Künstlerhauses am Lenbachplatz genau richtig: Dort sind unter dem Motto „Holz und Stein im Einklang“ noch bis zum 24. November 2017 zehn Stelenskulpturen und elf Steinobjekte ausgestellt.

Entstanden sind sie im Rahmen der Ausbildung an der Münchner Fachschule für Steintechnik und Meisterschule für Holzbildhauerwerk, die jedes Jahr einen Wettbewerb unter den Schülern ausruft. Neu in diesem Jahr: Holzbildhauer und Steinmetze sollten Hand in Hand arbeiten, und das im wörtlichen Sinne. Ein dreidimensionales Objekt als 230 Zentimeter hohe Stelenskulptur war das Ziel, welches aus mindestens zwei zusammengesetzten Teilen aus den Materialien Holz und Stein bestehen sollte. Beide Materialien sollen sich dabei gegenseitig sowohl formal als auch inhaltlich bedingen, was die Materialwahl, die Oberflächenbearbeitung und das Gesamtbild als schlüssige Einheit angeht.

Die Jury, die aus Mitgliedern der Schule, der Danner-Stiftung, des Diözesanmuseums Freising, der Glyptothek, des Künstlerhauses am Lenbachplatz, Bayerische Nationalmuseums und der Galerie Handwerk HWK für München und Oberbayern bestand, hat insgesamt drei Werke prämiert. Die Wettbewerbe des Kooperationsprojekts der Meisterschule des Holzbildhauerhandwerks und des zweiten Jahrgangs der Fachschule für Steintechnik gewannen zwei Gruppen: Quirin A. Herzinger und Florian Ludwig mit ihrem Werk „Metamorphose Kastanienblatt“ sowie Carolin Hinterseer und Clemens Glaß mit der Skulptur „Lebensfluss“.

„Die Symbiose aus Stein und Holz sieht man hier besonders gut. Der Stein ohne das Holz wäre zu wenig, genauso wie andersrum. Im Gegenteil: Die Weiche des Holzes ergänzt sich wunderbar mit der Härte des Steins“, meint der Gestaltungslehrer an der Fachschule Hartmut Hintner zum Werk „Lebensfluss“.

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Der Innenhof des Münchner Künstlerhauses zeigt derzeit Arbeiten von Schülern der Fachschule für Steintechnik und Meisterschule für das Holzbildhauerwerk. Foto: Friederike Voigt
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Die Arbeiten entstanden im Rahmen eines von der Danner-Stiftung geförderten Wettbewerbs. Foto: Friederike Voigt
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Einer der Gewinner: „G‘ Foitat“ von Maximilian Taube. Foto: Friederike Voigt
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Detail: Die horizontalen Linien wurden mit Hand angefertigt. Vorlage für das Objekt war eine Papiertüte. Foto: Friederike Voigt
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„Lebensfluss“ von Carolin Hinterseer und Clemens Glaß ist ebenfalls prämiert worden. Foto: Friederike Voigt
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Detail: Tulpenbauholz und Stein San Sebastian sollen die Natur und das Leben darstellen. Foto: Friederike Voigt

Aus Papier werde Stein

An der Fachschule für Steintechnik ging der Preis im ersten Jahrgangs an Maximilian Taube für seine Arbeit „G ‘ Foitat“. „Vorbild für diese Arbeit war eine gefaltete Papiertüte, die Maximilian dann in Naturstein übertragen hat. So wurde aus etwas Vergänglichem etwas Massives“, so Hintner.

Ein Ausstellungswerk ist bereits verkauft. Die Erlöse gehen zu einem kleinen Teil an die Schule, den Rest bekommt der Schüler. Dieser muss das Werk bei Verkauf allerdings noch einmal für die Schule anfertigen. „Schließlich wollen wir die Ausstellungswerke als Ensemble behalten“, begründet Hintner.

Der kommende Wettbewerb läuft bereits. Die Steinmetzen sowie Holzbildhauer der Schule sind angehalten, eine Krippe aus Naturstein zu gestalten. Auftraggeber ist diesmal das Diözesanmuseum Freising, das ein paar Krippen aufkaufen will. Ab 18. Dezember 2017 werden die Werke in der Karmeliterkirche in München für vier Wochen zu sehen sein.

Über den von der Danner-Stiftung geförderten Wettbewerb lesen Sie einen ausführlichen Bericht in STEIN 3/2017.