42-Tonner im Keller

Stein Magazin
der Säbel darauf dient zum Köpfen von Flaschen. Im Torweg Franziska Bauer

Staunen in der Sektkellerei Stocker: Bei den Aushubarbeiten zur Erweiterung der Kelleranlage stießen die Südtiroler auf einen 15-Kubikmeter-Findling, der unbemerkt seit Urzeiten im Erdreich schlummerte – direkt neben der alten Hauswand. Genau dort, wo der Zugang zum neuen Untergeschoss geplant war. Was manche geärgert hätte, empfand Betreiber Sigmar Stocker als glückliche Fügung und band seinen Hausstein gleich mehrfach in die Familie ein.

Stocker Bild 1
Sesam, öffne Dich! Durch ein Portal im 15-Kubikmeter-Findling gelangt man in den unterirdischen Neubaubereich der Sektkellerei Stocker. Foto: Philipp Neuman
Stocker Bild 2
Der Weg der Säge: Im Durchgang erkennt man, wie sich das Diamantseil seinen Weg durch den Ergussstein bahnte. Foto: Philipp Neuman
Stocker Bild 3
Die Bank im neuen Sektkeller stammt aus dem Findling, der Säbel darauf dient zum Köpfen von Flaschen. Im Torweg Franziska Bauer, in deren Haus nun Platten aus dem Koloss liegen, ihr Sohn Maximilian Stocker, der in Onkels Sektkeller aushilft und Steinmetz Hans Trojer von südtirol.stein (v.l.n.r.). Foto: Philipp Neuman
Stocker Bild 4
Stilvolle Sanierung: Franziska Bauers Haus stammt aus dem Hochmittelalter. In ihm wurden Platten aus dem Sektkeller-Findling verlegt. Foto: Philipp Neuman
Stocker Bild 5
Das vulkanische Ergussgestein hat viele Brekzien-Einlagerungen und ist herrlich bunt. Foto: Philipp Neuman
Stocker Bild 6
Einzigartiger Fußboden: Der farbenfrohe Findling aus dem Keller des Familienbetriebs als Bodenbelag im Wohnhaus. Foto: Philipp Neuman
Stocker Bild 7
Schmuck auch in der Vertikalen: Im Waschraum dient der Stocker-Stein auch als Raumtrenner. Foto: Philipp Neuman
Stocker Bild 8
Im Raum für die besonderen Firmenschätze der Terlaner Sektkellerei – ausgewählte alte Flaschen und Erinnerungsstücke – wurde ein massiver Stehtisch aus dem Hausstein installiert. Im Hintergrund Firmengründer Sebastian Stocker sen. Foto: Philipp Neuman

Seit 1968 gibt es die Sektkellerei Stocker in Terlan, 2015 war es an der Zeit für eine Erweiterung der Anlage. Als die Bagger anrückten, förderten sie eine große Überraschung zutage: Hochgerechnet 42 Tonnen wog der 15-Kubikmeter-Brocken aus vulkanischem Ergussgestein, der unterirdisch direkt außerhalb der Kellerwand des Altbestands lag. „Und das ist nur der sichtbar gewordene Teil. Wie weit der Findling noch nach unten reicht, kann man nicht sagen“, erklärt Peter Watschinger von der zu Hilfe gerufenen Firma südtirol.stein. „Der abgerundeten Form nach zu schließen, ist der Fels vor langer Zeit mit einem Wasserlauf oder Gletscher hier gelandet.“

Der Riese versperrte den geplanten Weg in den neuen Sektkeller, doch eine Zerteilung und Bergung wäre mit unabwägbar großem Aufwand verbunden gewesen. Außerdem betrachtet die Familie den Stein als großes Geschenk. „Laut dem Südtiroler Landesgeologen Dr. Volkmar Mair ist unser Findling ungefähr 276 Millionen Jahre alt. Wer hat schon so etwas Tolles im Haus?“, lacht Sigmar Stocker, dessen Freude es auch keinen Abbruch tat, wegen des Steinfunds die Statik seines Bauvorhabens neu berechnen lassen zu müssen.

Zusammen mit den Material-Profis von südtirol.stein fasste er den Entschluss, sich seinen Koloss im Keller gleich auf mehrfache Weise zunutze zu machen: Mittels Diamantseilsäge wurde ein Durchgang in den Monolithen geschnitten, wodurch ein einzigartiges Portal zwischen Alt- und Neubau entstand. Ein Teil der entnommenen sieben Kubikmeter Ergussgestein mit bunten Brekzien-Einlagerungen schmückt jetzt als Monolithbank und –stehtisch die neuen unterirdischen Räumlichkeiten. Der Großteil fand eine andere Verwendung im familiären Umfeld: Sigmar Stockers Schwägerin Franziska Bauer renoviert gerade im selben Ort ihr historisches Wohnhaus aus dem Hochmittelalter. Der bunt gemusterte Vulkangesteinfund ziert nun in Form von 50 Quadratmetern satinierten Platten den Boden im Hochparterre und kommt im Sanitärbereich zudem als Raumtrenner zum Einsatz.

 

Passend zur Marmomac 2017 stellen wir die wichtigsten Natursteinregionen Italiens vor.
Weitere Geschichten aus den spannenden Steinewelten Südtirols lesen Sie in Teil 1 unserer Serie „Italiens Klassiker“ in Heft 09|17, das am 22.08.2017 erscheint.
Erfahren Sie hier mehr

Könnte dich auch interessieren

Das „steinerne Meer“ zwischen Öland und Gotland

Stein Magazin

Skandinavien ist bekannt für seine Hartgesteine. Darum führt die Stein-Reise des Geokompetenzzentrum Freiberg in diesem Jahr nach Süd-Schweden – und auch in der STEIN wird es im Sommer eine Strecke zum Thema Skandinavien geben.

Braennhult
Bei der Exkursion werden unter anderem Steinbrüche besucht. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
Arbeiten-Steinbruch-Braennhult
Abbau von Braennhult-Granit. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
Arbeit-Sjoestroem
Arbeit im Steinbruch Sjöström. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.

Schwedisch Schwarz

Die sechstägige Exkursion hat sich als feste Größe im jährlichen Exkursionskalender für die Steinmetzbranche etabliert. Wie in jedem Jahr bekommen Fachinteressierte einen Überblick über Natursteinvorkommen, -abbau und -referenzen des Landes. Besucht werden Firmen, Steinbrüche, Orte und Objekte in Kristianstad, Vanga, Borgholm (Öland), Gotland und Malmö.

Hilke Domsch vom Geokompetenzzentrum Freiberg erklärt: „In Südschweden gibt es Granite wie Bjärlöv, Bohus oder Flivik, Gneise wie Halmstad oder Vanga und natürlich die als ‚schwedisch Schwarz‘ bekannten Basalte. Etwas unbekannter und dabei traditionell sehr verankert sind die Kalksteine von den Ostseeinseln Öland und Gotland und auch Marmor wie der grüne Brännlykan.“

Auf Öland wird die Firma Naturstenkompaniet besucht – sie gewinnt und verarbeitet den Ölandkalkstein. Unter den Orten sticht die Ostseeinsel Gotland hervor, so Hilke Domsch: „Der Gotland-Kalkstein ist ein wunderschöner heller und harter Kalkstein mit einer einzigartigen Textur. In Verbindung mit der Geschichte der Hanse wird dies ein Highlight der Reise.“

Reiseinformationen

Die Exkursion findet vom 30. April bis 6. Mai 2018 statt – auf Wunsch kann der Reisezeitraum verkürzt werden. Anmeldeschluss ist der 28. März 2018.

Hier finden Sie den interaktiven Informations- und Anmeldeflyer zum Ausfüllen und Versenden.

Europäische Steinestapler starten eine Ausstellung

Stein Magazin

Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram

Im schottischen Dunbar stapelten Künstler im April Steine bei einem Festival zu kunstvollen Skulpturen. Im Mai geben sie ihr Können an Interessierte weiter.

European-stone-stacking
Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram
European-stone-stacking1
James Craig Page (Mitte links), Veranstalter des Festivals, mit der Jury. Foto: Laurence Winram
European-stone-stacking2
Ein Teil der Gewinner-Skulptur von Pedro Duran. Foto: Laurence Winram
European-stone-stacking3
Die Steinestapler überlegen gemeinsam, wie sie ihre Kunstform bekannter machen können. Foto: Laurence Winram
European-stone-stacking4
Teil der Ausstellung in Summer Hall. Foto: Laurence Winram

Steinestapler stellen gemeinsam mit Land-Art-Künstlern aus

Steine sind ein tolles Baumaterial – nicht nur für Treppen, Säulen und Co., sondern auch für gestapelte Kunstwerke am Strand. Das zeigen die Ergebnisse des 2. Europäischen Wettbewerbs der Steinestapler, der Ende April für zwei Tage in Dunbar in Schottland stattgefunden hat. 30 Künstler haben angespülte Kiesel und größere Steine aus der Natur mit ruhiger Hand kunstvoll auf Felsen und Sand gestapelt und sich in den Kategorien “Die meisten Steine ausbalanciert”, “Juniormeisterschaft”, “künstlerischer Gewinner” und “Stapeln gegen die Zeit” gemessen. Der Gesamtgewinner ist – wie bereits im letzten Jahr – Pedro Duran aus Spanien. Er bekommt einen finanziellen Zuschuss für seinen Flug nach Texas, wo 2019 der weltweite Wettbewerb in Llano stattfindet.

Die Kunst besteht beim Steinestapeln darin, die Schwerkraft für sich zu nutzen, denn sie ist das einzige, was die Skulpturen zusammenhält. Versierte Künstler bauen zum Beispiel komplette Torbögen ohne eine einzige Kelle Mörtel. Seriöse Stapler verändern die natürliche Umgebung oder gar historisch bedeutende Stätten dabei nicht – beides sind Kritikpunkte von Naturschützern. Sie stapeln besonders gern an Stränden, Flüssen und Seen, weil sie dort häufig besonders schöne Steine finden. 
Noch ist die Steinestapler-Szene eher klein und familiär – und sie könnte ein bisschen mehr öffentliche Aufmerksamkeit gebrauchen. Um die mediative Kunst in Europa noch bekannter machen, stellen deshalb bis 28. Mai bekannte Steine-Stapler, Land-Art-Künstler und Maler gemeinsam in der Summerhall Gallery in Edinburgh aus und geben an allen Mai-Wochenenden Workshops.