Im grünen Gestrüpp der Skulptur-Lichtung Valley/Hohendilching werden in wenigen Tagen fünf neue fertige Skulpturen hervorragen. Anlässlich des 5. Bildhauersymposiums im oberen Mangfalltal treffen sich wie jedes Jahr internationale Steinbildhauer, um den Skulpturenpark mit Steinkunstwerken zu erweitern.
Versteckt hinter den Häusern und Höfen des beschaulichen Dörfchens Hohendilching liegt die Skulptur-Lichtung Valley, wo derzeit fünf Steinbildhauer an ihren neusten Werken arbeiten. Wenige Meter davon entfernt schlängelt sich die Mangfall durch die Wälder. An ihrem Ufer steht ein Tisch aus Granit. Er ist Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand zugleich, eine Einladung für Wanderer, auf ihrem Weg durch das Mangfalltal Rast zu suchen.
Die Idylle ist Schauplatz des 5. Bildhauersymposiums, organisiert von KUNSTDÜNGER e. V. Zwei Wochen lang arbeiten eingeladene Steinbildhauer an Steinkunstwerken, die ab dem 15. Juli 2017 offizieller Bestandteil der Skulptur-Lichtung sein werden. Mit dabei sind in diesem Jahr das Künstlerduo Mary Zischg und Ernst Kolt Hofheim, Chris Peterson aus Holland und Luke Zwolsman, der von Australien wohl den längsten Anreiseweg gehabt haben dürfte.
Auch der Organisator des Symposiums und Besitzer der Skulptur-Lichtung, Bildhauer Tobel, wirkt aktiv mit. „Ich bin viel im Ausland unterwegs und nehme selbst an einigen Bildhauer-Symposien teil. In Deutschland sind diese Veranstaltungen allerdings nicht sehr stark vertreten“, antwortet Tobel auf die Frage, wie es zur Entstehung des Symposiums kam. Während seiner Auslandsaufenthalte lernte er all jene Künstler kennen, die sich inzwischen auf der Skulptur-Lichtung mit einem Kunstwerk verewigt haben. Tobels internationales Netzwerk ist es, was die Kulturen anderer Länder, manifestiert im künstlerisch verarbeiteten Material des Steins, nach Valley bringt.
Bei einer Wanderung im Mangfalltal lohnt sich ein Abstecher zur Skulptur-Lichtung in Valley/Hohendilching. Foto: Carolin WerthmannHier warten 20 monolithische Steinskulpturen auf interessierte Besucher. Foto: Carolin WerthmannBob Budd, Extra Sausage, Marmor, 2014. Foto: Carolin WerthmannJosef Pleier, Spin, Marmor. Foto: Carolin WerthmannEinige der Skulpturen stammen von Bildhauer Tobel, auf dessen Privatgrundstück die Skulptur-Lichtung zu finden ist. Foto: Carolin WerthmannYang Liu, Laced, Granit, 2014. Foto: Carolin WerthmannDer chinesische Bildhauer beeindruckt mit präziser Technik und detailreicher Ausarbeitung des Granits. Foto: Carolin WerthmannAlessandro Canu, Sensation, Granit, 2013. Foto: Carolin WerthmannTobels Konzept als Bildhauer ist es, anders als gewöhnlich das Material des Steins nicht freizusetzen, sondern „zum Herz des Steins hervorzudringen ……und die Zeitgeschichte des Steins freizusetzen“. Foto: Carolin WerthmannMarcia de Bernardo, Petrefakt, Granit, 2015. Foto: Carolin WerthmannHani Faisal, Sundial, Kalkstein, 2016. Foto: Carolin WerthmannWork in Progress: Hieran arbeitet derzeit Chris Peterson aus Holland im Rahmen des 5. Bildhauersymposiums. Foto: Carolin WerthmannHubert Maier, Tisch, Granit, 2015. Foto: Carolin WerthmannGirts Burvis, Whisper, Granit, 2015. Foto: Carolin Werthmann
Konzepte und Ideen mit Granit
Vor dem Startschuss des Symposiums am 2. Juli 2017 diskutierten die Künstler gemeinsam über ihre Vorstellungen und Ideen, welche Formen aus den Granitsteinblöcken entstehen sollten. Immerhin sind es nur zwei Wochen, die ihnen zur Verfügung stehen, ehe ihre Skulpturen die 20 bereits bestehenden monolithischen Steinkunstwerke offiziell ergänzen werden. Chris Peterson beschäftigt sich mit einem Findling, den er am Ende im Fluss positionieren möchte. Sein Leitgedanke ist vor allem die Frage, was passiert, wenn Wasser und Stein aufeinandertreffen. Er führt damit das Bild eines Kindes, das seit jeher Steine ins Wasser wirft, fort. Der Ort der Lichtung sei dabei ideal, um dieses Konzept umzusetzen.
Das Künstlerpaar Zischg und Hofheim widmen sich dagegen einer Installation, die die Steine nicht im Wasser, sondern quasi in der Luft, auf Bäumen, vorsieht. Stundenlang näht die gebürtige Südtirolerin Mary Zischg dafür an meterlangen Stoffbahnen, mit denen sie Steine aus der Mangfall an den Bäumen befestigen möchte. Die Steine werden ihrem Habitat im Flussbett entzogen und mit einem Element vereinigt, das ihnen widerspricht. Nach einem Jahr sollen die Steine wieder in den Fluss zurückkehren.
Interessierte können noch bis Samstag, 15. Juli, den Künstlern bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken und sich mit ihnen austauschen. Die Skulptur-Lichtung ist täglich von 10 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet und kostenlos zugänglich.
Auf der Vernissage des Weiterbildungskurses „Steinbildhauen und dreidimensionales Gestalten“ der Scuola di Scultura präsentierten die Schweizer Bildhauer Peter Bachmann und Stefan Kistler ihre Abschlussprojekte „Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ und „Durchblick“ in Cevio im Tessin. STEIN sprach mit den beiden über ihre Skulpturen, ihre Ambitionen und ihre Gedanken über das künstlerisch-kreative Arbeiten mit Stein. In diesem Gespräch: Peter Bachmann. Der Lebenslauf des 58-Jährigen lässt Staunen, vereint er doch zwei Berufszweige, die vermeintlich wenig miteinander zu tun haben. Als Osteopath arbeitet Bachmann einerseits in seiner eigenen Praxis. Zum anderen ist da noch die Leidenschaft des Steinbildhauens.
Die Absolventen Peter Bachmann (li.) und Stefan Kistler (Mitte) mit Schulleiterin Almute Großmann-Naef während der Vernissage. Foto: Scuola di Scultura„Betroffenheit – Gefühlt – Geformt“ von Peter Bachmann. Foto: Peter BachmannMit der Skulpturengruppe verweist Bachmann auf die Flüchtlingsthematik. Foto: Peter BachmannDetail der Betongruppe. Foto: Peter BachmannVernissage in Cevio im Tessin. Foto: Peter BachmannBachmann stellt Familien- und Einzelschicksale ins Zentrum seiner Arbeit und formt aus einem Kollektiv Individuen. Foto: Peter Bachmann„Empathie ist der Kern der Menschlichkeit. Diesen Kern möchte ich durch meine Installation spürbar machen“, erklärt Bachmann. Foto: Peter Bachmann
STEIN: Sie haben sich zunächst als Physiotherapeut und schließlich zum Osteopath ausbilden lassen, seit 2003 besitzen sie eine eigene Praxis. Nun haben Sie an einer Weiterbildung zum Steinbildhauen teilgenommen. Wie lassen sich diese beiden Leidenschaften vereinen?
Peter Bachmann: Mir ist bewusst geworden, dass ich in der künstlerischen Umsetzung von den Therapien am Patienten und der räumlichen anatomischen Vorstellung viel profitieren kann. Lehrer an der Scuola di Scultura haben mir bestätigt, dass Körpertherapeuten oft plastischer und lebendiger modellieren und zeichnen. Des Weiteren liefern mir die Empfindungen meiner Patienten viele kreative Impulse.
Die Bildhauerei zum Hauptberuf zu machen konnten Sie sich aber nicht vorstellen? Meine Leidenschaft als Osteopath hält sich etwa die Balance mit der Bildhauerei. In den letzten Jahren habe ich meine kreative Seite immer mehr in meinen Alltag integriert und ausgeweitet. Ich bin als Osteopath inzwischen etabliert und habe ein gut funktionierendes Netzwerk. Als Kunstschaffender muss ich mir das zuerst erarbeiten, was mit 58 Jahren nicht leicht ist. Finde ich einen Nischenmarkt, werde ich die Bildhauerei weiter ausbauen.
Warum hatten Sie sich zu einer Teilnahme an der Weiterbildung entschlossen?
Im Holz- und Steinbildhauen hatte ich vor allem autodidaktische Erfahrung. Dadurch bleiben immer Lücken gegenüber vollberuflichen Kunstschaffenden, die eine breitere Erfahrung haben. Ich wollte mich unbedingt bei professionellen Lehrern weiterbilden und ein breit abgestütztes Angebot nutzen, um meine Sensitivität für die Materialien zu entwickeln und die technischen Fertigkeiten zu verbessern.
Viele Ihrer Arbeiten zeigen Menschen. Ihre Gesichtszüge sind sehr detailliert und filigran ausgearbeitet. Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass sie „so lange an einer Skulptur arbeiten, bis sich ein Teil dieser Kraft in der Skulptur angesammelt hat.” Würden Sie sich als Perfektionisten bezeichnen?
Ja, in dieser Hinsicht schon. Ich ringe zum Teil sehr lange, bis für mich die Deckung mit meinen Gefühlen und inneren Bildern erreicht ist.
Ihr Abschlussprojekt ist ein Betonguss, der Gruppen von Menschen zeigt. Manche von ihnen tragen Kinder in den Armen oder auf dem Rücken, andere sehen sich suchend um, stehen eng zusammengepfercht da. Einzelne Schicksals- und Familiengemeinschaften sind reliefartig zusammengefasst. Eine Prozessanalyse der Flüchtlingsthematik mit dem Titel „Betroffenheit Gefühlt Geformt.“ Warum wurde es Beton und keine Steinskulptur?
Beton enthält vor allem Sand. Im Buch „Masse und Macht“ schreibt Elias Canetti über die Massensymbole. Dazu gehören zum Beispiel Sand, Korn oder der Regen. In meiner Arbeit geht es um die Gegensätze von Masse und Individuum. Der Sand im Beton trägt die Symbolik der Masse in sich. Alle 28 Gruppen wiegen etwa 1,3 Tonnen. Die vielen Asylsuchenden wiegen in ihrer Bedeutung ebenfalls schwer. Auch hier unterstützt das hohe Gewicht des Materials die Symbolik. Niemand ist nicht betroffen von den Flüchtlingsströmen. Wir sollten bemüht sein, nicht nur „die Asylsuchenden“ wahrzunehmen, sondern sie auch als einzelne Individuen kennenzulernen. Durch die figürliche Darstellung treten sie aus der Masse.
Machen wir nun eine kleine theoretische Prozessanalyse Ihres Schaffens: Wie entstand das Abschlussprojekt des Kurses?
Am Beginn meiner Arbeit steht eine innere Unruhe, Betroffenheit und Empörung. Die Betroffenheit wird immer stärker und zum kreativen Impuls. Sie ist der Ursprung einer Kraft, die mich zur Umsetzung drängt. Sie steigt auf aus den Zellen meines Körpers und produziert Bilder in meinem Kopf. Ich verspürte den Wunsch, die vielen Bilder von geflüchteten Menschen, die man immer nur zwei bis fünf Sekunden im Fernsehen sah, anzuhalten und sie dreidimensional zu gestalten, damit Raum und Zeit entsteht zu reflektieren, das Irrationale „begreifbar“ zu machen. Einerseits während des Entstehens und andererseits als Skulpturenraum.
Sie arbeiten aber nicht nur mit Beton, sondern auch mit Stein. Wie empfinden Sie das Material?
Ich arbeite vor allem mit weicheren Steinen wie Marmor, Travertin oder Alabaster. Im Stein kommt es zu einer Verlangsamung des Arbeitsprozesses. Durch den größeren Widerstand beim Bearbeiten löst er in mir andere Prozesse aus. Die Urkräfte der Hitze und des Drucks im Erdinneren haben zum Beispiel beim Marmor zu einer Metamorphose geführt. Diese inhärenten Urkräfte, das große Gewicht und die Beständigkeit von Stein führen mich oft zu Urformen.
Mit der Vernissage Ende September haben Sie den Weiterbildungskurs nun beendet. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?
Die Vernissage hat mir gezeigt, dass das Thema immer noch sehr aktuell ist und dass viele durch die Begegnung mit der Installation emotional tief berührt waren.
Und was nehmen Sie aus dem Kurs für sich mit?
Der Kurs war etwas vom Besten, was mir passiert ist. Jedes Modul, sei es Zeichnen, Modellieren, Bildhauen oder Theorieseminare haben sich auf mein Sehen, Spüren und Fühlen des zu bearbeitenden Materials ausgewirkt. Der direkte Unterricht von hervorragenden Lehrern der Scuola di Scultura hat mich sicherer in meiner technischen Ausführung gemacht und meine künstlerischen Möglichkeiten deutlich erweitert.
Planen Sie noch weitere Weiterbildungskurse?
Da bei mir oft der Mensch im Mittelpunkt meiner Arbeit steht, sind für mich alle Kurse, in denen Modelle gezeichnet oder modelliert werden können, interessant und basal. Ich gehe gerne zurück zu den Wurzeln, um Energie zu tanken. Deshalb wird man mich noch oft im schönen Maggiatal und der Scuola di Scultura arbeiten sehen.
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