Antibakterielle Wirkung von Naturstein

Seit Langem bekannt ist die antibakterielle Wirkung von Silber. Studien haben zudem ergeben, dass auch Kupfer antivirale, antibakterielle sowie fungizide Eigenschaften aufweist. Dementsprechend entfalten auch Natursteine, allen voran der legendäre Silberquarzit, eine antibakterielle Wirkung. Und auch keramische Fliesen wie beispielsweise die trendige Großkeramik können derart veredelt werden, dass sie gegen Bakterien und Viren aktiv werden. Im Wesentlichen zwei Verfahren mit ihren jeweiligen Patenten hält der Markt hier bereit.

Während es beim trägen Silber die hochreaktiven Silberionen sind, die den Bakterien zu Leibe rücken – übrigens auch solchen, die gegen Antibiotika resistent sind –, ist es beim Silberquarzit der hohe Anteil an Kieselsäure, der ihn antibakteriell macht; er eignet sich daher besonders für den hygienischen Einsatz im Nassbereich. Der Stein kommt ausschließlich im Pfitscher Tal in Südtirol vor, einem Hochtal, das von Sterzing bis in die Zillertaler Alpen führt, und er wird im Steinbruch bei Pfitsch von der Grünig Natursteine GmbH abgebaut.

Deren Hauptsitz ist in Sterzing, von wo aus das Familienunternehmen Südtiroler Natursteine in die ganze Welt vertreibt. Auch die Festigkeit und Dichte des Silberquarzits in Verbindung mit seinen Glimmerschichten hat zur Folge, dass der Stein keine Besiedlung von Bakterien, Pilzen und Keimen zulässt, wie eine LGA-Untersuchung bestätigte: Dabei wurden Gesteinsarten 14 Tage lang bei 30 Grad und 97 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit beobachtet. Lediglich bei der Negativkontrolle mit Glas und eben beim Silberquarzit konnte keinerlei Bakterien- oder Pilzwachstum festgestellt werden.

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Dass auch Kupfer ein wirksames Mittel ist, um der Verbreitung von gefährlichen Keimen in Krankenhäusern entgegenzuwirken, zeigte sich im Ergebnis eines weltweit beachteten Feldversuchs in der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg. Hierbei wurden zwei Krankenhausstationen für mehrere Monate unter anderem mit Türgriffen und Lichtschaltern aus Kupferlegierungen ausgestattet.

Die benachbarten Bereiche behielten ihre herkömmlichen Schalter und Griffe aus Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff. Unter Alltagsbedingungen ließ sich nachweisen, dass die Zahl der antiobiotikaresistenten Bakterien (MRSA) um ein Drittel zurückging. Auch die Neubesiedlung der Kupfer- Türgriffe und -Lichtschalter wurde demnach erheblich vermindert.

Silber für Fliesen und Quarzkomposit-Werkstoffe

Die Microban-Silbertechnologie bedient sich der Erkenntnisse aus der Natur und der antimikrobiellen Eigenschaften von Silber, um das Wachstum von Bakterien auf verschiedenen Oberflächen – unter anderem auch bei keramischen Fliesen – zu verhindern. Das US-amerikanische Unternehmen Microban, einer der führenden Anbieter von integrierten antimikrobiellen Technologien, nutzt zudem die Wirkung von Zink-Additiven, einem antimikrobiellen Breitbandwirkstoff, um Produkte zu optimieren und zu schützen, die Feuchtigkeit oder feuchten Umgebungen ausgesetzt sind.

Antimikrobielles, bei der Herstellung in Produkte eingebundenes Zink, hält die Oberflächen und Materialien zwischen den Reinigungen sauberer. Die italienische Panaria-Gruppe etwa setzt Microban als dauerhaften Bestandteil der Glasur auf ihren Fliesen ein, basierend auf zwei US-Patenten für antimikrobielle Keramiktechnologien. Auch dem Quarz-Harz-Gemisch von Engineered-Stone-Platten wird Microban beigemischt, sodass etwa Silestone-Platten ebenfalls mit den bakterienwachstumshemmenden Eigenschaften erhältlich sind.

Photokatalyse mit Hilfe von Titandioxid

Anfang der 90er Jahre bereits kamen in Deutschland die ersten Sonnenschutzartikel auf den Markt, die einen besonderen Wirkstoff enthielten, der schädliche Raumgase und üble Gerüche absorbiert, auf der Oberfläche des Sonnenschutzartikels bindet und durch eine katalytische Reaktion vollständig in unkritische Stoffe wie z.B. Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) umwandelt. Die Beschichtung gab es kurze Zeit später auch für Stoffe, Teppichböden, abgepasste Teppiche und weitere Textilien sowie mittlerweile auch in Farben, auf Glas, Dachabdichtungen, Dachziegeln, Pflastersteinen und insbesondere auch keramischen Fliesen, teilweise noch ergänzt mit Silberionen.

Bereits in den 70er-Jahren war in Japan der photokatalytische Effekt von Titandioxid erkannt und ein Verfahren zur Beschichtung verschiedener Oberflächen später von dem japanischen Sanitärhersteller Toto patentiert worden. In Europa brachte der Chemiekonzern Zschimmer und Schwarz dieses Nanotechnologie-Verfahren durch die Vergabe von Lizenzen an den Mann bzw. auf die Produkte. Heute werden die sogenannten Hydrotect-Materialien als Oberflächenbeschichtungs-Komplettsystem von einer wachsenden Anzahl Fliesenherstellern in Lizenz eingesetzt, darunter die Deutsche Steinzeug mit „Hytect“, Casalgrande Padana mit „Bios Self Cleaning Ceramics“, Marazzi mit „Puro“ und Laminam mit „Hydrotect“.

Lesen Sie weiter in der STEIN 4/2021.