Antibakterielle Wirkung von Naturstein

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Blick ins Südtiroler Pfitschertal (Val di Vizze): Auf 1.500 Meter Höhe liegt hier der Silberquarzit-Steinbruch der Firma Grünig Natursteine. Foto: Michael Spohr
Vizze): Auf 1.500 Meter Höhe liegt hier

Seit Langem bekannt ist die antibakterielle Wirkung von Silber. Studien haben zudem ergeben, dass auch Kupfer antivirale, antibakterielle sowie fungizide Eigenschaften aufweist. Dementsprechend entfalten auch Natursteine, allen voran der legendäre Silberquarzit, eine antibakterielle Wirkung. Und auch keramische Fliesen wie beispielsweise die trendige Großkeramik können derart veredelt werden, dass sie gegen Bakterien und Viren aktiv werden. Im Wesentlichen zwei Verfahren mit ihren jeweiligen Patenten hält der Markt hier bereit.

Blick ins Südtiroler Pfitschertal (Val di Vizze): Auf 1.500 Meter Höhe liegt hier der Silberquarzit-Steinbruch der Firma Grünig Natursteine. Foto: Michael Spohr

Silber für Fliesen und Quarzkomposit-Werkstoffe

Während es beim trägen Silber die hochreaktiven Silberionen sind, die den Bakterien zu Leibe rücken – übrigens auch solchen, die gegen Antibiotika resistent sind –, ist es beim Silberquarzit der hohe Anteil an Kieselsäure, der ihn antibakteriell macht; er eignet sich daher besonders für den hygienischen Einsatz im Nassbereich. Der Stein kommt ausschließlich im Pfitscher Tal in Südtirol vor, einem Hochtal, das von Sterzing bis in die Zillertaler Alpen führt, und er wird im Steinbruch bei Pfitsch von der Grünig Natursteine GmbH abgebaut.

Deren Hauptsitz ist in Sterzing, von wo aus das Familienunternehmen Südtiroler Natursteine in die ganze Welt vertreibt. Auch die Festigkeit und Dichte des Silberquarzits in Verbindung mit seinen Glimmerschichten hat zur Folge, dass der Stein keine Besiedlung von Bakterien, Pilzen und Keimen zulässt, wie eine LGA-Untersuchung bestätigte: Dabei wurden Gesteinsarten 14 Tage lang bei 30 Grad und 97 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit beobachtet. Lediglich bei der Negativkontrolle mit Glas und eben beim Silberquarzit konnte keinerlei Bakterien- oder Pilzwachstum festgestellt werden.

Dass auch Kupfer ein wirksames Mittel ist, um der Verbreitung von gefährlichen Keimen in Krankenhäusern entgegenzuwirken, zeigte sich im Ergebnis eines weltweit beachteten Feldversuchs in der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg. Hierbei wurden zwei Krankenhausstationen für mehrere Monate unter anderem mit Türgriffen und Lichtschaltern aus Kupferlegierungen ausgestattet.

Die benachbarten Bereiche behielten ihre herkömmlichen Schalter und Griffe aus Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff. Unter Alltagsbedingungen ließ sich nachweisen, dass die Zahl der antiobiotikaresistenten Bakterien (MRSA) um ein Drittel zurückging. Auch die Neubesiedlung der Kupfer- Türgriffe und -Lichtschalter wurde demnach erheblich vermindert.

Die Microban-Silbertechnologie bedient sich der Erkenntnisse aus der Natur und der antimikrobiellen Eigenschaften von Silber, um das Wachstum von Bakterien auf verschiedenen Oberflächen – unter anderem auch bei keramischen Fliesen – zu verhindern. Das US-amerikanische Unternehmen Microban, einer der führenden Anbieter von integrierten antimikrobiellen Technologien, nutzt zudem die Wirkung von Zink-Additiven, einem antimikrobiellen Breitbandwirkstoff, um Produkte zu optimieren und zu schützen, die Feuchtigkeit oder feuchten Umgebungen ausgesetzt sind.

Antimikrobielles, bei der Herstellung in Produkte eingebundenes Zink, hält die Oberflächen und Materialien zwischen den Reinigungen sauberer. Die italienische Panaria-Gruppe etwa setzt Microban als dauerhaften Bestandteil der Glasur auf ihren Fliesen ein, basierend auf zwei US-Patenten für antimikrobielle Keramiktechnologien. Auch dem Quarz-Harz-Gemisch von Engineered-Stone-Platten wird Microban beigemischt, sodass etwa Silestone-Platten ebenfalls mit den bakterienwachstumshemmenden Eigenschaften erhältlich sind.

Photokatalyse mit Hilfe von Titandioxid

Anfang der 90er Jahre bereits kamen in Deutschland die ersten Sonnenschutzartikel auf den Markt, die einen besonderen Wirkstoff enthielten, der schädliche Raumgase und üble Gerüche absorbiert, auf der Oberfläche des Sonnenschutzartikels bindet und durch eine katalytische Reaktion vollständig in unkritische Stoffe wie z.B. Wasser (H2O) und Kohlendioxid (CO2) umwandelt. Die Beschichtung gab es kurze Zeit später auch für Stoffe, Teppichböden, abgepasste Teppiche und weitere Textilien sowie mittlerweile auch in Farben, auf Glas, Dachabdichtungen, Dachziegeln, Pflastersteinen und insbesondere auch keramischen Fliesen, teilweise noch ergänzt mit Silberionen.

Bereits in den 70er-Jahren war in Japan der photokatalytische Effekt von Titandioxid erkannt und ein Verfahren zur Beschichtung verschiedener Oberflächen später von dem japanischen Sanitärhersteller Toto patentiert worden. In Europa brachte der Chemiekonzern Zschimmer und Schwarz dieses Nanotechnologie-Verfahren durch die Vergabe von Lizenzen an den Mann bzw. auf die Produkte. Heute werden die sogenannten Hydrotect-Materialien als Oberflächenbeschichtungs-Komplettsystem von einer wachsenden Anzahl Fliesenherstellern in Lizenz eingesetzt, darunter die Deutsche Steinzeug mit „Hytect“, Casalgrande Padana mit „Bios Self Cleaning Ceramics“, Marazzi mit „Puro“ und Laminam mit „Hydrotect“.

Lesen Sie weiter in der STEIN 4/2021.

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Zur Lage der Handwerksnation

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Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks und selbst Malermeister

Nächstes Wochenende, am 24. September 2017, steht die 19. Bundestagswahl an. Ein guter Anlass für STEIN-Autorin Bärbel Daiber, bei Handwerks-Präsident Hans Peter Wollseifer einmal nachzufragen, wie es um das Verhältnis zwischen Handwerk und Bundespolitik steht und welche Forderungen und Erwartungen der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) an die künftige Regierung hat.

STEIN: Herr Wollseifer, Handwerk und Mittelstand erfahren von der Politik endlich mehr Wertschätzung. Wie wirkt sich das aus, und wo hapert es noch?

Hans Peter Wollseifer: Der deutsche Mittelstand und als dessen wichtiger Bestandteil die mehr als eine Million Handwerksbetriebe haben sich in Krisenzeiten als sehr robust erwiesen. Sie haben sich zugleich als der Wirtschaftsbereich hervorgetan, auf den die Politik gerade auch mit Blick auf herausragende gesellschaftspolitische Herausforderungen wie etwa die Flüchtlingsintegration zählen kann. Das Handwerk wirkt gesellschaftspolitisch wie wirtschaftlich stabilisierend. Das hat entscheidend auch mit dem dualen Ausbildungssystem zu tun, das für Ausbildungsqualität und für den Nachschub an qualifizierten Fachkräften sorgt. Auch wenn das inzwischen in der Politik überwiegend so gesehen wird, ist bei der finanziellen Unterstützung der beruflichen Bildung und der Ausbildungsförderung, etwa bei der Höheren Berufsbildung, noch viel Luft nach oben. Damit unsere Betriebe weiter erfolgreich sein können, braucht es zudem entsprechende Rahmenbedingungen. Überflüssige Bürokratie muss weiter abgebaut werden. Und was die Belastungen durch Steuern und Sozialabgaben angeht, sind unsere Betriebe an der Schmerzgrenze. Damit sie wettbewerbsfähig bleiben, dürfen auch künftig die Sozialabgaben 40 Prozent keinesfalls überschreiten.

STEIN: Was wurde in der vergangenen Legislaturperiode an dringenden Maßnahmen für das Handwerk versäumt, was jetzt dringend angegangen werden müsste?

Hans Peter Wollseifer: Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es dringlich, die berufliche Bildung wieder attraktiver für junge Menschen zu machen. Dazu braucht es eine bessere Ausstattung unserer Berufsbildungsstätten, ein Update für die Berufsschulen und eine insgesamt stärkere Förderung der beruflichen Bildung. Nach dem erfolgreichen Hochschulpakt muss es nun einen Berufsbildungspakt geben, auch als Ausdruck der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Wir haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass viel mehr energetische Sanierungen von Gebäuden nötig sind, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen – steuerliche Anreize können entscheidend dazu beitragen, dass investiert wird. Hier könnte man bereits viel weiter sein. Es ist in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Strompreise für mittelständische Betriebe und Privathaushalte im Griff zu behalten, die EEG-Umlage steigt und steigt. Aus Sicht des Handwerks kann nicht hingenommen werden, dass kleinere und mittlere Betriebe für die Privilegierung der Großunternehmen, die von der Umlage befreit sind, zur Kasse gebeten werden.

STEIN: Welches sind die drei wichtigsten Themen des Handwerks, um die sich die Politik jetzt dringend kümmern muss? Und welche zentralen Forderungen des Handwerks an die künftige Bundesregierung leiten Sie daraus ab?

Hans Peter Wollseifer: Dass dringend etwas bei der Finanzierung der Energiewende geschehen muss, habe ich schon angesprochen. Die Kosten müssen fair verteilt und Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden, und es muss eine sichere und bezahlbare Energie- und Stromversorgung gewährleistet sein. Gerade für die Handwerksbetriebe in ländlichen Regionen ist es sehr wichtig, dass sie Zugang zu schnellem Internet haben. Hier müssen wir bei der Anbindung deutlich schneller werden. Notwendig ist für die Betriebe außerdem ein zeitgemäßes Datenrecht. Bei Steuern und Sozialabgaben darf es keine weiteren Belastungen für unsere Betriebe geben. Beispielhaft verweise ich auf den Bereich der Rente: Hier rächen sich Fehler der Vergangenheit wie die Mütterrente oder die Rente mit 63. Dadurch wird die Rentenkasse jedes Jahr mit mehreren Milliarden Euro belastet. Wir müssen dringend die Kosten bei der Rente im Griff behalten. Es sollte daher auf keinen Fall weitere Leistungsausweitungen geben, die dann aus Beitragsmitteln zu finanzieren sind. Vielmehr muss es darum gehen, die Rente demografiefest zu gestalten, indem beispielsweise das Renteneintrittsalter – wie künftig in Dänemark – an die Lebenserwartung geknüpft wird.

STEIN: Vielen Dank für das Gespräch.

Fassadenkunst in Rot

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Rautenmuster am Historischen Museum in Frankfurt

In der Dezemberausgabe berichtet die STEIN über das Historische Museum in Frankfurt am Main. Das 1878 gegründete Museum besteht aus einem Konglomerat von Gebäuden verschiedener Epochen. Seit diesem Jahr ergänzen zwei weitere Gebäuderiegel mit dazwischen aufgespanntem Platz das „Museumsviertel“ in der Nähe des Römers. Der städtebaulich gelungene Entwurf stammt aus der Feder der Stuttgarter Architekten LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei. Die außergewöhnlichen Außenhüllen der beiden Neubauten bestehen aus rotem Neckartäler Hartsandstein mit geschliffener Oberfläche, deren Arbeiten das Bamberger Natursteinwerk Herman Graser GmbH ausgeführt hat. Mit dem Ziel, ein „lebendiges“ Fassadenbild zu erhalten, haben die Architekten die roten Außenhüllen aus einzelnen kleinformatigen Steinen entworfen. Auf diese Weise kommt die unverwechselbare Farbintensität des Natursteines mit seiner weißlich bis gelblichen Bändern besonders zur Geltung.

Für die Hauptfassade des Eingangsgebäudes haben sich die Planer etwas ganz Besonderes einfallen lassen: ein großes Rautenmuster mit gespitzter Oberfläche. Aber eine Raute besteht nicht ausschließlich aus einzelnen Steinen, sondern auch aus insgesamt sechs größeren Formteilen. Betrachtet man das Detailfoto, erkennt man oberhalb des Kreises eine schmale vertikale Fuge in Steinfarbe. Der gespitzte Stein rechts von der roten Fuge und der darunterliegende gespitzte Stein, mit der abgerundeten schmal zulaufenden Seitenkante, sind ein großes Steinelement. Der Steinmetz hat die horizontale Fuge nachträglich bis auf etwa zwei Zentimeter in den Stein eingefräst.

Das zweite Detailfoto zeigt die weiteren drei Steinelemente um den geschliffenen Kreis herum. Und auch die Rautenspitzen bestehen jeweils aus einem größeren Stein. Auf der Baustelle hat man die zuvor eingefrästen Fugen ebenfalls als Schattenfuge ausgeführt. Der Grund für diese Vorgehensweise: ein Abbrechen der abgerundeten, spitz zulaufenden Seitenkante zu verhindern.