Ausstellung „In Stein gemeißelt“ fordert Sehgewohnheiten heraus

Stein Magazin
2018. Foto: Galleria Poggiali

Die Glyptothek in München zeigt naturalistische Marmorskulpturen des italienischen Künstlers Fabio Viale

1_Aero_
Wirkt federleicht, besteht aber aus massivem Marmor: Papierflieger „Aero“ (75 x 200 x 95 cm), 2015. Foto: Galleria Poggiali
2_Venere-Italica
Fabio Viale bemalte die „Venere Italica“ im Stil japanischer Yakuza-Tattoos. Marmor und Pigmente, 173 x 52 x 75 cm, 2016. Foto: Galleria Poggiali
3_La-Suprema
Perfekte Täuschung: La „Suprema“ aus Marmor und Pigmenten (90 x 80 x 60 cm), 2018. Foto: Galleria Poggiali
4_Earth
Die Reifenskulptur „Earth“ sieht aus wie Gummi, ist aber aus schwarzem Marmor (190 x 130 x 140 cm), 2017. Foto: Galleria Poggiali
5_Stargate
„Stargate“ beweist in seiner filigranen Ausarbeitung die herausragenden Fähigkeiten des Künstlers Viale (190 x 210 x 124 cm), 2017. Foto: Galleria Poggiali
6_Orbitale
Bei „Orbitale“ macht eine geflickte Stelle die Illusion komplett (63 x 90 x 67 cm), 2017. Foto: Galleria Poggiali
7_Nike
Das Gewand von „Nike“ zeigt einen faszinierenden Faltenwurf (123 x 88 x 65 cm), 2017. Foto: Galleria Poggiali

“Ich liebe Marmor”

Autoreifen, eine Holzkiste und ein schon etwas zerknitterter Papierflieger – auf den ersten Blick nichts Besonderes. Der Wow-Effekt überfällt den Betrachter der Ausstellung „In Stein gemeißelt“ allerdings spätestens dann, wenn er die Gegenstände etwas genauer in Augenschein nimmt. Fabio Viale überlistet mit seinen Arbeiten geschickt unsere Sehgewohnheiten, indem er die verschiedensten Materialien in den Werkstoff Marmor übersetzt. Dabei arbeitet er die Oberflächenstrukturen so detailgetreu aus, dass der Stein optisch von Gummi, Holz oder Styropor kaum zu unterscheiden ist. Farbige Pigmente verleihen der Täuschung schließlich den letzten Schliff. Der Italiener knüpft damit an die künstlerischen Maßstäbe des Klassischen Altertums an: „Ich mag die griechischen Bildhauer einfach“, sagt Viale.

Im 7. Jahrhundert vor Christus entstanden in Griechenland die ersten großformatigen Skulpturen aus Marmor. Während die Ägypter Statuen überwiegend in ihre Architektur einbanden, erschufen die Griechen freistehende Objekte. Die Bildhauerei nahm bald die führende Rolle unter den Künsten ein. In der hellenistischen Periode bekamen die Figuren eigene Gesichtszüge und charakteristische Posen. Dramatische Szenen wie die Laokoon-Gruppe oder der lasziv-berauschte Ausdruck des Barberinischen Fauns veranschaulichen uns auch heute noch das Können der damaligen Bildhauerzunft. Die Beschaffenheit von Materialien aller Art so realistisch wie möglich in Stein abzubilden, war ihr erklärtes Ziel. Diesen Anspruch setzt Viale in seinem Werk fort. 

„Ich liebe Marmor“, sagt Fabio Viale. „Er macht mich fröhlich, es ist einfach ein Werkstoff mit viel Power.“

Eine Brücke zwischen den Epochen

Viale wurde 1975 im norditalienischen Cuneo geboren. Mit 16 Jahren startete seine Karriere an einer italienischen Kunstschule. Später übte er sein Handwerk in verschiedenen Marmorwerkstätten in Carrara aus, wo schon Michelangelo Buonarroti die Steinbrüche der Region aufsuchte und das beliebte Material seit mehr als zweitausend Jahren abgebaut wird. Heutzutage hat die Marmorkunst nicht mehr denselben Stellenwert wie in der Antike oder Renaissance. Dass sie dennoch fasziniert, zeigen die zahlreichen Auszeichnungen mit denen Viale bereits geehrt wurde. Seine Werke stellte er bereits auch in Moskau und New York aus. Fabio Viales Skulpturen spielen mit dem Stein. Sie zeigen Motive, die den Betrachter zunächst eigentlich an ein anderes Material denken lassen. Auch seine hellenistischen Vorbilder lassen sich erst nach eingehendem Studium komplett erschließen. So schlägt der Künstler die Brücke zwischen den Epochen.

Fabio Viales Skulpturen mischen sich vom 12. Juli bis 30. September im Rahmen der Ausstellung „In Stein gemeißelt“ in der Münchner Glyptothek unter die antiken Plastiken der bestehenden Sammlung und sorgen so für einen spannenden Kontrast.

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Wie aus dem Boden gewachsen

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In der beschaulichen Altstadt von Recklinghausen fällt seit letztem Jahr ein Gebäude besonders ins Auge: das Museum Jerke. Vom Sockel bis zum Dachfirst ist der Neubau komplett mit blau-grauem Kösseine-Granit umhüllt.

Museum-Jerke-Außen
Die komplette Museumshülle, Außenwände und Dach, ist mit Platten aus Kösseine-Granit verkleidet worden. (Foto: Dr. Werner Jerke)
Museum Jerke polnische moderne Kunst blau-graue-Verkleidung
Im Dachgeschoss zieht sich die blau-graue Außenverkleidung sogar bis ins Innere fort. (Foto: Dr. Werner Jerke)
Museum Jerke-Treppe-Kösseine-Granit
Spielerisches Element beim Treppenaufgang zum Museum: Auch hier ist der Kösseine-Granit verwendet worden. (Foto: Tanja Slasten)
Museum Jerke-Granithandlauf
Der blau-graue Granithandlauf vor leuchtend blauer Beleuchtung. (Foto: Tanja Slasten)
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Der Bauherr und private Kunstsammler Dr. Werner Jerke in seinem Museum für polnische moderne Kunst. (Foto: Tanja Slasten)
Museum-Jerke-Granitverkleidung
Die blau-graue Granitverkleidung beginnt unterhalb der Bodenoberfläche und scheint somit optisch aus dem Boden zu wachsen. (Foto: Tanja Slasten)
Museum-Jerke-buntes-Giebelfenster
Das bunte Giebelfenster des inzwischen verstorbenen Künstlers Wojciech Fangor. (Foto: Dr. Werner Jerke)
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Schöne Spiegelung: Die römisch-katholische Kirche St. Peter. (Foto: Dr. Werner Jerke)

Komplette Aussenhülle aus Naturstein

Das kleine schlichte, aber dennoch auffällige Haus ist das dritte Museum am Platz. Es reiht sich ein zwischen der schönen alten Probsteikirche mit ihrer Schatzkammer und dem Ikonenmuseum, das sich 1956 in der Ruhrgebietsstadt ansiedelte. Am 29. April letzten Jahres wurde das neue Museum für polnische moderne Kunst feierlich eröffnet. Die Idee zu dem außergewöhnlichen Bauprojekt hatte der Bauherr und private Kunstsammler Dr. Werner Jerke selbst.

Auf der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsort für seine umfangreiche Kunstsammlung entschied sich der Recklinghausener für ein Grundstück in unmittelbarer Nähe zum Kirchplatz. Das alte Haus, das an dieser zentralen Stelle stand, war schon lange unbewohnt und fiel, um dem neuen Museum Platz zu machte, der Abrissbirne zum Opfer. Der kleine Museumsneubau sollte sich, so die Absichten des privaten Kunstliebhabers, sowohl in das idyllische Straßenbild der Altstadt einfügen, sich gleichzeitig aber auch von seiner Umgebung gekonnt abheben. Bei der Gestaltung der Fassade wurde der Bauherr von dem Objekt „Sebald Kontore“ in Nürnberg inspiriert. Dessen Außenwände und auch das Dach sind komplett mit rotem Wiking Granit verkleidet. Für sein eigenes Gebäude suchte Dr. Jerke nach einem Naturstein, der farblich ins Ruhrgebiet passte. Seine Wahl fiel aufgrund des blau-grauen Farbspektrums auf den Kösseine-Granit. Der Name des Granits stammt von dem Berg Kösseine im Fichtelgebirge, wo das Steinmaterial abgebaut wird.

Blau-grauer Monolith aus Granit

Die gesamte steinerne Hülle hat eine Fläche von rund 600 Quadratmetern und scheint im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Boden zu wachsen“. Denn die blau-graue Verkleidung aus Granit beginnt schon unterhalb der Geländeebene. Aufgrund der speziellen Parzellenform verlaufen weder die vier Gebäudeecken im rechten Winkel noch liegen die beiden Giebelwände parallel. Dadurch bedingt ist jede Natursteinplatte, was ihre Abmessungen betrifft, ein Unikat. Die Lieferung des frostbeständigen Kösseine-Granits, die aufwändige Herstellung der einzelnen Plattengrößen sowie die Montage vor Ort, übernahm die Firma Hofmann Naturstein aus Gamburg. Das Unternehmen war auch schon für die rote Außenhülle des Nürnberger Projektes verantwortlich. Doch während deren Oberfläche geflammt wurde, kam beim Museumsbau die sogenannte „Aquapower“-Technik zum Einsatz. Hierbei wird das Oberflächenmaterial mit einem Wasserdruck von 2.000 bar bearbeitet. Dadurch erscheint die blau-graue Oberfläche des Kösseine-Granits noch farbintensiver und erhält zudem eine rauere Haptik.

Mehr Informationen über das Museum Jerke unter www.museumjerke.com.


Hintergrundinformationen zum Kösseine-Granit

Dieser einzigartige blaue Granit wird einem Steinbruch am Südostabhang des Berges Kösseine im Fichtelgebirge gebrochen. Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde er unter dem Namen „Imperator“ als Fassadenmaterial in alle Welt verschickt. So finden sich aus dieser Zeit mehrere eindrucksvolle Bauwerke in Brasilien, den USA und Nordafrika. Ihr guter Erhaltungszustand zeugt von der hohen Qualität dieses Granits als Baumaterial.

Das Gestein ist relativ gleichmäßig gefärbt und besteht überwiegend aus bläulichem Alkalifeldspat, grünlich-weißem Plagioklas, grauem Quarz, schwarzem tafeligem Dunkelglimmer (Biotit) sowie silberfarbenem tafeligem Hellglimmer (Muskovit).

Die technischen Werte von KÖSSEINE sind hervorragend:
Wasseraufnahme: 0,42 % (Massebez.), 1,11% (Volumenbez.)
Rohdichte: 2,623 kg/dm³
Biegezugfestigkeit: LEV 15,2 MPa
Abriebfestigkeit: 5,7 m³/50cm²
Ausbruchlast am Ankerdornloch: 2735 N
Der Granit ist frostbeständig und politurfähig.

Showroom trotz Homepage?!

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findet Anette Mühlberger

Der Handel steht vor einem Umbruch. Ging es bislang nur um »online zu Hause oder offline im Laden«, informieren sich Kunden heute überall per Smartphone oder Tablet und checken, ob das Angebot auch wirklich so günstig und passend ist, wie es erscheint. Immer weniger Kunden scheuen sich nicht, ihre Geräte hierfür sogar direkt im Gespräch zu ziehen. Was also ist zu tun? Und: Wie wirkt sich dieses Kundenverhalten auf den Steinmetzen aus, der Kunden in seiner Ausstellung ebenfalls offline überzeugen will?

 

Der Kunde ist immer einen Klick weiter

Wie begeistert man also Kunden in der realen Welt, die im Kopf immer schon einen Klick weiter sind? Und wie gestaltet man eine Ausstellung so, dass sie medien- und shoppingverwöhnte Menschen nicht gleich wieder flüchten lässt. Wo das Smartphone zum ständig verfügbaren Einkaufsbegleiter wird, müssen Ladenbetreiber und Handwerksbetriebe überlegen, was Kunden im Hier und Jetzt von einem Raum und Gelände erwarten und was sie bis zum entscheidenden Kauf- bzw. Beratungsgespräch dort halten kann.

Der Mensch bleibt ein Haptiker

Läden wird es auch in Zukunft geben, das jedenfalls prognostiziert das aktuelle STORE BOOK 2014 (siehe Buch-Tipp). »Der Mensch wird immer ein Haptiker bleiben, auch ein dem Geruchs- und Gehörsinn verhafteter Konsument und ein Herdentier«, schreibt dort Autor und STEIN-Interviewpartner Reinhard Peneder. Wo andere Menschen sind, dort will also auch der heutige und künftige Kunde immer noch hin. Smartphone hin oder her. Und er will Produkte und Konzepte erleben, riechen, schmecken und fühlen.
Von den Nöten des Einzelhandels können und sollten aber alle lernen, die eine neue Ausstellung planen. Von verwaisten Shopping-Centern auf der grünen Wiese, von Läden, die Kunden nur noch zum Schauen, aber nicht mehr zum Kaufen betreten – und im Café nebenan genau das online bestellen, was sie offline nicht überzeugen konnte.
Das beratungsintensive Natursteingeschäft ist per se natürlich »smartphoneresistenter« als normale Handelsgüter. Doch trifft schon heute die Gefahr des »Vor-Ort-Schauens und Per-Smartphone-Kaufens« all jene, deren Ausstellung und Angebot weitgehend auf allenfalls leicht applizierter Standard-, Import- und Handelsware basiert.

 

Abwechslung und Heimat bieten

Innovativ müssen Ladenkonzepte heute sein, überraschend und zum Markenauftritt eines Anbieters passen. Authentisch, wie Store-Spezialist Reinard Peneder es im Stein-Interview umschreibt. Dabei gehe es den Leuten immer weni
er nur ums Einkaufen. Sondern um Orte, die Abwechslung bieten, die sie inspirieren und die ihnen gleichzeitig das Gefühl geben, zu Hause zu sein.
Gerade Natursteinbetriebe können mit ihrer Ausstellung ein inspirierendes Zuhause für Kunden schaffen. Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Shopping verschmelzen, ist Richard Peneder überzeugt. Ein Skulpturenpark, der zum Rundgang und Ausruhen verführt, ein Kubus, der Showroom und Mitmachwerkstatt vereint, ein Erinnerungspark, der zeigt, was modernes Gedenken bedeuten kann. Ein Natursteinloft, das als Designlounge auch zum Treffpunkt für Kunstliebhaber avanciert. All das sind Konzepte, die Menschen dazu einladen, hinzugehen, innezuhalten, aufzumerken und sich damit auseinanderzusetzen.

Was einen guten Showroom ausmacht und wie Sie Ihren eigenen gestalten können, lesen Sie im neuen STEIN!

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