Ein Diplom-Restaurator gibt Einblick

Stein Magazin

Die denkmalgeschützte Außenhülle der EASA-Direktion in Köln ist fachgerecht restauriert worden (STEIN April 2017). Eine wichtige Aufgabe kam hierbei dem Fachplanungsbüro LRP von Thomas Lehmkuhl zu. Im STEIN-Interview erläutert der Diplom-Restaurator sein interessantes Tätigkeitsfeld.

STEIN: Mit welchen Aufgaben und Projekten haben Sie als Diplom-Restaurator zu tun?

Lehmkuhl: Das Fachplanungsbüro LehmkuhlRestaurierungsPlanung (LRP) beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Untersuchung und Sanierungsplanung denkmalgeschützter Bauwerke und Einzelobjekte. Hierbei lassen sich unsere Aufgaben in zwei Phasen unterteilen. Planungsphase I beinhaltet die Voruntersuchungen an Gebäuden und Einzelbauwerken zur Ermittlung des Erhaltungszustandes. Ebenso wie Probenentnahmen und naturwissenschaftliche Analysen. Wir erstellen Gutachten und Untersuchungsberichte, in denen die Ergebnisse der Voruntersuchungen dargestellt und die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen skizziert werden. Dabei werden auch mögliche Sanierungsvarianten aufgezeichnet und in ihren Konsequenzen bewertet. Auch erarbeiten wir erste, orientierende Kostenschätzungen.
In der Planungsphase II geht es um die Entwicklung objektspezifischer Sanierungskonzepte und Anlegen von Musterflächen. Für die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen erstellen wir die Ausführungsplanung, die Kostenberechnungen sowie gewerkebezogene Leistungsverzeichnisse. Während der Ausführung erfolgt die fachtechnische Begleitung und die Dokumentation der Sanierungsmaßnahme.

Welche Aufgaben hatten Sie bei der EASA-Direktion?

Unsere Aufgaben bezogen sich auf die Außenfassade und das historische Treppenhaus. Wir haben die gesamte Fassadensubstanz, Naturstein und Putzflächen, untersucht, sowie den Untersuchungsbericht erstellt und das Konzept für die sanierungstechnischen Maßnahmen formuliert. Das Konzept wurde mit den Projektbeteiligten, Bauherr und Stadtkonservator, abgestimmt. Anschließend wurden die Ausführungsplanung und das Leistungsverzeichnis zur Sanierung mit Kostenberechnung erstellt. Auch übernahmen wir die Fachbauleitung im Rahmen der Ausführung.
Im historischen Treppenhaus ist der denkmalwerte Bestand vor der Demontage aufgenommen und dokumentiert worden. Auch hier übernahmen wir die fachtechnische Beratung für die Instandsetzung und für den Wiederaufbau.

EASA-Direktion-Restaurierung-Traufgesims17
Auch das schadhafte Traufgesims wurde bei den aufwendigen Restaurierungsmaßnahmen erneuert. Darüber befinden sich die vier modernen Geschosse, die das neue Dach bilden. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA-Direktion-Ergaenzungen-durch-Vierungen46
Der rechte Bereich der Säule ist schon mit Vierungen, die sich am Altbestand orientieren, ergänzt worden. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA-Direktion-gereinigte-Fassade34
Die Fassade ist nach der Reinigung wesentlich heller geworden. Einige feuchte Stellen sind auf dem Bild noch zu erkennen. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA-Direktion-Bestandsfassade-Vierung51
Die eingesetzte Vierung, mit angeglichener Oberfläche, hebt sich farblich von der etwas dunkleren Bestandsfassade ab. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA_Direktion-Saeulenstücke-Vierungen57
Teilstücke der Säulen wurden schon herausgearbeitet, um sie anschließend mit den entsprechenden Vierungen zu ergänzen. (Foto: Denkmalpflege Schorn)

In welchem Zustand befand sich die denkmalgeschützte Fassade vor Beginn der Arbeiten?

Es befanden sich extrem starke Verschmutzungen und Verkrustungen auf den Oberflächen der Natursteine sowie der Kunststeinputzflächen. Ebenso umfangreiche Rissbildungen und kriegsbedingte Brüche in Naturwerksteinen aus Muschelkalk, die nicht oder nur unzulänglich saniert waren. Außerdem mehrere Tausend alte Zementmörtelergänzungen einer Nachkriegssanierung, die formal und technologisch überwiegend unbefriedigend ausgeführt waren. Die Fugen waren desolat und es gab lokal starke Durchfeuchtungen des Mauerwerkes aufgrund der vorgenannten Substanzschäden. Zudem Rissbildungen und Hohlstellen in den Kunststeinputzflächen und lokal entfestigter Putz.

Welche Vorbereitungen oder Untersuchungen an der Fassade müssen vor dem Reinigen, Restaurieren und Sanieren erfolgen?

Es ist grundsätzlich zu empfehlen, zu Beginn einer Sanierungsmaßnahme eine umfassende Untersuchung der Substanz durchzuführen im Sinne einer intensiven Grundlagenermittlung. Wird dies unterlassen, besteht ein erhebliches Informationsdefizit zum Zustand eines Objektes und zu den tatsächlich erforderlichen Sanierungsmaßnahmen. Dies führt zu einer „substanzlosen“ Ausführungsplanung in deren Folge ungenaue oder falsche Leistungsverzeichnisse erstellt werden. Darüber hinaus kann keine gesicherte Kostenplanung abgeleitet werden.
Die vorbereitenden Untersuchungen sollten möglichst durch eine Befahrung oder von einem Gerüst aus erfolgen. Der versierte Fachplaner ist dann in der Lage die Flächen und die einzelnen Werksteine genau zu prüfen.
Darüber hinaus sind häufig weiterführende Materialuntersuchungen angezeigt in Form von Probenentnahmen, Materialanalysen und Mauerwerksuntersuchungen.
Die bei der Untersuchung ermittelten Kenndaten können in die gesamte weitere Sanierungsplanung einfließen, so dass objektspezifisch abgestimmte Sanierungskonzepte und Leistungsverzeichnisse zu allen Gewerken erstellt werden können. Daraus resultieren hohe Planungs- und Kostensicherheit.

EASA-Direktion-Restaurierung-Traufgesims17
Auch das schadhafte Traufgesims wurde bei den aufwendigen Restaurierungsmaßnahmen erneuert. Darüber befinden sich die vier modernen Geschosse, die das neue Dach bilden. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA-Direktion-Ergaenzungen-durch-Vierungen46
Der rechte Bereich der Säule ist schon mit Vierungen, die sich am Altbestand orientieren, ergänzt worden. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA-Direktion-gereinigte-Fassade34
Die Fassade ist nach der Reinigung wesentlich heller geworden. Einige feuchte Stellen sind auf dem Bild noch zu erkennen. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA-Direktion-Bestandsfassade-Vierung51
Die eingesetzte Vierung, mit angeglichener Oberfläche, hebt sich farblich von der etwas dunkleren Bestandsfassade ab. (Foto: Denkmalpflege Schorn)
EASA_Direktion-Saeulenstücke-Vierungen57
Teilstücke der Säulen wurden schon herausgearbeitet, um sie anschließend mit den entsprechenden Vierungen zu ergänzen. (Foto: Denkmalpflege Schorn)

Wie war der Zustand des historischen Treppenhauses und welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Die denkmalwerte Substanz des historischen Treppenhauses zeigte vielfache Veränderungen und Zutaten der Nachkriegssanierungen. Die Planung sah einen kompletten Rückbau der inneren Raumstruktur vor. Denkmalpflegerische Vorgabe war es, die denkmalwerte, bauzeitliche Substanz des historischen Treppenhauses überwiegend zu erhalten und in den Teilen exakt nach historischem Vorbild zu rekonstruieren, wo ein schadensfreier Rück- und Wiedereinbau nicht möglich war. Dazu war es erforderlich, alle baulichen Details sehr genau zu dokumentieren und aufzumessen. Die Teile wurden in speziellen Verfahren vorgesichert, demontiert und eingelagert. Der Wiederaufbau und die Rekonstruktion fehlender oder schadhafter Teile erfolgte sukzessiv mit dem Entstehen der neuen Raumstrukturen.

Gab es unvorhergesehene Probleme oder besondere Herausforderungen bei diesem Projekt?

Aufgrund der intensiven Voruntersuchungen und Grundlagenermittlungen traten im gesamten Bauablauf keine Probleme bei den restauratorisch geprägten Sanierungsmaßnahmen auf. Die besonderen Herausforderungen bestanden primär in logistischen und terminlichen Zwängen, bedingt durch die enge Terminplanung und die zwingend erforderliche Koordination mit den anderen Gewerken. Dadurch bedingt konnten die einzelnen Fassadenabschnitte nicht systematisch und nicht konsequent in allen Bearbeitungsschritten sanierungstechnisch bis zur letzten Einzelmaßnahme bearbeitet werden. Die ausführende Firma musste deshalb häufig die Einsatzorte wechseln, da anderen Gewerken zu bestimmten Zeitpunkten Vorrang eingeräumt wurde. Erst nach der Montage der neuen Fenster war eine kontinuierliche Bearbeitung größerer Fassadenabschnitte möglich.

Könnte dich auch interessieren

Die zündende Idee

Stein Magazin

Wenn ein Handwerker zu neuen Horizonten aufbrechen will, muss er bereit sein, ausgetretene Pfade zu verlassen. Denn Innovationen entspringen oft einer neugierigen Skepsis gegenüber dem vermeintlich Planmäßigen und Regelhaften. Oder sie sind schlicht die Lösung für ein Problem.

Gute Ideen tarnen sich gern als spontane Geistesblitze aus heiterem Himmel. Tatsächlich sind sie aber das Ergebnis harter Arbeit und des oft unerwarteten Zusammentreffens günstiger Umstände. Sie entspringen einem Denken, das seiner Zeit voraus und auf Märkte und Bedürfnisse zugeschnitten ist, die nur bedingt vorhersehbar sind.

bayerischer-innovationspreis-seeberger
Das Ehepaar Seeberger freut sich über den Bayerischen Innovationspreis für seine Natursteinheizung mit Nanotechnologie. (Foto: iStock, Seeberger GmbH)
ladestation-aus-naturstein
Die Ladestation aus Naturstein ist eine Idee von Steinmetz Stefan Seeberger. Inspiriert haben ihn seine Kinder, die ständig ihre Ladekabel suchten. (Foto: Seeberger GmbH)
beleuchtete-wand-aus-onyx
Stefan Seeberger hat auch eine Wand aus Onyx kreiert, die von beiden Seiten beleuchtet ist. (Foto: Seeberger GmbH)
gebogener-stein-seeberger
Auf die Idee, Stein zu biegen, kam Stefan Seeberger, als eine Moschee aus Algerien eine Anfrage für die Gestaltung der Kuppel stellte. (Foto: Seeberger GmbH)
kuechenblock-st-one-strasser-steine
„Mit der Zeit gehen heißt, ihr voraus zu sein“, sagt Johannes Artmayr, Geschäftsführer Strasser Steine über den innovativen Küchenblock ST-ONE. (Foto: Strasser Steine GmbH)

So begann die Geschichte des Nano-Stone-Furniers schlicht mit einem Zufall. Auf der internationalen Fachmesse und Konferenz Material Vision liefen sich im Jahr 2005 Eberhard Richter, Geschäftsführer von Richter Akustik & Design aus dem niedersächsischen Melle, und ein Schieferexperte zufällig über den Weg. Nach einem ausführlichen Gespräch beschlossen die beiden, künftig zusammenzuarbeiten. So entstand das Produkt Stone-Veneer – ein Furnier aus echtem Schiefergestein. Doch wie werden Unternehmen innovativ, wenn Genosse Zufall nicht im Spiel ist? Nur mit „Versuch und Irrtum“? Nicolai Andersen, Leiter des Bereichs Innovation bei Deloitte Analytics, verstehe Innovation „nicht notwendigerweise als die Erfindung eines neuen Produkts oder einer Dienstleistung. Sie ist vielmehr das Erstellen eines lohnenswerten, neuen Angebots, das vom Kunden auch als lohnenswert und neu empfunden werden muss.“

So hat es Eberhard Richter mit den Steinfurnieren gemacht. Er hat das Thema Furnier von Kunststoff auf Naturstein übertragen. „Es genügt nicht allein, Neuerungen zu kreieren, man muss sie auch verkaufen. Dazu sollte man in andere Branchen schauen und sich mit vielen Menschen unterhalten“, so sein Credo. Eine Möglichkeit, um an Fördertöpfe zu kommen, ist für ihn die Zusammenarbeit mit Hochschulen. Das hat inzwischen auch die Bundesregierung erkannt. Im Rahmen ihrer Innovationspolitik hat sie unlängst die Förderverfahren für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) vereinfacht. „Wir wollen, dass kleine und mittlere Unternehmen mehr Forschung und Innovation wagen“, sagte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka.

In Zeiten des wirtschaftlichen Wandels kann sich kein Handwerksbetrieb Stillstand leisten. Aber bei aller Lust am Vordenken und Herumprobieren werden – wie überall in Wirtschaft und Gesellschaft – Innovatoren am Ende immer auch am Erfolg gemessen. Und damit stecken sie bereits in einem Dilemma. Schon Johann Wolfgang von Goethe hatte angemerkt: „Jede Lösung eines Problems ist ein neues Problem.“ Für Innovatoren ist dies eine schlechte und eine gute Nachricht: Das Denken und der Zweifel haben immer einen Anfang, aber kein Ende. Es gibt dafür aber immer neue Horizonte zu entdecken.

Erfahren Sie mehr über Innovationen in Handwerksbetrieben in STEIN im November 2016.

Fit für die Digitalisierung

Stein Magazin

Die Corona-Krise ist in vielerlei Hinsicht ein Trendbeschleuniger – auch für die Digitalisierung. Ziel ist es, die betrieblichen Abläufe optimal in Richtung Kunde auszurichten.

Wie das Krisen so mit sich bringen, hat auch Corona das Zeug zum Trendbeschleuniger. Sowohl für die Digitalisierung, als auch für eine Unternehmensführung, die zwischen online und offline nicht mehr differenziert und alle Kanäle gleichermaßen nutzt, um mit Mitarbeitern, Kunden und Partnern zu kommunizieren. Wer diesen Ansatz schon vor der Krise verfolgt hat, hatte selbst im Lockdown Spielräume, neue Aufträge – online wie offline, regional wie überregional – zu generieren. Anfang 2020 wollten der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Digitalverband Bitkom genauer wissen, wie es um die Digitalisierung im Handwerk steht. Die Umfrage unter 502 Unternehmen im Januar und Februar 2020 zeichnet ein sehr gutes, repräsentatives Bild zur digitalen Situation des Handwerks kurz vor dem Lockdown.

„Damals“ begriffen zwei Drittel (66 Prozent) der Betriebe die Digitalisierung bereits als Chance, 19 Prozent sahen durch die Digitalisierung keinen Einfluss auf ihren Geschäftserfolg, 13 Prozent empfanden den Wandel zu Jahresbeginn als Risiko. Dabei sagten 56 Prozent der Inhaber: „Die Digitalisierung ist für uns eine Herausforderung“, und mehr als ein Drittel (36 Prozent) gibt Anfang 2020 zu, Probleme zu haben, die Digitalisierung zu bewältigen: So empfinden die allermeisten (79 Prozent) viele Anwendungen als völlig überdimensioniert. Auch von Kammern und Verbänden erwartet die Mehrzahl (67 Prozent) mehr Unterstützung. 58 Prozent fehlt der Überblick, was es alles gibt und was überhaupt möglich ist. 47 Prozent geben an, sich viele digitalen Anwendungen gar nicht leisten zu können.

Dabei sind die getätigten Investitionssummen überschaubar: Im Mittel 2.130 Euro haben Handwerksbetriebe 2019 in die Anschaffung von Computern, Smartphones, Software sowie weitere digitale Güter und Leistungen investiert. Für 2020 planen die Befragten eine durchschnittliche Investitionssumme von 2.110 Euro. Am weitesten verbreitet sind mit 52 Prozent Kundendatenbanken (CRM-Anwendungen), gefolgt von Lösungen zum Dokumentenmanagement (32 Prozent) sowie zum Personalmanagement. Mit 18 Prozent an letzter Stelle stehen moderne, integrierte ERP-Systeme für Einkauf, Fertigung, Lagerhaltung, Buchführung, Rechnungslauf und Personal. 27 Prozent der Betriebe sind bereits in der Cloud.

Lesen Sie mehr in der STEIN 10/20.