Revitalisierung eines Barockgartens

Kirchheimbolanden in der Pfalz, eingebettet in eine liebliche Landschaft mit beeindruckender Kulturgeschichte. Insbesondere aus der Barockzeit stammen diverse „Hinterlassenschaften” der Nassauer Grafen. Carl August von Nassau-Weilburg hatte in 18. Jahrhundert hier seine Sommerresidenz. Sein Sohn, Fürst Carl Christian, errichtete 1770 in Kirchheimbolanden seinen Hauptsitz und entfaltete zusammen mit seiner Ehefrau Caroline von Oranien ein reges kulturelles Leben. Wolfgang Amadeus Mozart beispielsweise folgte 1778 der Einladung von Fürstin Caroline und spielte auf der Orgel der protestantischen Paulskirche, die Stadt- und Schlosskirche war.

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Die Kaskade im Barockgarten wurde unter Verwendung diverser Fundstücke mehrfach überformt. Ihr Wiederaufbau ist Teil der Zielformulierung der Kirchheimbolandner. Foto: Achim Wendt

Die Stadt begann vor längerer Zeit, sich auf dieses Erbe rückzubesinnen und es wieder sicht- und nutzbar zu machen. So haben Schloss, Ballhaus und Orangerie nach der Instandsetzung und Nachnutzung zu einer neuen Bestimmung gefunden: Das Schloss wurde zum Altenheim – im Ballhaus wird heute gewohnt. Dazwischen liegt ein Weinberg, der eigentlich ein barocker Terrassengarten ist. Anfang des 21. Jahrhunderts befanden sich auf dem Gelände des ehemaligen Terrassengartens Weinberge, unterteilt von wild zusammengesetzten Stützmauern. Professor Thomas Oyen vom Fach Agrarwirtschaft und Landschaftsarchitektur der Fachhochschule Neubrandenburg führte eine Untersuchung des Gartens durch. Die Ergebnisse der Untersuchung ließen erahnen, welche Qualität die barocke Anlage einst hatte und entzündete den Willen zur Revitalisierung. Doch was sich so leicht anhörte, gestaltete sich in der Umsetzung anspruchsvoll.

Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller formulierte als Ziel der Maßnahme, den Garten zumindest in vereinfachter Form, auf jeden Fall jedoch wieder mit Wasserkaskaden, der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Schnell war klar, dass es sich um eine Mammutaufgabe handelte, zu deren Finanzierung die Mittel der Stadt nicht ausreichen würden. Allein das Budget für die Bestandsaufnahme, die Vermessungsarbeiten und weitere Untersuchungen betrug rund 50.000 bis 60.000 Euro jährlich, die der Stadtrat bewilligte. Für die geschätzten Kosten von rund 2,4 Millionen Euro für die Reaktivierung des Gartens musste man sich allerdings nach Projektpartnern und Sponsoren umschauen. Die Agentur thornkonzept von Dr. Lydia Thorn Wickert wurde eingeschaltet zur Vermittlung zwischen kulturellem Erbe und dessen vitaler Nutzung wie auch zwischen Menschen, die etwas bewegen wollen, und jenen, die das fördern können.

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Ukrainische Steinmetzschüler und Steinbildhauer lernen im Lauf ihres Aufenthalts nicht nur die Pfalz kennen, sondern auch den Pfälzer Sandstein aus dem Schweinstal. Foto: Meisterschule für Handwerker, Kaiserslautern

Den Verantwortlichen geht es bei der Revitalisierung des Barockgartens auch um Auseinandersetzung mit Kultur, Umgang mit kulturellem Erbe und kulturellen Austausch. Dr. Lydia Thorn Wickert sah von Anfang an das interkulturelle Potenzial dieses Projekts. Dazu band sie neben weiteren Sponsoren wie der Sparkasse Donnersberg, der Louis Seitz Secura GmbH oder dem Weingut Boudier Koeller bereits im dritten Jahr die Eberhard-Schöck-Stiftung in das Projekt ein. Im Rahmen ihres Engagements ermöglichte die Stiftung ukrainischen Steinmetzlehrlingen und Bildhauern mehrwöchige Aufenthalte in der Pfalz, um Land und Leute kennenzulernen und dabei auch das ein oder andere Werkstück zu hauen. Als weiterer Partner stand die Meisterschule für Handwerker Kaiserslautern zur Verfügung, deren Leiter Eckhard Mielke selbst aus Kirchheimbolanden stammt. Die Schule stellt zum einen Werkstatt und Werkzeug zur Verfügung, zum anderen stehen selbstverständlich auch deutsche Steinmetzlehrlinge mit ihren ukrainischen Kollegen am Bock und hauen gemeinsam Werkstücke. Sämtliche Steinmetzarbeiten werden in pfälzischem Sandstein aus dem Schweinstal gefertigt.

Erfahren Sie mehr zur Revitalisierung des Barockgartens in Kirchheimbolanden in STEIN im März 2016.