Blick zurück: Granitabbau in der Oberlausitz



Stein Magazin

Der Firstenstein-Bruch

Um 1920 ist in den Königshainer Bergen die Blütezeit des Granitabbaus – ein Einblick in das Leben der Steinarbeiter und die Geschichte der Brüche.

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Der Firstenstein-Bruch, 15 Meter tief und der letzte, in dem noch Granit abgebaut wurde. Foto: Anne Fischer
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Bläulicher Königshainer Granit – die gefragte der beiden Varietäten. Foto: Anne Fischer
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Eine Steinsäge aus der DDR-Zeit: Die untypische Horizontal-Bauweise ist auf patentrechtliche Gründe zurückzuführen. Foto: Anne Fischer
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Der Olympiapark München, 1972 Veranstaltungsort der Olympischen Sommerspiele, entworfen von Landschaftsarchitekt Günther Grzimek, gepflastert mit Granit aus der Oberlausitz. Foto: Arad Mojtahedi/Wikipedia (gemeinfrei)
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Der Görlitzer Neißeviadukt zählt zu den größten und ältesten Eisenbahnbrücken Deutschlands und hat den Köngishainer Granit berühmt gemacht. Foto: Albrecht Conz/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Königshainer Granit – berühmt durch den Neißeviadukt

Fachkräftemangel. Er ist in der Oberlausitz kein Phänomen der Moderne, sondern stellt zwei Bruchbesitzer schon vor rund 100 Jahren vor Herausforderungen. Granit hat in dieser Region eine lange Tradition, viele Bauersfamilien besitzen seit jeher kleine Brüche, in denen sie das Material für Scheunen und Ställe gewinnen. 

Mitte des 19. Jahrhunderts wandelt sich das Abbau-Geschehen: Granit wird zunehmend industriell gefördert. Die Eisenbahn dringt in alle Teile des Landes vor, Städte bauen ihre Straßennetze aus. Der Königshainer Granit, extrem hart, eignet sich dafür hervorragend. Rund 1.000 Jahre hält eine Straße aus Granitpflaster, schätzen Wissenschaftler.

Ab 1844 verhilft der Neißeviadukt, damals ein Mammutprojekt, dem Königshainer Granit zu überregionaler Berühmtheit. Die Eisenbahnbrücke nahe Görlitz ist 475 Meter lang, 32 Meter hoch und mit diesen Ausmaßen dafür verantwortlich, dass die Steinarbeiter ab der Jahrhundertwende in die Tiefe gehen. Denn von den Granitfelsen ist zu diesem Zeitpunkt nahezu nichts mehr übrig.

Die Steingewinnung erfolgt etagenweise. Die Brüche werden mit schrägen Ebenen angelegt, Leitern führen nach oben, das Material wird per Hand herausgezogen, jedenfalls bis 1900.

 Königshainer Granit kommt in zwei Varietäten vor: Eine ist gleichkörnig, gelblich-grau – und unbeliebt. Die andere, bläulich mit größeren Feldspäten in feiner Grundmasse, wird zum Verkaufsschlager. Hauptsächlich als Pflaster im Straßenbau, aber zum Beispiel auch als Sichtfassade der Görlitzer Stadtsparkasse, als Sockel des Leuchtturms am Kap Arkona und, viel später, als Pflaster im Olympiapark München.

Ab 1912 beginnen die Betreiber, ihre Brüche zu elektrifizieren und ermöglichen so eine Abbautiefe von mehr als zehn Metern. Die Pumpen, Presslufterzeuger und Kräne betreiben sie ab dieser Zeit mit Strom. Etwa 600 Arbeiter bauen damals ab. Sie kommen aus den umliegenden Dörfern und aus Polen, wo noch heute Europas größtes Granitabbaugebiet liegt. Dort waren sie kleine Steinbrecher. Nach Königshain locken sie die Aussicht auf Tariflöhne, Werkswohnungen und das Versprechen, sofort als Bruchmeister einzusteigen.

Abgeworben von der anderen Straßenseite

Sie arbeiten in den Berufsgruppen Spalter und Bohrer, Pflastersteinschläger, Bremsbahnführer und Kranfahrer. Auch Hilfsarbeiter gibt es viele – unter ihnen auch Frauen, die zum Beispiel als “Winkerinnen” für die Kranführer tätig sind oder Steinabfälle zu Schotter zerkleinern.

 Der Wettbewerb um die Arbeiter treibt teilweise skurrile Blüten – was vor allem daran liegt, dass die beiden Unternehmen nur eine Straße trennt und sie sich so gegenseitig immer wieder die besten Arbeiter abwerben.

Ein Steinbrecher verdient 1909 in Königshain geschätzt 700 Mark jährlich. 1928 bekommt ein Pflastersteinschläger für 100 Stück zwischen 0,36 und 1,76 Reichsmark. Er arbeitet täglich acht Stunden, ab drei Jahren Betriebszugehörigkeit winken drei Tage Urlaub im Jahr.

Die zahlreichen Brüche – mindestens zwölf allein in Königshain, um die 25 in der gesamten Umgebung – wechseln im Laufe der Zeit mehrmals die Besitzer: Berthold Königsberger aus Breslau etwa baut das Geschäft kräftig aus, wird 1936 aber enteignet. Er ist Jude und soll sich umgebracht haben, der Rest der Familie verschwindet in dieser dunklen Zeit von einem auf den anderen Tag.

Früher “kriegswichtige Wirtschaft”, heute Biotop

Die Steinbrüche selbst zählen zur kriegswichtigen Wirtschaft, sie liefern Material für Autobahnen. Nach dem Krieg fliehen die Geschäftsführer beider Werke. Mitte der 50er Jahre gründet sich der VEB Granitwerke Königshain. Rund 25 Jahre später ist der Granit quasi alle – das Material wird härter, je tiefer die Schichten liegen. Für den VEB lohnt sich der Abbau immer weniger, teilweise funktioniert er mit der veralteten Technik gar nicht mehr. Der Betrieb wird liquidiert.

Heute ist die gesamte Umgebung Landschaftsschutzgebiet, die Brüche sind komplett mit Wasser gefüllt und zu Biotopen geworden, in denen es verschiedenen Schlangenarten gut geht und an deren Steilkanten Uhus brüten. Auf den ersten Blick erinnert nicht mehr viel an den ohrenbetäubenden Lärm und den Staub in den Königshainer Brüchen. Aber ein Team des Schlesisch-Oberlausitzer Museumsbverbundes bewahrt die Geschichte: Es gibt einen Natur- und Steinbruchlehrpfad, das Granitabbaumuseum und regelmäßig öffentliche Führungen durch das einstige Abbaugebiet.

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Gestaltungswettbewerb Grabzeichen

Stein Magazin

Der Landesinnungsverband Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk Baden-Württemberg führt seit 1965 jährlich den Gestaltungswettbewerb „Grabzeichen“ durch. Seit knapp 20 Jahren wird der Wettbewerb auch bundesweit ausgeschrieben. Die nächste Einreichungsrunde endet im Februar 2017.

Steinmetze aus ganz Deutschland können sich mit ihren Arbeiten bewerben. Die Jury legt dabei besonderen Wert auf die gestalterische Qualität der Grabzeichen. Darüber hinaus ist zu beachten, dass die eingereichten Arbeiten bereits auf einem Friedhof stehen müssen. Am Ende des Wettbewerbs darf sich der Gewinner über ein Preisgeld bis in Höhe von 1.000 Euro freuen. Ziel des Wettbewerbs ist es, innovative Arbeiten zu fördern und die zeitgenössische Bestattungskultur zu stärken.

Erfahren Sie mehr über den Gestaltungswettbewerb und reichen Sie Ihre Arbeiten noch bis zum 28. Februar 2017 ein.

Grabpflege muss man sich leisten können. Das Problem betrifft nicht nur viele zeitgenössische Normalsterbliche, auch für die anstehende Ertüchtigung des Florentiner Grabmals von Michelangelo fehlen derzeit die Mittel. Daher lief ursprünglich bis zum 30. Oktober 2017 eine Spendenaktion der zuständigen gemeinnützigen Organisation Opera di Santa Croce. Weil der notwendige Betrag leider noch nicht zusammengekommen ist, wurde die Kampagne aktuell verlängert, die Arbeiten am Grabmonument und dem dazugehörigen Altar sollen baldmöglichst beginnen.

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Er hat schon bessere Zeiten gesehen: Die Grablege Michelangelos und seiner Familie muss dringend gesäubert und restauriert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Doppelter Andachtsort: Links der Familienaltar der Buonarroti, rechts das Grabmal. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vor dem Sarkophag aus Breccia di Seravezza (auch Breccia Medicea genannt) trauern die personifizierten Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei um Michelangelo. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Die Nahaufnahme zeigt: Die Skulpturen aus Bianco di Carrara müssen dringend gesäubert werden. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Erst 2016 entdeckt: Am linken Bildrand etwa auf halber Höhe hat Vasari den verstorbenen Michelangelo als Pharisäer Nikodemus im Altargemälde versteckt. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Seit der Überschwemmung von Florenz 1966 weist das Gemälde des Familienaltars der Buonarroti gravierende Schäden auf, dazu kommen die Ablagerungen der Jahrhunderte. (Foto: Opera di Santa Croce)
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Vormals Weiß trifft Purpur – Carrara-Marmor und Breccia di Seravezza am Grab Michelangelos und der Seinen. Noch bis 30. Oktober kann für die Restaurierung gespendet werden. (Foto: Opera di Santa Croce)

Es steht nicht gut um das Familiengrab der Buonarroti. Zusammen mit 66 Verwandten ruht Michelangelo in der Basilika Santa Croce zu Florenz, das Andenken an den berühmtesten Sohn des Geschlechts steht im Fokus des Grablege-Ensembles bestehend aus steinernem Monument und angrenzendem Altar. Für die dringenden erhaltenden Maßnahmen werden insgesamt 100.000 Euro benötigt, 15.000 stehen bis dato noch aus.

„Die Skulpturen aus Carrara-Marmor wurden zum letzten Mal vor 22 Jahren gesäubert und haben seither wieder viele Ablagerungen angesetzt“, erklärt Paola Vojnovic, zuständig für die Spendenaktion #InTheNameOfMichelangelo bei Opera di Santa Croce. „Aufgrund der porösen Struktur des Steins können diese eindringen und ihn zerbröseln lassen.“ Eine Säuberung des Ensembles, das im Zentrum eine Büste des Meisters aus Bianco di Carrara auf einem Sarkophag aus purpurner Breccia di Seravezza zeigt, vor dem weiße Carrara-Marmor-Allegorien seiner drei Künste Bildhauerei, Architektur und Malerei trauern, ist unbedingt sinnvoll.

Direkt links neben dem Grabmal, 1570 von Michelangelos Freund Giorgio Vasari entworfen, findet sich der Familienaltar der Buonarroti mit einem Altargemälde, geschaffen vom selben Künstler. Hier reichen die Schäden weiter – und das seit vielen Jahren. Das Bild (Öl auf Pappelholz, 1572) wurde durch die große Überschwemmung in Florenz 1966 stark beschädigt. Weil der gesamte Reparaturbedarf in der Stadt immens war, wurde das Gemälde damals nur notdürftig gesichert. Zudem ist es durch Staub und Schmutzablagerungen der Jahrhunderte stark eingedunkelt. So entdeckte man erst kürzlich eine Darstellung Michelangelos in der Figurenkomposition, der zu seiner eigenen letzten Ruhestätte hinüberblickt. Säuberungs- und Sicherungsarbeiten sind dringend durchzuführen.

Für das Projekt werden noch 15.000 Euro benötigt, spenden kann man online über den Donate-Button auf http://santacroceopera.it/michelangelo/. Auch Kleinbeträge helfen, wie Paola Vojnovic unterstreicht: „Wir freuen uns über jeden, der vielleicht auch nur 25 oder 50 Euro beisteuert.“ Alle Spender werden übrigens ebenfalls in Santa Croce verewigt: In einem Buch der Spender im Archiv dieser Basilica minor. Für größere Zuwendungen von Privatpersonen oder Firmen (5.000, 10.000 oder gar 15.000 Euro) sind noch speziellere Ehrungen vorgesehen, wie z. B. eine Plakette am Eingang des Gotteshauses.

 

Zu Carrara-Marmor, aus dem Michelangelo zu Lebzeiten herausragende Kunstwerke schuf und welchen auch Vasari für das Grabmal des Meisters heranzog, lesen Sie übrigens mehr in STEIN 11/17 in Teil 3 unserer Serie „Italiens Klassiker“.