Steinmetze in Verantwortung

Stein Magazin

Wofür steht CSR?

CSR – ein Begriff, der in der heutigen Unternehmenswelt kaum noch wegzudenken ist. Er steht für Unternehmensaktivitäten, die über das Tagesgeschäft hinausgedacht werden.  STEIN zeigt, wie Steinmetzbetriebe das in ihre Unternehmenskultur implementieren können. 

CSR steht für Corporate Social Responsibility und bezeichnet eine verantwortungsvolle Unternehmensführung mit

– fairen Geschäftspraktiken,

– mitarbeiterorientierter Personalpolitik,

– sparsamem Einsatz von natürlichen Ressourcen,

– Schutz von Klima und Umwelt,

– gesellschaftlichem Engagement und

– Übernahme von Verantwortung über die ganze Lieferkette hinweg

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

CSR in kleinen Unternehmen

Eine einfache Anleitung zur Implementierung von CSR anhand von fünf Schritten bietet der Leitfaden »CSR in Ein-Personen-Unternehmen« des »InnoTrain CSR«-Kompendiums auf www.csr-training.eu:

Schritt 1: Entscheiden, wofür das Unternehmen stehen soll.
Welche persönlichen, gesellschaftlichen, ökologischen und sozialen Werte im Unternehmen strategisch genutzt werden sollen und operativ umgesetzt werden können.

Schritt 2: Relevante Informationen sammeln.
Die Einführung von CSR basiert auf einer umfassenden Analyse der internen und externen Handlungsfelder in den Bereichen Unternehmen/Mitarbeiter, Markt, Umwelt und Gesellschaft

Schritt 3: Ziele setzen.
Auch die Ziele für einen Richtungswechsel zu CSR sollten auf Stärken im Unternehmen setzen, ohne dabei die Minimierung von Schwächen aus dem Blickfeld zu verlieren.

Schritt 4: Maßnahmen umsetzen.
Beständigkeit und Kommunikation sowie ein gewisses Durchhaltevermögen sichern Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit von CSR-Maßnahmen und verhindern wohlgemeinten Aktionismus.

Schritt 5: Ergebnisse überprüfen und das Engagement kommunizieren.
Die Erfolge am Ende eines CSR-Prozesses zu kommunizieren bedeutet, dass CSR ihre Wirkung entfalten kann. Strategische Kommunikation ist allerdings auch während der Umsetzung einer »CSR-Politik der kleinen Schritte« von Nutzen.

CSR-Leitlinien: Daran können Sie sich halten
Die Europäische Kommission nennt fünf Grundsätze und Leitlinien, an die Unternehmen sich halten sollen:

1) Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen verstehen sich als Katalog von freiwilligen Empfehlungen für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln und umfassen u. a. Arbeitsbeziehungen, Menschenrechte, Umweltschutz, Offenlegung von Informationen, Korruptionsbekämpfung und Verbraucherschutz.

2) Die zehn Grundsätze des »Global Compact« plädieren u. a. für die Einhaltung der Menschenrechte und bestimmter Arbeitsnormen, wie dem Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit, die Berücksichtigung des Umweltschutzes und die Bekämpfung von Korruption.

3) Die ISO-Norm 26000 erklärt CSR-Prinzipien, wie Verantwortlichkeit, Transparenz und Netzwerkbildung und gibt Empfehlungen, wie Unternehmen sich verhalten sollen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden

4) Die dreigliedrige Grundsatzerklärung des Internationalen Arbeitsamtes (IAA) über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik bezieht sich auf die Beschäftigung von Mitarbeitern, auf ihre Ausbildung, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen sowie die Arbeitsbeziehungen. Sie beinhaltet u. a. die Aspekte Chancengleichheit, Arbeitsschutz und Vereinigungsfreiheit.

5) Die Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Unternehmen und Menschenrechte wollen die Einhaltung der Menschenrechte weltweit gewährleisten (auf Englisch).

 

Beispiele aus der Praxis

Auf den Homepages finden sich bei der Stichwortsuche in Suchmaschinen Statements von Steinmetzbetrieben zu sozialer Verantwortung oder Umweltengagement. Hier eine Auswahl:

– Der 30-jährige Steinmetz- und Bildhauermeister Sebastian Harich aus Neunkirchen ist Jahresbestmeister Steinmetz und Steinbildhauer 2012. Er hat sich 2013 selbstständig gemacht. Auf seiner Homepage www.steinmetz.nrw wird er im Menü „Bestmeisterporträt“ im Hinblick auf seine Verantwortung für Mensch und Natur so zitiert:
„Ich verwende in der Regel heimische Materialien. Auf diese Weise können Transportwege minimiert, unsere Umwelt geschont und zudem hiesige Arbeitsplätze erhalten bleiben. Außerdem achte ich sehr genau darauf, dass mein bezogener Stein Gütesiegel trägt, die anerkannten sozialen und ökologischen Standards entsprechen. Steine, die aus Indien oder China bezogen werden bergen stets das Risiko in sich, dass sie durch Kinderarbeit oder Lohnsklaverei abgebaut und bearbeitet wurden. Das toleriere ich nicht.“ Das betont er auch auf seiner Startseite, wo der Punkt „Sozial- und Umweltverträglichkeit“ neben „Einzigartigkeit“ und „beste Handwerksqualität vom Meister“ steht.

– Steinmetz- und Steinbildhauermeister und staatl. geprüfter Gestalter im Handwerk Gregor Schulte und Bildhauerin Kerstin Schulte aus Möhnesee-Büecke schreiben auf ihrer Homepage www.gregor-schulte.com im Menüpunkt „Über uns“ unter der Überschrift „Ökologische & soziale Verantwortung“:
„In unserem Umgang mit Holz und Naturstein greifen wir nach Möglichkeit auf heimische Materialien zurück. Dies schont unsere Umwelt aufgrund kurzer Transportwege und umweltverträglicher Abbau- und Produktionsmethoden. Zudem können wir auf diese Weise gerechte Arbeitsbedingungen garantieren. Sollten Sie ein Material wünschen, welches nicht aus unserer Region stammt, so kümmern wir uns gerne um zertifizierte Produkte.“

– Steinmetz- und – Steinbildhauermeister Jochen Herzog aus Kirchheim unter Teck ist seit über 20 Jahren selbstständig, seit 2001 in eigener Werkstatt. Nachhaltigkeit ist ihm wichtig, wie ein Reiter in der Menüleiste auf seiner Homepage www.stein-gestalten.de zeigt.
Zum Punkt „Material“ steht dort: „Die Arbeiten aus unserer Werkstatt werden aus heimischen bzw. europäischen Materialien hergestellt. So halten wir die Transportwege so klein wie möglich und haben weitgehend persönliche Einblicke in die Steinbrüche und Arbeits- und Produktionsweisen (u.a. gerechte Löhne, keine Kinderarbeit, Einhaltung von Umweltvorschriften) unserer Lieferanten. Auf Wunsch arbeiten wir alte Grabsteine um. Damit wird ein Stück Familiengeschichte gewürdigt und wertvolle Rohstoffe werden erhalten und neu genutzt.“

Beim Thema „Energie“ ist zu lesen:Den nachhaltig erzeugten Strom für unsere Produktion und unsere Geschäftsräume beziehen wir aus Überzeugung von den Elektrizitätswerken Schönau.“

– Steinmetz- und Steinbildhauermeister Georg Staubes aus Solingen ist Mitglied im Verband „Handwerk mit Verantwortung“. Er schreibt auf seiner Homepage www.georg-staubes.de auf der Startseite:

„Natursteingestaltung mit heimischen und regionalen Materialien: Bei der individuellen Gestaltung von Grabmälern stehen handwerkliche Steinbearbeitung, Schriftgestaltung, Ornamentik, Bildhauerische Arbeiten und die Verwendung von heimischen und regionalen Natursteinen im Vordergrund.“

Erfahren Sie mehr zu CSR-Aktivitäten:

www.csrforum.eu
www.csrgermany.de
www.csr-in-deutschland.de
www.csr-preis-bund.de
www.csr-mittelstand.de
www.csr-unternehmen.de
www.csr-wissen-mittelstand.net

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Ein Pegasus für Miami

Stein Magazin

Die Kunstgießerei Strassacker hat die Visionen zahlreicher Architekten, Städteplaner und Künstler realisiert.  „Als vor rund drei Jahren die ersten Skizzen von Pegasus & Dragon zur Prüfung in Süßen eintrafen, haben selbst die erfahrensten Mitarbeiter erst einmal ungläubig geschaut“, erinnern sich Edith Strassacker und Günter Czasny. „Die Bronzeplastik Pegasus & Dragon war schon wegen seiner einzigartigen Ausmaße eine der größten Herausforderungen unserer fast 100jährigen Firmengeschichte“, berichten die verantwortliche Geschäftsführerin und der stellvertretende Geschäftsführer des Familienunternehmens mit 500 Mitarbeitern.

Staunend haben sich auch die Autofahrer auf dem viel befahrenen U.S. Highway 1 in Miami, Florida, in den vergangenen Monaten gefragt, was dort in der Nähe des Hallandale Beach im Gulfstream Park gebaut wird. Die 33 Meter hohe und in der Sonne glitzernde Metallkonstruktion, an der sich bis zu 100 Arbeiter zeitgleich zu schaffen machten, war Tagesgespräch an der legendären Bundesstraße, die entlang der US-amerikanischen Ostküste verläuft.

Das nach Beendigung des Aufbaus im November 2014 sichtbare Ergebnis ist nicht weniger spektakulär: Was hier in achtmonatiger Bauzeit entstand, ist die weltweit größte Pferdeskulptur und eine der größten Bronzestatuen, die jemals geschaffen wurden: 33 Meter hoch, 35 Meter breit und 60 Meter lang, montiert auf einem Skelett aus 400 Tonnen Stahl, zusammengefügt aus nicht weniger als 1.250 handgefertigten und von erfahrenen Kunsthandwerkern aufwendig bearbeiteten Bronzeelementen mit einem Gesamtgewicht von noch einmal 250 Tonnen. Die Skulptur Pegasus & Dragon stellt den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse dar. Pegasus, das geflügelte Pferd der griechischen Mythologie, besiegt den Drachen. Das sich aus einer Felsformation erhebende Fabelwesen hält das Ungeheuer mit seinem Vorderhuf nieder.

Als ein Bestandteil des Projekt-Gesamtbetrags zwischen 20 und 30 Millionen U.S. Dollar bildet die errichtete Bronzeskulptur das Zentrum eines Themenparks im Gulfstream Park, der in unmittelbarer Nähe zur international renommierten Pferderennbahn im Frühjahr 2015 eröffnen wird. Initiator und Auftraggeber ist der österreichisch-kanadische Unternehmer Frank Stronach. Er ist Eigentümer des Gulfstream Park, Hallandale Beach, und hatte die Idee zu dem Projekt. Die Suche nach einem Unternehmen, das in der Lage ist, eine 33 Meter hohe Bronzeskulptur zu realisieren, führte Stronach ins baden-württembergische Süßen, dem Stammsitz der Kunstgießerei Strassacker.

„Schon die Berechnung und Entwicklung der äußerst komplizierten Stahlkonstruktion, an der die 1.250 Bronzeelemente wie ein 3D-Puzzle montiert werden sollten, war eine bisher beispiellose Herausforderung. Hinzu kam der strenge Zeitplan zur Umsetzung des Projektes. Exakt drei Jahre von der ersten Machbarkeitsstudie über die statische Berechnung, Konstruktion, Modellerstellung und Produktion, das Verschiffen der Einzelteile in rund 50 Seecontainern bis zur Montage und Installation vor Ort waren vorgegeben“, erläutert Günter Czasny, der das Projekt geplant, projektiert und mit einem Team spezialisierter Fachleute und kompetenten Kooperationspartnern umgesetzt hat.

Um die Bronzeteile auf der Stahlkonstruktion sicher zu fixieren, haben die Ingenieure und Spezialisten ein völlig neuartiges, flexibles Befestigungssystem entwickelt, das den besonderen klimatischen Bedingungen unter der Sonne Floridas gerecht wird: Denn Stahl und Bronze reagieren bei Erwärmung völlig unterschiedlich. Während die Bronzehülle der Skulptur sich bei Sonneneinstrahlung ausdehnt, bleibt die darunter liegende Stahlkonstruktion unbeweglich und starr. Zudem wurde die riesige Bronzeplastik so konstruiert und gebaut, dass sie auch dem stärksten Hurrikan trotzen kann. Hierzu waren nicht nur umfangreiche Berechnungen notwendig. Pegasus & Dragon mussten ihre Standfestigkeit unter extremsten Windbelastungen auch in mehreren Windkanaltests unter Beweis stellen.

Auch beim Zusammenbau der Bronzeteile zum Gesamtkunstwerk waren höchstes kunsthandwerkliches Können und jahrzehntelange Erfahrung notwendig. Schließlich sollte das Ergebnis die im Entwurf angelegte künstlerische und anatomische Perfektion erreichen. Dafür braucht es hervorragend ausgebildete und erfahrene Spezialisten. Deshalb haben die Spezialisten von Strassacker die Mitarbeiter der chinesischen Gießerei in den Werkstätten vor Ort über eineinhalb Jahre intensiv geschult. So vorbereitet wurden von ihnen die rund sieben bis acht Millimeter starken Bronzeelemente kunsthandwerklich bearbeitet und unter der Leitung der Spezialisten von Strassacker zum Gesamtkunstwerk zusammengebaut. Diese Bronzeelemente, jedes rund 1,5 x 2,5 Meter groß, wurden miteinander verschweißt und sorgfältig ziseliert. Beim Ziselieren arbeiten Kunsthandwerker die gesamte künstlerisch gestaltete Oberfläche mit Ziseliereisen und –meißeln, Feilen, Schabern, Schleif- und Polierwerkzeugen nach. Diese aufwendige Feinarbeit ist notwendig, um jegliche Verbindungslinien und Schweißnähte unsichtbar werden zu lassen und bringt die künstlerischen Details der Skulptur zur Geltung. Schließlich wurde dem monumentalen Werk durch das Patinieren die finale künstlerische Anmutung für das Gesamtkunstwerk verliehen. Diese spezielle Technik der Metallveredelung nimmt die natürliche Oxidation der Bronze vorweg und verleiht der Skulptur eine einzigartige, charakteristische, edle Anmutung. Für Pegasus & Dragon wurde eine antike Patina mit einem bräunlichen Grundton und grünen Nuancen umgesetzt.

Ein sehr wichtiger Meilenstein beim Aufbau der Skulptur war die Montage von Kopf und Flügeln auf dem bereits errichteten Körper des Pegasus. Um die zwischen 45 und 60 Tonnen schweren Bauteile in die endgültige Höhe von rund 33 Meter anzuheben, wurde einer der größten Schwerlastkräne der Welt eingesetzt.

 

 

Modell
Frank Stronach (Mitte) mit Günter Czasny, stellvertretender Geschäftsführer der Kunstgießerei Strassacker, im Gespräch mit dem akademischen Bildhauer Waldemar Schröder (links) im Atelier der Kunstgießerei Strassacker.
ausmessen
Wegen der enormen Größe der Skulptur entschieden sich die Fachkräfte für das traditionelle Verfahren „Skalierung anhand von Gitternetzkoordinaten von Hand“.
drahtgerüst
Keine leichte Entscheidung: hier das Modell des Pegasus in Originalgröße in Gips… und wie beim Drachen ein Stahlgestell, das als Koordinatensystem funktioniert.
tonmodell
…hier wiederum das Modell des Drachens in Ton. Das Stahlgerüst funktionierte dabei als 3D-Koordinatensystem. Die Größe der Skulptur erforderte diese besonderen Maßnahmen.
holzschablonen
Anhand der Koordinaten exaktes Einsetzen dieser Holzschablonen in das Stahlgestell
holzschablone2
Aufbau des Pegasus und des Drachens durch diese Holzschablonen Schicht für Schicht zu ihrer tatsächlichen Größe.
mit gips
Die Gestaltung der endgültigen künstlerischen Form entstand durch das Auftragen und Modellieren von Gips beim Pegasus und durch Ton beim Drachen
gipsmodell drache
Nach erfolgreicher Kundenabnahme des Pegasus-Modells in Gips und des Drachens in Ton erfolgte der Gießprozess. So ermöglichte die Gipsform des Pegasus-Modells die Zerlegung in 1.250 giessfähige Formteile.
drache
Durch die Fertigung des Drachenmodells in Ton war ein Zwischenschritt erforderlich, um abformbare Teile für den Gießprozess zu erhalten.
gipsvotivformen
Aus den Gipsnegativabformungen ließen sich dann die Gipspositivabformungen erstellen zur Verwendung als Modelle zur Abformung für den Gießprozess.
probebau
Temporärer Zusammenbau aller Gussstücke auf provisorischer Stahlkonstruktion zur Überprüfung der Passgenauigkeit ohne Verschweißung jedoch stabil durch Heftung
probebau drachen
Provisorische Zusammensetzung der einzelnen Teile des Drachens wie in einem 3D-Puzzle. Arbeitsintensiver Überprüfungsprozess aller Teile im Verbund: Notwendiger Aufwand zur Überprüfung der exakten Form und Passgenauigkeit.
handarbeit
Gestaltung der künstlerischen Originaloberfläche entsprechend des Originalmodells mit unterschiedlichen kunsthandwerklichen Techniken der Metallbearbeitung.
überprüfung
Die Spezialisten und Fachkräfte überprüfen jedes einzelne Bronzeteil bis ins Detail und können nur so die erforderliche Passgenauigkeit der Skulpturen gewährleisten.
trojaner
Temporäre Fundamente waren für die Montage von Pegasuskopf und –flügeln unabdingbar; zudem teilweise Vormontage der Stahlkonstruktion des Pegasustorsos und der –beine.
aufbau drache
Zeitversetzt begann auch der Aufbau der Stahlkonstruktion des Drachens: Stück für Stück in die endgültige Position.
aufbau gebäude
Statik und Gerüstbau waren besonders gefordert bei der Aufstellung des Pegasus auf dem Dome-Gebäude: somit aufwändige Überbauung, um Belastungen von vorneherein zu vermeiden.
hebung
Der Pegasus-Körper mit Kopf und rechtem Flügel
letzter schliff
Endgültige und finale Formgebung am Pegasus-Körper. Anwendung traditioneller Treib- und Metallformgebungstechniken
N_Strassacker Pegasus 6x5
Fertiggestellte Skulptur Pegasus und Drache
Druck
Der Pegasus im Vergleich mit deutschen Bauwerken.
Druck
…und im Vergleich mit internationalen Bauwerken.

 

 

Gartenschauen als Chance

Stein Magazin
VIC Brücken und Ingenieurbau

Der Garten gilt als Wellnessoase, Ruhepol, zweites Wohnzimmer, aber auch als Ort des ökologischen Eigenanbaus, als Kinderspielplatz, als Statussymbol – als Ausdruck von Kreativität sowie Selbstverwirklichung. Egal wie die Menschen ihre private Grünfläche nutzen und welche individuelle Bedeutung sie ihr zumessen, der Garten hat einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. So hat laut ARD jeder zweite Privathaushalt einen eigenen Garten und zwei Drittel aller Deutschen ab 14 Jahren arbeiten (zumindest hin und wieder) im Garten. In der Shell Jugendstudie 2015 halten immerhin 63 Prozent der Jugendlichen eine Familie für ihr Lebensglück erforderlich – und speziell Familien ist der Erholungswert von Gärten besonders wichtig. So unterschrieben beispielsweise in den letzten fünf Jahren ganze 45 Prozent der neuen Pachtverträge für Schrebergärten junge Familien mit Kindern (Quelle: ARD).

Der Gartentrend ist auch fruchtbar für die Wirtschaft. Im Garten- und Landschaftsbau verzeichnen Betriebe einen fast kontinuierlich steigenden Gesamtumsatz, der 2014 mit 6,84 Milliarden Euro einen neuen Höhepunkt erreichte. Regionale, bundesweite oder internationale Gartenschauen sind Besuchermagnete, die die veranstaltende Region städtebaulich, touristisch und ökonomisch aufwerten. Allein zur Bundesgartenschau (BUGA) 2015 fanden sich etwa 1,05 Millionen Besucher in der Havelregion ein. Und wie reagiert das Steinmetzhandwerk auf diesen Trend? Laut der letzten Konjunkturumfrage des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen für den Bundesverband der Deutschen Steinmetze (BIV) befindet sich die Gartengestaltung 2015 mit 2,6 Prozent des Gesamtumsatzes (der 197 befragten Betriebe) an vierter Stelle hinter Grabmal, Bau und Restaurierung. Zwar nimmt der Gartenbereich mittlerweile im steinmetzhandwerklichen Arbeitsfeld mehr Raum ein (2006: 1,5 Prozent), aber erlangt doch noch keine breite Aufmerksamkeit (Grabmal 2015: 64,9 Prozent). Wie sieht es mit der Beteiligung an Gartenschauen aus?

Steinmetze gestalten auf Gartenschauen heute vor allem zeitgemäße Friedhofskonzepte. Auf der BUGA 2015 waren 70 Mustergräber – Urnen-, Einzel- und Doppelgräber –  ausgestellt. Die Gräber inspirierten, wie ein individueller Gedenkort aussehen kann. „Auf Bundesgartenschauen können Steinmetze schon vor einem akuten Trauerfall für das Thema Grab sensibilisieren“, sagt Sybille Trawinski, Geschäftsführerin des BIV. Das eigene Produkt präsentieren, Werbung machen, handwerkliches Geschick zeigen seien fruchtbare Möglichkeiten, die die Teilnahme an einer Gartenschau mit sich bringt.

So können Steinmetze den Gartentrend nutzen, um für das Thema Friedhof zu sensibilisieren. Denn der Friedhof soll heute auch Naherholungsort im Grünen sein, nicht nur Ort des Gedenkens. Spinnt man nun aber die Gedanken weiter, stellt sich doch die Frage, warum über den Garten auf den Friedhof aufmerksam gemacht wird, aber nicht explizit auf den Garten selbst? Gerade Naturstein im Garten sollte doch auch Thema sein. Ab dem 22. April 2016 werden auf der Landesgartenschau Bayreuth „Lebenssteine“ zu sehen sein. Skulpturen, die Lebensfreude widerspiegeln und den Gestaltern einen kreativen Raum geben sollen. Ein gutes Beispiel für die Einbindung von Steinmetzen außerhalb des Bereiches “Grabmalgestaltung”.

Erfahren Sie mehr zu den Chancen für Steinmetzen bei der Teilnahme an einer Gartenschau in STEIN im März 2016.