Auf den ersten Blick sieht es in der Tat nach gehörigem Potenzial für die Natursteinbranche aus, was im letzten Heft zu lesen war hinsichtlich des Kundenwunsches nach dreidimensionalen Körperdarstellungen auf dem Friedhof. Auf den zweiten Blick zeigen sich jedoch die neuralgischen Punkte, an denen man so wunderbar scheitern kann bei dem ambitionierten Ansatz, einen Menschen in Form einer Statue unsterblich zu machen.
Genauer betrachtet ist dieser Wunsch der Gesellschaft an die Metzen beileibe nicht neu. Personengetreue Darstellungen finden sich seit der Antike in nahezu allen Stilepochen. Was Kollegen in Jahrhunderten gestaltet und erschaffen haben, lässt uns heute immer wieder aufs Neue vor Ehrfurcht erstarren. Was uns vielleicht auch hinsichtlich des Umstands leichter fällt, dass wir den lebenden Menschen, das Original nicht gekannt oder gesehen haben. Doch auch wenn man diesen Aspekt außen vor lässt, handelt es sich in der Regel um brillante Arbeiten.
Und genau hier schlägt unsere Zeit wieder mit aller Härte zu. Denn wer es ernst meint mit dem Bildhauern, dem helfen auch die aktuell elektrisierenden Technologien wie 3-D-Scan oder Punktierroboter nur bedingt weiter. Beispiel? Eine nicht wirklich unbekannte Natursteinfirma wirbt auf einer ihrer Netzseiten mit der Kopie einer Person, bei der technisch alles richtig gemacht wurde und das kopierte Ergebnis auch passabel aussieht.
Nur leider sieht die Büste dem Original nicht ähnlich. Auch in besagtem Artikel sind beispielsweise Hände zu sehen, die für unseren Geschmack akzentuierter hätten sein müssen, auch wenn das Original unter Umständen nicht unbedingt akzentuierte Hände hatte. Statuen als bloße Kopie des Menschen, den Herstellungsprozess als eine von Robotern zu bewerkstelligende, stumpfe Arbeit zu betrachten, ist zu kurz gedacht, die menschliche Sichtweise fehlt.
Bildhauerei lebt von Interpretation. Um gute Werke zu schaffen, braucht man wie eh und je anspruchsvolle Kunden und Bildhauer, die dem Anspruch gewachsen sind.
Die Träume der Nacht. Sie stellen eine kreative Form des Seelenlebens dar und gelten als Botschaften des Unterbewusstseins. Zahlreiche Forscher und Experten beschäftigen sich mit der Funktion und Bedeutung von Träumen. Auch in der Dichtung und der bildenden Kunst ist das Thema der Träume häufig wieder zu finden. Unsere Skulptur des Monats September von Steinmetz Emanuel Wagner stammt aus einer Auseinandersetzung mit dem Gedicht „Traumsaat“ von Jorge Bucay, in dem es darum geht, dass die menschlichen Träume die Geheimnisse des Unterbewusstseins kennen.
In diesem Gedicht heißt es: „In uns schlummern unzählige Träume, die nur darauf warten, keimen zu dürfen, Wurzeln zu schlagen und ans Licht zu gelangen, als Same zu sterben, um Baum zu werden.“ Emanuel Wagner interpretiert mit seiner Skulptur „Traumsaat“ – eine schlanke Stele, die an die Form einer Pflanze erinnert – die Gedanken des Unterbewusstseins.
Der untere goldene Samen der Stele, der nach oben die Pflanze freigibt, ist mit seinen Wurzeln fest im Boden verankert. Die Pflanze ist in eine Art „Schote“ gebettet. Sie wird von ihr getragen, wächst aber zugleich darüber hinaus. Das Werk symbolisiert das Leben an sich, sowie einen Gedanken, eine Idee und eine Tat. Dabei entsteht die prall gefüllte Frucht des Gedankens – die die Samen nicht mehr halten kann, sodass sie fast herausbrechen – in etwa auf direktem Weg, nur über kleine Hürden.
Die 18 x 18 x 115 Zentimeter große Skulptur wurde aus dunkelgrünem Diabas gestaltet und wirkt dadurch besonders edel. Ihre Oberfläche ist frei vom Hieb und wurde zum Großteil fein angeschliffen. Das Blattgold symbolisiert die Samen, wobei die oberen Samen aus einer Kombination von normalem Gold und einem rötlichen Gold vergoldet wurden. Für den unteren großen Samen hat der Künstler rötliches Blattgold verwendet. Damit der Glanz des Goldes betont wird, wurde eine Grundierung eingesetzt.
Der Künstler möchte mit seiner Arbeit die Entstehung der Gedanken darstellen, die sich zum einen selbst vermehren können, aber auch die, die man selbst vermehren kann. Gedanken, die etwas Positives entstehen lassen oder eine vielversprechende Idee entwickeln. In dem Kreislauf, einem Wechselspiel aus Vergehen und Entstehen, gibt der Samen sich selbst her, damit die Frucht sich entfalten kann.
Mit der Skulptur, als Sinnbild für das Leben, möchte Wagner darauf aufmerksam machen, um darüber nachzudenken, was das Fundament des Bewusstseins lehren möchte. Auf das Unterbewusstsein zu hören sowie daraus zu lernen, dass alle Gedanken und Taten Konsequenzen haben und „seine eigenen Samen Früchte tragen werden, in jeglicher Art oder Gesinnung.“
Das Werk von Emanuel Wagner entstand im Rahmen der Ausstellung „Traumsaat“ und wurde bereits an mehreren Orten ausgestellt.
Erfahren Sie mehr über den Künstler und seine Arbeiten.
Hier sehen Sie die Skulpturen der letzten Monate:
Oktober 2016: Der liegende Eisbär aus Carrara Marmor von Peter Hecht. (Foto: Peter Hecht)September 2016: Die Skulptur „Traumsaat“ aus grünlichem Diabas von Emanuel Wagner. (Foto: Steinmetz Hans Wagner KG)August 2016: Die Schwingungen der Skulptur „Steinskúfa“ von Karin Reichmuth versetzen sie in Bewegung. (Foto: Þröstur Eggertsson)Juli 2016: „Nautilus“ aus Marmor von Ulrike Glaubitz. (Foto: Künstlerin)Juni 2016: „Hände“ aus Carrara Marmor von Sabine Harborth . (Foto: Künstlerin)Mai 2016: „Die Träumende“ von Florian Widmann aus Untersberger. (Foto: Birgit Rilk)April 2016: „Der goldene Schlüssel“ von Ralf Ehmann in Hanau. (Foto: Künstler)März 2016: Die Skulptur „Letzter Herzschlag“ aus Portokalk von Julia Dietrich auf dem Friedhof in Lauterhofen. (Foto: Künstlerin)Februar 2016: „Wa(a)gnis Geometrie“, Figurenensemble aus Anröchter Grünkalkstein, von Ina Michalski. (Foto: Künstlerin)Januar 2016: „Sternenhimmel“, eine hängende Skulptur aus Carrara Marmor und Blattgold, von Riccardo Atta. (Foto: Künstler)Dezember 2015: Der „Zeitstein“ von Steinmetzmeister Sebastian Langner auf dem Ottensteinplatz in Wittlich, Skulptur des Monats 2015. Jan MußweilerNovember 2015: „Sun Up“ von Günter Schinn. (Foto: Franziska Schinn)Oktober 2015: Eine Familienstele als Gartenskulptur von Kathrin Post-Isenberg. (Foto: Künstlerin)September 2015: Hexendenkmal in Eichstätt von Rupert Fieger. (Foto: Heinrich Stürzl)August 2015: Boot-Skulptur aus anröchter Sandstein von Christine Prinze. (Foto: Stahl + Stein)Juli 2015: Schale aus Auerkalk von Katja Stelljes. (Foto: Stefan Schmiedbauer)Juni 2015: Handgefertigter Spiegel mit Diabas-Rahmen von Christof Göppner. (Foto: Künstler)Mai 2015: Die Skulptur „Rigoletto“ von Mario P. Valdini. (Foto: Münster)April 2015: Die 70 cm hohe Skulptur aus Mainsandstein von Steff Bauer. (Foto: Natursteinwerk Graser Bamberg)
Die PCI Akademie veranstaltete im September ein umfassendes Seminar zu Verbundabdichtungen nach der neuen DIN 18534. Die Referenten Prof. Dr. jur. Günther Schalk und Dipl.-Ing. Manfred Vaupel vermittelten Rechtswissen und Fachkenntnisse für die Ausführung.(mehr …)
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.