Denkmalpfleger der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg haben ein neues Bildgebungsverfahren entwickelt, mithilfe dessen die Beschaffenheit von Naturstein nicht-invasiv ermittelt werden kann.

Im Rahmen des interdisziplinären und internationalen Projektes „Nano-Cathedral“ untersuchte Prof. Dr. Rainer Drewello vom Lehrstuhl für Restaurierungswissenschaft in der Baudenkmalpflege im Zeitraum zwischen 2015 und 2018 den Gesteinszustand der Kathedralen von Köln, Pisa, Gent, Vitoria-Gasteiz und Wien sowie das erst zehn Jahre alte Opernhaus in Oslo.

Ziel des mit 6,3 Millionen Euro geförderten EU-Projektes war es, maßgeschneiderte Lösungen für die Konservierung von Naturstein auf Nanoebene zu entwickeln, um den Erhalt des kulturellen Erbes in Europa zu sichern. Die Wissenschaftler entwickelten Fertigungsmittel, die das Gestein in den Tiefen stabilisieren sowie Hydrophobierungsmittel zur Versiegelung der Materialien.

Das von Drewello und seinem Kollegen Max Rahrig entwickelte „Opto-technical Monitoring“ war die Dokumentationsbasis bei der Entwicklung und Qualitätskontrolle der Nanopartikel. Diese sind 1000 Mal dünner als der Durchmesser eines menschlichen Haares, weshalb für die Sichtbarmachung der Partikel sowie ihrer Wirkung ausgeklügelte Technik vonnöten ist. Das Bildgebungsverfahren kombiniert vier Techniken zu einer Rundumsicht auf den Zustand des Originalgesteins vor und nach der Behandlung mit den Nanomaterialien.

Hochauflösende 3D-Aufnahmen vermessen die Gesteinsoberfläche mit einer Genauigkeit von 0,3 Millimetern und die VIS-Farbfotografie verdeutlicht Farbunterschiede an den Oberflächen. Die UV-Fluoreszenzfotografie und die Infrarot-Fotografie machen Fremdmaterialien wie konservierende Überzüge oder auch Bewuchs von Bakterien, Flechten oder Moosen sichtbar. Der Vorteil gegenüber bisheriger Analyseverfahren, denn die Denkmalpfleger können das Gestein einerseits zerstörungs- und berührungsfrei analysieren, andererseits ist das Opto-technical Monitoring großflächig einsetzbar und kann in einem Arbeitsgang zwei Quadratmeter Testfläche untersuchen.

Dies ist ein Durchbruch in der Denkmalpflege wie Rainer Drewello erläutert: „Es werden zwar bereits Bildgebungsverfahren in der Denkmalpflege angewendet, aber es bestand bislang kaum eine Möglichkeit, neue Materialien zur Konservierung von Gestein zu testen, ohne zumindest Teile des Gesteins durch die Entnahme von Proben zu zerstören.“

Das Forscherteam aus sechs europäischen Ländern konnte so zunächst den Originalzustand der Gesteine in den Kathedralen und dem Opernhaus vermessen und nach einem Jahr Schwachstellen und die fortschreitende Verwitterung dokumentieren. Sowohl die neu entwickelten Präparate wie auch das Bildgebungsverfahren sind zukunftsträchtig: Um die langfristige Schutzfunktion der neu entwickelten Materialien zu überwachen, werden die Forscher in zwei, fünf und acht Jahren weitere Messungen vornehmen. So können sie den Verfall des Gesteins dokumentieren und die Nanomaterialien zur Marktreife bringen. Die Dombauhütten haben Interesse an der Fortführung der Untersuchungen bekundet und sollen in einem weiteren Schritt dazu befähigt werden, selbst Messungen vorzunehmen.

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Steinpflege-Profis gefunden

Stein Magazin

Im Juni hatten wir bereits über die Sommer-Aktion „Best of Steinpflege“ der Finalit Deutschland GmbH berichtet. Das Unternehmen hat mit dem Wettbewerb die besten Vorher-Nachher-Fotos von gereinigten Fliesen, Natursteinen und Kunststeinen gesucht. Voraussetzung war, dass die Steine mit Finalit-Produkten behandelt wurden. Nun stehen die Preisträger fest.

„Die eingereichten Arbeitsbeispiele und die Vielfalt der behandelten Materialen von Betonstein, Schiefer, Granit, Feinsteinzeug, Marmor, Terrazzo, Solnhofener, Sandstein und Cotto hat uns überrascht und gefreut“ so Evangelos Iordanidis, Geschäftsführer Finalit Deutschland GmbH. Aus den zahlreichen Einsendungen kürte die Finalit-Jury die Gewinner des Wettbewerbs:

Die Preisübergabe fand am 21. Juli 2016 im neuen Büro von Finalit in München statt. Trotz hochsommerlicher Temperaturen kamen über 50 Teilnehmer. Im Anschluss an die Prämierung der besten Fotos wurden Michael Duthoo, Andreas Falkensteiner und alle anderen Preisträger mit kühlen Getränken und einem Abendessen im Biergarten gefeiert.

Innovative Kombination

Erst in den 1980er–Jahren hatte die Ruhrgebietsstadt Castrop-Rauxel den zentral gelegenen Marktplatz neugestalten lassen. Doch in halbgebundener Bauweise ausgeführt, nahmen die Mängel am Belag immer mehr zu. Der Stadt war klar, dass nur eine umfassende Baumaßnahme langfristig helfen konnte. Die erste Planung sah vor, den Platz in gebundener Bauweise zu sanieren. Doch durch die Firma Metten aus Overath bei Köln wurden die Verantwortlichen auf das Verlegesystem ecostone aus Belgien aufmerksam.

Aufgrund der großen Anzahl von auftretenden Schäden am Belag suchte der Bauingenieur Guy Van Camp aus Belgien nach den Gründen der Mängel und einer entsprechenden Lösung. Die Erkenntnis, dass die Fuge bei hoher Belastung die Schwachstelle ist, führte zu einem Umdenken. Anstatt die Fuge immer steifer auszubilden, um sie stabiler zu machen, musste sie entlastet werden. So entstand die Idee von ecostone.

Einfaches Prinzip

Die Verlegearbeiten hat die Garten- und Landschaftsbaufirma Boymann aus Dortmund durchgeführt. Beim Reihenverband mussten die Pflasterer zunächst sorgfältig die rund zwei Meter langen Kunststoffschienen auf der ebenen, unverdichteten Bettung anordnen. Die Straße ist im Ellbogenverband verlegt. Aber die Verlegearbeiten folgen dem gleichen Prinzip, auch wenn sie etwas zeitintensiver sind. Denn bei diesem Muster setzt der Pflasterer immer einen Stein, dann eine Schiene, dann wieder einen Stein und so weiter. Und zwischen diesen Arbeitsschritten muss er auch noch die Abstandshalter richtig platzieren. Das Verfahren war nicht nur für die Stadt, sondern auch für die Mitarbeiter der Firma Boymann eine Premiere, die problemlos verlief.

Besonderheiten und positive Erfahrungswerte

Das System von ecostone hat etliche Vorteile. Der größte Vorteil liegt in der geringeren Steindicke. Ein weiterer Pluspunkt des Schienensystems ist die sofortige Nutzung nach der Verlegung. Zudem ist die Verlegetechnik schnell zu erlernen. Und die Erfahrungen hinsichtlich der horizontalen Stabilität sind positiv, denn bis heute musste keine einzige Fläche ausgebessert werden.

Erfahren Sie mehr über die innovative Verlegetechnik in STEIN 06/2017.