Dolomit mit Geschichte

Stein Magazin

Donnernd rollt der Gesteinskoloss in Richtung Weingut. Während seiner rasanten Talfahrt spaltet sich der riesige Felsbrocken in mehrere Teile. Einer davon zerstört das Wirtschaftsgebäude des Weinguts „Freisinger Hof“, alle Maschinen fallen ihm zum Opfer. Ein anderer kommt nur 80 Zentimeter vor dem Eingang des Wohnhauses zum Stillstand. Niemand wird verletzt. Diese unglaubliche Geschichte ereignete sich am 21. Januar 2014 in der Gemeinde Tramin an der Südtiroler Weinstraße.

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600 Tonnen Gesteinsmasse bahnten sich ihren Weg ins Tal. (Foto: Peter Watschinger / südtirol.stein)
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Mit mobiler Diamantseilsäge, mehreren Bohrgeräten und einem Bagger zerlegten die Mitarbeiter von südtirol.stein die Kolosse. (Foto: Peter Watschinger / südtirol.stein)
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Die ersten Blöcke des Traminer Dolomits im Werklager in Terlan: Der Stein fasziniert durch sein lebhaftes Farbspektrum. (Foto: Peter Watschinger / südtirol.stein)
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In Deutschland angekommen: Die Verleger wendeten das Buttering-Floating-Verfahren an, um durch den beidseitigen Auftrag des Klebers eine bessere Haftung zu gewährleisten. (Foto: Florian Widmann / Pure Stone)
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Florian Widmann richtet mit dem Gummihammer die Bodenplatte des Traminer Dolomits in der Küche, damit sie in der Waage zu liegen kommt. (Foto: Florian Widmann / Pure Stone)
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Eine Glasscheibe soll künftig Küche und Wohnzimmer trennen. Für ihre Montage wurden bereits Schlitze in die Wand gefräst und ein Falz in den Stein gearbeitet. (Foto: Florian Widmann / Pure Stone)
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Die Küchenarbeitsplatten wurden ebenfalls aus dem Traminer Dolomit gefertigt. (Foto: Florian Widmann / Pure Stone)

Das „Traminer Wunder“ machte schnell die Runde. Hans Karl Trojer und Peter Watschinger vom Natursteinunternehmen südtirol.stein in Terlan fuhren sofort los, als sie von dem Felssturz hörten, um die Steine zu begutachten. Die geschockten Eigentümer des Weinguts wollten die Dolomit-Kolosse auf ihrem Grundstück so schnell wie möglich loswerden. Aber so einfach sollte dies nicht geschehen. Etliche Anbieter schlugen vor, die Felsbrocken zu sprengen, um sie abtransportieren zu können. Doch eine Sprengung so nahe am Haus erschien den Bewohnern zu riskant. Nur Trojer bot an, die Blöcke vor Ort zu zerlegen und so für den Transport vorzubereiten. Die Firma südtirol.stein betreibt zwei Steinbrüche und ist zudem auf die Suche und Bergung von riesigen Findlingen spezialisiert. So waren sowohl die notwendigen Gerätschaften als auch das nötige Knowhow vorhanden. Mit mobiler Diamantseilsäge, mehreren Bohrgeräten und einem Bagger gingen die Mitarbeiter von südtirol.stein ihr Vorhaben an. Etwa 230 Kubikmeter Naturstein wurden über einen Monat hinweg abgetragen und in das Lager des Unternehmens nach Terlan gebracht. Doch damit ist die Geschichte des Traminer Dolomiten noch nicht zu Ende. Einige Kalksteinblöcke sollten ihren Weg nach Deutschland finden.

Dolomit ist ein 220 Millionen Jahre altes Kalkgestein, das sich rein aus Fossilien zusammensetzt. Der Naturstein steht sozusagen für die Dolomiten und damit auch für Südtirol. Die wundersame Begebenheit im Januar 2014 verschaffte diesem speziellen Traminer Dolomiten zudem eine Art „Aura“. Kein Wunder, dass regionale Hotels gerne ihre Rezeptionstheken mit diesem außergewöhnlichen Stein gestalten ließen. Auch Florian Widmann von Pure Stone aus München faszinierte die Geschichte des Steins. Ein Kollege zeigte ihm ein Muster und Widmann war sofort begeistert. Das lebendige Farbspektrum mit teilweise grünlichen Nuancen und rötlichen Adern gefiel dem Steinmetzmeister. Für ein Reihenhaus im Raum München, für dessen Sanierung er zuständig war, schien der Naturstein perfekt. In einem Beratungsgespräch mit den Bauherren wurde schnell klar: Das Material hat das gewisse Etwas für eine exklusive Wohnatmosphäre. Nicht nur modern, sondern auch zeitlos schön sollte das Haus gestaltet werden.

Geplant, getan. Florian Widmann ist nicht nur ausführender Steinmetz, er entwickelt ganzheitliche Konzepte der individuellen Raumgestaltung. So übernahm er im Fall des privaten Einfamilienhauses auch das Projektmanagement und unter anderem Trockenbau, Putz- und Malerarbeiten sowie Elektro- und Rohrinstallation. Mit dem Traminer Dolomit bestückten seine Mitarbeiter und er das Eingangspodest im Außenbereich, die Diele, das Gäste-WC, den Ess- und Küchenbereich, das Wohnzimmer sowie die verbindende Treppe. Zirka 65 Quadratmeter umfassten die gesamten Verlegearbeiten, die vier Mitarbeiter von Pure Stone über zwei Wochen hinweg tätigten. Die Oberfläche der drei Zentimeter dicken Platten für das Eingangspodest wurde sandgestrahlt, um eine rutschhemmende Oberfläche zu schaffen, im Außenbereich spielte auch die Frostsicherheit eine Rolle. Innen sind die Oberflächen der etwa 130 x 43,5 Zentimeter großen Natursteinplatten gebürstet, um die Maserungen auch haptisch erlebbar zu machen.

Erfahren Sie mehr zur Verlegung des Traminer Dolomits in STEIN im Juli 2016.

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Still in Eile versunken

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mit der er letztes Wochenende Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern gewonnen hat. „Die Arbeit ist für mich eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Altersstufen

„Still in Eile versunken“. So Lautet der Titel von Simon Ledergerbers Kunstwerk, mit der er letzte Woche den Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern gewonnen hat. „Die Arbeit ist für mich eine Auseinandersetzung mit den verschiedenen Altersstufen, die man durchlebt. Die innere Spannkraft verändert sich“, erklärt der Künstler. Als materielle Analogie dazu dient eine rostige Stahlplatte, an deren Ende sich ein rechteckiger Berner Sandstein befindet.

Dies ist bereits die zweite Auszeichnung in Folge – erst zu Beginn des Monats gewann er einen der Förderbeiträge der Kunst und Kulturstiftung des Kanton Uri. Und auch 2018 wird voraussichtlich ein spannendes Jahr für Simon Ledergerber werden: Für die Kunsthalle Arbon wird er im Juni eine Ausstellung mit 600 Quadratmeter Fläche bespielen. Außerdem erhält er im Zuge des Ausstellungspreis in Luzern einen eigenen Raum für seine Kunst: „Das ist eine wichtige Plattform für mich“, erläutert Ledergerber. Wie das Kunstwerk aussehen wird, ist zwar noch nicht klar. Aber fest steht, dass es sich um ein einzelnes Werk handeln wird: „Ich möchte gerne eine Arbeit machen, die den ganzen Raum einnimmt.“

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„Still in Eile versunken“ in der Kunstgesellschaft Luzern. Foto: Mathias Arnold
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„Gigantisches Kleinod“ an der Gotthard-Festung. Foto: Luis Mutter
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Anbringen der Metallstütze am Marmorblock. Foto: Luis Mutter

Gigantisches Kleinod

Auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Raum war das Projekt „Gigantisches Kleinod“, das 2016 in der Ausstellung Dall altra parte vom Haus für Kunst Uri gezeigt wurde. Dabei handelt es sich um einen 300 Kilogramm schweren Quader, der an der Decke der Gotthard-Festung angebracht ist. „Hier wurde vor hundert Jahren gesprengt und von Hand gepickelt. Ich wollte dazu ein von Hand gemeisseltes Gegenstück schaffen.“

Dabei spielte auch das Material eine wichtige Rolle – Ledergerber wählte als Kontrast zum Granit der Festung weißen Marmor.

Werkstatt oder Labor

Ein großes Interesse des Künstlers gilt auch der Technik, da die Materie auf Strukturen und äußere Bedingungen unterschiedlich reagiert. Insofern entwirft er nicht einfach ein Werk und stellt es fertig – im Gegenteil: Der Weg über die Materie ist wesentlicher Teil der Arbeit.

Was dabei heraus kommt, sind laut eigener Aussage von Ledergerber nicht unbedingt Werke, die sich ins Wohnzimmer stellen lassen. Aber es geht ihm auch nicht darum, verkaufbare Kunst zu machen: „Ich möchte mich der Sache widmen. Man ist dem Werk etwas schuldig.“

Ein Steinmetz auf Wanderschaft

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Die Walz gibt es schon seit etwa dem 12. Jahrhundert. Mindestens drei Jahre und einen Tag verlassen Handwerkergesellen ihre Heimat, um auf der traditionellen Wanderschaft neue Arbeits- und Lebenserfahrungen zu sammeln. Heute sind noch rund 900 von ihnen unterwegs. Warum ist die sogenannte „Tippelei“ im 21. Jahrhundert noch attraktiv?

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In traditioneller Steinmetz-Kluft lehnt Alexander Trunk neben dem Ortsschild seiner Heimatstadt, die er etwa vier Jahre lang verließ, um auf die Walz zu gehen. (Foto: Alexander Trunk)
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Trunk begann seine Reise mit zwei Wandergesellen, suchte aber bald seine eigenen Wege. Auf der Walz sammelte Trunk viele Arbeitserfahrungen. (Foto: Alexander Trunk)
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In Erfurt gestaltete er Mauerabdeckungen mit Siegel für den Vorgarten eines Privathauses. (Foto: Alexander Trunk)
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In der Eifel arbeitete er an überdimensionalen steinernen Puzzleteilen für eine Schule. (Foto: Alexander Trunk)
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Im englischen York half Alexander Trunk über drei Monate lang bei der Restaurierung der St Mary’s Church. (Foto: Alexander Trunk)

Es ist bitterkalt. Bei minus 17 Grad Celsius verbringt Alexander Trunk die Nacht im Freien. Fast eineinhalb Jahre ist der Steinmetzgeselle zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Walz. Warum nimmt er solche Strapazen auf sich? Die Antwort darauf ist vielschichtig und nicht nur auf jugendlichen Freiheitsdrang und Abenteuerlust zu reduzieren.

Wie beginnt man nun eine solche Reise? Allgemeine schachtunabhängige Voraussetzungen für die Walz sind der Gesellenbrief, die Schuldenfreiheit, Vorstrafenfreiheit und der Beginn der Wanderschaft im Alter von unter 30 Jahren. Sowohl unverheiratet als auch kinderlos müssen die Gesellen sein. Die Schächte (Vereinigungen von Handwerkern, die auf Wanderschaft sind oder waren) können eine erste Anlaufstelle sein. Als Mitglied eines Schachts kann man auf die gesammelten Erfahrungen vieler Wandergesellen zurückgreifen, erhält wichtige Kontakte und kann in den für die Wandergesellen offenstehenden Herbergen unterkommen.

Abschied von Familie und Freunden

Konkret beginnt die Walz mit dem Abschied von Familie und Freunden. Neben der Abschiedszeremonie gibt es auch eine Heimkehrzeremonie, Trink- und Vorspracheregeln und sogar eine eigene „Sprache“. Mit der Pflege dieser tausende Jahre alten Traditionen werden Geschichte und Werte des jeweiligen Handwerks in die Gegenwart getragen und aktiv ausgelebt.

Die jungen Gesellen zeigen, dass sie stolz sind, auf das was sie tun. Im Vordergrund steht das Verfeinern der beruflichen Fähigkeiten. Wenn man bei unterschiedlichen Betrieben mit unterschiedlichen Schwerpunkten Arbeit findet, dann lernt man immer neue Arbeitstechniken und Herangehensweisen. Und wer kann schon sagen, er habe an der Siegessäule und der Staatsbibliothek in Berlin mitgearbeitet? Alexander Trunk ist stolz auf seine dort bearbeiteten Steine, die er jetzt seinen Freunden zeigen kann.

„Die Walz ist kein Campingurlaub, sondern fordert viel von einem ab“, so Trunk. Dabei denkt er nicht nur an die zu Fuß erwanderten Wegstrecken, er sieht in der Walz auch ganz allgemein eine Schule des Lebens. Auch die Reise in andere Länder verspricht eine neue Sicht auf die Welt, das Kennenlernen anderer Kulturen und Sprachen. Die für jeden einzigartigen Erlebnisse der Wanderschaft können eine gute schulische Ausbildung zwar nicht ersetzen, bereichern und vertiefen das Gelernte aber stark und erweitern den eigenen Horizont.

Erfahren Sie mehr über Alexander Trunk und seine Wanderschaft in STEIN im Oktober 2016.