Naturstein und der Fliesenmarkt

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Herr Wilbrand, welche Bedeutung hat der Naturstein heute für den deutschen Fliesenmarkt?

 

Im Fliesenmarkt nimmt Keramik eine immer bedeutendere Rolle ein. Doch was heißt das für den Einsatz von Naturstein? Andreas Wilbrand ist Geschäftsführer der Sopro Bauchemie GmbH, zu deren Sortiment unter anderem auch Naturwerksteinkleber zählen. Wir haben Herrn Wilbrand zu diesem Thema interviewt.

Andreas Wilbrand: Naturwerkstein macht derzeit vermutlich etwa zehn Prozent des Marktes aus. Genaue Statistiken gibt es nicht. Anders ausgedrückt: Auf die insgesamt knapp 130 Millionen Quadratmeter marktrelevante Keramik kommen etwa 10 bis 15 Millionen Quadratmeter Naturwerkstein. Trotzdem bleibt Naturwerkstein ein außerordentlich interessanter Werkstoff. Es sind sehr hochwertige Produkte, unter anderem aufgrund ihrer Vielfältigkeit und Natürlichkeit. Gleichzeitig bringt Naturwerkstein aber auch besondere Ansprüche bei der Verarbeitung mit sich, beispielsweise im Hinblick auf die Untergrundvorbereitung und die Klebetechnologie.

Warum hat Naturstein dann nur einen Anteil von zehn Prozent am Markt?

Viele Handwerker sind heute nicht mehr in der Lage, mit diesem Naturprodukt und dessen besonderen Eigenschaften umzugehen. Hinzu kommt, dass zunehmend keramische Naturwerkstein-Imitate produziert werden: Ein Produkt, das aussieht wie Naturwerkstein, aber einfacher zu verarbeiten ist. Dennoch gibt es einige exklusive Projekte, bei denen Naturwerkstein wieder an Bedeutung gewinnt. Und außerdem ist ganz allgemein eine Entwicklung hin zur Rückbesinnung auf natürliches Material zu erkennen.

Worauf kommt es beim Natursteinkleben genau an?

Über lange Jahre hinweg war die Kombination aus eisenoxidfreiem Weißzement und rheinischem Trasszement die Grundlage für die Herstellung von Naturwerksteinklebern. Durch den Weißzement entsteht ein heller und neutraler Untergrund. Das ist wichtig für viele Naturwerksteine, damit der Kleber nicht durchscheint und Verfärbungen auf der Oberfläche erzeugt. Auch der rheinische Trass eignet sich ideal für die Naturwerksteinverlegung, denn er kann den Kalk, der durch den Zement produziert wird, hydraulisch einbinden.

Wie trägt Sopro hierzu bei?

Im Zuge unserer Produktentwicklung haben wir noch die Komponenten Schnellerhärtung und, über chemische Zusatzstoffe, bessere Dichtigkeitswirkungen und kristalline Wasserbindung integriert. Heute haben wir ein breites Programm an Naturwerksteinklebern und -fugenmörteln, einige davon sind speziell für Naturwerkstein konzipiert. Wir stellen aber auch Kombinationsprodukte her, die sowohl für Naturwerkstein als auch für Keramik angewendet werden können. Reine Naturwerksteinprodukte machen heute etwa drei bis fünf Prozent unseres Sortiments aus.

Wie kann man Handwerkern den Naturstein wieder näher bringen und seine Bedeutung auf dem deutschen Markt steigern?

Uns ist es wichtig, interessierten Handwerkern zu zeigen, wie sie richtig mit dem komplexen Werkstoff Naturwerkstein umgehen sollen. Sopro bietet deshalb verschiedene Seminare für Fliesenleger, Steinmetze und andere Handwerker an, die sich für dieses Thema interessieren. Hier vermitteln wir wichtige Details zur handwerklichen Arbeit mit Naturwerkstein und darüber, in welchen Bereichen das Material gut eingesetzt werden kann. Um den Teilnehmern ein Gefühl für die Natürlichkeit des Steins zu geben, organisieren wir auch Steinbruchführungen. Dort können Handwerker den Naturstein bereits in der Abbauphase beobachten und eine Affinität zum Material entwickeln. Wir denken, das dies eine gute Methode ist, sie an den Umgang mit Naturstein heranzuführen und auch in Zukunft die Bedeutung des Materials zu steigern.

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Das fliegende Auge

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Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector
Sanierens und Erhaltens von Baubestand haben sich Drohnen schon vielfach bewährt. Foto: Geospector

In unsere neuen STEIN-Serie „Chancen nutzen“ teilen wir unser Wissen über Vorgehensweisen, die Unternehmen nutzen können, um langfristig erfolgreich zu sein. In der ersten Folge dreht sich alles um den Blick von oben. Drohnen ermöglichen Inspektionen, Aufmaße und Dokumentationen von Steinbrüchen oder Fassaden.

Unbemannte Fluggeräte, englisch Unmanned Aircraft Systems oder Unmanned Area Vehicles (UAS, UAV), populär meist „Drohnen“ oder „Multicopterd“ genannt, werden inzwischen in zahlreichen Bereichen des Bauens, Sanierens und Erhaltens von Baubestand eingesetzt. Mit einer visuellen Digital- oder Wärmebildkamera oder einem 3-D-Laserscanner ausgestattet, können ferngesteuerte Drohnen Steinbrüche, Fassaden oder Dachflächen inspizieren oder geometrisch erfassen, Schäden lokalisieren und dokumentieren, Energieverluste aufdecken und vieles mehr.

Sollen Bau-, Sanierungs- oder Umbaumaßnahmen erfolgreich sein, müssen sie sorgfältig vorbereitet und geplant werden. Aktuelle und verlässliche Bestandsdaten sind die wichtigste Grundlage einer umsichtigen Planung. Terrestrische Aufmaßverfahren wie die Tachymetrie, das Laserscanning oder die Fotogrammetrie erfassen nur jene Bereiche, die vom Boden oder von der umgebenden Bebauung aus zugänglich und sichtbar sind. Dachflächen und andere unzugängliche Bereiche der Gebäudefassade lassen sich geometrisch und fotografisch nicht oder nur unzureichend erfassen.

Drohnen können über die luftbildgestützte Fotogrammetrie oder 3-D-Laserscanner Bauwerke und andere Objekte lückenlos geometrisch vermessen und werden deshalb manchmal auch parallel eingesetzt: Aus perspektivisch entzerrten Luftbildern lassen sich zentimetergenaue und maßstabsgerechte Dachaufsichten oder Fassadenansichten erstellen. Werden die Luftbilder fotogrammetrisch ausgewertet, lassen sich daraus 2-D-Pläne oder dreidimensionale Modelle der Gebäudehülle erstellen. Diese können als Grundlage für Planungen, Kostenberechnungen, Ausschreibungen oder Visualisierungen verwendet werden.

Mit speziellen 3-D-Laserscannern ausgestattete Drohnen, können das Umfeld rasterförmig in Sekundenschnelle abtasten und dabei Millionen von 3-D-Messpunkten, sogenannte „Punktwolken“ erzeugen. Dabei speichern sie die Geometriedaten aller umgebenden Objekte als räumliche Koordinatenwerte ab. Eine integrierte Digitalkamera erzeugt zusätzlich 360-Grad-Fotopanoramen und erfasst Gebäudehüllen nahezu lückenlos. Messdrohnen sind auch in der Lage, von Halden, Kies- und Schottergruben, Deponien oder Steinbrüchen zunächst Orthogonalfotos oder 3-D-Laserscans und daraus 2-D-Lagepläne, 3-D-Geländemodelle, Massen und Volumen zu generieren, ohne dabei den laufenden Betrieb zu stören oder Personen zu gefährden.

Lesen Sie mehr in der STEIN 8/2020.

Im Gespräch statt im Gerede

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Gestorben wird immer. Aber nicht mehr genug, schreibt Henning Sußebach am 3. November in der Wochenzeitung »Die Zeit«. Er kommt dann zu dem Schluss, dass viele Bürger ihre Asche lieber verstreuen, als ein Grab zu kaufen. Sußebach formuliert ein Problem, mit dem sich auch das Steinmetzhandwerk auseinandersetzen muss: Sogar Friedhöfe können sterben. Zum Leben brauchen sie Tote. Die werden aber auf den herkömmlichen Friedhöfen immer weniger. Sie haben Konkurrenz bekommen. Die Menschen in einer »Multioptionsgesellschaft« möchten sich nicht mehr dem schematischen Schachbrettmuster der Friedhöfe fügen. Friedhöfe sind heute nur eine Option unter ganz verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten.

Die Folgen sind klar: kein Friedhof, kein Grab, kein Stein. Das Steinmetzhandwerk ist gefordert. Grabzeichen können mit dazu beitragen, Friedhöfe am Leben zu halten. Allerdings: Diese Zeichen müssen einen Sinn, eine Botschaft, einen Wert für die Hinterbliebenen haben. »Blut indischer Kinder haftet an deutschen Grabsteinen« oder »Grabsteine aus Kinderarbeit stehen auf deutschen Friedhöfen«. Meldungen wie diese bringen die Zeichen am Grab ins Gerede. »Kinderarbeit bei Grabsteinen wieder erlaubt« stand am 16. Oktober in der Tageszeitung »Nürnberger Nachrichten«: In einem Urteil hatte das Bundesverwaltungsgericht die Nürnberger Friedhofsordnung gekippt. Die Stadt wollte sicherstellen, dass auf den städtischen Friedhöfen keine Grabsteine aufgestellt werden dürfen, die von Kinderhänden geformt wurden. Ein Steinmetz klagte. Er gewann! Nur was? Wer soll überprüfen, unter welchen Bedingungen die Steine entstehen, fragten die Richter. Eine Zertifizierung mit verbindlichen Maßstäben muss her. Juristisch ist es nicht zu beanstanden.

Allerdings: Viele der Zertifikate zu sozialen oder ökologischen Standards sind in Bereichen kaum den Kleber wert, mit dem sie auf ein Produkt gepappt werden. Es liegt jetzt an jedem Handwerker selbst, welche Grabzeichen er anbietet und mit welchen Steinen er arbeitet. Das Produkt Grabstein ist wieder einmal im Gerede, statt im Gespräch zu sein. Das ist ärgerlich.

Willy Hafner’s Betreff aus STEIN im Dezember 2013.

Bild: Aeternitas e.V.