Ein neuer Stadtkern für Warburg

Stein Magazin

Kontrastreich gestaltet

Im Jahr 2011 feierte das malerische Warburg sein 975-jähriges Jubiläum. Die etwa 26.000 Einwohner starke Stadt liegt im Kreis Höxter, im östlichen Nordrhein-Westfalen. Ursprünglich bestand Warburg aus zwei Städten. Die sogenannte Altstadt aus dem 12. Jahrhundert liegt am Flusstal der Diemel. Rund 100 Jahre später entstand oberhalb der Altstadt die Neustadt. Erst in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden beide Städte zusammengeschlossen. Es dauerte noch einmal mehr als 130 Jahre bis das gemeinsame Rathaus zwischen den Städten 1568 auf der Grenze von Alt- und Neustadt erbaut wurde. Bis dahin hatten beide Stadtteile jeweils ihren eigenen Verwaltungssitz.

Vor einigen Jahren wurde in der Stadt über eine neue Straßengestaltung im Zentrum der Neustadt nachgedacht. Im Hinblick auf den demographischen Wandel und dem hohen Anteil an bewegungseingeschränkten Menschen kam der Aspekt „barrierefrei“ hinzu. Drei Ingenieurbüros präsentierten ihre Entwürfe, wobei die Landschaftsarchitekten und Stadtplaner Lohaus + Carl aus Hannover mit ihrem Vorschlag die Verantwortlichen überzeugten. Helle, sogenannte Laufbänder durchziehen den historischen Kern der Neustadt. Der verwendete Bodenbelag der Laufbänder besteht aus Dietfurter Dolomit, der später aber von Betonsteinen abgelöst wird. Die quadratischen, diagonal verlegten Natursteine haben eine gesägte und geflammte Oberfläche. Umgeben werden diese „Leitlinien“ von dunklerer Grauwacke, die einen deutlichen Kontrast zu den hellen Dolomitsteinen darstellt. Die Grauwacke stammt aus Lindlar im Bergischen Land, etwa 35 Kilometer nordöstlich von Köln gelegen. Hier hat die Firma Quirrenbach ihren Steinbruch.

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Der historische Stadtkern von Warburg im Osten Nordrhein-Westfalens wird seit 2011 neu gestaltet. (Foto: Lohaus + Carl GmbH Landschaftsarchitekten + Stadtplaner)
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Die Grauwacke kommt aus Lindlar im Bergischen Land. Hier hat die Firma Quirrenbach ihren Steinbruch. (Foto: Tanja Slasten)
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Für das Projekt in Warburg wird die Quirrenbach-Grauwacke in einer Tiefe von zirka 35 bis 60 Metern abgebaut. Im Anschluss kommen die Rohblöcke zur weiteren Verarbeitung in das nahegelegene Werk. (Foto: Tanja Slasten)
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Mit Hilfe der Diamantseilsäge wird beim Rohblock eine Schwarte abgesägt, um eine ebene Standfläche zu erhalten. (Foto: Tanja Slasten)
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Die Blockkreissäge schneidet die Rohblöcke bis auf eine Reststärke von zirka drei Zentimeter in die gewünschte Plattenstärke. (Foto: Tanja Slasten)
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Somit fallen die einzelnen Platten nicht auseinander und es ist möglich, den Rohblock mit einem Gabelstapler zum nächsten Arbeitsplatz zu transportieren. (Foto: Tanja Slasten)
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Die Rohstreifen durchlaufen das patentierte Rillierungsverfahren. (Foto: Andrea Dingeldein)
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Die Unterseiten und die Seitenflächen werden in einem Arbeitsgang
rilliert. (Foto: Andrea Dingeldein)
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Nach dem Zuschnitt auf die erforderliche Länge werden die Stirnseiten
rilliert. (Foto: Andrea Dingeldein)

Barrierefreie Pflastersteine aus Grauwacke

Den fußläufigen Bereich bestimmt ein barrierefreies Pflaster mit einer gesägten und geflammten Oberfläche. Das Material für diese Steine wird in einer Tiefe von circa 35 bis 60 Metern abgebaut, denn in diesen Lagen beträgt die Druckfestigkeit der Quirrenbach Grauwacke etwa um die 150 Newton pro Quadratmillimeter. Doch bevor die Steine an ihren Bestimmungsort Warburg gelangen, durchlaufen sie zahlreiche Prozesse. Zuerst werden die Rohblöcke zum naheliegenden Werk transportiert und, falls erforderlich, mittels der Diamantseilsäge bearbeitet, um eine ebene Standfläche zu erhalten. Anschließend werden die Rohblöcke mit Hilfe von Blockkreissägen in acht Zentimeter dicke Tranchen gesägt. Um die Farbgebung zu intensivieren und die erforderliche Rutschfestigkeit zu erzielen, wird jeweils eine Oberfläche der Platte geflammt. Dies geschieht bei etwa 1400/1600°C. Mit der Mehrblattsäge schneidet man im nächsten Arbeitsschritt die Steinplatten in Rohstreifen zu. Abschließend kommt die Pflasterspaltmaschine zum Einsatz und spaltet die Pflastersteine auf ihre endgültige Größe. Der fertige barrierefreie Stein weist somit zwei gesägte Seitenflächen, zwei gespaltene kurze, sogenannte Kopfseiten und eine gesägte und geflammte Oberfläche auf.

Patentierte Innovation

Bis auf einen kleinen Abschnitt der Hauptstraße sind die Straßen im idyllischen Stadtkern asphaltiert. Der verwendete Asphalt ist mit einer aus Grauwacke besplitterten Decke versehen. Auf diese Weise passt sich der normalerweise schwarze Asphalt optisch an die umgebenen Pflastersteine aus Grauwacke an. Der einspurige Teil der Hauptstraße ist dagegen mit Natursteinen bepflastert. Hier wurde wieder die Lindlarer Grauwacke verwendet. Die 14 Zentimeter dicken Steine haben eine gesägte und geflammte Oberfläche. Alle vier Seitenflächen und die Unterseite weisen eine Rillierung auf. Dadurch erhöht sich die Haftung zwischen dem Stein mit dem Fugen- und dem Mörtelmaterial. Dieses mittlerweile patentierte Verfahren hat die Firma Quirrenbach entwickelt.

Erfahren Sie mehr zur Neugestaltung des historischen Kerns von Warburg in STEIN im Juni 2016.

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Das „steinerne Meer“ zwischen Öland und Gotland

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Skandinavien ist bekannt für seine Hartgesteine. Darum führt die Stein-Reise des Geokompetenzzentrum Freiberg in diesem Jahr nach Süd-Schweden – und auch in der STEIN wird es im Sommer eine Strecke zum Thema Skandinavien geben.

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Bei der Exkursion werden unter anderem Steinbrüche besucht. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
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Abbau von Braennhult-Granit. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.
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Arbeit im Steinbruch Sjöström. Foto: Geokompetenzzentrum Freiberg e. V.

Schwedisch Schwarz

Die sechstägige Exkursion hat sich als feste Größe im jährlichen Exkursionskalender für die Steinmetzbranche etabliert. Wie in jedem Jahr bekommen Fachinteressierte einen Überblick über Natursteinvorkommen, -abbau und -referenzen des Landes. Besucht werden Firmen, Steinbrüche, Orte und Objekte in Kristianstad, Vanga, Borgholm (Öland), Gotland und Malmö.

Hilke Domsch vom Geokompetenzzentrum Freiberg erklärt: „In Südschweden gibt es Granite wie Bjärlöv, Bohus oder Flivik, Gneise wie Halmstad oder Vanga und natürlich die als ‚schwedisch Schwarz‘ bekannten Basalte. Etwas unbekannter und dabei traditionell sehr verankert sind die Kalksteine von den Ostseeinseln Öland und Gotland und auch Marmor wie der grüne Brännlykan.“

Auf Öland wird die Firma Naturstenkompaniet besucht – sie gewinnt und verarbeitet den Ölandkalkstein. Unter den Orten sticht die Ostseeinsel Gotland hervor, so Hilke Domsch: „Der Gotland-Kalkstein ist ein wunderschöner heller und harter Kalkstein mit einer einzigartigen Textur. In Verbindung mit der Geschichte der Hanse wird dies ein Highlight der Reise.“

Reiseinformationen

Die Exkursion findet vom 30. April bis 6. Mai 2018 statt – auf Wunsch kann der Reisezeitraum verkürzt werden. Anmeldeschluss ist der 28. März 2018.

Hier finden Sie den interaktiven Informations- und Anmeldeflyer zum Ausfüllen und Versenden.

Europäische Steinestapler starten eine Ausstellung

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Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram

Im schottischen Dunbar stapelten Künstler im April Steine bei einem Festival zu kunstvollen Skulpturen. Im Mai geben sie ihr Können an Interessierte weiter.

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Steinestapler Jonathon Kitching nutzt auch angespültes Treibgut für seine Skulptur. Foto: Laurence Winram
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James Craig Page (Mitte links), Veranstalter des Festivals, mit der Jury. Foto: Laurence Winram
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Ein Teil der Gewinner-Skulptur von Pedro Duran. Foto: Laurence Winram
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Die Steinestapler überlegen gemeinsam, wie sie ihre Kunstform bekannter machen können. Foto: Laurence Winram
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Teil der Ausstellung in Summer Hall. Foto: Laurence Winram

Steinestapler stellen gemeinsam mit Land-Art-Künstlern aus

Steine sind ein tolles Baumaterial – nicht nur für Treppen, Säulen und Co., sondern auch für gestapelte Kunstwerke am Strand. Das zeigen die Ergebnisse des 2. Europäischen Wettbewerbs der Steinestapler, der Ende April für zwei Tage in Dunbar in Schottland stattgefunden hat. 30 Künstler haben angespülte Kiesel und größere Steine aus der Natur mit ruhiger Hand kunstvoll auf Felsen und Sand gestapelt und sich in den Kategorien “Die meisten Steine ausbalanciert”, “Juniormeisterschaft”, “künstlerischer Gewinner” und “Stapeln gegen die Zeit” gemessen. Der Gesamtgewinner ist – wie bereits im letzten Jahr – Pedro Duran aus Spanien. Er bekommt einen finanziellen Zuschuss für seinen Flug nach Texas, wo 2019 der weltweite Wettbewerb in Llano stattfindet.

Die Kunst besteht beim Steinestapeln darin, die Schwerkraft für sich zu nutzen, denn sie ist das einzige, was die Skulpturen zusammenhält. Versierte Künstler bauen zum Beispiel komplette Torbögen ohne eine einzige Kelle Mörtel. Seriöse Stapler verändern die natürliche Umgebung oder gar historisch bedeutende Stätten dabei nicht – beides sind Kritikpunkte von Naturschützern. Sie stapeln besonders gern an Stränden, Flüssen und Seen, weil sie dort häufig besonders schöne Steine finden. 
Noch ist die Steinestapler-Szene eher klein und familiär – und sie könnte ein bisschen mehr öffentliche Aufmerksamkeit gebrauchen. Um die mediative Kunst in Europa noch bekannter machen, stellen deshalb bis 28. Mai bekannte Steine-Stapler, Land-Art-Künstler und Maler gemeinsam in der Summerhall Gallery in Edinburgh aus und geben an allen Mai-Wochenenden Workshops.